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Hilfe und Kontrolle: Das doppelte Mandat der Sozialarbeit

Zu Formen der Hilfen in der Gesellschaft

Hausarbeit 2010 13 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Hilfe in alltäglichen Lebenssituationen: Formen und Funktion
2.2. Die Bedeutung der Gabe
2.2.1. Im Allgemeinen
2.2.2. In der primitiven Gesellschaft
2.3. Das Almosen
2.4. Unterschied zwischen arm und reich

3. Institutionalisierung von Hilfe
3.1. Neue Definition der Hilfe
3.2. Zur Entstehung der Sozialen Arbeit

4. Die Organisationsform der Hilfestruktur
4.1. Zur Bedeutung der Sozialen Arbeit
4.2. Ziel der Hilfestruktur

5. Das doppelte Mandat der Sozialarbeit

6.Schlussfolgerung13 Literaturverzeichnis

1. Einführung:

Das Verhältnis zwischen den Menschen im alltäglichen Leben wird meistens bestimmt durch unterschiedliche Hilfeleistungen in unterschiedlichen Formen. Im Allgemeinen braucht jeder Mensch gewissermaßen Hilfe von einem anderen Menschen. Abgesehen von den häufigsten Formen der Hilfe, nämlich Geld, Nahrung und Kleidung, wird das Helfen als ein Beitrag zur Befriedigung der Bedürfnisse eines anderen Menschen verstanden. Außerdem hört man in manchen Lebenssituationen Sätze , die von Menschen geäußert werden, die Hilfe brauchen: beispielsweise : „Bitte, ich brauche Hilfe“, “Bitte, helfen Sie mir“, „ Komm mir bitte zur Hilfe“, „ Was kann ich für Sie tun?“ usw. Manchmal kommt es vor, dass Hilfe eine notwendige Voraussetzung für eine Person darstellt, um ihr Ziel zu erreichen. In der Sozialen Arbeit wird Hilfe als eine Aufgabe thematisiert oder als ein Beitrag zur Regulierung des sozialen Systems bezeichnet. Durch konkrete Programme und durch Planung, kommt Hilfe zustande und der Versuch die Lebenssituation der Menschen zu verbessern gehört zu den größten Herausforderungen der Sozialen Arbeit. Auch das Prinzip der Subsidiarität des Staates gewinnt heutzutage an Bedeutung. In gewissem Maße wird die Herstellung von einem sozialen Ausgleich oder einer sozialen Diskrepanz in der sozialen Arbeit erwartet. Die Hilfeleistung führt zur sozialen Kontrolle. Zur Kontrolle dieses sozialen Systems, bedarf es einer organisatorischen Struktur: von den klassischen Formen her wird die soziale Arbeit in unterschiedlichen Problemaspekten neu definiert. Die Hilfeplanung wird neu angesetzt und zielt darauf ab, Problemlösungsstrategien in spezifische Bereiche der Gesellschaft zu bringen. In dieser Hausarbeit wird darauf hingewiesen, wie sich der Begriff Hilfe in unterschiedlichen Gesellschaften zeitlich entwickelt hat und wie diese Änderungen nach wie vor zur Legitimierung der Sozialen Arbeit beigetragen haben. Dabei wird das doppelte Mandat als grundlegendes Prinzip der Sozialen Arbeit herangezogen.

2. Hilfe in alltäglichen Lebenssituationen: Formen und Funktion

Die Formen der Hilfe drücken sich in den alltäglichen Situationen unterschiedlich aus. Die Anerkennung des gesellschaftlichen Wandels hat dazu geführt, dass diese Formen einen Teil der Kultur oder eine Art der Solidarität bezeichnen. Dies äußert sich in gegenseitiger Hilfe und dem Eintreten für einander. Die Solidarität bezeichnet vor allem als Grundprinzip des menschlichen Zusammenlebens ein Gefühl der Zusammengehörigkeit bei Individuen und Gruppen. Das Gefühl der Zugehörigkeit hat sich im Laufe der Geschichte sowohl in familiären Kleingruppen, als auch in den Stämmen oder auch später in den sozialdemokratischen Staaten entwickelt. In der archaischen Gesellschaft entwickelt sich der Hilfeprozess durch besondere soziale Nähe der Wohngemeinschaften, der Nachbarschaft, des Dorfes, der Sippe oder des Stammes. Nach Niklas Luhmann „ sind archaische Gesellschaften segmentär differenzierte, auf der Basis von Verwandtschaft in gleiche Einheiten eingeteilte Gesellschaftssysteme auf einer geringen Entwicklungsstufe.“(Vgl. Luhmann 2005:169). Diese Beschreibung lenkt die Aufmerksamkeit darauf, dass Hilfe nicht nur in archaischen Gesellschaften zwischen den Angehörigen sichtbar ist, sondern auch heutzutage bemerkbar ist. Beispielsweise zu manchen besonderen Gelegenheiten wie Geburtstagen oder Weihnachten werden oft gegenseitig Geschenke überreicht. Üblicherweise könnte man diese wechselseitige Hilfe in Togo (meinem Heimatland) während der Erntezeit bemerken: die Familien müssen sich gegenseitige Hilfe leisten. Diese gegenseitige Hilfe erfolgt selbstverständlich zwischen den Nachbarn in der Umgebung, wird aber manchmal als Verpflichtung angesehen. Insbesondere in Zeiten der Not fühlt sich der Nachbarn dazu verpflichtet dem Anderen beizustehen: beispielweise bei einem Todesfall in einer Nachbarfamilie versammeln sich alle (Familie, Bekannten, Freunde) in der Nähe, nämlich alle Familienmitglieder und andere Familien des Dorfes oder des Stadtviertels, um gemeinsam die Trauerfeierlichkeit zu organisieren. Außerdem werden kleine finanzielle Beiträge geäußert. Dieses Verfahren versteht sich als eine grundlegende Handlung von unseren Vorfahren und erfolgt von Generation zu Generation und darf von niemandem unterbrochen werden. Denn bei uns bezieht man sich meistens auf folgende Lebensweisheit: „eine Hand wäscht die andere“. Das Zusammenleben und die Zugehörigkeit realisieren die wechselseitige Hilfe und kennzeichnen die Gesellschaft als eine solidere Gemeinschaft oder einfach eine große Familie. Wer Hilfe leistet, erwartet auch irgendwann von seinen Mitmenschen Hilfe. Die Hoffnung einer Gegenleistung verpflichtet. Das unorganisierte Hilfesystem in der Gesellschaft zeigt, dass ein Mensch gewissermaßen abhängig von einem anderen ist.

In manchen archaischen Gesellschaften kann die gegenseitige Hilfe als Ausdruck von Macht, Ruhm, Reichtum oder Prestige gegenüber den anderen angesehen werden. Die Realisierung von Gaben und Almosen ist von großer Bedeutung und ist je nach Gesellschaftsform unterschiedlich. „Während das Almosen und die Hilfe einseitig von oben nach unten, von reich zu arm fließt, kommt die Gabe also eher dem ohnehin Reichen und Berühmten zu“ (vgl. Sahle 1987:6). Es besteht also die Reziprozität zwischen den Gebenden, welche bei feierlichen Gelegenheiten beobachtbar ist.

2.2. Die Bedeutung der Gabe

2.2.1. im Allgemeinen

Die Gabe wird als Geschenk bezeichnet und verdeutlicht, dass es zwei verschiedene Schichten in der archaischen Gesellschaft gibt: die höhere Schicht, die Reichen (die Aristokraten) und die untere Schicht (die armen Leute). In dieser Hinsicht, bezeichnet reich denjenigen, der gibt und der arm, denjenigen, der etwas bekommt. Außerdem könnte heutzutage in manchen Gesellschaften oder auch in der Weltgemeinschaft die Gabe nur als eine Spende bezeichnet werden: d.h. es erfolgt keine Gegenleistung. Spenden werden für Projekte wie zum Beispiel Armutsbekämpfung gesammelt, mit dem Versuch die Weltgemeinschaft gerecht zu machen und eine solidarische Beteiligung im Falle von Naturkatastrophen zu zeigen. Beispielsweise als im Januar 2010 das Erdbeben die kleine Insel Haiti erschütterte, hatten viele Hilfsorganisationen in der ganzen Welt darauf Aufmerksam gemacht, dass Menschen in Haiti mit Spenden unterstützt werden müssten. Spenden spielten eine entscheidende Rolle bei den Hilfeleistungen für Haiti. Darüber hinaus entsteht ein Gefühl des Mitleids oder der Sympathie, welches meistens freiwillig gegenüber dem anderen entsteht. Die Teilnahme am Schmerz oder Leid anderer Menschen unterscheidet sich vom bloßen Miterleben durch die Bereitschaft, aktiv zu helfen und dem anderen bei der Bewältigung des Leids zur Seite zu stehen. Die Gabe wird einfach als ein Geschenk verstanden.

2.2.2. In der primitiven Gesellschaft

In der primitiven Gesellschaft hat die Gabe eine ganz andere Bedeutung. Die Gabe setzt ein Prinzip der Reziprozität voraus. Es ging nämlich um einen reziproken Austausch totaler Leistung. Diese Art und Weise Geschenke auszutauschen entwickelt/entwickelte sich nur unter Freunden und die Freunde sind nur diejenigen, die über Güter oder wertvolle Gegenstände verfügen. Der Tausch fand in den Volksstämmen statt, wobei ein Zeichen der Herrschaft, Macht oder Herausforderung zum Ausdruck kommen sollte. Sahle(1987) beschreibt in ihrem Werk welches der Gabe zugeschrieben wird, dass „das zentrale charakteristische Merkmal der Struktur (…) [ist] die Gleichzeitigkeit von Freiwilligkeit und Verpflichtung zum Austausch ist. Es ist Verpflichtung zum Schenken und Geben“ (Vgl. Sahle 1987:6)

Die Begründung der gegenseitigen Hilfe in der primitiven Gesellschaft erfolgt durch besondere feierliche Gelegenheiten am Beispiel von Kula und Potlatch.

Allerdings ist der Kula ein Tauschsystem und erstreckt sich auf 14 Inselgruppen vor dem östlichen Papua Neuginea. Getauscht werden beim Kula im Kreis der Inseln zwei Typen von Wertgegenständen aus Muscheln. Der Tausch der Kula-Objekte ist in ein komplexes Gefüge von sozialen Prozessen und religiösen Ritualen eingebunden. Im Rahmen des Kula-Tausches wird Reichtum transferiert, Status erworben, Allianzen zwischen Personen und Gruppen werden geschlossen. Die Reziprozität des Tausches ist die Etablierung der Tauschpartnerschaft um die soziale Beziehung indirekt herzustellen, erklärt Sahle (1987).

Die andere Form der feierlichen Momente der Gabe ist der Potlatch. Es geht um ein Fest, bei dem in ritueller Weise Geschenke verteilt oder ausgetauscht werden können. Das ist eine Form des wechselseitigen Gebens und Nehmens, wie es in archaischen Geschenksysteme und fand an den Küsten Nordamerikas, Alaskas und Britisch Kolumbiens statt und war bekannt als „Fest des Schenkens“ (Vgl. Sahle 1987: 5-6). In den Gesellschaften wo der Potlatch stattfindet, kommt der Status eines höheren sozialen Zustands zwischen den Gleichen, wie beispielsweise den Adligen oder Aristokraten, zum Ausdruck. Geschenke werden nur zwischen denjenigen ausgetauscht, die bereit sind gegen eine andere Gabe selbst eine Gabe oder ein Geschenk zu empfangen. Im Vordergrund steht der Ausdruck der Macht und Herausforderung. Sahle beschreibt: „einen Potlatch zu geben, sichert dem Häuptling Autorität, Ehre und Prestige. Darin manifestieren sich sein Glück, Reichtum und seine Überlegenheit über den Empfänger. Seinen Reichtum kann er nur beweisen, dass er ihn ausgibt, verteilt und damit die anderen demütigt, sie in den Schatten seines Namens stellt.“ (Sahle 1987: S.8). Folglich rechtfertigt die erste Gabe die Überlegenheit und Generosität des Gebers, während die Gegengabe die Wechselseitigkeit der Beziehung herstellt. Aber derjenige, der nicht in der Lage ist eine Gegengabe zu entrichten, ist dazu verpflichtet mit seiner Dankbarkeit zu bezahlen, um den Status des Gebers zu erhöhen. Von daher erscheint die Großzügigkeit des Gebers gegenüber dem Unvermögen des Armen als Wohltätigkeit.

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Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640824656
ISBN (Buch)
9783640824557
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166381
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Erziehungswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
hilfe kontrolle mandat sozialarbeit formen hilfen gesellschaft

Autor

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