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Augustus - Vom Triumvirat zum Prinzipat 30-27 v. Chr.

Hausarbeit 2010 25 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Stellung Octavians im Jahr 30 v. Chr

3. Der Sieger von Actium: Ehrungen und Selbstdarstellung
3.1 Die pax Romana
3.2 Die Triumphzüge
3.3 Die zugesprochenen Ehrungen
3.4 Der symbolische Traditionalismus

4. Die Konsolidierung der machtpolitischen Stellung
4.1 Die Heeresversorgung
4.2 Octavian und die plebs
4.3 Der Umgang mit dem Senat
4.4 Die potentiellen Bedrohungen

5. Die Vorbereitung des Staatsaktes (13-16. Jan. 27 v.Chr.)

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„In den Krisen kulminiert in den großen Individuen zusammen das Bestehende und das Neue.“[1] Wenn auch die Idee der ‚großen Männer‘ nicht mehr tragend ist für historische Betrachtungen, lässt sich eine gewisse Faszination gegenüber Augustus und dem Prinzipat nicht abstreiten. Diese speist sich einerseits aus dem singulären Charakter der dauerhaften Verfassungsänderung von einer Republik (res publica libera) zu einer Monarchie.[2] Andererseits leitet sich von Augustus eine Epoche ab und es interessiert, welche Phänomene und Entwicklungen, Leistungen und Fortschritte mit diesem Mann in Verbindung stehen.[3] Darüber hinaus ist die Beurteilung der Politik Augustus‘ von der Antike bis zum heutigen Tage umstritten. Während Tacitus von einer militärischen Diktatur spricht, legt Paterculus das Augenmerk auf die „antiqua rei publicae forma revocata“.[4] Auch moderne Historiker sind sich uneins bei der Bewertung und letztlich lassen sich sowohl für wohlmeinende wie ablehnende Urteile Begründungen finden.[5]

Eindeutig ist hingegen, dass Octavian dem Jahrhundert der Bürgerkriege, welches mit dem Wirken der Gracchen begann, ein Ende gesetzt hat. Um noch einmal auf Burckhardt zurückzukommen: die Krise war der zerrüttete Staatszustand der res publica durch die zunehmende politische Desintegration der Eliten sowie sozio-ökonomische Probleme.[6] Das Bestehende waren die staatsrechtlichen Grundlagen der Republik und das Neue die machtpolitische Monopolisierung durch Octavian.

Wenn sich der Blick auf die ‚Augusteische Zeit‘ fokussiert, kann es so scheinen, als ob die Entwicklung zielgerichtet durch das Handeln eben jenes Augustus nur auf die Monarchie hat hinauslaufen können. Diese monolithische Sicht versperrt jedoch den durch krisenhafte Momente immer wieder gefährdeten Entwicklungsprozess, „den primär evolutionären Grundzug der Machtstellung des Augustus“.[7] Ein kurzer Zeitraum innerhalb dieses Prozesses ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Die Jahre 30-27 v. Chr. markieren eine wichtige Wegstrecke im Werden des Prinzipats. Es wird zu zeigen sein, wie Octavian nach den Ereignissen von Actium seine Quasi-Alleinherrschaft zu legitimieren bzw. stabilisieren versucht und dies innerhalb der republikanischen Formensprache. Neben staatsrechtlichen Aspekten werden auch metapolitische, militärische, religiös/sakrale und propagandistische Handlungen dargestellt, die letztlich einmünden in den doppelten Staatsakt vom 13. und 16. Januar 27 v.Chr., durch welchen einerseits das Prinzipat offiziell begründet und andererseits die res publica restituta propagiert wurde.

2. Die Stellung Octavians im Jahr 30 v. Chr.

Aus den Ereignissen von Actium ging Octavian als alleiniger Sieger hervor. Antonius war tot, das ungemein reiche Ägypten ging quasi als Privatbeute an Octavian und das Militär stand geschlossen hinter ihm. Um das Agieren des Imperator Caesar Divi filius

in den folgenden drei Jahren nachzuvollziehen, ist es nötig, seine Stellung innerhalb der res publica zu verdeutlichen. Dabei muss zwischen rechtlichen und machtpolitischen Kategorien unterschieden werden. Das eigentliche Problem Octavians war die Überführung seines Machtmonopols in tradierte verfassungsgemäße Formen.

Rein juristisch betrachtet hatte er im Jahr 30 v. Chr. einzig die Magistratur des Konsulats inne.[8] Darüber hinaus besaß er seit 36 v. Chr. die sacrosanctitas eines Volkstribunen.[9] Zudem darf davon ausgegangen werden, dass Octavian zumindest die potestas des Triumvir beibehalten hat, wenn auch offiziell diese diktatorischen Befugnisse 33 v. Chr. ihr Ende fanden.[10] Bezeichnenderweise finden sich in den res gestae keine konkreten, über das Konsulat hinausgehende, verfassungsmäßige Befugnisse, die die singuläre Stellung Octavians im Jahr 30 beschreiben könnten. Vielmehr wird größter Wert auf den Begriff consensus universorum gelegt.[11] Der Adoptivsohn Caesars war der eigenen Beschreibung nach durch „Zustimmung aller im Besitz der Macht über alles.“[12] Das ist ein sehr vager Terminus, der gewählt worden ist und sollte verschleiern, wie rechtlich prekär die dauerhafte Machtakkumulation in den Händen eines Einzelnen im Rahmen römischer Gepflogenheiten war.[13] Dieser consensus war zunächst ein „militärische[r] Gefolgschaftseid“.[14] Er wurde 31 v. Chr. von den westlichen Reichsbewohnern geleistet und drückte die Gefolgschaft im bevorstehenden Kampf gegen Antonius und Kleopatra aus.[15] Das unsichere Moment lag in der fehlenden staatsrechtlichen Verankerung dieser allgemeinen Zustimmung. Octavian hielt die Allgewalt in seinen Händen, aber die verfassungsgemäße Absicherung dieses Status war noch nicht geleistet und der consensus universorum bot keine dauerhafte Garantie für die Beibehaltung der Machtposition, die der zukünftige Prinzeps nicht aufzugeben gedachte. Zwei Seiten waren zu beachten bei den folgenden Handlungen: auf der einen Seite bedurfte Octavian einer Legitimierung seiner Stellung als Alleinherrscher, auf der anderen Seite mussten die verfassungsgemäßen Traditionen, zumindest dem Anschein nach, eingehalten werden. Zwei theoretische Möglichkeiten waren durch die jüngsten Ereignisse ausgeschlossen: weder konnte sich Octavian als rex, so wie es Caesar tat, gebärden, noch konnte er ein Königtum hellenistischen Stils etablieren, dies war durch Antonius, der sich selbst neos dionysos nannte, mittelfristig unmöglich gemacht worden. Etwas gänzlich Neues musste kreiert werden. Die Reden des Agrippa und des Maecenas, die durch Cassius Dio überliefert wurden, sind fiktiv und bieten trotzdem einen Anknüpfungspunkt für sicherlich vorhandene Diskussionen zwischen Octavian und seinen Vertrauten, wie die neue Verfassung des Staates aussehen könnte, immer unter der Prämisse, dass Octavian die Alleinherrschaft in seinen Händen zu halten hätte.[16] Wenn die Entwicklung von 30 v.Chr. ab aus der Retrospektive betrachtet wird, lässt sich konstatieren, dass Octavian eher den Ausführungen von Maecenas gefolgt ist.

3. Der Sieger von Actium: Ehrungen und Selbstdarstellung

Die Ereignisse rings um die Sieg von Actium und Alexandria boten Octavian die Möglichkeit, sich in eine Reihe zu stellen mit den Großen der Republik, deren dignitas und darauf aufbauend auctoritas sich zum großen Teil aus militärischen Erfolgen speiste.[17] Geschickt instrumentalisierte Octavian traditionelle Formen, um seine eigene Person einzubinden in die lange und glorreiche Geschichte Roms.

3.1 Die pax Romana

Nach einem Jahrhundert der nicht enden wollenden Konflikte und gewaltsamen Krisen innerhalb des römischen Reiches, dem 20 Jahre währenden Bürgerkrieg, waren die Menschen dessen überdrüssig.[18] Und der Mann, der die Ordnung wiederherstellte und für die Stabilität sorgen sollte, war Octavian. Er beendete den Krieg, doch nicht aus eigener Kraft, sondern nur durch die Unterstützung Apollos war es möglich, dem Reich wieder Frieden und Ordnung zu verschaffen und der drohenden Knechtschaft ein Ende zu bereiten; Octavian war in der Selbstdarstellung der Vollstrecker göttlichen Willens.[19] Für die Verkündung des Friedens wurden traditionsreiche Formen verwendet, die der sakral angehauchten Aura Octavians als Günstling der Götter entsprachen. Ganz besonders wichtig war Octavian die Schließung des Janus-Tempels.[20] Das Heiligtum des doppelgesichtigen, archaischen Gottes Janus wurde nur geschlossen, wenn Frieden im Reich herrschte und vor Octavian war er erst zweimal geschlossen gewesen.[21] „Damit begann nach volkstümlicher Auffassung ein neues Zeitalter, dessen Kennzeichen […] der Frieden sein sollte.“[22] Dass in einigen Grenzgebieten noch kleinere militärische Auseinandersetzungen stattfanden, war anscheinend vernachlässigbar.[23] In enger Verbindung zu diesem Ritual steht das erfolgreich durchgeführte augurium salutis, das Erfragen des göttlichen Willens durch Auguren, ob ein Gebet für das Wohlergehen des Volkes überhaupt erlaubt sei und dies war nur möglich, wenn Frieden herrschte.[24] Ein weiteres göttliches Zeichen für ein neues saeculum. Octavian wollte mit dieser Propagierung umfassenden Friedens zwei Ziele erreichen. Zunächst sollte der Bürgerkrieg als beendet erklärt und er als Retter des Vaterlandes und Friedensbringer anerkannt werden. Denn die Menschen hatten gewiss nicht die blutigen Taten, erinnert sei an die Proskriptionen von 43. v. Chr. oder das Blutgericht von Perusia im Jahr 40 v. Chr., die während der Auseinandersetzungen um die Macht geschahen, vergessen. Octavian wollte sich als gewandelten Sieger zeigen und gleichzeitig über die Beachtung und Wiederbelebung traditioneller symbolischer und religiöser Handlungen einen Neubeginn der res publica initiieren, deren Grundlage die pax sein sollte.

[...]


[1] Burckhardt, Jacob: Weltgeschichtliche Betrachtungen. Stuttgart 1978, S. 230.

[2] Vgl. Deininger, Jürgen: Der Wandel von der Republik zum Prinzipat in Rom: ein Ausnahmefall der antiken Verfassungsentwicklung? In: Ernst Günther Schmidt (Hrsg.): Griechenland und Rom. Vergleichende Untersuchungen zu Entwicklungstendenzen und –höhepunkten der antiken Geschichte, Kunst und Literatur, Erlangen/Jena 1996, S. 85.

[3] Vgl. Kirsch, Wolfgang: Die Augusteische Zeit. Epochenbewußtsein und Epochenbegriff, KLIO 67 (1985), S. 43-47.

[4] Vgl. Tac, ann.1,1,1; Vell. 2, 89, 4.

[5] Vgl. Ottmann, Henning: Geschichte des politischen Denkens. Bd. 2: Die Römer und das Mittelalter, Teilbd. 1: Die Römer, Stuttgart 2002, S. 157.

[6] Vgl. Schneider, Helmuth: Rom von den Anfängen bis zum Ende der Republik. In: Hans-Joachim Gehrke/Helmuth Schneider (Hrsg.): Geschichte der Antike. Ein Studienbuch, Stuttgart/Weimar 2000, S. 290-300.

[7] Christ, Karl: Geschichte der römischen Kaiserzeit. Von Augustus bis zu Konstantin, München 1988, S. 83f.

[8] Vgl. R. Gest. div. Aug. 16.

[9] Vgl. Werner, Robert: Wesen und Voraussetzungen des augusteischen Prinzipats. GWU 29 (1978), S. 288.

[10] Die Diskussion verschiedener Historiker um die triumvirale Gewalt kann hier nicht Thema sein, es wird sich der Meinung von Kienast angeschlossen (vgl: Kienast, Dietmar: Augustus. Prinzeps und Monarch, 4. Aufl., Darmstadt 2009, S.64). Eine andere Meinung in: Bleicken, Jochen: Zwischen Republik und Prinzipat. Zum Charakter des Zweiten Triumvirats, Göttingen 1990, S. 71f.

[11] Vgl. R. Gest. div. Aug. 34.

[12] Girardet, Klaus Martin: Das Edikt des Imperator Caesar in Suetons Augustusvita 28,2. Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 131 (2000) S. 240.

[13] Vgl. Bleicken, Jochen: Zwischen Republik und Prinzipat. S. 70.

[14] Schlange-Schöningen, Heinrich: Augustus. Darmstadt 2005, S. 76f.

[15] Vgl. ebd., S. 77.

[16] Vgl. Dio 52,2,1 – 52,40,2.

[17] Vgl. Ottmann: Geschichte des politischen Denkens. S. 20f.

[18] Vgl. Vell. 2, 89,3; Starr, Chester G.: Wie beendete Augustus die römische Revolution? In: Gerhard Binder (Hrsg.): Saeculum Augustum I. Herrschaft und Gesellschaft, Darmstadt 1987, S. 71f.

[19] Vgl. Bleicken, Jochen: Augustus. Eine Biographie, 3. Aufl., Berlin 1999, S. 297f.

[20] Vgl. Dio 51, 20, 4.

[21] Vgl. Suet. Aug. 22; Kissel, Theodor: 11. Januar 29 v. Chr. Die Schließung des Ianus-Tempels durch Augustus, Antike Welt 31 (2000), S. 83.

[22] Bengtson, Hermann: Kaiser Augustus. Sein Leben und seine Zeit, München 1981, S. 54.

[23] Vgl. Ebd.: S. 54.

[24] Vgl. Rüpke, Jörg: Die Religion der Römer. Eine Einführung, 2. überarbeitete Aufl., München 2006, S. 219.

Details

Seiten
25
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640819430
ISBN (Buch)
9783640822461
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166266
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Historisches Seminar Antike
Note
1,3
Schlagworte
Augustus Senat Triumvirat

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