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Mimesis: Eine Betrachtung der Nachahmungsstrukturen im Film "Coffee and Cigarettes" von Jim Jarmusch

Hausarbeit 2011 7 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Mimesis – Eine Betrachtung der Nachahmungsstrukturen im Film Coffee and Cigarettes von Jim Jarmusch

1. Hinführung zum Thema

Häufig fällt mir auf, wie Filme die Realität nachzuahmen versuchen, obwohl sie sich scheinbar bewusst sind, Filme zu sein. Manche von ihnen strotzen nur so vor Querverweisen auf sich selbst, andere Filme oder eben dem Alltag. Und dennoch kommen wir nicht darum herum, sie als Kunst anzusehen. Vielleicht noch als parodistische Erzählungen aber nicht als Dokumentation, denn wir können der Künstlichkeit, trotz alles Gezeigten, nicht entfliehen.

Besonders fiel mir dieser Sachverhalt in Werken des amerikanischen Autors Jim Jarmusch auf. Er entwickelte eine Vorliebe dafür, die kleinen Details des Lebens, Erlebens und von Persönlichkeiten zu zeigen. Damit ist er ein Künstler, der sich stark vom klassischen Hollywood-Kino abhebt. Seine Filme sind maßgeblich von den mitwirkenden Schauspielern geprägt, da jeder derer eine maßgeschneiderte Rolle verkörpert.

Das macht es für mich so interessant die nachahmenden Strukturen des Jarmusch-Filmes Coffee and Cigarettes zu erläutern.

2. Mimesis

Das Wort Mimesis kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Nachahmung“.

In den Künsten wird Mimesis mit der Theorie der Poetik nach Aristoteles beschrieben. Diese besagt, dass die Nachahmung nicht dem Handeln eines Urbildes entsprechen muss, sondern eher eine Darstellung des Handelns an sich ist, des Charakters eines Menschen, seiner Ansichten und Absichten. Dies kann durchaus zum Besseren als auch zum Schlechteren hin tendieren. Wie es eben in der menschlichen Natur liegt. Hierbei beschreibt Aristoteles, dass es zum Einen einfach in der Natur des Menschen liegt, nachzuahmen (Produktion). Zum Zweiten meint Aristoteles, dass die Nachahmung dem Menschen Freude bereite (Rezeption), da er somit zu einer intellektuellen Erkenntnis und letztendlich zu technischer Perfektion gelangen kann. Die Mimesis ist also ein natürlicher und gewollter Lern- und Erfahrensprozess im Leben eines Menschen, der sich auch so in der Kunst widerspiegeln soll. Dieser Prozess geht nicht ohne die Katharsis von statten. Sie beschreibt die Läuterung des Zuschauers durch das, was er in der antiken Tragödie sieht. Er wird durch das gesehene emotional, körperlich, geistig und auch religiös gereinigt.

Nach Paul Ricoeur, der die Mimesis in der Literatur zu erfassen versuchte, ist sie keine bloße Nachahmung, sondern die Konstruktion der epischen Welt. Er unterscheidet dabei drei Arten.

Die Mimesis I deutet auf einen mimetischen und erzählerischen Vorgang hin, der sich im alltäglichen, in der Praxis abspielt. Die Mimesis II beschreibt die Konstruktion der Handlung, durch zusammenhängende und zeitlich sowie räumlich eindeutige eingeschränkte Narrative. In der Mimesis III erfolgt die Rezeption und der Abgleich von Mimesis I und II. Die drei unterschiedlichen mimetischen Abläufe finden aber keinesfalls zeitlich in dieser Reihenfolge statt, sondern bedingen sich gegenseitig stetig und wechselseitig, wie es in der Kultur üblich und notwendig ist.

Hierbei ist es auch wichtig, zu erwähnen, dass es durch den Zuschauer oder Leser zu einer Katharsis, jenem heilvollen Erschrecken, kommt, wie Aristoteles sie klassifizierte.

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Details

Seiten
7
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640829224
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166664
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,5
Schlagworte
Mimesis Film Jarmusch Filmtheorie Filmwissenschaft
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Titel: Mimesis: Eine Betrachtung der Nachahmungsstrukturen im Film "Coffee and Cigarettes" von Jim Jarmusch