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Die Lex Vatinia de Imperio Caesaris

Hausarbeit 2009 14 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Provinzstatthalterschaft Caesars als Sprungbrett

2. Die Rolle der Lex Vatinia de Imperio Caesaris auf seinem Weg zur Alleinherrschaft
2.1. Ausgangssituation
2.2. Inhalt der Lex Vatinia
2.3. Gründe für die Auswahl der Provinzen
2.4. Die Lex Vatinia im zeitgenössischen Kontext
2.4.1. Schwierigkeit der Datierung der Lex Vatinia
2.4.2. Datierung anhand der Briefe Ciceros
2.4.3. Die Datierung der Lex Vatinia in der Forschung

3. Bewertung der Lex Vatinia

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Die Provinzstatthalterschaft Caesars als Sprungbrett

“In Gallien raubte er die mit Weihgeschenken gefüllten Tempel und Heiligtümer aus, und des öfteren zerstörte er Städe eher um der Beute willen als wegen eines Vergehens. Daher kam es, daß er Gold in Überfluß hatte (...) .”[1]

So berichtet der antike Autor Sueton in seinen Kaiserviten über das Vorgehen Caesars als Statthalter in Gallien, der dort nicht nur großen militärischen Ruhm erlangte sondern auch seine Finanzen sanierte. Beides zusammen verhalf ihm später dazu, lange Zeit sowohl einer Verfolgung wegen seiner zahlreichen Verstöße gegen die römische Verfassung und die guten Sitten, die er seiner Karriere wegen begangen hatte, zu entgehen, als auch zu den notwendigen Ressourcen, um sich nach Ablauf seiner Provinzstatthalterschaft zu retten, indem er das große Wagnis des Bürgerkrieges auf sich nahm. Es ist offensichtlich, daß dadurch die Geschichte Roms eine entscheidende Wendung erfuhr.

Im Folgenden soll beleuchtet werden, wie Caesar es schaffte, sich in die vorteilhafte Stellung des Prokonsuls der gallischen Provinzen zu bringen. Dabei ist sein Vorgehen nicht nur aus heutiger Sicht sondern auch vor dem zeitgenössischen Hintergrund zu beleuchten. Informationen stellen u.a. zur Verfügung die einschlägigen antiken Autoren Sueton, Cassius Dio, Plutarch und Appian. Jedoch muß man beachten, daß auch die aus der Antike stammenden Caesarbilder nicht unparteiisch sind – zum Großteil sind diese sogar ausgenommen negativ. Als unentbehrlicher „Kronzeuge” fungiert für die Nachwelt der Caesar-Zeitgenosse Cicero, der in seinen Briefen und Reden unmittelbar auf das politische Geschehen in Rom Bezug nimmt, auch wenn Ciceros Haltung gegenüber Caesar starken Schwankungen unterlag.

2. Die Rolle der Lex Vatinia de Imperio Caesaris auf seinem Weg zur Alleinherrschaft

2.1. Ausgangssituation

Eigentlich war es nach der Lex Sempronia de Provinciis Consularibus üblich, daß der Senat das nach Ablauf der Amtszeit von einem gewesenen Konsul zu übernehmende Provinzkommando bereits vor den jeweiligen Konsulatswahlen festlegte. Als Caesar sich 60 v. Chr. um das Konsulat bewarb, „hatten die Gegner es verstanden, sein Consulat dadurch möglichst unschädlich zu machen”[2], indem sie ihm lediglich die unbedeutenden “Silves Callesque”[3] Italiens in Aussicht stellten. Als Statthalter eines so untergeordneten Verwaltungsgebiets würde es Caesar unmöglich sein, seine Macht weiter auszubauen, weil nicht zu erwarten war, daß er dort die Gelegenheit zu Profilierung im militärischen Bereich bekäme. Allerdings hätte man vielleicht damit rechnen müssen, daß Caesar aufgrund seines Charakters[4] sowie seiner Situation[5] diesen Affront nicht auf sich sitzen lassen würde.

Als Caesar, nicht zuletzt mithilfe seiner mächtigen Verbündeten, Marcus Licinius Crassus und Gnaeus Pompeius Magnus, neben seinem alten Rivalen Marcus Calpurnius Bibulus für das Jahr 59 Konsul wurde,[6] biß er bei den Optimaten jedoch - wie zu erwarten - auf Granit. Die Obstruktionspolitik des Senats, wie z.B. die Dauerreden des Cato, der dadurch eine Beschlußfindung unglaublich lange hinauszögerte,[7] machte bald deutlich, daß Caesar auf dem formell korrekten Weg seine Projekte nicht zum Erfolg würde bringen können. Laut Plutarch beklagte sich Caesar öffentlich darüber: „ (...) ganz wider seinen Willen treibe man ihn dem Volk[8] in die Arme und des Senats Übermut und Härte zwängen ihn (...)”[9].

Caesar, der sich als Opfer eines halsstarrigen Oppositionskurses darstellte, schaffte es, sich durch die Vorlage eines Gesetzes zur Landverteilung beim Volk ins rechte Licht zu rücken. Der an sich einwandfreie Gesetzestext bot augenscheinlich nur Vorteile.[10] Daß das Ackergesetz trotzdem im Senat nicht durchkam - Hintergrund war, daß es zu wesentlichem Machtzuwachs für Pompeius beigetragen hätte, was jedoch öffentlich aufgrund von dessen Popularität nicht vorgebracht wurde -[11] mußte somit als Zeichen gedeutet werden, daß generell gegen jede Gesetzgebung Caesars protestiert wurde.[12] Die Tatsache, daß sich angesehende Männer wie Pompeius offen auf die Seite Caesars stellten,[13] ließ ihn umso mehr als Wohltäter erscheinen, dem ungerechtfertigtermaßen Steine in den Weg gelegt wurden, obwohl er sich ja für die Allgemeinheit verdient machen wollte.[14]

Nach und nach spitzten sich die Vehältnisse derart zu, daß Caesar sich jetzt darauf verlegen konnte, auf Konfrontationskurs zu gehen, anstatt Kompromißlösungen mit dem Senat anzusteuern. Daß er das in ausreichendem Maße versucht hatte, hatte er oft genug ostentativ zur Schau gestellt.[15] Ein anderer Aspekt ist zudem, daß Caesar sich im Konsens mit dem Senat keinerlei Hoffnung auf eine Revision seiner Provinzzuteilung hätte machen können, was aber die Voraussetzung für weiteren politischen Erfolg war.

2.2. Inhalt der Lex Vatinia

Eine Investition, die den Schuldenberg Caesars zwar noch mehr vergrößerte, die sich aber durchaus auszahlte, stellte die Bestechung des Volkstribuns Publius Vatinius dar, nach dem das Gesetz über die Zuteilung eines prokonsularischen Kommandos für Caesar benannt ist.[16] Diese Lex Vatinia beinhaltete die Übertragung der Leitung der Provinzen Illyricum und Gallia Cisalpina zusammen mit drei Legionen für eine Fünfjahresfrist an Caesar. In den Quellen wird sie jedoch teilweise nicht von dem separat gefaßten Senatsbeschluß unterschieden, ihm außerdem noch die Gallia Transalpina nebst einer weiteren Legion zuzusprechen, was dann aber jährlich der Verlängerung bedurfte.

So heißt es zwar bei Cassius Dio ausführlich, daß das Volk ihm „die Leitung von Illyricum und Gallia Cisalpina nebst drei Legionen auf fünf Jahre [übertrug], und der Senat fügte noch Gallia Transalpina und eine weitere Legion hinzu.”[17], bei Plutarch jedoch findet sich die stark verkürzte Version, daß er die illyrische und die gallischen Provinzen mit vier Legionen auf fünf Jahre erhalten habe.[18] Ebenso kommt bei Appian nicht heraus, daß es sich bei der Zuteilung der Gallia Transalpina nicht um einen Bestandteil der Lex Vatinia handelte.[19] Einzig Sueton liefert uns einen Grund für den Zuschlag der Gallia Transalpina an Caesar: „ (...) bald übertrug der Senat ihm auch noch Gallia Comata, denn die Senatoren befüchteten, daß, sollten sie ihm diese Provinz verweigern, das Volk ihm auch diese geben werde.”[20] Daraus läßt sich schließen, daß der Senat sich zu diesem Zeitpunkt seiner Aushebelung bewußt gewesen sein dürfte. Dabei versuchte er wohl trotzdem, noch einen Resteinfluß über die Provinzen zu behalten.[21] Ein Kommando über Gallia Cisalpina ohne die Transalpina wäre für Caesar natürlich nicht zweckdienlich gewesen, wie im folgenden Kapitel gezeigt werden soll.

2.3. Gründe für die Auswahl der Provinzen

Caesar mußte sich aus oben geschilderten Gründen im Schutz seiner Amtsimmunität als Prokonsul in eine unangreifbare Position bringen. Erst dann konnte er „anschließend nach Möglichkeit unangefochten nach Rom zurückkehren”[22]. Voraussetzung dafür war Feldherrenruhm, den er sich in den Provinzen verschaffen wollte. Daher war es nötig, daß die prokonsularischen Provinzen die entsprechenden Eigenschaften aufwiesen, um ihm dazu zu verhelfen.

[...]


[1] Suet., Caes., 54,2.

[2] Gelzer, Matthias: Caesar. Der Politiker und Staatsmann.. Wiesbaden, 1960, S. 76.

[3] Vgl. Bringmann, Klaus: Krise und Ende der römischen Republik (133-42 v. Chr.). Berlin 2003. S. 72.

[4] Vgl. Meier, Christian: Caesar. München 2004. S. 254f.

[5] Da Caesar sich, um Klientel hinzuzugewinnen, bei den Wahlkämpfen hoffnungslos verschuldet hatte und zudem alle republikanischen Ämter unentgeltlich zu bekleiden waren, war er quasi gezwungen, Konsul zu werden, um sich danach durch Provinzausbeutung zu sanieren. Vgl. Jehne, Martin: Caesar. München 1997. S.32f.

[6] Plut., Caes., 14.

[7] Vgl. Plut., Cato Min., 31.

[8] D.h. die Gesetzgebung unter Umgehung des Senats direkt durch die Volksversammlung.

[9] Plut., Caes., 14.

[10] Vgl. Cassius Dio, 38, 2.

[11] Vgl. Bringmann, Krise und Ende, S. 73; Meier, Caesar, S. 259.

[12] Vgl. Meier, Caesar, ebenda.

[13] Vgl. Plut., Caes., 14; vgl. auch Meier, S. 262.

[14] Sicherlich bleibt bei dieser Sichtweise außen vor, daß Gewaltandrohung und -anwendung seitens der Partei der Triumvirn ebenfalls an der Tagesordnung waren, um die Politk zu beeinflussen. Vgl. Suet. Div. Iul. 20; Plut. Caes. 14 sowie Meier, Caesar, S. 262.

[15] Vgl. zur Frage der Vorausplanung Meier, S. 260f..

[16] Vgl. Will, Wolfgang: Julius Caesar. Eine Bilanz. Stuttgart 1992. S. 57.

[17] Cassius Dio, 8,5.

[18] Vgl. Plut, Caes. 14.

[19] Vgl. Appian, III, 2, 13.

[20] Suet., 22,1.

[21] Durch den Volksbeschluß waren Verhandlungen über die Gallia Cisalpina und Illyrien bis zum Ablauf der Fünfjahresfrist untersagt

[22] Meier, Caesar, S. 266.

Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640832576
ISBN (Buch)
9783640832170
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166910
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Lehrstuhl für Alte Geschichte
Note
1,3
Schlagworte
Julius Caesar Rom Republik Gallien

Autor

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