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Auswirkungen der Globalisierung auf Entwicklungsländer

Facharbeit (Schule) 2010 24 Seiten

Didaktik - Gemeinschaftskunde / Sozialkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Entwicklungshemmnisse und Kriterien zur Identifikation von Entwicklungsländern

3 Auswirkungen der Globalisierung auf Entwicklungsländer
3.1 Positive Auswirklungen der Globalisierung
3.1.1 Verlagerung von Produktionsstandorten in Niedriglohnländer
3.1.2 Tourismus als Begleiterscheinung der Globalisierung
3.1.3 Informations- und Kommunikationstechnologie als wichtiger Beitrag zur Entwicklung in der Dritten Welt
3.2 Negative Auswirkungen der Globalisierung
3.2.1 Entwicklungseinschränkungen durch Kredite der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds
3.2.2 Folgen der Weltmarkteingliederung und Verwestlichung
3.2.2.1 Kapitalintensive und umweltzerstörende Produktionsweisen
3.2.2.2 Dritte Welt als Absatzmarkt verbotener Produkte und als Standort illegaler Industriestätten
3.2.2.3 Mega-Entwicklungsprojekte im Infrastrukturbereich
3.2.2.4 Die Ausplünderung natürlicher Ressourcen
3.2.2.5 Ersetzen von Subsistenzwirtschaft durch Exportproduktion
3.2.3 Auswirkungen der Nahrungsmittelpreiskrise, Finanzkrise und der weltweiten Rezession auf Frauen in Armut und deren Kinder
3.2.4 Patentbindungen
3.2.5 Neu entstehende Probleme durch den Abbau von Handelshemmnissen
3.3 Vergleichende Bewertung der positiven sowie negativen Aspekte

4 Nachwort

5 Anhang

6 Abkürzungsverzeichnis

7 Literaturverzeichnis
7.1 Literatur
7.2 Internetadressen
7.3 Zeitschriften

1 Vorwort

Globalisierung? Was haben wir damit zu tun? ?

„Wenn man in afrikanischen Ländern Menschen nach der Globalisierung befragt, so erntet man meist ein Achselzucken.“1 Auf den ersten Blick scheint es tatsächlich so, als wäre der afrikanische Kontinent nur peripher von dem Globalisierungsprozess betroffen. Die Weltwirtschaft betrifft zum großen Teil nur die industrialisierten Län- der und diejenigen, die sich für den Weltmarkt geöffnet haben. Von neuen Arbeits- plätzen profitieren regelrecht die Niedriglohnländer Asiens sowie die Transformati- onsländer Osteuropas.2 Die Ämeisten wirtschaftlich stagnierenden afrikanischen Län- der“3 sind für Kapitalinvestoren offensichtlich nur wenig interessant.

Globalisierungsgegner weisen jedoch darauf hin, dass die weltweite wirtschaftliche Liberalisierung und die marktwirtschaftlichen Reformen keineswegs den Entwick- lungsländern nur nicht zugutekommen, sondern ihnen vielmehr schaden. Wie es in einem Memorandum zur Neubegründung der deutschen Afrika-Politik, das im Okto- ber 2000 von einer Gruppe deutscher Afrika-Wissenschaftler vorgelegt wurde, heißt, wird zu Zeiten der Globalisierung eine nachhaltige Entwicklung und eine Armuts- minderung Äüber einen sehr langen Zeitraum unmöglich bleiben“4. ÄThe globalisa- tion process poses problems for Africa that are greater than any she has ever had to overcome in her history. Colonialism, post-colonialism are an almost harmless prel- ude to the problems arising from globalisation“5, besagt das genannte Memorandum.

2 Entwicklungshemmnisse und Kriterien zur Identifikation von Entwicklungsländern

Initiiert durch die Industrielle Revolution in England im 19. Jh. und durch die Globa- lisierung - seit ca. 1990 - forciert, erlebten die Industrienationen in Europa, die USA und Japan, sowie Schwellenländer wie Indien und China ein enorm rentables Wirt- schaftwachstum.

Außen vor blieben jedoch die so genannten Entwicklungsländer. Um den Begriff ÄEntwicklungsland“ zu definieren, gibt es verschiedene Ansätze, wie die Kriterien des DAC6 - basierend auf denen des CDP7 -, des WHI8, des HDI9 und anderer unter- entwickelte Staaten unterstützende Institutionen. Allgemein lassen sich Entwick- lungsländer von Industrieländern aufgrund von wirtschaftlichen und/oder sozialen Kriterien unterscheiden.10

Ein starkes Bevölkerungswachstum ist charakteristisch für Länder der Dritten Welt. Die hierbei entstehende Verdichtung der Bevölkerung sorgt vor allem in den Städten für eine Verschlechterung der gesundheitlichen Situation und einer Steigerung der Arbeitslosenrate. Der Nahrungsmittelbedarf nimmt zu, was eine stärkere Belastung der landwirtschaftlichen Flächen zur Folge hat und die Umwelt nachhaltig schädigt.

Durch fehlendes Kapital und schlechte Logistik im Land kann nur mangelhaft ein Aus- bzw. Aufbau der Infrastruktur erfolgen, was sich negativ auf die Wirtschaftssituation und die Implementierung von Kommunikationstechnologien auswirkt. Gleichermaßen erweist sich die Wasserversorgung als insuffizient und die Vulnerabilität im Falle einer Katastrophe ist stark erhöht.

Der in Entwicklungsländern vorherrschende primäre Sektor, die geringe Alphabeti- sierung, sowie eine hohe Auslandsverschuldung und die starke Abhängigkeit vom Weltmarkt schädigen die wirtschaftliche Situation in Ländern der Dritten Welt. Hie- raus resultiert ein extrem niedriges Bruttoinlandsprodukt (BIP), das Land wird als Produktionsstandort für ausländische Konzerne uninteressant und der Kapitalfluss in das Entwicklungsland wird gehemmt. Um ein Lebenüber dem Existenzminimum zu gewährleisten, wird es zudem in vielen Familien notwendig, dass auch die Kinder einer Erwerbstätigkeit nachgehen.

Ebenso kann die Annahme, eine gute Ausstattung mit Rohstoffen sei hilfreich bei einer erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung, nicht bestätigt werden. Nigeria und Kasachstan besitzen beispielsweise große Erdölvorkommen, Südafrika und Zaire verfügenüber mineralische Bodenschätze.11 Denn letztendlich ist das Kapital der Länder nicht ausreichend, um die Vorkommen so rentabel zu nutzen und zu vermarkten wie die in Wohlstand lebenden Industriestaaten.12

Außerdem kristallisieren sich in der Dritten Welt politische und soziale Faktoren als erhebliche Entwicklungshemmnisse heraus. Es dominieren Diktaturen, die meist Verletzungen der Menschenrechte nach sich ziehen und Korruption zulassen. Häufig finden sich in diesen politischen Regimen Unruhen und Bürgerkriege. Hinzu kommt, dass nur selten Sozial- und/oder Gesundheitssysteme bestehen bzw. aufgrund der finanziellen Situation schwer realisierbar sind.

Das niedrige Bildungsniveau und der ausgeprägte Analphabetismus entstehen durch ein unzureichendes Angebot an Schulen, Lehrkräften sowie Arbeitsmaterialien und werden durch Kinderarbeit zusätzlich forciert. Folglich herrscht Perspektivlosigkeit, es mangelt an Fachkräften und an Innovationen in der Wirtschaft.

Die ausgeprägte Armuts- und Hungersituation, eine niedrige Alphabetisierungsrate, die unkontrollierte Ausbreitung von Infektionskrankheiten und bereits genannte Faktoren wie eine schlechte Infrastruktur, die zugleich die medizinische Versorgung beinhaltet, senken die Lebenserwartung in Entwicklungsländern.

In Ländern der Dritten Welt ergibt sich also bei genauer Betrachtung ein komplexes Geflecht aus Problemen, das wie ein Teufelskreis wirkt. Denn die Ursachen des ei- nen, sind Resultat eines anderen Problems. Doch es stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die Globalisierung auf die Situation der Entwicklungsländer hat.

3 Auswirkungen der Globalisierung auf Entwicklungsländer

3.1 Positive Auswirkungen der Globalisierung

3.1.1 Verlagerung von Produktionsstandorten in Niedriglohnländer

„Befürworter einer weiteren Globalisierung erwarten, dass die ärmeren Länder in stärkerem Maße von ihr profitieren werden als die reichen Länder im Norden“13 14. Die multinationalen ÄUnternehmen nutzen den Wegfall internationaler Handelsschranken zur Erlangung von Wettbewerbsvorteilen, indem sie Produktionsprozesse zerlegen und einzelne Teile an weltweit konkurrierende Standorte verlagern.“15 Gerade Niedriglohnländer werden als Standorte für Produktionsstätten sowie Dienstleistungen bevorzugt, da aufgrund sinkender Transportkosten16 selbst eine weit vom Absatzort entfernte Produktion rentabel bleibt.

In arbeitsintensiven Produktionsbereichen entstehen viele Arbeitsplätze für Men- schen, die sich durch Spezialisierung und Qualifikation weiter entwickeln können, was eine Aufwärtsspirale aus der Armut hinaus in Gang setzen kann17 und den Kapi- talfluss ins Land steigert. Trotzdem besteht durch das starke Bevölkerungswachstum und den dadurch entstehenden Mangel an Arbeitsplätzen, eine hohe Arbeitslosenrate in Entwicklungsländern.18

3.1.2 Tourismus als Begleiterscheinung der Globalisierung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts explodiert der Reise- und Freizeitmarkt, indem er, wie die Globalisierung, die Grenzen in Raum und Zeitüberwindet. ]Immer weiter entfernte Destinationen werden in immer kürzerer Zeit auf zunehmend komfortable Weise von immer weniger wohlhabenden Schichten erreichbar. Die Beliebtheit des Reisens in Länder der Dritten Welt wächst aufgrund der geringen Kosten und des angenehmen Klimas. Ebenso tragen die schönen und oft noch unberührten Land- schaften, sowie die besonderen Kulturen, zu dieser Entwicklung bei. Laut der UNWTO (United Nations World Tourism Organization) fließen 60% der Devisen durch direkte und indirekte Beschäftigungen im Bereich des Tourismus in Entwick- lungsländer. Somit entsteht dort ein Wandel und eine Dynamisierung der Wirt- schaftsstruktur, wodurch sich die Zahlungsbilanz verbessert und das Bruttosozial- bzw. Bruttoinlandsprodukt, sowie Steuereinnahmen steigen.19 Der Tourismus führt zusätzlich zu Ämultiplikative(n) Einkommens- und Beschäftigungseffekte(n)“20, so- wie zu einer Entfaltung unternehmerischer Qualifikationen. Eine Verbesserung der allgemeinen Infrastruktur wird essentiell, was einen Abbau räumlicher und sozialer Disparitäten zur Folge hat. Anhand der raschen Erholung der Tourismusbranche nach der weltweiten Finanzkrise 2008 und 2009 wird die enorme Widerstandfähigkeit gegen konjunkturelle Schwankungen signifikant.21

3.1.3 Informations- und Kommunikationstechnologie als wichtiger Beitrag zur Entwicklung in der Dritten Welt

„Der diesjährige Berichtüber die menschliche Entwicklung [vom United Nations Development Programme, kurz UNDP,] vertritt den Standpunkt, dass Informations- und Kommunikationstechnologie […] tatsächlich wichtige Beiträge zur Reduzierung der Armut auf der Welt leisten können. […] Informations- und Kommunikations- technologie (IKT) [kann] auch bedeutende Auswirkungen auf die Entwicklung haben […], da sie die Grenzen sozialer, wirtschaftlicher und geographischer Isolationüberwinden [und] den Zugang zu Informationen und Bildung erweitern […] kann.“22

Das zu Zeiten der Globalisierung weltweit ausgebaute Kommunikationsnetz ermög- licht zudem der wohlhabenden Bevölkerung der Industrie- und Schwellenländer Ein- blick in die desolate wirtschaftliche, finanzielle, soziale, politische sowie gesundheit- liche Situation der Entwicklungsländer. Somit erwartet die Bevölkerung dieser Län- der von ihren Regierungen eine Teilnahme an der Entwicklungspolitik und -Zusammenarbeit und sind auch selbst bereit, den in Armut lebenden Menschen der Dritten Welt Gelder zu spenden. Sie investieren ebenfalls in Textilien, an deren Pro- duktion keine Kinder beteiligt waren, sowie in fair gehandelte Waren, um die Arbeitnehmer zu schützen und zu unterstützen.

[...]


1 Engelhard, K., Globalisierung aus der Sicht der Anderen, Münster 2008, S.34

2 Vgl. ebd.

3 Ebd.

4 Bun deszentrale für politische Bildung (BpB), Afrika im Zeitalter der Globalisierung, in: http://www.bpb.de/veranstaltungen/B2ZM0C,0,Afrika_im_Zeitalter_der_Globalisierung.html, Zugriff am 03.11.2010

5 Ebd.

6 Auf dem Forum des Development Assistance Committee der OECD kommen die Regierungen der Geberländer, sowie multilaterale Organisationen zusammen, um den Partnerländern bei der Verringerung der Armut und beim Erreichen der Millenniumsziele zu helfen. (Development Co-operation Directorate, http://www.oecd.org/department/0,2688,en_2649_33721_1_1_1_1_1,00.html, Zugriff am 24.10.2010)

7 Die Bestimmung der LDCs erfolgt aufgrund des Einkommens, des HAI und des EVI. (United Nations, http://www.un.org/special-rep/ohrlls/ldc/ldc%20criteria.htm, Zugriff am 24.10.2010)

8 Der WHI errechnet sich aus den Anteil der Unterernährten an der Bevölkerung, dem der Kinder unter fünf Jahren mit Untergewicht und der Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren. Alle Angaben sind in Prozent. (Welthungerhilfe, in: http://www.welthungerhilfe.de/konzept-whi2010.html, Zugriff am 24.10.2010)

9 Der HDI errechnet sich aus dem BIP, der Lebenserwartung bei der Geburt und dem Bildungs- niveau. (Vgl. Bauske, T. u.a., Geographie Bayern Oberstufe 12, Braunschweig 2010, S. 13)

10 Welthungerhilfe, in: http://www.welthungerhilfe.de/1373.html, Zugriff am 16.10.2010

11 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, Informationen zur politischen Bildung 280, Globalisierung, Bonn 08/2003, S. 35

12 Siehe Anhang, Abbildung 1)

13 BpB, a.a.O., . 34

14 Siehe Anhang, Abbildung 2)

15 Engelhard, K., a.a.O., S.14

16 Siehe Anhang, Abbildung 3)

17 Vgl. Bauske, T., u.a., Geographie Bayern Oberstufe 12, Braunschweig 2010, S. 82

18 Vgl. Engelhard, K., a.a.O., S.14

19 Vgl. Bauske, T., u.a., a.a.O., S. 90f.

20 Ebd.

21 Vgl. ebd.

22 Löscher, C., u.a., Kursthemen Sozialwissenschaften, Globalisierung, Berlin 2005, S. 163

Details

Seiten
24
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640835508
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166843
Institution / Hochschule
Werner-Heisenberg-Gymnasium Garching
Note
15
Schlagworte
auswirkungen globalisierung entwicklungsländer

Autor

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