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Lernausgangsdiagnostik im Sachunterricht - Einzelfalldiagnostik

Ausarbeitung individueller Förderaspekte für ein Kind

von M.Ed. Georg Rabe (Autor) R. Röhling (Autor)

Hausarbeit 2006 15 Seiten

Didaktik - Sachunterricht, Heimatkunde

Leseprobe

Gliederung

1. Gegenstand der Untersuchung - das beobachtete Kind
1.1. Personliche Daten
1.2. Aktuelle Situation

2. Grunde der Untersuchung
2.1. Zusammenhang zwischen Wahrnehmungsstorungen und Lernerfolg
2.2. Anlass der Untersuchung

3. Das Untersuchungsverfahren - „Die Hexe Mirola“

4. Beobachtungsergebnisse & Interpretation

5. Forderempfehlungen

6. Literaturverzeichnis

Die vorliegende Hausarbeit entstand im Rahmen des Seminars „Lemausgangsdiagnostik im Sachunterricht“. Zudem ging ihr ein Praxisbesuch voraus, bei dem Kindergartenkinder im Fokus einer Untersuchung zur Grundschulfahigkeit standen. Im Folgenden werden wir das angewandte Untersuchungsverfahren naher erlautern und anhand unserer Beobachtungen und Zusatzinformationen Forderaspekte fur ein bestimmtes Kind erarbeiten.

1. Gegenstand der Untersuchung - das beobachtete Kind

1.1. Personliche Daten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.2. Aktuelle Situation

Die folgenden Informationen erhielten wir im Anschluss an die Untersuchung von den Erzieherinnen des Kindergartens, insbesondere von X1s Gruppenleiterin.

X1s Eltern sind geschieden. Er lebt bei seiner allein erziehenden Mutter, die zwar einen neuen Partner hat, der aber nicht bei der Familie wohnt. Ebenfalls im Haushalt lebt X1s altere Schwester (16-jahrig), die aus erster Ehe der Mutter stammt. Die Mutter ist mit ihren beiden Kindern erst vor gut einem Jahr in ihren jetzigen Wohnort umgezogen. Seinen Vater besucht X1 fast jedes Wochenende. Wahrend der Zeit geht X1 nicht in den Kindergarten.

X1 gehort der XY-Gruppe an und wird auch nachmittags im Kindergarten betreut. Den haufigsten sozialen Kontakt wahrend der Betreuungszeit pflegt X1 zu dem Jungen X2, der beinahe gleich alt ist. Kontakt auBerhalb der Einrichtung haben sie nicht.

X1 zeigt im motorischen Bereich keine Auffalligkeiten. Probleme hat er dagegen im sozial- emotionalen Bereich. Abgesehen von X2 hat er kaum sozialen Kontakt und redet auffallend wenig, auch mit seiner Gruppenleiterin (Bsp.: Spricht diese ihn direkt an, reagiert er darauf nicht; damit ein Gesprach stattfindet, muss die Initiative von ihm ausgehen).

2. Grunde der Untersuchung

2.1. Zusammenhang zwischen Wahrnehmungsstorungen und Lernerfolg

Haufig wird davon ausgegangen, dass alle Kinder bei der Einschulung uber die gleichen Wahrnehmungsfahigkeiten und somit uber eine identische Lernausgangslage verfugen. Die Realitat sieht allerdings ganz anders aus. Die Zahl wahrnehmungsbeeintrachtigter Schulerinnen und Schuler nimmt stetig zu. Im padagogischen Bereich haben nach Nacken (2004, S.195) vor allem auditive und visuelle Wahrnehmungsstorungen, Kbrperwahrnehmungs- und Gleichgewichtsstorungen, sowie Storungen der Sprachwahrnehmung Beachtung erfahren. Werden diese Beeintrachtigungen fruhzeitig - im Idealfall deutlich vor Beginn der Schulzeit - erkannt, so konnen unverzuglich individuelle FordermaBnahmen eingeleitet werden, die die betroffenen Kinder, ihr Selbstvertrauen, sowie ihren Leistungswillen starken und ihnen Mut machen (Burk 1993, zit. nach Carle 2004, S.188), so dass die Wahrnehmungsfahigkeit bei der Einschulung kaum noch beeintrachtigt ist. Werden die Auffalligkeiten dagegen nicht rechtzeitig erkannt und kann ihnen daher nicht entgegengewirkt werden, so konnen schwerwiegende schulische Lernstorungen die Folge sein. Nacken (2004, S.196) fuhrt hierzu Sprachstorungen, Konzentrationsstorungen, Storungen im Sozialverhalten, Lese- Rechtschreibschwache (Legasthenie) sowie Rechenschwache (Dyskalkulie) auf.

2.2. Anlass der Untersuchung

Im Allgemeinen besteht der Grund fur die Untersuchung darin, eine Antwort auf die Frage ,,Ist das Kind X fahig, die Grundschule zu besuchen?“ zu erhalten. Detaillierter betrachtet soll herausgefunden werden, ob die Wahrnehmungsfunktionen, die motorischen und sozial- emotionalen Fahigkeiten des Kindes den Schulbesuch und die aktive Teilnahme am Unterricht zulassen. Fur den Fall, dass dies nicht zutrifft, soll anhand der im Zuge der Untersuchung gemachten Beobachtungen ein Forderplan erstellt werden, der die Defizite bzw. Storungen des Kindes kompensiert oder bestenfalls dauerhaft kuriert. Die Untersuchung findet ein Jahr vor dem Schulbeginn der Kinder statt. Innerhalb des Zeitraums bis zur Einschulung soll so durch geeignete FordermaBnahmen die Grundschulfahigkeit erreicht werden. Im Kindergarten steht dafur die Schulvorbereitungsgruppe zur Verfugung, die auf diese Art von Forderungsarbeit ausgelegt ist.

Diese Praxis der Lemausgangsdiagnostik ist seit August 2006 verpflichtend. Aus diesem Grand ist die Erarbeitung von Forderaspekten eine wohl platzierte Ubung dieser Praxis, die fur uns als Studenten mit dem Berufsziel Grundschullehramt im spateren Beruf verpflichtend sein wird.

3. Das Untersuchungsverfahren - „Die Hexe Mirola“

„Es handelt sich urn ein Beobachtungsverfahren, das eingebunden ist in eine Spielgeschichte. Eine kleine Hexe meistert ihren Schulweg mit Hilfe der Kinder, die sie unterstutzen und ihr bei verschiedenen Aufgaben helfen."[1]

Um fur die Kinder eine Atmosphare ohne Leistungscharakter und somit Leistungsdruck zu schaffen, ist die Untersuchung in die Geschichte „Die Hexe Mirola“ (die zugleich Namensgeber der Untersuchungsmethode ist) eingebettet. Wie oben bereits erwahnt, helfen die Kinder der fiktiven Hexe Mirola ihren Schulweg durch den Zauberwald zu bestreiten. Dabei fuhrt eine padagogische Fachkraft, die mit einer Handpuppe die Hexe verkorpert, die Kinder durch einen Parcours aus Stationen. Dieser Parcours befindet sich in einem extra dafur praparierten Raum, der neben der begleitend vorgetragenen Geschichte und den passenden Aktivitaten an den Stationen fur stimmige Atmosphare sorgen soll.

Auf diese Weise nehmen die Kinder vordergrundig an einem Spiel mit vielen verschiedenen Elementen teil, wobei sie (moglichst) unbemerkt die Untersuchung absolvieren und dabei von weiterem padagogischen Personal beobachtet werden.

Im Folgenden werden die Stationen sowie die zu uberprufenden Fahigkeiten und Kompetenzen chronologisch (in der Abfolge der Geschichte) aufgefuhrt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Durchfuhrung vom 10. Juli 2006, auf der unsere Beobachtungen beruhen, wurde die Untersuchung von einer padagogischen Fachkraft durchgefuhrt, acht Kinder nahmen daran teil und wurden wiederum von 12 StudentInnen, Frau Nacken und ein bis zwei weiteren Fachkraften des Kindergartens beobachtet. Je zwei StudentInnen beobachteten ein ihnen zugeteiltes Kind.

Die Anwesenheit dieser Vielzahl von Menschen, die den Kindern groBtenteils unbekannt waren, und ihre Auswirkungen auf die (Untersuchungs-)Situation werden wir in unsere Interpretation mit einflieBen lassen.

Anzumerken bleibt zudem, dass die Durchfuhrung, der wir beiwohnen durften, nicht dem Ideal entsprach. Fur eine denkbar objektive Untersuchung waren zu viele (unbekannte) Personen im Raum. Durch die fehlende Teilnahme der StudentInnen an der Durchfuhrung und die offensichtlichen Beobachtung der Kinder ist ihr Bewusstsein fur den Prufungscharakter der Situation bestimmt gestiegen. AuBerdem sind auch Fehler im Ablauf geschehen, die die Glaubwurdigkeit der Geschichte haben leiden lassen. Zum einen sollten die Kinder am Anfang uber eine Brucke in den Zauberwald balancieren, die spater an derselben Stelle „im Wald“ fehlte. Zweitens wurde uber die Puppe Mirola vermittelt, dass die Kinder Bilder fur die Hexe malen sollten, aber nach getaner Arbeit wurden die Bilder von der Fachkraft und nicht von der Puppe Mirola eingesammelt etc.

Letztendlich bleiben die Fragen offen, ob die Untersuchungsmethode „Die Hexe Mirola“ nicht zu oberflachlich oder gar falsch an die zu testenden Kompetenzen herangeht (d.h. der Test testet nicht das vorgegebene ab), zu viel von der Tagesform der Kinder abhangt, die Durchfuhrung zu lang dauert oder ob die Methode zu sehr defizitorientiert ist. Unbestreitbar ist freilich, dass die Untersuchung den sozialen Aspekt, das Miteinander, weit auBen vor lasst.

Diese offenen Fragen sind nicht als vollige Ablehnung der „Hexe Mirola“ zu verstehen. Es uberpruft vielfaltig die Wahrnehmung und die Motorik der Kinder, gibt den Betreuern der Kinder also wichtige Informationen uber mogliche Forderbereiche. Nicht nur deswegen halten wir diese Methode, die bei engagierter Durchfuhrung fur die Kinder mehr Spiel als Test ist, fur einen guten Ansatzpunkt fur die Lernausgangsdiagnostik, aber keineswegs fur ausreichend (z.B. zu ungenau bei einmaliger Durchfuhrung wegen individueller Tagesform).

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