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Johann Gottfried Herder und seine Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit

Eine Abhandlung über den Band Sechs seiner „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“

Hausarbeit 2010 14 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsangabe

I. Einleitung

II. Herders Völkerbeschreibungen, die Hintergründe ihrer Organisation und ihre Wertungen
a.) Organisation der Völker in der Nähe des Nordpols
b.) Organisation der Völker um den asiatischen Rücken der Erde
c.) Organisation des Erdstrichs schöner Völker
d.) Organisation der afrikanischen Völker und der Inselbewohner des heißen Klimas
e.) Organisation der Amerikaner

III. Herders Intensionen

IV. Schlussbemerkung

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Der Band Sechs handelt von der Organisation der Völker in der Nähe des Nordpols und um den asiatischen Rücken der Erde, der schön gebildeten Völker in den mittleren Erdteilen und der afrikanischen Nationen, der Menschen in den Inseln der heißen Erdteile und der Amerikaner.

Es stellt sich die Frage, warum ein Schriftsteller, ein Philosoph, ein Mitbegründer des Humanismus[1], eine Art anthropologische Karte erstellt.

Was hat Herder mit seinen Darstellungen der Völker bezweckt? Welche Ziele hat er verfolgt? Wie hat er versucht seine Ziele zu erreichen und hat er seine Ziele erreicht? Wer waren seine Adressaten?

In der vorliegenden Arbeit werde ich mich explizit mit diesen Fragen auseinandersetzen.

II. Herders Beschreibungen, die Hintergründe ihrer Organisation und ihre Wertungen

a.) Organisation der Völker in der Nähe des Nordpols

Die Grönländer bzw. die Eskimos beschreibt Herder in seinem Text als klein und mit platter Nase. Sie sind ruhig und sittsam. Er merkt auch an, dass die Mütter ihre Kinder lange stillen.[2]

Durch die Bemerkung, dass Eskimos ihre Kinder lange stillen, wird das Bild einer liebevollen Mutter dargestellt. Auch durch die ´Sittsamkeit` entsteht eine positive Bedeutung, jedoch nur, wenn man nach den europäischen Standards geht. Von einer persönlichen Wertung Herders kann man nicht sprechen.

Die Lappen sind nach der Beschreibung Herders geringfügig größer als Eskimos. Sie halten sich Tiere und betätigen sich der Künste. Sie sind sorgsam und bevorzugen die Häuslichkeit.[3]

Das Klima hat anscheinend eine starke Prägungskraft, denn die Kälte ist schuld, dass die Menschen dort klein und vom Temperament her ruhig sind. Herder zieht für seine These den Vergleich mit Tieren, die dort leben, heran. Wenn die Tiere in diesem Klima klein und ruhig sind, so mussten es die Menschen auch sein. Wenn ihm „die Natur das versagen müsse, was diese Komplexion nicht diente“[4], hat es seinen höheren Sinn. Die Eskimos und die Lappen müssen so aussehen und so leben wie sie es tun, da es das Ideale für sie ist. Dafür hat die Natur was sie ihnen „an Reiz und Elastizität der Fiber versagt hat, [an] nachhaltiger, dauernder Stärke gegeben […]“[5]

Das harte Leben in diesem Klima dient als ´Entschuldigung` für die nach europäischen Standards primitive Kultur und der Organisation der Eskimos, welche im Winter beinhaltet ihr eigenes Blut trinken zu müssen um zu Überleben[6].

Erst wenn das Klima wärmer wird, ist eine Weiterentwicklung der Organisation eines Volkes möglich. Als Beispiel dient dafür das Volk der Lappen, welche weiter südlich als die Eskimos leben. Sie besitzen schon die „Handleiter zur menschlichen Lebensleiter“[7]. Dass der Lappe sich nicht noch aktiver an seine Weiterentwicklung betätigt, begründet Herder indirekt damit, dass „er […] seine Lebensart [liebt]“[8].

„Herder ist überzeugt, dass sich in unlösbarer Abhängigkeit vom Klima, der Beschaffenheit des Landes, dem Nahrungsvorkommen, der Geschichte, Religion, Mythologie und Sprache eines Volkes […] das perspektivische Weltverständnis jedes Individuum ausbildet“[9]

b.) Organisation der Völker um den asiatischen Rücken der Erde

Die Mongolen werden als mittelgroß beschrieben und nach Herder sind Reste des nordischen Klimas erkennbar wie z.B. das leicht platte Gesicht. Zudem besitzen sie krumme Schenkel und ein starkes Gebiss. Herder vergleicht sie mit einem Raubtier und erwähnt, dass ihre Lebensweise bzw. ihr Trinkverhalten schädlich ist.[10]

Die Sinesen besitzen nach ihm hässliche Körpermerkmale wie die „abscheuliche[n] Verzerrungen der Ohren“[11]. Sie sind roh und despotisch in ihrer Lebensart. Die Japonesen sind ebenfalls übel gewachsen und besitzen eine Regierungsform, die gewaltsam herrscht.

Die Arrakaner sind nach der Beschreibung Herders ebenfalls Barbaren. Sie nehmen nur grobe Nahrung zu sich, bevorzugen die Nacktheit und verhalten sich roh gegenüber anderen Menschen.[12]

Herder sieht die körperliche Entwicklung der Mongolen durch ihre Lebensart und dem Klima bestimmt. Da sie sich bevorzugt mit Pferden fortbewegen, bekamen sie krumme Schenkel und da kaum Wasser in ihrer Region vorhanden ist, können sie sich nicht gesund ernähren. „Nomadische Völker unter diesem Himmel auf diesem Erdstrich, bei solcher Lebensweise mussten zu solchen leichten Raubgeiern werden.“[13]. Aus der schlechten Vegetation konnte nur eine derartige Bildung entstehen und mit der Zeit „zur erblichen Natur übergehen“[14]. Da die Mongolen jedoch ein nomadisches Volk sind, stießen sie oft mit anderen Völkern zusammen und es kam zu einer Vermischung der Kulturen und Völker. Die Mormonen konnten sich durch die Vermischung ´veredeln` lassen, d. h. ihre Organisation verbessern. Durch die Wortwahl ´Veredelung` urteilt Herder wieder nach europäischen Vorstellungen.

Herder zeigt damit die Abhängigkeit der Völker voneinander auf. Sie beeinflussen sich gegenseitig, welches positive Folgen hat und erstrebenswert ist.

[...]


[1] Deutsche Enzyklopädie S.6

[2] Vgl. Herder, Johann Gottfried (1965), S.204

[3] Vgl. Herder, Johann Gottfried (1965), S.206

[4] Herder, Johann Gottfried (1965), S.204

[5] Vgl. Herder, Johann Gottfried (1965), S.204

[6] Vgl. Herder, Johann Gottfried (1965), S.205

[7] Herder, Johann Gottfried (1965), S.206

[8] Herder, Johann Gottfried (1965), S.206

[9] Löchte, Anne (2005), S.37

[10] Vgl. Herder, Johann Gottfried (1965), S.209

[11] Herder, Johann Gottfried (1965), S.211

[12] Vgl. Herder, Johann Gottfried (1965), S.212-213

[13] Herder, Johann Gottfried (1965), S.211

[14] Herder, Johann Gottfried (1965), S.210

Details

Seiten
14
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640818716
ISBN (Buch)
9783640821860
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166215
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,7
Schlagworte
johann gottfried herder ideen philosophie geschichte menschheit eine abhandlung band sechs menschheit“

Autor

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