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Standorteigenschaften von Wallanlagen im mittleren Orkhontal (Zentralmongolei)

Magisterarbeit 2010 148 Seiten

Archäologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsgeschichte und Quellenlage
2.1. Forschungsgeschichte
2.2. Zur Quellenlage

3. Naturräumlicherüberblick
3.1. Das Untersuchungsgebiet
3.2. Klima
3.2.1. Sommer
3.2.2. Winter
3.2.3. Frühling und Herbst
3.3. Klimaveränderungen
3.3.1. Paläoklima
3.3.2. Aktuelle Klimaveränderungen
3.4. Geologie und Geomorphologie
3.4.1 Geologie
3.4.2 Geomorphologie
3.5. Hydrogeographie
3.6. Böden
3.7. Vegetation

4. Entwicklung des Siedlungsraums Orkhontal

5. Methoden
5.1. Geländeaufnahmen mit dem DGPS
5.2. Beschreibung der Anlagen
5.3. Auswertung von Kartenmaterial und Luftbildern
5.4. Bearbeitung der Daten mit ArcGIS
5.5. Viewshed- Analysis in ArcMAP

6. Ergebnisse der Standortaufnahme
6.1. Lage im Gelände
6.2. Struktur und Aufbau der Anlagen
6.2.1. Form
6.2.2. Maße und Flächeninhalte der Anlagen
6.2.3. Umfassung
6.2.4. Innenbebauung
6.2.5. Zugang
6.2.6. Ausrichtung der Anlagen
6.3. Funde und chronologische Einordnung

7. Ergebnisse der Sichtbarkeitsanalyse
7.1. Sichtbereiche von Anlage 1
7.2. Sichtbereiche von Anlage 2
7.3. Sichtbereiche von Anlage 3
7.4. Sichtbereiche von Anlage 4
7.5. Sichtbereiche von Anlage 5
7.6. Sichtbereiche von Anlage 6
7.7. Sichtbereiche von Anlage 7
7.8. Sichtbereiche der Zitadelle von Khar Balgas
7.9. Sichtbereiche exponierter Punkte auf die Anlagen
7.10. Ergebnisse der Verschneidung von Sichtbereichen

8. Kulturgeographisch-archäologische Interpretation und Diskussion
8.1. Zur Lage im Gelände
8.2. Zu Struktur und Aufbau der Anlagen
8.3. Zu Funden und chronologischer Einordnung
8.4. Zur Deutung und Funktion der Anlagen
8.5. Zur Nachnutzung
8.6. Zur Sichtbarkeit
8.7. Zu Verbindungen nach Khar Balgas
8.8. Zu Siedlungstraditionen und Machtzentren
8.9. Zur Legitimation der Herrschaft- das Orkhontal als Geschichtsraum

9. Zusammenfassung und Ausblick

10. Verzeichnis der Abbildungen

11. Verzeichnis der Tabellen

12. Literaturverzeichnis

13. Anhang

Vorbemerkungen

Für die Betreuung und Begutachtung dieser Arbeit möchte ich Herrn Prof. Dr. Hermann Par- zinger und Frau Prof. Dr. Brigitta Schütt herzlich danken. Frau Prof. Dr. Brigitta Schütt ver- danke ich auch die Möglichkeit dieses Thema bearbeiten zu können, da sie es mir ermöglich- te, an der Geländekampagne 2008 im BMBF- Projekt „Geoarchäologie in der Steppe: Zur Rekonstruktion von Kulturlandschaften im Orkhon-Tal, Zentrale Mongolei“ teilzunehmen. Herrn Dr. cand. Riccardo Klinger schulde ich großen Dank für die sehr lehrreichen und span- nenden Tage im Gelände, die umfangreiche Unterstützung bei der Analyse der Sichtbarkei- ten und die Weitergabe der unveröffentlichten Projektberichte. Für die kritische Durchsicht der Arbeit und die vielen hilfreichen Anmerkungen bin ich Herrn Dr. Thomas Schrapel, Frau Dipl.- Mongolist Heike Michel, Dipl. cand. Georg Fritzenwenger und Herrn Dipl.-Ing. Martin Weber zu großem Dank verpflichtet. Von ganzen Herzen danke ich meinem Mann Dipl. sc. pol.Univ. Tilman Tzschoppe, der bei der Formatierung dieser Arbeit wahre Wunder voll- brachte.

Da Erstgutachter und Zweitgutachterin unterschiedlichen Fachrichtungen entstammen, die Arbeit aber im Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften angesiedelt ist, richtet sich die Zitierweise nach den Vorgaben des Fachbereichs. Literaturverweise finden sich daher in den Fußnoten und nicht, wie in den Naturwissenschaftenüblich, im Fließtext wieder. Im Ge- genzug fiel das Kapitel zum naturräumlichenüberblick ebenso wie der Methodenteil etwas ausführlicher aus.

Nachfolgend werden alle aktuellen Ortsbezeichnungen in der amerikanischen Umschrift, die in der Mongolei offiziell genutzt wird und phonetisch der gesprochenen Sprache am nächsten kommt, dargestellt. Die Schreibweise der Namen russischer und mongolischer Wissenschaftler ist direkt den entsprechenden Publikationen entlehnt. Etwaige Unterschiede1 der Schreibweise erfolgen wissentlich.

1. Einleitung

Das Tal des Orkhon, mit 1124 km einer der längsten Flüsse der Mongolei, verfügtüber ein dichtes Netz archäologischer Fundstellen aller Quellengattungen von der Altsteinzeit bis zur frühen Moderne. Darüber hinaus war vor allem das mittlere Orkhontal, das beim Austritt des Orkhon aus dem Khangai-Gebirge beginnt und am Zusammenfluss mit dem Tamir nordwestlich des Sees Ugii in das untere Orkhontalübergeht, während verschiedener historischer Epochen (Xiongnu, Gök-Türken, Uighuren, Mongolen) das Zentrum großer Steppenreiche. Es wird vermutet, dass sich das Tal aufgrund günstiger naturräumlicher Voraussetzungen im Verlauf der Jahrhunderte im Sinne einer „ritual landscape“2 zum traditionellen Kernbereich aufeinander folgender nomadischer Großreiche entwickelt hat.

Das Orkhon-Tal steht seit den ersten Forschungsreisen europäischer Gelehrter in die Mongo- lei im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses. Vor allem die türkzeitlichen Orkhon- Inschriften von Khöschöö Tsaidam sowie die archäologisch langjährig erforschte altmongoli- sche Hauptstadt Karakorum wurden dabei schwerpunktmäßig untersucht. Noch nicht im Fokus der Forschung standen hingegen Wallanlagen im mittleren Orkhontal, von denen sich eine Vielzahl nördlich der ehemaligen uighurischen Hauptstadt Khar Balgas konzentrieren. Funktion und Alter dieser Anlagen, die teilweise Kantenlängen von bis zu 300 Meter aufwei- sen, sind unbekannt.

Im Rahmen des vom BMBF geförderten Projekts „Geoarchäologie in der Steppe: Zur Rekon- struktion von Kulturlandschaften im Orkhon-Tal, Zentrale Mongolei“ konnten im September 2008 einige ausgesuchte Wallanlagen im mittleren Orkhontal durch Luftbilder lokalisiert und mittels DGPS (Differentielles Globales Positionierungs System) vermessen werden. Mit die- ser Arbeit soll nun eine erste Katalogisierung und Beschreibung der Anlagen erfolgen. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht eine Sichtbarkeitsanalyse. Die heute im Gelände nur schwer, auf Luftbildern jedoch ausnehmend gut, zu identifizierenden Wallanlagen sollen auf ihre Sichtbarkeit untereinander und ihre Sichtlinie nach Khar Balgas sowie von exponierten Standorten hin untersucht werden.

Die zentralen Forschungsfragen lauten daher:

- Weisen die Anlagen in ihrer Form und Lage im Gelände Regelhaftigkeiten auf?
- Befinden sich die ausgewählten Wallanlagen in Sichtnähe zueinander?
- Welche Gebiete sind von den ausgewählten Anlagen sichtbar?
- Von welchen Punkten aus sind die Anlagen sichtbar oder einsehbar?

In den vergangenen Dekaden haben nicht nur die räumlichen Beziehungen bei der Lokalisierung von archäologischen Denkmälern eine Aufwertung erfahren, sondern auch die Anwendung von digitalen Karten bei der räumlichen Analyse3. Die Verwendung von Digitalen Höhenmodellen zur Berechnung von Sichtbereichen ermöglichen neue Wege in der Landschafts- und Geoarchäologie4, die auch hier im Rahmen eines interdisziplinär angelegten Projektes gegangen werden sollen.

Die Arbeit setzt sich insgesamt aus 13 Kapiteln zusammen. Infolge der umfangreichen For- schungstätigkeiten der letzten Jahre im Orkhontal folgen auf die Einleitung eine ausführli- chere Skizzierung der Forschungsgeschichte sowie eine kurze Einführung in die Quellenlage. In Kapitel 3 wird ein Einblick in die naturräumliche Ausstattung des Untersuchungsgebietes gegeben. Das anschließende Kapitel befasst sich im weitesten Sinne mit der Entwicklung des Siedlungsraums und der kulturellen Abfolge im Orkhontal. Im 5. Kapitel steht die Erläuterung der angewandten Methoden im Vordergrund. Es folgen die Ergebnisse der Standortaufnah- me im Untersuchungsgebiet und die Beschreibung der Wallanlagen in Kapitel 6. Die Ergeb- nisse der Sichtbarkeitsanalyse werden in Kapitel 7 präsentiert. In Kapitel 8 erfolgen die In- terpretation der zuvor dargestellten Ergebnisse sowie deren Diskussion. Dabei wird exkurs- haft auf das Orkhontal als Geschichtsraum, der die Herrschaft der Steppennomaden legiti- miert, eingegangen. Am Ende der Arbeit stehen in Kapitel 9 ein Fazit bzw. eine Zusammen- fassung der wichtigsten Aussagen dieser Arbeit sowie ein Ausblick folgende Arbeiten betref- fend. Kapitel 10 und 11 beherbergen die Verzeichnisse der Abbildungen und Tabellen. Kapi- tel 12 bietet eineübersicht der in dieser Arbeit genutzten Literatur. In Kapitel 13 finden sich abschließend der tabellarisch dargestellte Katalogteil der untersuchten Wallanlagen sowie eineübersicht aller Wallanlagen im mittler]en Orkhontal als Anhang.

2. Forschungsgeschichte und Quellenlage

Abgesehen von den traditionsreichen Grabungsstätten an der Seidenstraße gibt es vielfach weiße Flecken auf der archäologischen Landkarte Asiens5. KRIEGER sieht in Zentralasien gar eine „prähistorische terra incognita“6. In der Geschichte der Steppenarchäologie spielt die Erforschung von Ansiedlungen eine eher untergeordnete Rolle. Neben dem Problem der Hinterlassenschaften einer nomadischen Gesellschaft7 erwies sich auch „die ungeheure Weite der nur dünn besiedelten Steppenräume“8 als problematisch und hemmte nachhaltig die Entwicklung einer systematischen Siedlungsforschung. Die Archäologie der Reiternomaden ist daher im Wesentlichen eine Gräberarchäologie9.

Je nach Quellengattung und Forschungsgeschichte differieren die archäologischen Quellen. Während die Steinzeit und die Xiongnu- Epoche in viele Richtungen langjährig umfangreich untersucht wurden, begrenzte sich die Erforschung alttürkischer Fundkomplexe auf linguisti- sche Untersuchungen10. Von den Gök- Türken haben sich in vielen Teilen der Mongolei im- posante Steinstelen und Steinskulpturen (sog. babas) erhalten. Im Orkhontal erlangten die Grabmale des Bilge Khan und des Kül Tegin in Khöshöö Tsaidamüberregionale Bekanntheit. Alttürkische Siedlungen sind angesichts der Konzentration auf die umfangreichen Stelen und Grabmale bisher gering erforscht11. Auchüber uighurische Siedlungen ist bisher wenig be- kannt. Erst in den vergangenen Jahrzehnten rücken urbane Gebiete und Siedlungen in den Blickpunkt der Forschung12. Eine Zäsur stellt die Untersuchung der uighurischen Hauptstadt Khar Balgas dar.

2.1. Forschungsgeschichte

Einen ersten forschungsgeschichtlichen Höhepunkt von europäischer Seite gab es bereits im 13. und 14. Jahrhundert. Die Berichte franziskanischer Mönche wie Giovanni de Plano di Carpini und Wilhelm von Rubruk, die als Gesandte am Hof von Güyük Khan respektive Möngke Khan weilten, geben einen Einblick in die Gründungsgeschichte und die Struktur der Stadt Karakorum im Orkhontal13. Wenngleich die Reisenden mit dem Ziel aufbrechen „alles zu untersuchen und mit großer Sorgfalt zu beobachten“14, sind ihre Darstellungen teilweise von Mystischem und Wunderbarem behaftet. Dennoch können ihre Darstellungen als wich- tigste narrative Quelle des 13. Jahrhunderts gelten. Spätere Beschreibungen finden sich bei ‘Alâ‘ al Dîn ‘Ata Malik Juvaynī, der mehrere Jahre zwischen 1249 und 1253 am Hof von Möngke Khan verbrachte und die Mongolen außerordentlich widersprüchlich darstellt15. Rashīd al- Dīn schließlich beendet 1310/1311 seine Universalhistorie, bevor die mongolische Steppe für eine lange Zeit wieder aus dem Blickfeld der Berichterstatter verschwindet.

Während die Erforschung Asiens im 17. und 18. Jahrhundert vorwiegend durch christliche Missionierungsversuche geprägt war16, nehmen später Forschungsreisen europäischer Ge- lehrter aus ethno- histographischen Interesse ihren Anfang17. Die historische Erforschung des Orkhontals erhielt in den Jahren 1889 bis 1891 einen bedeutenden Aufschwung durch drei Expeditionen. Als Erster reiste der sibirische Heimatforscher N.M JADRINCEV18 1889 ins Orkhontal, um „eine Art archäologischen Survey“19 durchzuführen. Neben einer landschaftli- chen Beschreibung des Orkhontals gelang es ihm, Reste von drei Palästen an der Tuul und am Orkhon aufzufinden, Inschriften von Khöshöö Tsaidam, die sich als türkische Runen her- ausstellten, zu bergen und diverse Grabstätten zu klassifizieren. Er war es auch, der als erster die Umwallung von Karakorum beschrieb. Finanziert wurde diese Expedition aus Mitteln der Ostsibirischen Abteilund der Kaiserlichen Russischen Geographischen Gesellschaft (RGO; Russkoe Geografičeskoe Obščestvo). Im Jahr darauf unternahm der finnische Archäologe und Ethnograph A. O. HEIKEL mit seiner Frau und seinem Bruder eine Reise ins Orkhontal. Ziel der Reise war die wissenschaftliche Untersuchung der im Orkhontal befindlichen schriftli- chen Denkmäler. Auch die nachfolgende Orkhon- Expedition von W. RADLOFF im Auftrag der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften hatte einen linguistischen Schwerpunkt. Es galt, die durch JADRINCEV und HEIKEL bekannt gewordenen Steininschriften zu erforschen und zu entziffern. Gemeinsam mit I. STSCHEGOLEV, D. A. KLEMENC und S.M. DUDIN startete er im Sommer 1891 Richtung Orkhontal und konnte bereits im darauffolgenden Jahr vorläufige Ergebnisse in der ersten Lieferung des „Atlas der Alterthümer der Mongolei“, publizieren. Eine für lange Zeit letzte Expedition an den Orkhon erfolgte 1892 durch den österreichischen Zoologen H. LEDER. Obwohl er sich eigentlich auf einer Forschungsreise in Ostsibirien be- fand, „um darselbst zoologische und entomologische Aufsammlung zu veranstalten“20, be- sucht er das Orkhontal auf. Sein Interesse galt vor allem dem „am genannten Flusse [stehen- den] Kloster [und den+*͙+ Ruinen von Karakorum“[21].

Die archäologischen Untersuchungen des 20. Jahrhunderts in der Mongolei sind vor allem durch sowjetische Forscher geprägt. 1925 wurden von KOSLOV in Noin- Ula (Noyon Uul) mit der Erforschung von Xiongnu- Kurganen die ersten systematischen Ausgrabungen durchge- führt22. Der russische Archäologe D.D. BUKINIČ führte im Jahr 1933 eine an die RADLOFF- Expedition angelehnte Orkhon- Expedition durch, die auch eine Ausgrabung in Karakorum beinhaltete. Weitere Expeditionen im Khangai und in der südlichen Gobi während der 1930- er und 1940- er Jahre hatten gemäß JETTMAR rekognoszierenden Charakter23. Die mongo- lisch- sowjetische Annährung, die anschließend in eine langjährige fruchtbare Kooperation auch mit befreundeten Staaten wie die DDR, Ungarn und die Tschechoslowakei mündete, änderte dies und resultierte in umfangreichen archäologischen Ausgrabungen.

Unter der Leitung von S.V. KISELEV und PERLEE führte die erste sowjetisch- mongolische Ex- pedition 1948 und 1949 siedlungsarchäologische Untersuchungen mongolischer Städte, un- ter anderem in Karakorum, durch. Die Ergebnisse wurden schließlich 1965, nach der Grün- dung der Akademie der Wissenschaften der Mongolischen Volksrepublik 1961, publiziert und gelten laut BECKER „als status quo *͙]der modernen Siedlungsforschung der Mongo- lei“24.

Nach einer Phase der sowjetischen Dominanz in der mongolischen Archäologie und einer nachfolgenden Stagnation haben archäologische Forschungen seit der politischen Wende von 1991 und der Öffnung des Landes eine internationale Prägung erhalten25. Beispielhaft sind internationale Kooperationsprojekte wie die Ausgrabungen in der Nekropole von GolMod26, die seit 2000 gemeinsam von mongolischen und französischen Archäologen in der Mission Archéologique Française en Mongolie (MAFM) durchgeführt werden oder mongolisch- amerikanische Forschungen zur Bronzezeit27 zu nennen.

Die Erforschung des Orkhontals hat in den letzten 20 Jahren vor allem durch deutsche Ar- chäologen erneut einen Aufschwung erfahren. Nach ersten Vorgesprächen, die bereits 1992 stattgefunden hatten, konstituierte sich 1998 schließlich die Mongolisch- Deutsche Karako- rum- Expedition (MDKE) unter der Schirmherrschaft des damaligen Bundespräsidenten R. Herzog und des damaligen Staatspräsidenten der Mongolei N. Bagabandi. In Kooperation mit der Mongolischen Akademie der Wissenschaften fanden ab 2000 Ausgrabungen im Stadt- zentrum von Karakorum unter der Federführung der Universität Bonn statt. Zeitgleich wur- den geophysikalische Untersuchungen und Testgrabungen im sog. „Palastbezirk“ durchge- führt, die von der Kommission für Allgemeine und Vergleichende Archäologie28 des Deut- schen Archäologischen Instituts geleitet wurden. Die Hauptaufgabe des Projektes bestand in der „archäologische[n] Erschließung der altmongolischen Hauptstadt Karakorum als Quelle für die Geschichte und Kultur des mongolischen Weltreichs und die spätnomadisch- mittelal- terliche Stadtgeschichte Zentralasiens“29.

Im Sommer 2007 wurde im Zuge der Eröffnung der neuen Forschungsstelle des Deutschen Archäologischen Instituts in Ulaanbaatar die Mongolisch- Deutsche Orkhon- Expedition (MONDOrEx)gegründet. Das, maßgeblich von der Gerda- Henkel- Stiftung geförderte, Projekt hat die „archäologisch- historische Erforschung frühgeschichtlicher Stadtsiedlungen“30 im Orkhontal zum Ziel. Der Schwerpunkt der Untersuchungen liegt auf der Untersuchung der uighurischen Hauptstadt Khar Balgas (Ordu Balik) und ihrem Umland. Neben der Dokumen- tation der Stadtanlage sollen die geplanten Ausgrabungen und Surveys bei der Erforschung frühstaatlicher nomadischen Stadtgründungen31 sowie ihrer Planung, Struktur und Entwick- lung einen Beitrag leisten. In den bisherigen Kampagnen wurden, neben der Vermessung der Stadtanlage mittels Airborne Laserscanning (ALS) und terrestrischem Laserscanning, erste Erkenntnisse zur Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur gewonnen32. Nahezu parallel wurde das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt „Geoarchäo- logie in der Steppe. Zur Rekonstruktion von Kulturlandschaften im Orkhon-Tal, Zentrale Mongolei“ implementiert, in dessen Rahmen diese Arbeit ermöglicht wurde. Vom Institut für Vor- und Frühgeschichte der Universität Bonn koordiniert, soll in Kooperation mit dem Insti- tut für Physische Geographie der Freien Universität Berlin, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt Berlin, dem Institut für Photonische Technologien Jena und dem Institut für Angewandte Geophysik der Rheinisch- Westfälischen Technischen Universität Aachen eine „raum- zeitliche Bewertung des Siedlungsverhaltens im Orkhon- Tal *͙+“33 erfolgen.

2.2. Zur Quellenlage

Trotz der umfangreichen Forschungen der letzten Jahre ist die Quellenlage zum Orkhontalüberschaubar. Unter anderem ist dies auch der bestehenden Sprachbarriere zuzuschreiben, da eine Vielzahl der aktuellen archäologischen Projekte nur auf Mongolisch oder Russisch publiziert wurde. Bis heute fehlt auch eine Gesamtdarstellung zur Archäologie der Mongo- lei34 im Allgemeinen und des Orkhontals im Besonderen. Wallanlagen, wie sie im mittleren Orkhontal zu finden sind und im Zentrum dieser Arbeit stehen, werden in der vorhandenen und zugänglichen Literatur nicht erwähnt. Angaben zu „gehöftartigen“ Strukturen wie im mittleren Orkhontal gibt es nicht.

Zusammenfassende Werke wie CHRISTIANs „A history of Russia, Central Asia and Mongolia“ haben eher historischenüberblickscharakter und sind daher kaum als Quelle heranzuziehen.

Die große Lücke in der Darstellung der mongolischen Archäologie wurde im letzten Jahr durch die Publikation des Kongressbandes zu aktuellen archäologischen Untersuchungen in der Mongolei zumindest verringert35. Erstmals konnten damit Grabungsergebnisse von einer Vielzahl internationaler Kooperationen einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Als Standartwerk kann auch der Katalog der Ausstellung „Dschingis Khan und seine Erben. Das Weltreich der Mongolen“ gelten. Neben der Präsentation der Grabungsergebnis- se der Mongolisch- Deutschen Karakorum- Expedition gibt der Katalog einen sehr gutenüberblicküber den Siedlungsraum Orkhontal und die Genese des Mongolischen Weltreiches bis hin zu den heutigen gesellschaftlichen Gegebenheiten in der Mongolei. Weiter, wenn auch leicht veraltet undüberwiegend aus kunsthistorischer Perspektive betrachtet, ist NOWGORODOWAS „Alte Kunst der Mongolei“ von 1980 für das Verständnis mongolischer Archäologie heranzuziehen.

Einen kritischen Blick auf die Erforschung und vor allem auf die Lokalisation der altmongolischen Hauptstadt Karakorum liefert E. BECKER. Für ihre 2007 publizierte Dissertation wurden sowohl historische Aussagen als auch archäologische Quellen zur Auswertung herangezogen. Neben der Aufarbeitung der russischen Grabungskampagnen von 1933 und 1948/49 werden zudem mittelalterlichen Quellen wie die Berichte von Wilhelm von Rubruk, ‘Ala- ad- Din ´AtaMalik Juvaini sowie die chinesische Chronik Yuanshi untersucht.

Den aktuellsten Stand der bisherigen Grabungen des Deutschen Archäologischen Instituts im Orkhontal bietet die Publikation „Kara Balgasun und Karakorum- Zwei spätnomadische Stadtsiedlungen im Orkhon- Tal“ von H.-G. HÜTTEL aus dem Jahr 2009.

Essentiell für diese Arbeit waren die Vorberichte der Untersuchungen im BMBF- Verbundprojekt „Geoarchäologie der Steppe“, die den Stand der archäologischen Surveys der ersten Geländekampagnen ab dem Herbst 2008 wiedergeben.

Mit dieser Arbeit soll ein Beitrag zur Siedlungsforschung der mongolischen Steppe sowie zur Etablierung von Sichtbarkeitsanalysen in interdisziplinären Projekten geleistet werden.

3. Naturräumlicherüberblick

Die Mongolei befindet sich in den mittleren Breiten der nördlichen Halbkugel (N 42-52°; E 88-120°)36 und somit im zentralen Teil Asiens. Die Zuordnung der Mongolei zu Zentralasien wird jedoch nach wie vor stark diskutiert37. BARTHEL ordnet sie beispielsweise an den „Nord- rand Zentralasiens“38. Neutraler wird die Mongolei häufig auch Innerasien, in der englisch- sprachigen Literatur „High Asia“39 oder „Inner Eurasia“40, zugerechnet. Entsprechend schwer fällt die Kategorisierung, da dieser Raum nicht von klaren physischen Grenzen41, sondern vielmehr von bestimmten „zivilisatorischen Grundkonstanten“42 geprägt ist. KRIEGER sieht beispielsweise ein durch Klima und Vegetation vorgegebenes Nomadentum als strukturie- rendes und raumbildendes Moment, während VON GABAIN in der Grenzenlosigkeit der No- madenreiche und in dem Oasencharakter des besiedelten Raumes die gemeinsamen Eigen- heiten des Landes „Zentralasien“43 sieht. Unabhängig von der Zuordnung bleibt zu beden- ken, dass sowohl der Begriff „Zentralasien“ als auch „Innerasien“ ein Konstrukt von Histori- kern und Geographen ist.

Von China und Russland umschlossen, bedeckt die Mongolei eine Fläche von 1 566 500 km² und umfasst dabei den Nordostteil des zentralasiatischen Hochlands- und Gebirgsblocks44. Infolge einer mittleren Höhenlage von 1580 Meter45 über dem Meeresspiegel wird sie als typisches Hochland angesehen. 85% der Landesfläche liegen in einer Höhe vonüber 1000

Meternüber dem Meeresspiegel (Abbildung 1)46. Einzelne Gipfel erreichen Höhen zwischen 4000 und 4500 Metern, „während die tiefsten Senken auf etwa 500 mü.d.M. liegen“47.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Topographischeübersicht der Mongolei (aus PECK 2002:137 )

Topographisch lässt sich die Mongolei grob in die aus Gebirgen, Tal- und Beckenlandschaften bestehende Westmongolei und in die aus weiten Ebenen und wenig markanten Bergzügen bestehende Ostmongolei gliedern48. BARTHEL unterscheidet zudem anhand geologisch- geomorphologischer Kriterien 13 naturräumliche Großlandschaften49 (Abbildung 2) und di- verse Teillandschaften, dieüberwiegend breitenkreisparallel verlaufen. Die Weltwasserscheide mit ihrem vorwiegend westöstlichen Verlauf betont die starke zonale Strukturierung klimatischer und anderer landschaftlicher Erscheinungen von Norden nach Süden. Typisch ist der kontinentale Charakter mit großer Meerentfernung50. Zudem liegt die Mongolei noch voll im Westwindgürtel der gemäßigten Klimazone, weshalb die relative Nähe zum Pazifischen Ozean für das Klima des Landes nicht wirksam wird51. Neben der Meerferne und dem Einfluss der Westwindzone ist die „Wasserdampfsperre“52 das entscheidende Faktum für die Genese des mongolischen Klimas. Diese wird von den die Mongolei umgebenden Gebirgszügen53 topographisch bedingt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Naturräumliche Großlandschaften der Mongolei (aus BARTHEL 1988: 12)

3.1. Das Untersuchungsgebiet

Das Untersuchungsgebiet befindet sich am östlichen Rand des Khangai- Gebirges (Koordina- ten: N 47°29‘57“N, 102°34‘47“E54 ) im Arkhangai- Aimag in der Zentralmongolei (Abbildung 3), etwa 315 km von der Hauptstadt Ulaanbaatar entfernt. Die nächsten größeren Siedlungen sind Ugii Nuur Sum (ca. 20 km nördlich) und Kharhorin (ehemals Karakorum, ca. 38 km süd- lich). Neun Kilometer südlich des Untersuchungsgebiets befindet sich die uighurische Haupt- stadt Khar Balgas. Die untersuchten Anlagen erstrecken sich auf einem Gebiet von etwa 5,4 km Länge und 2,6 km Breite und liegen auf einer durchschnittlichen Höhe von 1339 Metern im mittleren Orkhontal55.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Ausschnitt des mittleren Orkhontals, Arkhangai Aimag, Mongolei, rot markiert das Untersuchungsgebiet (eigene Darstellung,übersichtskarte verändert nach HÜTTEL 2004: 180)

3.2. Klima

Das Klima der Mongolei wird durch die große Meerferne beeinflusst und von einem extrem kontinentalen, winterkalten Trockenklima beherrscht. Nach Köppen und Geiger lässt sich das Klima der Mongolei den Dw-Klimaten (boreale Schnee-/Waldklimate) sowie den BS- und BW- Klimaten (Steppen und Wüsten) zuordnen56. Bemerkenswert ist die ganzjährige niedrige relative Luftfeuchte57. Charakteristisch ist ein sehr langer und kalter, zumeist niederschlags- armer Winter. Ihm steht ein kurzer verhältnismäßig niederschlagsreicher warmer Sommer gegenüber. Frühling und Herbst sind kurzanhaltend und dauern in der Regel nicht länger als fünf bis sechs Wochen58. Die Jahresmitteltemperatur der Mongolei schwankt zwischen 3,9°C im äußersten Süden und -6,6°C im Norden.

3.2.1. Sommer

Der zum Winter vergleichsweise kurze Sommer (Juni bis August) steht unter dem Einfluss der Westwinddrift und wird von einem schroffen Wechsel von Hoch-und Tiefdruckgebieten, teilweise auch von Störungen zyklonalen Charakters, bestimmt. Da zwischen Juni und August etwa 65 - 75% der Jahresniederschlagsmenge fallen, ist der Sommer die niederschlagsreichs- te Jahreszeit. Allerdings gehen die meisten Niederschläge als Konvektionsniederschläge nie- der. Entsprechend der thermischen Zonalität nehmen die Niederschlagsmengen von Norden nach Süden von 400 mm auf 100 mm ab, während die Temperaturen von Norden nach Sü- den ansteigen. Die mittlere Julitemperatur beträgt 15°C, tägliche Maxima vonüber 30°C stel- len jedoch keine Seltenheit dar59.

3.2.2. Winter

Derüber fünfmonatige Winter (von Oktober bis April) wird durch die beständige sibirisch- mongolische Antizyklone bestimmt. Sie verursacht langanhaltende niedrige Temperaturen, extreme Niederschlagsarmut60, die in einer geringmächtigen Schneedecke Ausdruck findet, sowie hohe Luftruhe. BARTHEL beschreibt diese Jahreszeit als „extrem kaltarid“61. Die starke Abkühlung wird durch einen fortwährenden Zustrom polarer Luftmassen verursacht, welche die durchschnittlichen Tagesmitteltemperaturen auf -30°C sinken lassen. Die extrem tiefen Wintertemperaturen, die durch eine starke Ausstrahlung verstärkt werden, variieren infolge der topographischen Gegebenheiten. Gebirge werden in dieser Jahreszeit thermisch begüns- tigt, während die Temperaturamplituden in Tal- und Beckenlagen stärker ausgeprägt sind62. Temperaturinversionen verstärken die thermische Benachteiligung der Tal- und Beckenlagen zusätzlich. In den Becken der Nordmongolei liegen die absoluten Minima zwischen -40°C und -44°C63. Auch in den relativ flachen kaltluftsammelnden Senken der Gobi treten in den Wintermonaten gelegentlich Werte von unter -40°C auf. Die niedrigsten Temperaturen treten im Januar auf, wenn das Monatsmittel durchgehend unter -15°C im ganzen Land fällt64. Da geschlossene Schneedecken in der Mongoleiüberwiegend kurzfristige Ausnahmen sind65, ist die Viehwirtschaft auf ganzjährigen Weidegang eingestellt. Länger andauernde, geschlossene Schneedecken sowie deren Verharschung führen, ebenso wie gelegentlich vorkommender gefrierender Regen (zumeist im November oder März), zu umfangreichem Viehsterben (Zud)66. Zusammengefasst äußern sich laut MURZAEV die mongolischen Winter durch „klare sonnige Tage mit außerordentlich geringer Bewölkung, seltenen und geringen Niederschlägen, großer Trockenheit und häufigen Windstillen“67.

3.2.3. Frühling und Herbst

Die kurzenübergangsjahreszeiten Frühling und Herbst, die zumeist nicht länger als 5 - 6 Wochen dauern, zeichnen sich durch den häufigen Wechsel von Frost- und Tauwetterlagen aus, welche geringe Niederschläge mit starker Variabilität bedingen. miert sich zwischen November und März auf etwa 5 mm. Angabe nach WEISCHET und ENDLICHER 2000: 415

Im Frühling, wenn der mongolische Raum zunehmend in den Einflussbereich der zyklonalen Tätigkeit der Westwindzone der gemäßigten Breiten gerät, nimmt die Niederschlagstätigkeit im Vergleich zum Winter zu. Allerdingsübersteigen die Niederschlagssummen auch hier im Monatsmittel selten die 10mm- Marke. Zudem erfolgt ein rascher Temperaturanstieg, der vielfach mit einer extrem niedrigen relativen Luftfeuchtigkeit mit Werten von 20% einher- geht68 und damit ihr Jahresminimum erreicht. Laut WEISCHET und ENDLICHER wird „die Käl- teruhe des Winters durch die Trockenruhe des Frühlings ergänzt“69. Charakteristisch für diese Jahreszeit sind Staubstürme, „die [dem Menschen] das Leben beschwerlich machen“70.

Der kurze Herbst, dessen Beginn häufig schon in den frühen September fällt, wird durch starke wechselnde und unbeständige Winde sowie nachlassende Niederschläge bestimmt. Teilweise fallen diese bereits als Schnee. Ab Oktober bildet sich das stabile winterliche sibirisch- mongolische Hoch aus, das einen raschen Temperaturrückgang71, sowie eine Rückgang der relativen Luftfeuchte bewirkt.

Klimadaten für das Untersuchungsgebiet ließen sich am ehesten aus der Klimastation in Kharkhorin ableiten, die bereits seit 1972 im Dienst ist72. Leider sind diese Daten nicht öf- fentlich zugänglich, weshalb sich verwertbare Daten für das Untersuchungsgebiet indirekt aus der nächsten Klimastation in Tsetserleg (47°28'N, 101°27'O, ca. 100 km vom Untersu- chungsgebiet entfernt) ableiten lassen müssen. Die Jahresmitteltemperatur in Tsetserleg (Abbildung 4) beträgt 0,2°C. Die mittlere Julitemperatur liegt bei 14,3°C, die mittlere Januar- temperatur beträgt -14,8°C. Diese vergleichsweise milden Temperaturen ergeben sich aus der Lage der Stadt, die am Gebirgsfuß des Nordkhangai bei südostexponierter Hanglage in einem kleinen, gut durchlüfteten Tal thermisch begünstigt liegt. Der Jahresniederschlag summiert sich auf 314 mm73.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Klimadiagramm von Tsetserleg (aus MÜHR 2007: Internet)

3.3. Klimaveränderungen

Paläoumweltstudien und Forschungen zur holozänen Klimaentwicklungen haben in der Mongolei, wie auch im gesamten zentralasiatischen Raum eine umfangreiche Tradition. Ne- ben Untersuchungen zu Klimaänderungen in der Nordmongolei74 fanden zahlreiche Untersu- chungen zur paläoklimatischen Entwicklung in der Westmongolei75 und in der Zentralmongo- lei76 statt. Beispielhaft sollen, infolge der räumlichen Nähe zum Untersuchungsgebiet, die Ergebnisse paläoklimatischer Untersuchungen77 am Ugii Nuur herangezogen werden. Neben Bohrungen am Seeboden und Auswertung der limnischen Sedimente, die das gesamte Holo- zän umfassen, konnten für die Rekonstruktion früherer Klimaverhältnisse zudem Paläoufer- linien im Sinne von Strandwällen nachgewiesen werden. Diese stellen eine „gesicherte Grundlage fürüber der aktuellen Seefläche liegende Seespiegelstände dar*͙+“78. Als Indikato- ren holozäner Umweltverhältnisse können auch Pollen gelten. Ein höherer Anteil von Step- penelementen wie Artemisia und Chenopodiaceae lässt dabei auf trockenere Klimate und niedrigere Seespiegel schließen, während Larix und Picea für klimagünstige (feuchtere) Ab- schnitte mit einem höheren Seespiegel stehen. Nach Auswertung der Bohrkerne und der palynologischen Befunde konnten diverse Seespiegeloszillationen nachgewiesen werden.

3.3.1. Paläoklima

Die letzte (maximale) Vereisung, die eine Aridisierung und einen Rückgang der Vegetation bedingte, führte auch dazu, dass ein Großteil der zentralasiatischen Seen austrocknete. Für die Zeit desübergangs vom späten Pleistozän zum Holozän wird ein feuchteres Klima, mit einem Feuchteminimum im jüngeren Dryas, angenommen, das auch eine Zunahme der Vegetation nach sich zog. Für das frühe Holozän ist ein rasantes Ansteigen der Seespiegel nachgewiesen, deren Ursachen kontrovers diskutiert werden79.

In diese Zeit fällt auch der Beginn der lakrustinen Sedimentation im Ugii Nuur80, wenngleich der Seespiegel zwischen Präboreal und Boreal niedriger war als er heute ist. Im mittleren Holozän stieg der Seespiegel an, was auf ein feuchteres, unbeständigeres Klima schließen lässt. Charakteristisch für diese Phase ist laut RÖSCH, Fischer und MÄRKLE eine Zunahme von Wäldern81. Der Ugii Nuur erreicht in dieser Phase zwischen Boreal und Atlantikum seinen Seespiegelhöchststand. Zwischen dem älteren und dem Beginn des jüngeren Atlantikums folgt erneut ein klimagünstiger Abschnitt. Für das Subboreal ist eine aride Zeitspanne belegt, die gleichzeitig mit gravierenden Umweltveränderungen in Zentralasien einherging. Die kli- matischen Verhältnisse gestalten sich in dieser Zeit sehr instabil. Für die anschließende Zeit zwischen Subboreal und Älterem Subatlantikum wird eine feuchtere Klimaphase mit einer entsprechend größeren Waldausbreitung angenommen82, bevor ab dem Älteren Subatlanti- kum, nur kurzfristig unterbrochene, trockene Abschnitte mit einer verstärkten Ausbreitung von Steppen folgen. Prinzipiell ist das späte Holozän durch eine relativ stabile, feuchtere Phase gekennzeichnet, die bis heute anhält. Dieser Zeitabschnitt stellt auch eine Phase steti- gen Einflusses des Menschen dar, die einen Höhepunkt während des 13. Jhd. n. Chr. erlebte, als Chinggis Khan seine Hauptstadt im Orkhon Tal gründete83. Zusammenfassend kann man festhalten, dass im Spätholozän günstige klimatische Konditionen herrschten, die das Ork- hontal wiederholt zu einem bevorzugten Siedlungsgebiet während der letzten 3000 Jahre machten.

3.3.2. Aktuelle Klimaveränderungen

Auch der aktuelle Klimawandel und die Auswirkungen auf das regionale Klima der Mongolei werden in den letzten Jahren vermehrt untersucht84. Vergangene und gegenwärtige Klima- trends sind, wie in anderen Teilen Asiens, vor allem in den Wintermonaten85 durch eine Zu- nahme der Lufttemperatur charakterisiert. Für das 20. Jahrhundert ist in der Mongolei ein Anstieg der mittleren Jahrestemperatur (Abbildung 5) nachgewiesen, allerdings mit unter- schiedlichen Kenndaten. BATIMA nennt für den Zeitraum zwischen 1961 und 1990 einen Anstieg der mittleren Jahrestemperatur um 1,38°C86, in späteren Publikationen werden Temperaturanstiege von 2,1°C für den Zeitraum zwischen 1940 und 2007 und 1,66°C für den Zeitraum zwischen 1945 und 2005 angegeben87. Laut SCHWANGHART et al. hat sich die Nordmongolei in den vergangen 40 Jahren doppelt so schnell erwärmt als im globalen Durchschnitt88.

Die Entwicklung der Niederschlagsmengen erfolgt ebenfalls dynamisch und lokal differenziert. Sank die jährliche Niederschlagsmenge bis in die 1980- er Jahre, ist in den letzten 30 Jahren ein Anstieg zu verzeichnen89. Auffällig sind dabei zeitliche (Inter- seasonal und Interannual) und räumliche Unterschiede im Niederschlagsverhalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Entwicklung der Jahresmitteltemperatur zwischen 1940 und 2001 in der Mongolei (aus BATIMA 2005:15)

In den letzten Dekaden konnte, je nach lokaler Ausprägung90, eine klare Abnahme von Som- merniederschlägen (7,5%) bei einer starken Zunahme von winterlichen Niederschlägen (9%)91 verzeichnet werden. So wurde beispielsweise eine Verringerung der jährlichen Nie- derschläge an den nordöstlichen Ausläufern des Khangai- Gebirges, an den Westhängen des Khentii- Gebirges und an den Unterläufen von Orkhon und Selenge um 30 - 90 mm beobach- tet. Im Mongolischen Altai, in der Uvs- Senke und an den Westhängen des Khangais erhöh- ten sich die jährlichen Niederschläge um 2 - 60 mm, ebenso wie im südlichen Teil der östli- chen Steppengebiete. Dort wurde eine Zunahme der jährlichen Niederschläge zwischen 30 - 70mm registriert92. Die absoluten jährlichen Niederschlagsraten bleiben dabei gering. Zu den beobachteten Klimatrends können auch die Zunahme von extremen Klimaereignissen93 wie Hitzewellen („Heatwaves“) von 8 auf 18 Tage in den letzten 40 Jahren gelten, während im gleichen Zeitraum die Anzahl von Kältewellen („Coldwaves“) um etwa 13,3 Tage zurückging94. Zudem ist in den letzten Jahren eine Zunahme der Häufigkeit und der Dauer von Dürren zu beobachten. Konsekutive Dürrejahre zwischen 1999 und 2002 betrafen 70% der Steppe und verursachten den Tod von 12 Millionen Tieren.

Diverse Prognosen sagen für die nächsten Jahrzehnte einen weiteren jährlichen Tempera- turanstieg sowie steigende Niederschläge im Winter (als Schnee) und sinkende Niederschlä- ge für die Sommermonate voraus, was unter anderem eine höhere Frequenz von Zud- Ereig- nissen nach sich zieht95. Die bisherigen und die prognostizierten Klimaveränderungen sind für die Mongolei, in der nach wie vor ein Großteil der Bevölkerung96 von der Viehwirtschaft abhängig ist, verhängnisvoll. Derüberwiegende Teil der Exportgüter setzt sich aus Erzeugnis- sen der Viehwirtschaft zusammen. Sie spielt eine zentrale Rolle in der Ökonomie der Mongo- lei. Jede negative Auswirkung eines sich verändernden Klimas auf die Weideverfügbarkeit würde Futterertrag, Viehproduktivität und schließlich die lokale und nationale Nahrungsmit- telproduktion und damit die Ökonomie gefährden.

3.4. Geologie und Geomorphologie

3.4.1 Geologie

Die Mongolei weist komplexe geologische Strukturen auf. Die Ural- Mongolische Geosynklinale trennt den präkambrischen sibirischen Kraton, um den sich die ältesten Anfaltungen vollzogen97, vom chinesisch- koreanischen Massiv. Das Relief der Mongolei setzt die mittelsibirischen Gebirgszüge fort, die bereits im Paläozoikum strukturell angelegt wurden. Die Hauptgebirgszüge beschreiben dabei einen nach Süden konvexen Boden, der das Ergebnis junger gebirgsbildender Vorgänge im Tertiär und Quartär ist.

Die gegenwärtigen Gebirgszüge wurden im Miozän herausgebildet. Der Mongolische Altai und die Senke der Großen Seen sind kaledonischen Faltenstrukturen zuzuordnen, die durch stark gestörte Schichten phyllitisierter Sandsteine und Schiefer des Silurs charakterisiert werden. Mächtige Ablagerungen des Jura und der unteren Kreide , vor allem in den tiefer gelegenen Zonen nördlich und südlich des Altai und im Osten der Mongolei lassen auf eine Differenzierung in Gebiete der Abtragung und in Zonen der Akkumulation schließen98. Der Mongolische Altai, der Khangai und das Khentii- Gebirge waren demnach bevorzugte Abtra- gungsräume. Nach der Hebung im Paläozoikum erfolgte eine langanhaltende Phase der De- nudation, bei der die allmähliche Umwandlung in eine ausgedehnte Rumpffläche vollzogen wurde. Die dargestellte Genese wurde durch extensive tektonische Bewegungen und Klima- änderungen verkompliziert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 Geologisch- Tektonische Karte des Orkhontals (bearbeitet nach WALTHER 2005: 128)

Das heutige Relief, das durch hohe Gebirgszüge und dazwischen eingeschobene Senken charakterisiert wird, entwickelte sich infolge jüngster tektonischer Bewegungen zwischen Ende des Tertiärs und Beginn des Quartärs99.

Die ältesten Gesteinsformationen im Untersuchungsgebiet datieren ins Kambrium und ins Proterozoikum100 (Abbildung 6). Begleitet werden diese von devonischen Gesteinsserien. Zudem finden sich jurassische Sedimentgesteinsserien, die von Karbon unterlagert werden. Die Orkhonaue selbst ist mit quartären Sedimenten gefüllt. Auffällig ist auch die starkeüberprägung der Landschaft durch periglazialen Verwitterungsschutt und äolische Sedimente. Der Nähe zur ural- mongolischen Geosynklinale geschuldet, treten vor allem im oberen Orkhontal sowie an den Ausläufern des Khangai magmatische Gesteine auf.

3.4.2 Geomorphologie

Das Untersuchungsgebiet liegt in einer von 13 durch BARTHEL klassifizierten naturräumli- chen Großlandschaften, die er das Selenge- Orkhon- Bergland nennt. Nördlich des Khangaigebirges und südlich des Khuvsguuler Berglandes gelegen, wird es durch „breite und mehrfach terrassierte *͙+ Täler sowie weiche und geglättete Formen der Gebirgshänge“101 charakterisiert. Das mittelhohe Bergland, das nach beträchtlichen erosiven Vorgängen um- fangreiche Rumpfflächen102 gebildet hat, ist durch weiche Reliefformen charakterisiert. Die historisch nachvollziehbare Landschaftsentwicklung im mittleren Orkhontal ist durch mehr- fache Flussverlagerungen geprägt. Der Orkhon mäandriert dabei auf bzw. innerhalb der pleistozänen Schotterfüllungen103, die aus dem oberen Orkhontal transportiert und im mitt- leren Orkhontal akkumuliert wurden.

Das rezente Untersuchungsgebiet ist dem periglazialen Prozessbereich zuzuordnen104. Bei- spielhaft kann eine charakteristische periglaziale Mikroform genannt werden, die u.a. in der Flussaue des Orkhon auftritt. Bei den sog. Thufuren oder Bülten (engl.: earth hummocks) handelt es sich um „ungerichtete, flache bis steilkuppige, zuweilen auch wulstartige Boden- aufwölbungen“105, die eine Folge von Frosteinwirkung sind und sich in ebenem, stärker durchfeuchteten Gelände finden. Ihr Vorkommen beschränkt sich auf frostreiche Gebiete der subnivalen Stufe und die höheren Breiten106.

3.5. Hydrogeographie

Der 1.124 Kilometer lange Orkhon gilt mit einem Einzugsgebiet von 132.835 Quadratkilome- tern als wichtigster Nebenfluss der Selenge. Er entwässert große Teile des Ostkhangai und des Selenge- Orkhon- Berglandes107. Seine Nebenflüsse Tuul, Charaa und Yeroo entwässern zudem den westlichen und südlichen Khentii. Der Orkhon entspringt in den Hochlagen des Khangais und entwässert schließlichüber Selenge, Baikalsee und Angara ins Nordmeer. Der, im Kontext dieser Arbeit wichtige, Mittellauf beginnt am Austritt des Orkhon aus dem Chan- gai- Gebirge und endet bei seinem Zusammenfluss mit dem Tamir nordwestlich des Ugii Nuur. Das mittlere Orkhon-Tal ist durch eine Vielzahl von Mäandern charakterisiert. Sie sind Folge des geringen Gefälles und der daraus resultierenden verminderten Fließgeschwindig- keit108. In der bis zu acht Kilometer breiten Talebene führte dies nicht nur in der Vergangen- heit zu zahlreichen Laufveränderungen109. An der östlichen Peripherie des mittleren Orkhon- Tals fließt der alte Orkhon (Khögschin Orkhon), der das östliche Khangai- Gebirge entwäs- sert.

3.6. Böden

Für die Böden der Mongolei sind hochkontinentale Bodenbildungen charakteristisch, dieüberwiegend der klimatischen Zonierung von Norden nach Süden110 folgen. Faktoren wie die Art des Muttergesteins, die Art und Intensität der Verwitterung, Vegetationsbedeckung, Ex- position sowie die Höhe und Mineralisierung der Pflanzendecke beeinflussen die Bodenbil- dung stark und bewirken oft eine Änderung des Bodencharakters auf relativ engem Raum111. Entsprechend der klimatischen Zonierung werden in der Mongolei folgende Bodentypen unterschieden:

- Hochkontinentale Steppen-und Trockensteppenböden (Tschernoseme)
- Hochkontinentale Wüstensteppenböden (Kastanoseme)
- Hochkontinentale Wüstenböden (salz- und tonreiche Böden)

Die Kastanoseme weisen die größte Ausbreitung in der Mongolei auf112. Ihr Verbreitungsge- biet reicht vom Altai im Westen bis an die chinesische Grenze im Osten und erstreckt sich nördlich des Khangaiüber das Selenge- Orkhon- Bergland in die gesamte Nordmongolei. THIEL unterscheidet in Abhängigkeit von der Mächtigkeit des Humushorizonts, dem Grad der Auslaugung und der chemischen Zusammensetzung drei Varianten von Kastanosemen: dun- kelkastanienfarbige (dunkle Kastanoseme), kastanienfarbige (mittlere Kastanoseme) und hellkastanienfarbige (helle Kastanoseme)113. Die dunkle Variante, die einen Humusgehalt von 4 - 7% aufweist, ist dabei vor allem an flachen Nordhängen und Terrassen verbreitet. Auch die Tschernoseme lassen sich, entsprechend ihres Vorkommen und ihrer Mächtigkeit, in drei Subtypen unterscheiden. HAASE nimmt eine Unterscheidung in mächtige, gewöhnli- che (mittelhumushaltige) und südliche (geringhumushaltige) Tschernoseme vor114.

Da die zonale Gliederung durch die stark zergliederte Orographie gestört wird, werden die o.g. Bodentypen infolge expositionsbedingter Unterschiede von sechs altitudinalen Zonen ergänzt. Diese bedingen laut OPP und HILBIG folgende Bodenbildungen:

- Hochgebirgsroh- und Tundrenböden
- Gebirgstaiga- und Gebirgssteppenböden  Alkali- und Salzböden
- Sandgebiete
- Talböden großer Flussauen
- Wiesenböden und Kryoböden

Die Böden im Untersuchungsgebiet sind der Zone der Steppen- und Trockensteppeböden zuzuordnen und weisen höhenstufen-, lithogene-, nutzungs- und permafrostbedingte Modi- fizierungen auf. An der Südseite der Hänge finden sichüberwiegend kastenosemartige Tro- ckenböden, an der strahlungsarmen Nordseite hingegen finden sich Gebirgstschernoseme. Die Talsohlen werden von Alluvialböden bestimmt. Im unmittelbaren Flussbereich finden sich fruchtbare Aueböden115, die von humosen Flusssedimenten geprägt sind und vielfach deutlich erkennbare kryoturbate Aufwölbungen aufweisen. Teils finden sich zwischen Ork- hon- Niederterrasse und dem, die Aue trennenden, Auenrand sandige Uferwälle116.

3.7. Vegetation

Die Mongolei wird dem Zonobiom 7, in der winterkalte Steppen, Halbwüsten und Wüsten vorherrschen, zugeordnet. Das dominierende Ökosystem sind Steppen117, die unterschiedli- che Typen mit gesetzmäßigem zonalem Wechsel118 der Vegetation hervorgebracht haben. Diese Zonierung wird vor allem im Gebirge durch vertikale Höhenstufen unterbrochen. HIL- BIG unterscheidet in der Mongolei zwischen sechs Vegetationszonen: Hochgebirgsvegetation (Nival- alpine Zone), Gebirgstaiga, Gebirgssteppen mit Waldinseln, Steppe, Halbwüste (Wüs- tensteppe) und Wüste119. In der nachfolgenden Abbildung 7 wird die von HILBIG definierte Gebirgssteppe mit Waldinseln nochmals unterteilt in Gebirgssteppen und Wald- und Wald- steppe.

Die Vegetationszonen sind ebenso breitenkreisparallel ausgebildet. Im Norden beginnend geht die Vegetation von Wald zu Waldsteppe und letztlich zu Steppen und Wüstenvegetati- on in der Gobiüber. Von Ost nach West bestimmen Höhe, Bodenfeuchte und Exposition zu- sätzlich die Vegetation120. Die Vegetationsperiode umfasst, in den begünstigten Beckenlagen wie beispielsweise am Selenge, insgesamt weniger als 140 Tage121. Die eigentliche Wachs- tumsperiode beginnt erst im Juni, wenn der Boden genügend Feuchtigkeit aufgenommen hat. Dur ch das semiaride bis aride Klima ist Baumvegetation fast ausschließlich auf Flussauen beschränkt. Die Leitpflanzen der Steppenareale bestehenüberwiegend aus Federgräsern, die in Kombination mit weiteren Gräsern, Kräutern und Sträuchern „charakteristische Steppengesellschaften bilden“122.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7 Vegetationszonen der Mongolei (nach BARTHEL 1990 aus WALTHER 2005:130)

Das Untersuchungsgebiet befindet sich imübergangsbereich der Steppe zur Gebirgswaldsteppe. Entsprechend dominieren typische Vertreter der trockenen Federgrassteppe wie stipa capillata und stipa krylovii, zahlreiche Wermutarten wie z.B. artemisia frigida, artemisia sibirica und artemisia argyrophylla sowie andere Süß- und Sauergräser. In der Umgebung von Kharkhorin weist die Steppe zum Teil eine durch den Menschen stark veränderte Vegetation auf. An der Flussaue des Orkhon finden sich vereinzelte Reste von Auenwäldern123, die in der Vorzeit vermutlich deutlich stärker ausgeprägt waren124.

4. Entwicklung des Siedlungsraums Orkhontal

„Die Völker Innerasiens wechseln ihre Wohnsitze und nehmen nicht immer den Namen mit, den sie dem verlassenden Lande gegeben, das neu einrückende Volkübernimmt ihn, und er erhält so einen anderen Inhalt;

oder aber sie nehmen ihn mit und das verlassene Land erhält einen neuen. Die Chinesen bleiben zuweilen bei dem einmal angenommenen Namen, ohne Rücksicht darauf, ob seine Träger gewechselt haben.“125

Die Benennung und zeitliche Einordnung nomadischer Völker ist infolge einer späten eige- nen Schriftlichkeit und, wie aus obenstehendem Zitat ersichtlich, ihrer Stammesdynamik problematisch. Vor allem für die Kulturen und Stämme der Mongolei, für deren Existenz eine Vielzahl oberirdisch sichtbarer Monumente und diverse Einzelfunde bürgen, schriftliche Nachweise jedoch vielerorts fehlen, erweist sich eine Einordnung als schwierig. Ebenso prob- lematisch ist die Bezeichnung nomadischer „Staats“- und Organisationsformen. In der Litera- tur finden sich daher eine Vielzahl benutzter Termini wie Stammesbund, Stammeskonförderation, Steppenreiche, Nomadenreiche, vereinigte Nomadenstämme oder Häuptlingstümer.

Schriftliche Quellen, die in Zentralasien erst spät entstehen126, liegen zudem meist nicht von den einheimischen Völkern selbst vor. Vielfach berichten nur sesshafte Nachbarn, häufig in einem „Gemisch aus misstrauischer Feindschaft und exotischer Animation“127, von den No- maden jenseits ihrer Grenzen. Vor allem die Chinesen haben sich durch Aufzeichnungenüber ihre Nachbarn und Feinde hervorgetan. Dominiert werden diese Darstellungenüber- wiegend von einer Perzeption der nomadischen Welt, die sich vor allem in Wirtschafts- und Siedlungsform signifikant von der sesshaften Zivilisation unterscheidet. Häufig sind die Aus- sagen durchübertreibungen, abstrahierende Wahrnehmungen und Stereotypisierungen charakterisiert. Im Gegenzug entwickelten auch die Nomaden ein ausgeprägtes Selbstbe- wusstsein, „so dass ein ethnisch- kulturelles und politisches Selbstbild entstand, das gerade das verherrlichte, wovor sich die Sesshaften fürchteten und was sie verwerflich, bedrohlich fanden“128. Entsprechend wurden Nomaden, die ihre Herde und damit ihre unabhängige Existenzgrundlage verloren hatten und gezwungen waren, sesshaft zu werden mit Armut und niederer sozialer Stellung assoziiert.

Die pastorale Viehwirtschaft ist in den Steppen- und Halbwüsten Zentralasiens die durchaus vorteilhaftere Wirtschaftsform gegenüber der sesshaft betriebenen Landwirtschaft129. Sie weist jedoch eine hohe Anfälligkeit gegenüber Veränderungen der Klima- und Umweltbedin- gungen auf und kann größere Bevölkerungsgruppen nur begrenzt ernähren130. Wenngleich sesshafte Gesellschaften ebenso den Naturgewalten unterliegen, wird der Nomadismus als das unsicherere System angesehen131. Umweltbeeinträchtigungen durch Viehseuchen oderüberweidung konnten weitreichende Konsequenzen in der Steppe nach sich ziehen, wie die Migration ganzer Stämme auf der Suche nach neuen Weidegründen. Die Interaktion von Nomaden mit ihren sesshaften Nachbarn deckt daher, je nach politischen und ökonomischen Notwendigkeiten ein breites Spektrum zwischen friedfertigen und feindlichen Momenten ab, und ist in erster Linie ein Abhängigkeitsverhältnis132. Die Geschichte ihrer politischen Bezie- hungen ist vor allem mit engen wirtschaftlichen Verflechtungen verbunden. Konflikte mit sesshaften Gesellschaften resultierten daherüberwiegend aus der Verfügbarkeit von Gütern aus agrarischer oder urbaner Produktion133. Um an die gewünschten Waren zu gelangen, wurde, je nachdem welche Strategie ihren aktuellen Fähigkeiten besser entsprach, gehan- delt, erobert (als institutionalisierte und dauerhafte Form der Ausbeutung) oder geplündert (als nicht- institutionalisierte, irreguläre und instabile Form der Ausbeutung). Entsprechend konstituierte eine Unterbrechung der Handelsbeziehungen häufig einen Kriegsgrund. Mäch- tige Imperien wie China, dessen Haltung den Nomaden des Nordens gegenüber eher defen- siv als militärisch offensiv war, nutzten die Aussicht auf Handel als Möglichkeit der Kontrolle und als politisches Druckmittel:

[...]


1 Vgl. NOWGORODOWA und NOVGORODOVA

2 HÜTTEL 2004: 180

3 FRY et al. 2004: 102

4 Vgl. KVAMME 1990, 1991, WHEATLEY 1995 und LLOBERA 1996

5 NOWGORODGA 1979: 34

6 KRIEGER 2003: 18

7 Ausführlich zur Sichtbarkeit von Nomaden und saisonaler Besiedlung in der Archäologie siehe HAUSER 2006: 1f.

8 HÜTTEL 2009: 4

9 HÜTTEL 2009: 5 und BEMMANN et al. 2009: 11

10 Vgl. umfangreiche Publikationen von RADLOFF und THOMSEN

11 Siehe WRIGHT und AMARTÜVSHIN 2009: 351

12 BEMMANN et al. 2009: 11 vgl. entsprechende Beiträge von HOULE und ERDENEBAATAR; RAMSEYER, POUSAZ und TÖRBAT; DANILOV; OCHIR und ERDENEBOLD

13 Ausführlich zu zeitgenössischen Quellen siehe für mongolische Quellen VEIT 1986a: 3, für chinesi- sche Quellen TRAUZETTEL 1986: 11f. und für nahöstliche und europäische Quellen WEIERS 1986: 18f.

14 KAPPLER 1989: 61

15 Ausführlich zu dessen Beschreibungen KAPPLER 1989: 65 f.

16 Vgl. BECKER 2007: 5 sowie GÖCKENJAN 1989: 75f.

17 Dazu JETTMAR 1983: 218f. und Beiträge von NEKLJUDOV, AALTO und HEISSIG in HEISSIG und MÜLLER 1989: 89f.

18 An der Expedition nahmen neben Jadrincev der Oberleutnant Smyslovski, der Burjate Shislovskij und zwei Mongolen teil; Angaben nach BECKER 2007: 59

19 Vgl. BECKER 2007: 60, ausführliche Angaben zu Leben und Forschung JADRINCEVs ibid. 59f.

20 LEDER 1894: 407

21 Ibid. 415

22 Ausführlich dazu JETTMAR 1983: 219 und TREVER 1932: 9f.

23 Vgl. JETTMAR 1983: 219

24 BECKER 2007: 1

25 BEMMANN et.al 2009: 9 sowie TSEVEENDORZH 2009: 13

26 Ausführlich zu den Grabungsergebnissen vgl. DESROCHES 2005: 39f., DESROCHES 2003: 1167f.

27 Vgl. WRIGHT 2007: 350f. , BATSAIKHAN et al. 2006: 206f. u.a. Eine zusammenfassendeübersicht der aktuellen archäologischen Kooperationen in der Mongolei liefert TSEVEENDORZH 2009: 13f.

28 (KAVA), heute Kommission für Archäologie Außereuropäische Kulturen (KAAK)

29 HÜTTEL 2009: 7f.

30 Ibid. 2009: 17

31 Ausführlich zur Zielstellung des Projektes HÜTTEL 2009: 17f.

32 Ausführlich zur Vermessung und topographischen Dokumentation sowie zu den ersten Ausgrabung HÜTTEL 2009: 18f.

33 Vgl. BEMMANN et al. 2008: 4

34 Entsprechend sind einzelne Projektziele des o.g. Verbundprojektes definiert, wie der Aufbau einer vollständigen Kulturdenkmalliste etc. vgl. BEMMANN et al. 2008:3f.

35 BEMMANN et al.(Hrsg.) 2009

36 KNIPPERTZ 2005: 79

37 Vgl. KRIEGER 2003: 252, VON GABAIN 1979: 2, MURZAEV 1954: 15, THIEL 1958: 11, BARTHEL 1988:, STARK 2002: 363 und STADELBAUER 2003: 58f.

38 BARTHEL 1988: 10

39 Vgl. CHALIAND 2004: 1ff.

40 Vgl. CHRISTIAN 1998: xv und 3f.

41 So bleibt die von HAASE formulierte Definition, dass unter Zentralasien „der in großer Meereshöhe („Hochasien“) gelegene und von zahlreichen Gebirgssystemen in Becken und Hochplateaus geglie- derte Festlandblock im Inneren des eurasiatischen Kontinents“ zu verstehen sei, schwammig. Vgl. HAASE 1983:240.

42 Vgl. KRIEGER 2003: 252

43 Vgl. VON GABAIN 1979: 2

44 WEISCHET und ENDLICHER 2000: 407

45 Angaben nach MURZAEV 1954: 131

46 Angaben nach BARTHEL 1988: 10

47 Vgl. MURZAEV 1954: 18. Der tiefste Punkt der Mongolei, der Steppensee Khukh Nuur in der Nordmongolei befindet sich auf 532 m Höhe, der höchste Punkt ist der Gipfel des Khuiten Uul (4653 m) im Mongolischen Altai. Angaben nach MURZAEV 1954: 131.

48 Vgl. WEISCHET und ENDLICHER 2000: 410, ausführlich zur Topographie der Mongolei MURZAEV 1954 und THIEL 1958 sowie BARTHEL 1988.

49 „ Chuwsguler Gebirgsland, Selenge- Orchon- Bergland, Becken der Großen Seen, Mongolischer Altai, Tal der Gobiseen, Gobi- Altai, Chentiigebirge, Chalch- Ebene, Zentral- Gobi, Ost- Gobi, Changaigebirge, Barga und Hinggan- Vorgebirge“ vgl. BARTHEL 1988: 12

50 BARTHEL 1983:11, Entfernung von Ulaanbaatar zum Golf von Liaotung etwa 1400 km, zum Atlantik etwa 9000 km, zum Nordpolarmeer etwa 2900 km, Angaben nach BARTHEL 1983: 11

51 Zitiert aus HAASE 1983: 241

52 Vgl. WEISCHET und ENDLICHER 2000: 411

53 Im Westen die Massive des Russischen Altai, im Norden die Ausläufer des Sajan- und Tannu- Gebirges, im Süden die Kältesperreüber dem Himalaya, im Südosten und Osten das Nordchinesische Bergland sowie das Große Chingan Gebirge. Ausführlich zu den klimatischen Gegebenheiten der angesprochenen Gebiete vgl. WEISCHET und ENDLICHER 2000 Kapitel VI und VIII.

54 nach WGS84- Geoid

55 Die Unterscheidung in oberes, mittleres und unteres Orkhontal und entsprechende Zugehörigkeit erfolgt auf der Grundlage von WALTHER 2005:128

56 Entsprechend YANG et al. 2004: 69

57 Ausführlich zur Wasserdampfarmut der bodennahen Luftschichten WEISCHET und ENDLICHER 2000: 412f.

58 Angaben nach BARTHEL 1988: 19

59 BARTHEL 1983: 18f.

60 Auf den Zeitraum zwischen November und März entfallen 4 - 10% der Jahresniederschlagsmengen. Vgl. BARTHEL 1983: 12f. Die Gesamtniederschlagsmenge in den trockeneren Teilen des Landes sum-

61 BARTHEL 1988: 23

62 WEISCHET und ENDLICHER 2000: 414

63 Angaben nach BARTHEL 1983: 15f. Die tiefste jemals gemessene Temperatur (-49, 6°C) der Mongolei entfallen auf die Talstation Cherlen, die sich am Südostfuß des Chentii befindet.

64 Angaben nach BARTHEL 1988: 19

65 Vgl. WEISCHET und ENDLICHER 2000: 415

66 Die Mongolen unterscheiden Dsud in verschiedene Arten. Neben dem oben beschriebenen „Wei- ßen Zud“ (Tsagaan Zud) ist der „Schwarze Zud“ (Khar Zud), der in langen Wintern nach sehr trocke- nen Sommern auftritt, der Häufigste. Ausführlich dazu THIEL 1958: 260f., BARTHEL 1990: 126f. und GORONCY 2006: 29f.

67 MURZAEV 1954: 253

68 Vgl. OPP 1996: 14 und BARTHEL 1988: 25

69 WEISCHET und ENDLICHER 2000: 416

70 THIEL 1958: 81

71 Die Monatsmittel ausgewählter Stationen zeigen beispielsweise Temperaturabnahmen vom September zum Oktober zwischen 8,4 K in Umnu Gobi und 9,3 K in Yoroo Selenge. Angaben nach WEISCHET und ENDLICHER 2000: 413.

72 Zwischen 1972- 1992 fanden dreimal täglich Messungen statt, seit 1992 erfolgen täglich 8 Messun- gen. Angaben lt. Gespräch mit der Verantwortlichen der Wetterstation Frau Oyunchimeg am 8. Ok- tober 2008

74 Vgl. PECK et al. 2002

75 wie GRUNERT, LEHMKUHL und WALTHER 2000, FENG et al. 2005 u.a.

76 WALTHER und GEGEENSUVD 2005, SCHWANGHART et.al 2009 u.a.

77 Vgl. SCHWANGHART, SCHÜTT und WALTHER 2008 sowie WALTHER und GEGEENSUVD 2005

78 WALTHER und GEGEENSUVD 2005: 6

79 Ausführlich zur Diskussion vgl. SCHWANGHART 2008: 25

80 Nachfolgende Angaben nach SCHWANGHART 2008: 97 f., SCHWANGHART et al. 2009: 160f. sowie WALTHER und GEGEENSUVD 2005: 19 f.

81 Vgl. RÖSCH, FISCHER und MÄRKLE 2005: 492

82 Vgl. WALTHER 2005: 132

83 SCHWANGHART 2008: 84

84 u.a. von SATO, KIMURA und KITOH 2006, BATIMA et al. 2005, BATIMA, BATNASAN und BOLORMAA 2008, NATSAGDORJ et al. 2003 u.a.

85 CRUZ et al. 2007: 472

86 BATIMA 2005:15

87 Angaben nach BATIMA et al. 2005: 5

88 SCHWANGHART 2008: 83

89 NATSAGDORJ et.al 2003:1409

90 Vgl. BATIMA et al. 2005: 18

91 Angaben nach CRUZ et al. 2007:475

92 BATIMA et al. 2005: 18

93 Die Dauer von Hitze- und Kältewellen sowie maximale Anzahl konsekutiver trockener und feuchter Tage wurden aus den Tageswerten (Beobachtungszeitraum 1961- 2001) von 25 ausgewählten Wetterstationen berechnet. Siehe BATIMA et al. 2005: 7

94 BATIMA et al. 2005: 17

95 Ausführlich zu weiteren Auswirkungen des Klimawandels auf die Ökosysteme der Mongolei BATIMA; BATNASAN und BOLORMAA 2008: 10f.

96 47,9% der Gesamtbevölkerung sind laut BATIMA et al. 2005: 4 von der Viehwirtschaft abhängig.

97 THIEL 1958: 44

98 Angaben nach THIEL 1958: 46f.

99 THIEL 1958: 47

100 Vgl. WALTHER 2005: 128

101 BARTHEL 1988: 17

102 MURZAEV 1954: 137

103 WALTHER 2005: 130

104 Vgl. KLITZSCH et al. 2009: 27

105 BARTHEL 1971: 135; Die Aufwölbungshöhen können dabei zwischen 10 und 60 cm schwanken, vgl. Abgrenzung zu den größeren Palsen und Pingos und deren Entstehung und Verbreitung, u.a. ZEPP 2002:215

106 Vgl. LOUIS 1979: 166

107 Vgl. BARTHEL 1988: 30

108 Vgl. BEMMANN et al. 2008: 5

109 WALTHER 2005: 128

110 Die Zonierung giltüberwiegend für die Ostmongolei, d.h. zwischen den transbaikalischen Gebir- gen im Norden und den Gobigebieten im Süden sind in nahezu idealer breitenkreisparalleler Anord- nung Waldsteppen, Steppen, Wüstensteppen und Wüsten angeordnet. Für die stark orographisch gegliederte Westmongolei kann dies so nicht gelten. Vgl. HAASE 1983: 242 und BARTHEL 1983: 12

111 Vgl. THIEL 1958: 150 sowie OPP und HILBIG 2003: 19

112 THIEL 1958: 150

113 Vgl. THIEL 1958: 150 sowie HAASE 1983: 239

114 Vgl. HAASE 1983: 239

115 Vgl. WALTHER 2005: 130

116 Vgl. BARSCH, OPP und STEINHARDT 1993: 30

117 Zur Unterscheidung von Steppentypen ausführlich ZEMMRICH 2005: 17f.

118 Vgl. THIEL 1958: 121f.

119 Vgl. HILBI G 1995: 31

120 DULAMSUREN et al. 2005: 414

121 Angabe nach WEISCHET und ENDLICHER 2000: 413

122 HARTWIG 2006: 77

123 Vgl. WALTHER 2005: 130

124 WALTHER 2005: 132

125 FRANKE, O. (1930-1952): Geschichte des chinesischen Reiches. Band II, 300. zitiert nach VON GABAIN 1979: 7

126 Vgl. KRIEGER 2003: 13, VON GABAIN 1979: 7 und WEIERS 2006: 36 sowie GOLDEN 1992: 6f.

127 Vgl. STARK 2002: 364, ausführlich zum Fremdbild der Nomaden in der Geschichte siehe KÜRSATAHLERS 1994: 40-47

128 KÜRSAT-AHLERS 1994: 46

129 Zur Diskussion der Entstehung des Nomadismus und zur Rezeption von „Verdrängungsthese“ und „Adaptionsthese“ ausführlich ibid. 50f.

130 GOLDEN 1992: 8

131 Ibid.

132 Vgl. STARK 2002: 366

133 Vgl. GOLDEN 1992: 8

Details

Seiten
148
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640832477
ISBN (Buch)
9783640832811
Dateigröße
7.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166880
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Prähistorische Archäologie
Note
1,3
Schlagworte
Geoarchäologie Viewshed- Analysis Sichtlinien Siedlungsraum Orkhontal Verschneidung von Sichtbereichen Sichtbarkeit Siedlungstraditionen Machtzentren Legitimation der Herrschaft Xiongnu Mongolen Steppe Khar Balgas Gök- Türken Karakorum Uighuren

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Titel: Standorteigenschaften von Wallanlagen im mittleren Orkhontal (Zentralmongolei)