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Rechtsextreme Einstellungen

Was sie kennzeichnet und wie sie entstehen

Hausarbeit 2008 23 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition

3. Dimensionen
3.1 Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur
3.2 Chauvinismus
3.3 Fremden- und Ausländerfeindlichkeit/Rassismus
3.4 Verharmlosung des Nationalsozialismus
3.5 Sozialdarwinismus
3.6 Antisemitismus
3.7 Islamphobie
3.8 Sexismus

4. Erklärungsfaktoren
4.1 Sozio-demographische Merkmale
4.2 Persönlichkeit und individuelle Situation
4.3 Erziehung
4.4 Deprivation
4.5 Lebenszufriedenheit

5. Fazit

1. Einleitung

„Rechtsextreme Einstellungen und ihre Erklärungsfaktoren“ - der Titel dieser Arbeit hört sich erst einmal etwas trocken an. Es klingt nach vielen Daten und wenig neuen Erkenntnissen. Der Vorwurf der Datenflut ist in Teilen leider gerechtfertigt, aber aufgrund der Materie nicht zu vermeiden.

Dies schmälert allerdings nicht den interessanten Charakter dieser Ausarbeitung. Wer sich mit dem Phänomen Rechtsextremismus auseinandersetzen will, kommt an dessen Grundlagen, also den in meiner Arbeit behandelten Themen, nicht vorbei. Deshalb hat diese Hausarbeit nicht das Ziel neue Erkenntnisse zu vermitteln, sondern sie soll vor allem als Überblick über den aktuellen Stand der Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet dienen.

Zu diesem Zweck habe ich die Hausarbeit in zwei Teile unterteilt. Der erste Teil präsentiert die Dimensionen anhand welcher rechtsextreme Einstellungen gemessen werden. Hierbei beschränke ich mich auf die wichtigsten Dimensionen die in nahezu allen Untersuchungen verwendet werden. Im zweiten Teil gehe ich auf die wichtigsten Erklärungsfaktoren für rechtsextreme Einstellungen ein.

Ein neuerer Bereich aus der Studie: Deutsche Zustände von Wilhelm Heitmeyer findet ebenfalls Erwähnung in dieser Arbeit. Aufgrund der Aktualität des Themas habe ich mich deshalb etwas genauer mit den Ergebnissen zur Islamphobie auseinandergesetzt.

1. Definition

Vorab eine kurze Definition des Einstellungsbegriffes. Einstellungen lassen sich am besten im Vergleich zu Verhalten definieren. Normalerweise basiert das Verhalten auf einer oder mehrerer Einstellungen. Verhalten bedingen also Einstellungen. Umgekehrt bedingen Einstellungen aber kein Verhalten. Sie sind sozusagen nur auf der Gedankenebene präsent und können, müssen aber nicht zu einer Aktion führen. In unserem speziellen Fall lässt sich rechtsextremes Verhalten leicht messen anhand von Parteizugehörigkeit, Teilnahme an Kundgebungen oder der Wahl einer rechtsextremen Partei. Rechtsextreme Einstellungen sind dagegen wie oben beschrieben auf der Gedankenebene angesiedelt und deshalb nicht öffentlich. Deshalb wurden Kategorien oder Dimensionen entwickelt anhand derer abgefragt werden kann ob rechtsextreme Einstellungen vorliegen oder nicht. Diese werde ich im nächsten Kapitel genauer beschreiben.

Als Datengrundlage verwende ich in den meisten Fällen die in der Einleitung erwähnte Studie von Heitmeyer sowie die Studie: Vom Rand zur Mitte von den Autoren Oliver Decker und Norman Brähler.

2. Dimensionen

Im folgenden werde ich die acht Dimensionen zur Messung rechtsextremer Einstellungen einzeln vorstellen. Vorab ein paar erklärende Worte.

Bis auf Sexismus und Islamphobie sind diese Dimensionen die gängigen in der Forschung zu Rechtsextremismus. Sie sind unterteilt in drei politische und drei soziale Dimensionen. Sexismus findet ebenfalls häufig Erwähnung, allerdings ist die Einordnung unterschiedlich. Manche ordnen den Sexismus eher den Erklärungsfaktoren zu. Ich bin allerdings der Meinung das Sexismus eher dem Bereich der Dimensionen zuzuordnen ist, da eine klassische Geschlechtertrennung, zumindest in der Theorie, wichtiger Bestandteil rechtsextremer Ideologien ist.

Das relativ neue Phänomen der Islamphobie habe ich aufgenommen obwohl umstritten ist, ob sie als Dimension des Rechtsextremismus gelten kann oder ob sie nicht eher ein eigenes Syndrom unabhängig von rechtsextremen Einstellungen ist. Diese Frage soll unter anderem in dem Unterkapitel zur Islamphobie diskutiert werden.

Die Dimensionen Abwertung von Obdachlosen, Behinderten, Homosexuellen und neuerdings auch Hartz IV Empfängern, welche bei Heitmeyer aufgeführt werden, nehme ich nicht auf, da ich sie nicht als notwendigen Teil rechtsextremer Einstellungen sehe. Die Dimension des Sozialdarwinismus soll an dieser Stelle Indikator genug sein.

Beim Aufbau der einzelnen Kapitel werde ich folgendermaßen vorgehen. Zuerst werde ich den Begriff kurz definieren und wenn nötig zu anderen Begriffen abgrenzen. Dann werde ich kurz die jeweiligen Fragen sowie die Zustimmungswerte vorstellen. Im Anschluss daran werde ich den Durchschnittswert mit einigen demographischen Daten vergleichen um Besonderheiten der Dimensionen herauszustellen. Hierzu eine methodische Anmerkung. Bei dem Durschnittswert werden nur Personen berücksichtigt, die allen drei Statements zugestimmt haben und somit latent rechtsextrem sind. Dies führt dazu, dass die Werte bei den einzelnen Fragen wesentlich höher sein können, da dort auch Personen eingeschlossen sind die nur ein oder zwei Statements teils oder voll zugestimmt haben.

Als letztes werde ich kurz auf die Entwicklung der Zustimmungswerte in den letzten vier Jahren eingehen.

2.1 Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur

Diese Dimension bezieht sich auf den politischen Aspekt und nicht auf eine, wie der Name vielleicht vermuten ließe, autoritäre Persönlichkeit. Wichtig ist hierbei die Zustimmung zu einer rechten Diktatur. Teilweise wird hierfür auch der Begriff rechtsgerichtete Diktatur verwendet. Dies ist wichtig um eine Abgrenzung zur Befürwortung linker Diktaturen zu erreichen. Bei der Frage ob im nationalen Interesse die Diktatur die bessere Staatsform sein könne gibt es 9% Zustimmung. 15,2% Zustimmung gibt es bei der Aussage, dass Deutschland einen Führer benötigt, der zum Wohle aller mit starker Hand regiert. Die höchste Zustimmung wurde gemessen bei der Aussage, dass Deutschland eine starke Partei braucht die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert. Hier stimmten 26% der Deutschen zu. Laut Stöss lassen sich diese drei Fragen/Aussagen unter der Aussage “Wir sollten einen starken Führer haben, der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert“ zusammen fassen (Stöss 2007, 62).

Unterteilt man in Ost und West dann gibt es im Osten geringfügig höhere Zusstimmungswerte. Eine mögliche Erklärung ist die DDR Vergangenheit und die damit einhergehende Sozialisation.

Fasst man die drei Antworten in einem Wert zusammen, fällt auf, dass diese Dimension im Vergleich zu den anderen relativ geringe Zustimmung erfährt. Betrachtet man die Verteilung nach Bundesländern fallen in Westdeutschland, Bayern mit 10,6% und im Ostdeutschland Mecklenburg-Vorpommern mit 20,5%, mit signifikant höheren Zustimmungswerten auf. Allerdings muss hierbei berücksichtigt werden, dass Bayern und Mecklenburg-Vorpommern bei fast allen Dimensionen sehr hohe Werte erreichen. Ein weiterer statistisch bedeutsamer Unterschied besteht zwischen Männern und Frauen. Männer befürworten eine Diktatur ungefähr doppelt so häufig wie Frauen.

Betrachtet man die Kirchenzugehörigkeit, zeigt sich das Evangelische mit 3,9% die geringste Zustimmung haben. Auch wenn die Katholiken mit 5,1% über dem Durchschnitt liegen, haben die Konfessionslosen mit 6,0% den höchsten Wert.

Wenn man den Zeitverlauf von 2002 bis 2006 (alle zwei Jahre wurde die gleiche Umfrage wiederholt) betrachtet, fällt auf, dass die Zustimmung zu einer rechtsautoritären Diktatur in fast allen Bereichen gesunken ist. In 2002 befürworteten noch 7,7% eine rechtsautoritäre Diktatur, 2006 sind es nur noch 4,8%.

Die einzige Gruppe bei der es im Bezug auf die rechtsautoritäre Diktatur keine Veränderung gab sind die Personen mit Hochschulabschluss.. Sie sind allerdings mit 2,8% auf einen niedrigen Niveau konstant geblieben (vgl. Decker und Brähler 2006, 29-64).

2.2 Chauvinismus

Chauvinismus meint die Einstellung zum Nationalgefühl, welches mit der Frage nach dem Mut zu starken Nationalgefühl abgedeckt wird. Die beiden anderen Fragen zielen darauf ab inwiefern ein nach Aussen hin offensiv auftretendes Deutschland befürwortet wird. Wichtig hierbei ist, dass Wert gelegt wurde auf die Abgrenzung zu positivem Patriotismus im Sinne einer Unterstützung der BRD und ihrer freiheitlich-demokratischen Grundordnung ohne Abwertung anderer Gruppen oder Individuen.

Stöss fasst diese Dimension zu folgendem Statement zusammen: „Andere Völker mögen wichtiges vollbracht haben, an deutsche Leistungen reicht das aber nicht heran“ (Stöss 2007, 62). Decker und Brähler legen bei ihrer Studie den Schwerpunkt auf das Nationalgefühl und das Auftreten nach Aussen. Damit erfassen sie meiner Meinung nach leider nur einen Teilbereich. Hinzu kommt, dass sich zwei Fragen im Grunde auf ein und dasselbe Thema beziehen, das Auftreten nach Aussen. Trotzdem werde ich diese Werte benutzen da sie trotz obiger Kritik zwei extrem wichtige Teilbereiche erfassen.

Den Wunsch nach einem wieder verstärkten Nationalgefühl teilen mit 39,5% mehr als ein Drittel aller Deutschen. Die Zustimmungswerte zum Auftreten der deutschen Politik nach Aussen liegen bei knapp 30% positiver Zustimmung zu offensiveren Auftreten. Der obligatorische Vergleich von Ost und West zeigt hier einen leichten Vorsprung für Westdeutschland. Die Zustimmung ist dort um 4 Prozentpunkte höher. Die niedrigeren Werte für Ostdeutschland könnten von der antiimperialistschen und internationalen Solidarität betonenden Propaganda der DDR beeinflusst sein.

Betrachtet man die Werte aufgeschlüsselt nach Bundesländern, zeigt sich auch hier die stärkere Zustimmung in Westdeutschland. Den höchsten Wert erreicht hierbei nicht Mecklenburg-Vorpommern, welches sonst fast immer den Spitzenwert liefert, sondern der Freistaat Bayern mit 34,2%.

Dasselbe Bild wie bei der Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur im Hinblick auf Männer und Frauen zeigt sich auch bei dieser Dimension. Männer stimmen fast 5% öfter zu als Frauen.

Bei der Konfession sind diesmal die Katholiken die Gruppe mit der größten Zustimmung.

Im Zeitverlauf betrachtet zeigt sich ein leichter Anstieg über die letzten vier Jahre. Obwohl dieser Anstieg statistisch nicht bedeutsam ist, sollte man diese Entwicklung im Auge behalten, vor allem da Chauvinismus schon jetzt sehr hohe Zustimmungswerte erreicht. Dasselbe gilt für Personen mit Studium, dort ist ebenfalls ein leichter Anstieg zu verzeichnen (vgl. Decker und Brähler 2006, 30-64).

2.3 Fremden- und Ausländerfeindlichkeit/Rassismus

Die komplizierte Überschrift für dieses Kapitel rührt daher, dass diese Begriffe sich sehr ähnlich sind und teilweise synonym verwendet werden. Dies gilt vor allem für Fremden- und Ausländerfeindlichkeit, weniger für Rassismus. Rassismus ist im Gegensatz zu den anderen Begriffen vor allem auf ethischen und rassischen Vorurteilen begründet.

Diese Dimension kommt im Grunde in jeder Untersuchung vor, wird aber verschieden benannt und je nach Studie auch mit verschiedenen Schwerpunkten eingesetzt. Zum Beispiel fragen Decker und Brähler nach den Ausländern welche nur als Sozialschmarotzer kommen, Heitmeyer tut dies nicht.

Aufgrund der Einfachheit habe ich diese drei Begriffe in einem Kapitel zusammengefasst.

Im folgenden werde ich die einzelnen Werte zu den Fragen vorstellen. Der Frage ob Aussiedler besser gestellt werden sollen als Ausländer stimmen 18,5% zu. Der Aussage die Weissen sind zu recht führend in der Welt stimmen 12,6% zu. Insgesamt lässt sich im Bereich Rassismus der mit den obigen Fragen abgedeckt wird aber eine abnehmende Tendenz festellen (vgl. Heitmeyer 2008, 26).

[...]

Details

Seiten
23
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640820054
ISBN (Buch)
9783640823062
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166249
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
1,3
Schlagworte
Rechtsextremismus Nationalsozialistisch Fremdenfeindlichkeit Sexismus rechtsextreme Einstellungen Islamphobie autoritäre Erziehung

Autor

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Titel: Rechtsextreme Einstellungen