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Höflichkeit - ein interkultureller Vergleich

Hausarbeit 2010 11 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Höflichkeit als Akt sprachlichen Handelns
2. Der Wunsch als kommunikativer Akt, der das positive Gesicht wahrt
2.1. Vergleich von deutschen und spanischen Wünschen
2.2. Syntaktischer Vergleich von deutschen und spanischen Wünschen

3.Fazit

Bibliographie

1. Höflichkeit als Akt sprachlichen Handelns

Wir handeln, indem wir sprechen. Damit ist nicht nur der Akt des Formulierens und Sprechens an sich gemeint, sondern vor allem, dass man mit dem Gesagten die Wirk-lichkeit genau so aktiv verändern kann, wie z.B. mit dem Herunterwerfen eines Tellers.

„...Und somit erkläre ich Sie zu Mann und Frau!“ Das Ehegelübte, das Gerichtsurteil, das Versprechen oder die Taufe sind einschlägige Beispiele dafür, dass das Gesagte nicht nur eine Beschreibung von Sachverhalten oder eine Behauptung , sondern auch eine Handlung ist.

John Langshaw Austin hielt 1955 in der Harvard Universität eine Vorlesungsreihe mit dem Titel „ How to do things with words“. Seine Theorie zu den Sprechakten war so erfolgreich, dass schon 1972 eine Fassung in deutscher Sprache erschien. Ein Schüler Austins, namens John Searle, systematisierte, konkretisierte und verbreitete Austins Aussagen zu der Sprechakttheorie und veröffentlichte 1969 ebenfalls ein Buch mit den Titel „ Speech Acts“.

Höflichkeit ist ein Phänomen der Sprache. Täglich benutzen wir im Kontakt mit Menschen ritualisierte Höflichkeitsfloskeln wie „Einen schönen guten Tag“, „Guten Appetit!“, „Schönes Wochenende!“ etc. . Aber wir grüßen nicht einfach nur, wir wünschen auch nicht einfach nur so ein schönes Wochenende. Wir haben Gründe, warum wir höflich oder auch unhöflich sind. Wir handeln mit dem Akt der Höflichkeit bzw. der Unhöflichkeit.

Viele Linguisten haben sich mit dem Thema Höflichkeit beschäftigt, wodurch verschiedene Ansätze entstanden sind. Eine der bekanntesten und renomiertesten Theorien zur Höflichkeit ist die von Penelope Brown und Stephen C. Levinson. Sie haben 1978 formuliert, was Höflichkeit ist. Sie gehen von dem Begriff „face“ aus, welches das Gesicht meint, das jeder Mensch hat und welches er nicht zu verlieren versucht. Man unterscheidet zwischen dem positiven und dem negativen Gesicht. Während das letztere genannte, das eigene Revier verteidigt und Handlungsfreiheit

bewahren will, drückt das positive Gesicht das eigene Selbstbild aus, welches zumindest

von einigen Interaktionspartnern anerkannt werden sollte. Demnach verlangt das negative Gesicht nach Distanz, Respekt und Unabhängigkeit und das positive nach Anerkennung und Bestätigung.

Nach Levinson und Brown ist jeder kommunikative Akt eine potenzielle Bedrohung des Gesichts, welche sie face- threatening- act nennen, kurz FTA`s . Um dem Gesichtsverlust zu entgehen, benutzt man Höflichkeit. Levinson und Brown behaupten, dass Höflichkeit eine universale Strategie zur Konfliktvermeidung ist.

Die Aspekte, die das Gesicht ausmachen, können kulturbedingt verschieden sein, aber das Wissen vom eigenen Gesicht, an dem man sich im sozialen Kontakt orientiert, ist universal. Außerdem kann man vom Beobachten einer Interaktion zwischen zwei Sprechern einer anderen Kultur auf ihr Verhältnis zueinander schließen, aufgrund der FTAs, die sie verwenden. Dennoch gibt es viele kulturelle Unterschiede, was Höflichkeit ausmacht, wie sie umgesetzt wird usw. Die Variablen Macht und Distanz können sich beispielsweise stark unterscheiden. Es gibt Kulturen, in denen das Individuum bedeutender ist und welche, die eher die Gemeinschaft betonen. Das wirkt sich dementsprechend auf die positive und negative Höflichkeit aus. So kann es zu einigen Missverständnissen kommen.

2. Der Wunsch als kommunikativer Akt, der das positive Gesicht wahrt

Höflichkeit kann durch verschiedenes sprachliches Handeln ausgedrückt werden. Eine Möglichkeit sind Wünsche. Es gibt viele Situationen, in denen Menschen Wünsche benutzen. Wenn man jemanden verabschiedet, wenn jemand auf Reisen geht, wenn jemand krank ist, wenn jemand mit dem Essen beginnt, wenn jemand Geburtstag hat etc.. Das sind Situationen, in denen die Konvention, aber auch unsere ganz persönliche Angst vor Gesichtsbedrohung einen Wunsch für angebracht hält um sein Gesicht zu wahren. Spricht man einen Wunsch aus, so demonstriert man sein Wohlwollen für die andere Person.

Man stelle sich folgende Situation vor:

Peter wünscht Claudia alles Liebe zum Geburtstag. Peter möchte zeigen, dass er an Claudias Geburtstag gedacht hat und damit sein Selbstbild von einem aufmerksamen, sozialen und wohlwollenden Menschen von Claudia anerkannt bekommen. Außerdem unterstützt er ihr Selbstbild, indem er ihr etwas Gutes wünscht. Claudia bedankt sich bei Peter und zeigt ihm damit, dass sie sein Selbstbild anerkennt. Claudia wiederum möchte durch ihre Danksagung ebenfalls von Peter als höflicher, dankbarer Mensch anerkannt werden.

[...]

Details

Seiten
11
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640832514
ISBN (Buch)
9783640833153
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166890
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
2.0
Schlagworte
höflichkeit vergleich

Autor

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