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Eine ökonomische Betrachtung von Bildung

Ware Bildung?

Hausarbeit 2008 19 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kritik der Ökonomisierung
2.1 Personale Bildung
2.2 Die Aufgabe der Schule
2.3 Das Bildungswesen der Republik
2.4 Der Prozess der Ökonomisierung
2.5 Der Prozess der Privatisierung
2.6 Fazit Krautz

3. Ökonomische Sicht auf Bildung
3.1 Ware Bildung
3.2 Messbarkeit und Bewertbarkeit von Bildung
3.3 Die PISA Studie als Beispiel für die Messbarkeit
3.4 Institutionelle Reformvorschläge nach Wössmann

4. Fazit

Anhang:

Literaturverzeichnis

„Der Großteil der Ökonomik kann in vier Worten zusammengefasst werden: Menschen reagieren auf Anreize. DerRest istKommentar. “

Steven Landsburg

1. Einleitung

Bildung ist ein Begriff, von dem es kein eindeutige wissenschaftliche Definition gibt. Unter­schiedliche wissenschaftliche Disziplinen beschäftigen sich aus unterschiedlichen Perspek­tiven mit Bildung. So hat Bildung beispielsweise mit dem Selbstverständnis des Menschen zu tun, ist also eine philosophische Frage und hat mit der Erziehung junger Menschen zu tun, ist also auch eine pädagogische Frage. Bildung kann man sich aber auch aus ökonomischer Sich- weise nähern.

Dies wird häufig von pädagogischer Seite kritisiert. Eine Form dieser Kritik liegt in Form des aktuellen Buches „Ware Bildung“ von Jochen Krautz vor. Diese Arbeit soll sich mit dieser Kritik auseinandersetzen und anhand der kritisierten Aspekte die Grundzüge der ökono­mischen Sichtweise auf Bildung darlegen. Dazu wird in einem ersten Teil die Position von Krautz dargelegt, bevor in einem zweiten Teil der Kritik die Argumente der Ökonomik entgegengehalten werden. Unter der Vielzahl an bildungsökonomischen Ansätzen werde ich mich dabei besonders auf die Position von Ludger Wössmann stützen.

2. Kritik der Ökonomisierung von Bildung

Im folgenden sollen der Bildungsbegriff, den Krautz verwendet, erläutert werden, und dann die Aufgabe der Schule davon abgeleitet werden. Danach wird die gegenwärtige Situation der Schulen dargestellt, so wie Krautz sie sieht. Dann wird auf die Ökonomisierung und die Pri­vatisierung des Bildungswesens kritisch eingegangen.

2.1 Personale Bildung

Krautz vertritt einen umfassenden Bildungsbegriff. Bildung ist demnach nicht gleichzusetzen mit Wissen oder Information, sondern Bildung „ist personalisiertes Wissen“.(Krautz S.17) Unter personalisiertem Wissen versteht er dabei Wissen, das für die gebildete Person wichtig geworden ist, weil es sie geprägt und beeinflusst hat. Dabei hat das Wissen seinen Charakter verändert und ist zu etwas der Person Eigenem geworden. Der Prozess der Bildung ist daher auch ein innerer Vorgang im Menschen. Dieser Prozess kann von außen daher auch nur ange­stoßen, nicht aber verordnet oder aufgezwungen werden.

Dies bedeutet hingegen nicht, dass man Jugendliche oder Kinder einfach alleine wachsen lassen soll. Krautz betont ausdrücklich die Notwendigkeit der Führung durch einen Lehrer, eine schon gebildete Person. Der Bildungsprozess findet in der Beziehung zum anderen Men­schen statt. Krautz ist dieser Aspekt so wichtig, dass er von „personaler Bildung“ spricht. Bil­dung ohne eine Bezugsperson kann demnach nicht gelingen. Dies begründet Krautz mit der Natur des Menschen: „Der Mensch ist grundsätzlich auf den Menschen ausgerichtet.“ (Krautz S.15)

Bildung und Erziehung sind für Krautz nur unterschiedliche Sichtweisen auf die selbe Sache. Der Begriff Bildung beschreibt die innere Entwicklung, während der Begriff der Erziehung die notwendige Führung durch den Lehrer beschreibt. Beides ist aber untrennbar miteinander verbunden. Die Selbstbildung braucht Anleitung. Nur durch die persönliche Beziehung kann auch die Möglichkeit zur Unabhängigkeit entstehen.

Die Beziehung des Schülers zum Lehrer ist die Grundlage für die Vermittlung der Bildungsgegenstände. Bildung steht nämlich nicht im freien Raum, sondern die Welt ist der eigentliche Vermittlungsgegenstand der Schule. Der Lehrer vermittelt über seine Person den Zugang zur Sache. Krautz beschreibt die Beziehung als Dreieck: Lehrer - Schüler - Sache. (vgl. Krautz S.13)

Im Mittelpunkt dieser Bildung soll der Mensch und seine freie Entfaltung zu mehr Mensch­lichkeit stehen. Bildung ist der Beginn der öffentlichen Verantwortung des Kindes. Es soll lernen, einen verantwortungsvollen Beitrag zum Werden der Gesellschaft zu leisten. Dazu soll das Kind unabhängig werden, also selbst denkend, nicht aber ungebunden im Sinne von nur auf sich selbst bezogen.

Krautz knüpft an die klassischen Vorstellungen Humboldts an, wenn er fordert, dass Bildung die Menschlichkeit fördern und den Charakter umbilden soll. Die allgemeine Bildung soll dem Menschen ermöglichen all seine Fähigkeiten zu entfalten und dies unabhängig von einem Zweck.(vgl. Krautz S.21) Bildung ist daher nicht bloßes Allgemeinwissen oder eine möglichst gute Vorbereitung auf den späteren Beruf.

Dabei bestreitet der Autor nicht die Notwendigkeit einer Ausbildung. Auch die notwendigen Fähigkeiten, die für das spätere Berufsleben gebraucht werden, sollen in der Schule gelernt werden. Aber diese Ausbildung soll nicht das alleinige Ziel der Schule sein.(vgl. Krautz S.20)

Vor allem soll Schule auch nicht zur Anpassung erziehen und auch sich selbst nicht an den herrschenden Zeitgeist anpassen, sondern soll die Schüler Alternativen erkennen lassen, ethi­sche Orientierung herausbilden lassen und für das Leben tauglich machen.

2.2 Die Aufgabe der Schule

Die oben beschriebene Beziehung zwischen Lehrer, Schüler und den Sachen zu ermöglichen, ist also die hauptsächliche Aufgabe der Schule. Auch in der heutigen Zeit hat sich der Grund­satz, dass Menschen in Beziehungen lernen, nicht verändert. Alle Versuche den Lehrer zu ersetzen, etwa durch Computerprogramme, sind daher zum scheitern verurteilt. Es ändert sich zwar die Welt und die Gesellschaft, nicht aber die Bildung.(vgl. Krautz S.24f)

Die Kernaufgabe der Schule ist und bleibt eine pädagogische: „Der Mensch, die Person kann alleiniger Maßstab jeder Schultheorie, jeder bildungspolitischen Entscheidung und jeder einzelnen pädagogischen Handlung sein.“(Krautz S.20) Das bedeutet, dassjeder Inhalt und jedes Ziel sich darauf untersuchen lassen muss, inwieweit es zur allgemeinen Bildung der Schüler beiträgt.

Der Kern der pädagogischen Arbeit muss die von Bollnow beschriebene pädagogische Atmo­sphäre sein: „menschliche Haltungen, innere Einstellungen, gefühlsmäßige Bedingungen, die notwendig sind“(Krautz S.25), damit Bildung und Erziehungen erfolgreich sein können. Das sind gefühlsmäßige Grundlagen, die sich weder testen noch messen lassen.

Moderne Konzepte wie Freiarbeit und Unterricht, der sich nur an den Schülerinteressen ausrichtet und usw. weiter hält Krautz daher für ungeeignet. Vom ungebildeten Schüler kann man nicht verlangen, zu entscheiden, was er lernen will, eben weil ihm die Bildung dazu fehlt. Erst durch die Zuwendung des Lehrers lernt der Schüler sich mit Dingen auseinander zu setzen, denen er sonst ausgewichen wäre. Dabei formt er sich selbst. Der Lehrer soll den Schüler also fördern und fordern.

Die Schulfächer sollen den Schülern ermöglichen, die grundsätzlichen Zusammenhänge der Welt zu verstehen, weil sie bestimmte Grundfragen des Menschen repräsentieren. So sollen die Schüler in die Lage versetzt werden, sich selbst ein Bild machen zu können, und sich in der Welt zu orientieren.

Nicht dazu da ist die Schule aber um die Schüler leistungsfähig zu machen, wenn mit dem Begriff „leistungsfähig“ allein wirtschaftliche und gesellschaftliche Nützlichkeit gemeint ist.

2.3 Das Bildungswesen der Republik

Bildung hat tragende Bedeutung für das gesellschaftliche Zusammenleben: Die Republik, als Sache der Bürger verstanden, braucht die Selbstbestimmung der Bürger. Demokratie ist nicht nur ein Abstimmungsverfahren, sondern eine Lebensweise, die vom Dialog lebt und dem Wil­len der Menschen, sich zu beteiligen( vgl. Krautz S.41). Dafür braucht die Demokratie gebil­dete Bürger.

Deshalb müssen öffentliche Schulen dem öffentlichen Interesse dienen. Dies ist laut Krautz nur möglich, wenn das Bildungswesen staatlich organisiert und verantwortet wird. Im Mo­ment gibt es aber Entwicklungen, aus dem öffentlichen Bildungswesen ein privates zu machen. Der gesellschaftliche Teilbereich der Privatwirtschaft dehnt seinen Einfluss in unzulässige Weise in den Bereich der Bildung aus. Statt sich allgemeinen Interessen unter zu ordnen, würden spezielle Interessen das Bildungswesen in ihrem Sinne umbauen.

Gelingen könne dies, weil die Situation des Bildungswesens schon länger nicht mehr ideal sei. Ein Bildungsverfall habe stattgefunden, der die Bildungswelt so geschwächt habe, dass sie leichte Beute für andere Interessen werden konnte.

Krautz benennt als einen Grund für die schlechte Situation die ständigen Bildungsreformen.

In Folge dieser ständigen Reformen seien keine Kontinuität und Verlässlichkeit mehr zu fin­den. Daher fordert Krautz auch einen Reformstopp, um anschließend die Diskussion um Schule in Ruhe führen zu können. (vgl. Krautz S.50)

Einen weiteren Grund sieht Krautz im Absenken des Anspruchsniveaus der Bildungsein­richtungen, in Folge der sozialdemokratischen Idee der 60er Jahre, gleiche Bildungschancen für alle zu ermöglichen. Zwar sei die Öffnung richtig gewesen, aber pädagogisch nicht ausreichend begleitet worden. Institutionelle Reformen könnten nicht pädagogische Aufgaben lösen. (Krautz S.47)

Vor allem aber beklagt Krautz den pädagogischen Zeitgeist, der Eltern und Lehrer habe vergessen lassen, was Erziehung eigentlich ausmache. Im Klima der 60er Jahre seien sämt­liche Konzepte und Traditionen der Pädagogik diskreditiert worden. Als Folge davon seien Eltem und Lehrer verunsichert und nicht in der Lage, „eine klare Anleitung zu geben und Grenzen zu setzen.“(Krautz S.52) Das führe nicht wie erhofft zur Emanzipation, sondern bringe orientierungslose junge Menschen hervor, die keine eigenen Werte besäßen und daher leicht den Verlockungen der Konsumgesellschaft erliegen würden.

Negativ für die Bildung sei auch der Wandel von der „Pädagogik“ zur „Erziehungswissen­schaft“ gewesen. Statt nach den Grundfragen von Bildung und Erziehung zu suchen, begleite die Erziehungswissenschaft die Praxis nur noch empirisch. (vgl. Krautz S.53)

Auch die optimale Ausstattung der Schulen sei heutzutage nicht mehr gewährleistet. Schulen seien chronisch unterfinanziert. Insgesamt sei der Anteil am BIP, der in Deutschland für die Bildung ausgegeben wird, zu klein. Krautz unterstellt hierbei, wie später noch zu sehen sein wird, Absicht, sogar eine geheime politische Agenda.

Dazu kommt eine ständige Überlastung von Schulen und Lehrern durch immer neue Aufga­ben. Die ständige Zunahme von Verwaltungsaufgaben, würde sie von ihrer ursprünglichen Aufgabe, dem Unterrichten, abhalten.

Ein weiteres Problem sieht Krautz in dem schlechten Ansehen der Lehrer in der Öffentlich­keit. Falsche Vorstellungen vom Lehrerberuf führten dazu, dass Lehrer ständig in Frage gestellt würden und damit ihre Aufgabe erschwert würde.

Da für Krautz die Beziehung zwischen dem Menschen, der sich bilden will, und dem gebil­deten Menschen, der ihn anleitet, so wichtig ist, ist für ihn die Person des Lehrers besonders wichtig. Daher fordert Krautz auch bei der Lehrerausbildung eine Abkehr von den neuen Studiengängen und Konzepten. (vgl. Krautz S.75-78)

Besonders schädlich für die Bildungswelt seien Vergleichsstudien wie etwa die PISA-Studie gewesen. In der PISA-Studie werde nicht etwa, wie häufig in der öffentlich Diskussion unter­stellt, die Bildung gemessen, sondern etwas anders, „ein Bildungssurrogat“ (Krautz S.82). Weil man richtige Bildung gar nicht messen könne, definiere die OECD, die die Studie erstellt habe, einen neuen Begriff von Bildung. Somit sei die Studie normativen Charakters. Die Studie messe Basiskompetenzen. Es liegt also hier ein funktionalistischer Begriff von Wissen und Können vor.

Auch an der konkreten Ausgestaltung der Studie zweifelt Krautz. So seinen die Fragen eher am anglophonen Raum und dessen Schulpraxis angelehnt und daher nicht objektiv.

Daneben weist Krautz auf Probleme in der Methodik und der Auswertung der Studienaufga­ben hin.(vgl. Krautz S.82-94)

Krautz geht, meiner Einschätzung nach, zu wenig auf die erheblichen Leistungsunterschiede ein, die aufgrund des sozialen Hintergrundes der Schüler entstehen. Mag sein, dass die deut­schen Schüler insgesamt durch die Art der Fragestellung benachteiligt worden sind, dies erklärt aber nicht die erheblichen Unterschiede zwischen den deutschen Schülern.

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640833603
ISBN (Buch)
9783640833399
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166630
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,0
Schlagworte
betrachtung bildung ware bildungsökonomie

Autor

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