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El Andalucismo. Ein spanischer Dialekt in der Untersuchung

von Ilka Kreimendahl (Autor) Katja Seidenstücker (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 27 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Dialektale Gliederung / Dialekt und Sprache
1.1 Definition von Dialekt und Sprache
1.2 Primäre und Sekundäre Dialekte

2. Die Spanische Sprache
2.1 Die Verbreitung des Spanischen
2.2 ‚ Gitanismo’ und Variationen des Spanischen
2.3 Beispiele von gitano -Ausdrücke

3. Soziolinguistik
3.1 Stellung des Andaluz in der Gesellschaft
3.2 Das Andaluz als Standardsprache?

4. Das Andaluz – Linguistische Grundlagen
4.1. Einführung in das Andaluz
4.2 Phonologie des Andaluz
4.3 Konsonantismus des Andaluz
4.4 Morphologie des Andaluz
4.5 Syntax des Andaluz

5. Das Andaluz in der Literatur

6. Ist das Andalusische ein Dialekt?

7. Das Spanisch Südamerikas
7.1 Sprachliche Gemeinsamkeiten mit dem Andaluz
7.2 „El supuesto andalucismo de América“ y la teoría climatológica

Anhang

Bibliographie

In der Arbeit ‚El Andalucismo’- Ein spanischer Dialekt in der Untersuchung, wollen wir uns näher mit der Mundart Andalusisch befassen, die uns hauptsächlich im Süden Spaniens begegnet. Dabei wollen wir uns zunächst auf die Unterschiede zwischen Sprachen und Dialekten/Mundarten konzentrieren, um dann überzuleiten zu der Untersuchung der spanischen Sprache, wobei wir sowohl auf ihre Verbreitung als auch auf ihre Variationen näher eingehen werden. Danach beschäftigen wir uns detaillierter mit der Soziolinguistik, hier besonders mit der Bedeutung und Stellung des Andaluz in der spanischen Gesellschaft. Dies leitet uns weiter zu der Betrachtung der phonologischen, syntaktischen und morphologischen Variationen und Unterschiede zwischen der offiziellen Sprache und der andalusischen Mundart. Um dem Leser die Differenzen dieser beiden ‚Sprachvarianten’ näher zubringen, folgen im anschließenden Abschnitt einige anschauliche Beispiele aus der Literatur und der allgemeinen Schriftsprache. Diese leiten uns schließlich zu der entscheidenden Frage ob es sich bei dem Andaluz um einen Dialekt, oder der generellen Meinung nach um schlecht gesprochenes Spanisch handelt. Abschließend zu dieser Arbeit erfolgt noch ein Exkurs, der sich mit der Beziehung zwischen dem Andalusischen und dem Spanisch Lateinamerikas befasst.

1. Dialektale Gliederung / Dialekt und Sprache

1.1 Definition von Dialekt und Sprache

Beruft man sich bei der Untersuchung des Wortes Sprache bzw. Sprachgemeinschaft auf die Auslegung der Brockhaus Enzyklopädie, so erhält man folgende Definition, die allerdings den geographischen Aspekt außer Acht läßt:

Sprachgemeinschaft, eine Menschengruppe mit wesentlich gleichem Sprachbesitz (→ Sprache). Die S. ist vielfach gegliedert in Mundarten oder Dialekte, nach Altersstufen (Altersmundarten), nach Geschlechtern, nach der sozialen Stellung (Klassenmundarten), nach dem Bildungsgrad, nach Berufs- oder Lebensgemeinschaft (→ Standessprachen). Allen diesen Besonderungen steht der weit überwiegende gemeinsame Besitz als Gemeinsprache gegenüber.[1]

Als Dialekt (oder auch Mundart) hingegen bezeichnet man die regionale Variante einer Sprache, die sich auf verschiedenen sprachlichen Ebenen, vor allem aber in der Aussprache und im Wortschatz, von der Standardsprache unterscheidet. „Das Verhältnis Sprache –Dialekt ist also nicht in erster Linie ein linguistisches, sondern eines, das durch Kriterien wie überregionale Verbreitung, Kodifizierung der Lautung, Orthographie, Morphologie, Syntax, Wortschatz bestimmt ist.“[2]

Die offizielle Sprache indessen besitzt eine Art „unidad artificiosa“, was nichts anderes bedeutet als dass sie durch bestimmte künstliche Mittel zu einer Standardsprache homogenisiert wurde. Man darf jedoch nicht vergessen, dass sich in der Geschichte einer Sprache zahlreiche Dialekte verschiedener geographischer Gebiete miteinander vermischt haben, und so einen Komplex von sich wechselseitig beeinflussenden vertikalen Dialekten darstellen.

Dialekte weisen ein ebenso großes Maß an Regelmäßigkeit und an Eignung als Kommunikationsmittel auf wie Hochsprachen. Jedoch gibt es meist keinerlei schriftsprachliche Normierung der Orthographie und der Grammatik. Häufig entwickelte sich der schriftliche Standard einer Sprache aus einem gesprochenen Dialekt, der von einem oder mehreren Schriftstellern verwendet wurde.

So dominierte der toskanische Dialekt, in dem die Dichter Dante Alighieri und Petrarca schrieben, alle anderen italienischen Dialekte und wurden zur Schriftsprache Italiens. Der hochdeutsche Dialekt, in dem Martin Luther die Bibel übersetzte, wurde zum Standarddeutsch. Der East Midland Dialekt des Dichters Geoffrey Chaucer wurde zur Grundlage der englischen Sprache.[3]

In der Regel ist es schwierig oder unmöglich, zwischen einzelnen Dialekten oder zwischen Hochsprache und Dialekt eine scharfe Grenze zu ziehen, da diese häufig fließend sind. In Grenzgebieten vermischen sich beispielsweise die verschiedenen Mundarten und überdies weisen die unterschiedlichen Dialekte innerhalb eines Landes oder Gebietes vielfach ähnlich Strukturen und Charakteristika auf. Dennoch ist die wechselseitige Verstehbarkeit zwischen Sprechern verschiedener Dialekte oft nur teilweise möglich, da es sich um unterschiedliche, jedoch gleichberechtigte Varietäten der Mundarten handelt, deren Lautung starke Differenzen aufweist. Wenn die gesprochenen Varianten über eine gemeinsame Schriftsprache verfügen, kann man davon sprechen, dass sie Dialekte ein und derselben Sprache sind.

1.2 Primäre und Sekundäre Dialekte

Eine Sprache setzt sich aus vielen unterschiedlichen linguistischen Systemen zusammen und ist im Wesentlichen als ein Zusammenschluss von Dialekten zu betrachten. Für die Linguisten ist der Dialekt die primäre Erscheinungsform jeder historischen Sprachen und es darf hier nicht vergessen werden, dass sich jede Standardsprache (offizielle Sprache) aus einem Dialekt entwickelt hat. Einigen dieser Dialekte gelingt es Ansehen zu erlangen, indem sie eigene linguistische Züge in die Standardsprache integrieren, was z.B. in Andalusien der Fall ist.

Alle spanischen Dialekte sind Erben des in Hispanien verbreiteten Sprechlateins, folglich liegt eine starke Beeinflussung der heutigen Landessprache durch ebendiese Sprache vor. Im Falle des Andaluz allerdings ist auch zu beachten, dass

„Das im Zuge der Reconquista nach Süden getragene Kastilisch [ist] jedoch gewissen nivellierenden Tendenzen, wohl auch durch die Berührung mit dem Mozarabischen, ausgesetzt gewesen [ist] und zeigt insofern lautliche Vereinfachungen, deren Verbreitung jedoch nicht mit der politisch abgegrenzten Region Andalusien übereinstimmt.“[4]

Aus dem vorangehenden Zitat lässt sich folgern, dass sich das Andaluz aus dem Kastilischen weiterentwickelt hat und es sich demzufolge um einen sekundären und keinen primären Dialekt handelt. Handelt es sich um eine schon vor der Konstituierung einer Gemeinsprache existierenden Mundart einer historischen Sprache, so spricht man von einem primären Dialekt. Durch die Differenzierung der Gemeinsprache selbst können „sekundäre Dialekte“ wie beispielsweise das Andalusische oder das Kanarische entstehen, was bedeutet, dass man ‚ el Andaluz ’ als Unterdialekt des Kastilischen zu betrachten hat.

Dialekte beschränken sich prinzipiell ausschließlich auf die aktuelle Kommunikation, während die Standardsprache in der Bildung, in der Verwaltung, in offiziellen Kontakten, in den Medien, im Handel, etc. benutzt wird.

2. Die Spanische Sprache

2.1 Die Verbreitung des Spanischen

Im Jahre 1931 wird das Kastilische verfassungsmäßig offizielle Sprache der Iberischen Halbinsel, heute ist es außerdem amtliche Sprache der meisten Staaten Zentral- und Südamerikas sowie Äquatorialguinea, des weiteren Umgangssprache in verschiedenen Staaten der USA und auf mehrerer Antilleninseln.

Vor allem aufgrund seiner phonetischer Merkmale wird in Spanien das eigentliche Kastilisch vom Andalusischen unterschieden. Ein besondere Rolle in bezug auf den andalusischen Dialekt spielt der regionale Aspekt – speziell im Gebiet von Andalucia existieren zahlreiche ortsgebundene sprachliche Besonderheiten, die durch weitere Isoglossen (Grenzen einer Sprachform) in Subvarietäten eingeteilt werden können. Es gibt jedoch keine ausschließlich andalusischen Züge im Andaluz – sie sind ebenfalls in anders ausgeprägter Form im Spanisch der Iberischen Halbinsel, dem der Kanaren und dem amerikanischen Spanisch existent.

Die lateinamerikanischen Varietäten des Spanischen (auf die wir später noch einmal speziell eingehen werden) stehen in mehrerer Hinsicht dem Andalusischen nah, denn auch hier versucht man, mit Hilfe bestimmter Isoglossen wie z.B. dem Yeísmo, Voseo, Typen von Diminutivsuffixen oder der Gewichtung des jeweiligen Einflusses der amerindischen Sprachen, Areale innerhalb der Sprachgebiete abzugrenzen.

2.2 ‚Gitanismo’ und Variationen des Spanischen

In Spanien ist Andalusien die Region mit der ausgeprägtesten Dialektform des Kastilischen: neben Besonderheiten in Phonetik und Morphosyntax existieren ferner zahlreiche lexikalische Archaismen (veraltete Ausdrücke). Obendrein findet man in der populären Umgangssprache der Andalusier einige gitanismos, die aus der Sprache des flamenco übernommen wurden. Der Ausdruck flamenco ist seit Mitte der 1830er Jahre in der Bedeutung ’cante’ - Gesang in Gebrauch, später auch in der von ’baile’ – Tanz.

„Nach Ropero Núñez (1978, 55ss.) ist der Flamenco eine Gesangsweise, in deren Sprache die Andalusismen überwiegen, wozu Bestandteile aus der Zigeunersprache und aus dem Argot (Sonder- Gaunersprache)der Delinquenz treten.“[5]

Die Sprache des flamenco ist nicht nur Teil der Umgangssprache Andalusiens geworden, sondern darüber hinaus auch in die Populärsprache der Iberischen Halbinsel eingedrungen. Betrachtet man den Vorgang der Verbreitung des flamenco und der gitanismos genauer, bemerkt man, dass es sich zu Beginn um términos gitanos handelte, die ausschließlich von der eigenen (Sprach-) Familie verstanden wurden. Später entwickeln sich die Ausdrücke zu typischen Begriffen des gitano –andaluces und heutzutage sind einige sogar zu sogenannten populares geworden, die über Andalusien hinaus gebräuchlich sind.

Allerdings werden sich wohl viele der Sprecher (die keine Vorfahren zigeunerischer Abstammung haben) fragen, ob es sich bei dem gebrauchten Wort um ein palabra malsonante, einen gitanismo oder um echtes andaluz handelt.

2.3 Beispiele von gitano -Ausdrücke

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch heute noch werden diese Ausdrücke vielfach mit Begriffen wie: „vulgares, de bajos fondos, de mala educación“ betitelt und damit als Sprache der Personen qualifiziert die eine mangelhafte Ausbildung genossen haben, was jedoch nicht grundsätzlich der Fall sein muss.

3. Soziolinguistik

3.1 Stellung des Andaluz in der Gesellschaft

Nachdem nun ausführlich über die Charakteristika des Andalusischen berichtet wurde, bleibt die Frage offen, in wieweit das Andalusische national aber auch international als Dialekt anerkannt wird und in welchem Ausmaß es im alltäglichen Leben angewandt wird. Die Andalusier selbst sind sehr unterschiedlicher Meinung was ihren Dialekt betrifft. Fragt man sie welche Sprache sie sprechen, stößt man auf viele unterschiedliche Antworten, so z.B. español oder andaluz. Andere sind der Meinung, dass sie einen Dialekt sprechen der regionsabhängig ist, wie z.B. cordobés oder jódar, einen Dialekt den man in der Provinz Jaen spricht.

[...]


[1] Brockhaus Enzyklopädie, Bd. 17, Wiesbaden 1973, 769.

[2] Wolf Dietrich, Horst Geckeler, Einführung in die spanische Sprachwissenschaft: Ein Lehr und Arbeitsbuch, (Berlin: Ernst Schmidt Verlag, 1993), 31

[3] Dialekt, Microsoft® Encarta® 98 Enzyklopädie. © 1993-1997 Microsoft Corporation.

[4] Dietrich, Geckeler, Einführung in die spanische Sprachwissenschaft, 36.

[5] Manfred Betz, “Spanisch: Sondersprachen/ Jergas, in : Günter Holtus, Michael Metzeltin u. Christian Schmitt (Hrgg.), Lexikon der Romanistischen Linguisz´tik, Bd. VI, II (Tübingen: Max Niemeyer Verlag, 1992), 333.

Details

Seiten
27
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638214506
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v16670
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Fachbereich Hispanistik
Note
1
Schlagworte
Andalucismo Dialekt Untersuchung

Autoren

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