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Das Alexandrinische Schisma - Ursachen, Verlauf, Ausgleich

Seminararbeit 2010 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hergang des Konflikts

3. Doppelwahl das Alexandrinische Schisma

4. Ausgleich

5. Abschließende Betrachtung

6. Literaturliste

1. Einleitung

Beschäftigt man sich mit der hochmittelalterlichen Geschichte Deutschlands, dann kommt man am Geschlecht der Staufer und ihrer Leitfigur „Friedrich Barbarossa“ nicht vorbei.1 Er war zur Zeit seiner Regentschaft (1152-1190) eine derart bedeutende politische Persönlichkeit, dass er in all seinen Facetten in dieser Seminararbeit nicht behandelt werden kann. So beschränke ich mich in meiner Arbeit auf den Konflikt zwischen Friedrich Barbarossa und Papst Alexander III. und versuche die Frage zu beantworten, wie es zum Alexandrinischen Schisma kam, wie es verlief und zu welchen Ergebnissen und Konsequenzen es nach sich zog.

Die Intention der Arbeit zielt darauf ab, einen kompakten Überblick über den Hergang und die Entwicklung des Konflikts zwischen Friedrich Barbarossa und Alexander III. zu erarbeiten und zum Schluss darzustellen inwieweit die beiden Kontrahenten den abgeschlossenen Frieden von Venedig 1177 zu ihrem Vorteil nutzen konnten beziehungsweise Nachteile hinnehmen mussten. Der Versuch die Auseinandersetzung zu beschreiben muss seinen Ausgang von der Frage nehmen, wie sich die Beziehungen zwischen dem Staufer und der römischen Kurie seit seinem Regierungsantritt entwickelten. Weiterhin muss untersucht werden welches Verständnis und welche Ansichten die Kontrahenten von der eigenen Amtsfunktion und der Funktion des jeweils Anderen hatten. Waren die Zugeständnisse Barbarossas im Frieden von Venedig ein Rückschritt gegenüber seinem Bestreben die Gleichrangigkeit der beiden „Universalgewalten“, in deren Rolle sich Papst und Kaiser sahen, zu postulieren oder stellten die Vereinbarungen eine konsequente und folgerichtige Sicherung seiner Kaiserwürde dar?

Viele Historiker setzten sich bereits wegen der besonderen Bedeutung, die der Konflikt zwischen dem Kaiser- und Papsttum mit sich brachte, mit dem angesprochenen Thema auseinander. Aufgrund der Wichtigkeit, die der Vertrag von Venedig einschließlich seiner Konsequenzen für das Verhältnis zwischen Kirche und Staat hatte, findet sich in der Fachliteratur eine umfassende systematische Darstellung der Ereignisse. Neben dem monographischen Werken von Johannes Laudage und Odilo Engels setzten sich noch zahlreiche Autoren mit dem Konflikt und/oder dessen beiden Hauptakteuren auseinander.

2. Hergang des Konflikts

Der Versuch die Ursachen der Spaltung zwischen Friedrich Barbarossa und Alexander III. zu finden, sollte nicht erst beim vielbeachteten Reichstag von Besancon 1157 oder gar bei der Doppelwahl von 1159 ansetzen. Die Ursachen des Konflikts sind schon Jahre früher zu suchen. Dabei ist folgende Frage zu stellen: Wie entwickelte sich das Verhältnis Barbarossas mit der römischen Kurie seit dessen Amtsantritt am 9. März 1152? Nur unter diesem Gesichtspunkt kann untersucht werden, auf welchen Grundlagen die Politik Friedrichs I. und Alexanders III. aufbaute und inwieweit das Alexandrinische Schisma das Resultat einer vorangegangenen Kontinuität bildete2.

Um den Hergang zu beleuchten macht es Sinn den Konstanzer Vertrag, der am 23.03.1153 zwischen Papst Eugen III., dem „Vorvorgänger“ Alexander III., und Friedrich I. geschlossen wurde, eingehender zu betrachten. Durch diesen verpflichtete sich der rund ein Jahr zuvor zum König gewählte Staufer zur Unterstützung der römischen Kurie gegen die aufständischen Stadtrömer, Roger von Sizilien, und eine etwaige byzantinische Expansion auf Italien sowie zum Schutz der Kirche als deren Vogt. Der Papst sicherte als Gegenleistung bei der nächsten Romfahrt des Staufers die Kaiserkrönung zu, die Verhängung der Exkommunikation über Reichsfeinde und das Eintreten gegen die bereits erwähnten byzantinischen Exansionsbestrebungen. Weiterhin verpflichteten sich beide Parteien die Ehre des jeweils anderen zu schützen, was päpstlicherseits eine Neuerung darstellte. Es gab noch eine Reihe weiterer Punkte, welche aber um die Entwicklungslinie des Konfliktes zwischen Friedrich und der Kurie aufzuzeigen, eine untergeordnete Rolle spielen. Der Vertragspunkt, der später zum Stein des Anstoßes werden sollte, war ein anderer. Beide sicherten zu, keinen Separatfrieden mit den Feinden des Partners einzugehen. Doch bevor noch dieser Vertragspunkt zu Missstimmungen zwischen den beiden Parteien führen sollte, fand im Jahre 1154 ein anderes Ereignis statt. Auf dem 1. Italienfeldzug Friedrichs, der in einer Kaiserkrönung münden sollte, gab es in Sutri ein Aufeinandertreffen des Papstes und des zukünftigen Kaisers. Zuvor zeigte der Staufer guten Willen indem er Arnold von Brescia hängen ließ, darum hatte ihn der Papst gebeten, da Arnold von Brescia vorgeworfen wurde das Volk von Rom gegen den Vatikan aufgewiegelt zu haben. Der Kaiserkrönung schien nichts mehr im Wege zu stehen. Doch beim Einritt des Papstes in das Lager des Staufers verweigerte dieser dem Papst den „Marschall- und Stratordienst“. Den Teil, in dem der König das Pferd des Papstes ein Stück weit führt und anschließend dem Papst beim Absitzen hilft in dem er ihm den Steigbügel hält. Dies unterließ der König, da ihm diese Handlung in seinen Augen zu sehr als Unterwerfungsgeste erschienen sein muss.3 Und Unterwerfung war nicht das was der Kaiser dem Papst gegenüber demonstrieren wollte. Nicht umsonst prägte er Jahre später dem Begriff des ebenbürtigen „sacrum imperium“. Das wäre nicht mit seinem Herrschaftsbild zu vereinbaren gewesen, in dem der Papst und der Kaiser ebenbürtige Instanzen darstellen. Damals ein Eklat den Stratordienst nicht zu leisten. Denn das Protokoll war im Mittelalter entscheidend. Durch bestimmte Gesten, Handlungen und Positionen sollten Machtverhältnisse ausgedrückt werden. Daraufhin verweigerte ihm auch der Papst den darauf folgenden obligatorischen Friedenskuss. Nach Verhandlungen zwischen der Kurie und der königlichen Administration wurde die Zeremonie am Lago di Monterosi noch einmal wiederholt, die Kaiserkrönung wenig später vollzogen. Dieser Vorfall zeigt wie wichtig es Friedrich Barbarossa war die Gleichrangigkeit der weltlichen Macht gegenüber der geistlichen zu demonstrieren. Hatte dieser Zwischenfall bereits zu Missstimmung zwischen Kaiser und Kurie geführt, so sollte der zuvor erwähnte Vertrag von Konstanz die Gräben weiter vertiefen.

Bereits drei Jahre nach Abschluss des Vertrages, in dem Papst und deutscher König unter anderem vereinbarten keinen Separatfrieden mit dem normannischen Königreich in Süditalien und Sizilien zu schließen, änderte sich die päpstliche Politik radikal. Auslöser war, dass Friedrich I. Barbarossa den geplanten Feldzug nach Unteritalien aufgegeben hatte. Der Papst war verstimmt, da die Normannen unter Führung Wilhelms I., König von Sizilien, unerwartet militärische Erfolge verbuchen konnten, damit vor Benevent standen und Anstalten machten, Papst Hadrian IV., Eugen III. war bereits verstorben, auszuheben. Weiterhin hatte das Oberhaupt der Römischen Kirche anhaltende Probleme mit dem Senat der Stadt Rom. In dieser bedrohlichen Situation hielt es der Papst für besser sich mit den Normannen zu einigen und so kam es im Juni 1156 zum Frieden von Benevent. Der Vertrag hielt den territorialen Status quo fest: Die Normannen konnten die vom Papst eroberten Gebiete behalten, mussten dafür aber Zins entrichten. Der Papst behielt seine Lehnsherrschaft über Sizilien, musste aber deutliche Zugeständnisse machen, was die Selbstständigkeit der sizilianischen Kirche anging. Dieser Separatfrieden war aus Sicht des Staufers ein deutlicher Vertragsbruch, der zu Missstimmungen führte.

Hatte der Vertrag von Benevent schon zu Spannungen zwischen der Kurie und dem Kaiser geführt, so brach auf dem Reichstag von Besancon, der im Jahre 1157 abgehalten wurde, der Konflikt offen auf. Äußerer Anlass war die Verleihung des Primats über Schweden an den Erzbischof Eskil von Lund, die vom Papst 1157 vorgenommen wurde.4 Der Kaiser konnte angesichts dieser Tatsache nicht tatenlos zusehen, wurden doch die Primatsrechte des Metropolitansitzes Hamburg-Bremen entscheidend geschmälert. Auf der Heimreise aus Rom wurde des Erzbischof in Burgund überfallen und gefangengenommen. Trotz wiederholter Mahnungen seitens des Papstes unternahm Friedrich in dieser Angelegenheit nichts.5 Dagegen sollte eine Gesandtschaft des Papstes unter Führung des Kanzlers Roland Bardinelli, dem späteren Papst Alexander III., Einspruch erheben und überbrachte einen Protestbrief.6 Gleich zu Anfang löste die Begrüßung der Abgesandten einen Eklat aus, indem sie den Kaiser auf eine Stufe mit den Kardinälen stellten und ihn damit als Untergebenen des Papstes ansprachen.7 Fast blutig endete die Situation als verlesen wurde, dass Papst Hadrian IV. Barbarossa gerne größere beneficia als die Kaiserkrone gegeben hätte, wenn dies möglich gewesen wäre. Rainald von Dassel, seit 1156 Barbarossas Kanzler, übersetzte das Wort beneficium mit Lehen und nicht mit Wohltat, so dass der Eindruck entstand, der Papst betrachte den Kaiser als seinen Vasall. Woraufhin Roland Bardinelli in dem Tumult fragte, von wem denn der Kaiser das imperium erhalten habe, wenn nicht vom Papst.8 Das persönliche Eingreifen Barbarossas war notwendig um Otto von Wittelsbach davon abzuhalten ein Blutbad anzurichten. Die päpstlichen Legaten in deren Gepäck bei einer Durchsuchung besiegelte Blankette gefunden wurden, die zur Beschlagnahme kirchlicher Gerätschaften und Vermögenswerte hätten verwendet werden sollen, wurden nach Rom zurückgeschickt und Barbarossa betonte in einem im ganzen Reich verbreiteten Rundschreiben, dass er die kaiserliche Würde nur von Gott empfangen habe, der die Herrschaft im Weltkreis durch die Verleihung zweier Schwerter, des geistlichen an den Papst und des weltlichen an den Kaiser, ordnete und dass es ihm nicht durch den Papst, sondern durch die Wahl der deutschen Fürsten übertragen worden sei.9

Das bereits seit dem Vertrag von Benevent schwer erschütterte Verhältnis zwischen i mperium und s acerdotium erfuhr nun einen regelrechten Bruch.10 Später berichtigte sich der Papst zwar in einem Schreiben, er habe mit beneficium Wohltat und nicht Lehen gemeint, das Zerwürfnis zwischen dem Kaiser und der römischen Kurie war aber nunmehr gefestigt.

[...]


1 Weber, Franz. Die Staufer - nur Geschichte? Geiger Verlag, Horb am Neckar, 1994, S. 7.

2 Laudage, Johannes. Alexander III. und Friedrich Barbarossa. Böhlau Verlag, Köln Weimar Wien, 1997, S. 33.

3 Bedürftig, Friedemann. Die Staufer. Ein Lexikon. Primus Verlag, Darmstadt, 2006, S. 14.

4 Oppl, Ferdinand. Friedrich Barbarossa. In: Herde, Peter [Hrsg.], Gestalten des Mittelalters. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1990, S. 205.

5 Jordan, Karl. Friedrich Barbarossa. Kaiser des christlichen Abendlandes. Musterschmidt Verlag, Göttingen Berlin Frankfurt, 1967, S.30.

6 Ebd., S.30.

7 Vgl. Gesta Frederici lib, III, c. 10, S. 410, Z. 5-8.

8 Görich, Knut. Die Staufer. Herrscher und Reich. Verlag C. H. Beck, München, 2006, S. 46.

9 Vgl. MGH DF I. Nr. 186, S. 313-315, bes. S. 315, Z. 8ff. = Gesta Frederici lib. III, c. 13, S. 418-420, bes. S. 420, Z. 9ff.

10 Oppl, Ferdinand. Friedrich Barbarossa. In: Herde, Peter [Hrsg.], Gestalten des Mittelalters. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1990, S. 58.

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640825936
ISBN (Buch)
9783640825950
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166483
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Historisches Institut
Note
2,7
Schlagworte
Alexander Das Alexandrinische Schisma Alexandrinisches Schisma Friedrich Barbarossa Papst Alexander III. Frieden von Venedig 1177 Universalgewalten Papst Kaiser Kaisertum Papsttum

Autor

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