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Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Erwachsenenalter

Hausarbeit 2009 21 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition

3. Diagnostik
3.1 Anthropometrie
3.2 Klinische Untersuchungen
3.3 Laborchemische Untersuchungen
3.4 Kardiopulmonale Untersuchung

4. Epidemiologie

5. Ätiologie und Pathogenese
5.1 Genetische Disposition
5.2 Ernährungsverhalten
5.3 Körperliche Inaktivität
5.4 Sozioökonomische Einflüsse

6. Krankheitsbilder
6.1 Psychosomatische Folgeerkrankungen
6.2 Organmedizinische Folgeerkrankungen
6.3 Orthopädische Folgeerkrankungen

7. Rehabilitation
7.1 Ernährungstherapie
7.2 Bewegungstherapie
7.3 Verhaltensmodifikation
7.4 ‚Extremtherapien’

8. Prävention

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die in den letzten Jahren steigenden Inzidenzzahlen für Übergewicht und Adipositas in allen Bevölkerungsschichten verweisen darauf, dass dieses Krankheitsbild gegenwärtig besorgniserregende epidemische Ausmaße angenommen hat, die längst nicht mehr nur Industrie-, sondern auch Entwicklungsländer betreffen. Adipositas ist somit ein weltweites ernährungsmedizinisches Problem, was aufgrund seiner vielschichtigen und weit reichenden medizinischen und sozioökonomischen Folgen sowie der mangelhaften Langzeit-Therapieerfolge eine gesellschaftliche und politische Aufgabe darstellt, die gelöst werden muss (vgl. Zwiauer 1998, S. 181)!

Diese Arbeit soll einen Einblick in die Thematik ‚Übergewicht und Adipositas’ liefern, indem Bedeutung, Auswirkungen und Vorbeuge- sowie Therapiemöglichkeiten dieser Krankheit vorgestellt und erörtert werden.

2. Definition

Die Begriffe ‚Fettsucht’, ‚Fettleibigkeit’, ‚Übergewicht’, ‚Obesitas’ und ‚Adipositas’ werden in Deutschland häufig synonym verwendet. Alle Bezeichnungen beschreiben Menschen, die ‚schwerer’ sind als andere und meistens ein vermehrtes Körperfett aufweisen. Allerdings sollten die Begriffe ‚Fettsucht’ und ‚Fettleibigkeit’ heute nicht mehr verwendet werden, da sie eine Diskriminierung implizieren und auch medizinisch nicht ganz korrekt sind. Aufgrund dieser beschriebenen Begriffsvielfalt besteht der Bedarf für konkrete Definitionen und Abgrenzungen (vgl. Wirth 1997, S. 4).

„Von Übergewicht spricht man, wenn das Körpergewicht, beurteilt nach Gewicht-Längen-Indizes, erhöht ist.“ (Wirth 1997, S. 6 f.). Zur Messung von Unter-, Normal- und Übergewicht haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Gewichts-Längen-Indizes entwickelt. Zwei davon haben sich im klinischen Alltag bewährt: Der Broca-Index und der Body-Mass-Index (BMI). Auf letzteren werden ich im Punkt Diagnostik näher eingehen (vgl. Institut für Ernährungsinformation 2009). Die Kategorisierung nach Gewichts-Längen-Indizes birgt allerdings auch eine Gefahr in sich, denn Personen mit einem erhöhten Körpergewicht aufgrund erhöhter Muskelmasse werden durch ein „übergewichtiges“ BMI oft falsch charakterisiert, da Übergewicht nur über Gewichts-Längen-Indizes, nicht jedoch über die Körperfettmasse definiert ist.

Adipositas hingegen liegt vor, „(...) wenn der Anteil des Körperfettes an der Körpermasse erhöht ist.“ (Wirth 1997, S. 8). Im Unterschied zum Übergewicht wird Adipositas somit über die Körperfettmasse definiert, also dem Verhältnis von Körperfett zu fettfreier Masse des Körpers (vgl. Wulftange 2001, S. 6). Danach kann man ab einem Körperfettanteil bei Frauen von > 30% und bei Männern von > 25% von Adipositas sprechen. Diese Grenze entspricht in etwa einem BMI von > 30kg/m². Da ab diesem Wert die Mortalität deutlich steigt ist eine Unterscheidung von Übergewicht und Adipositas vonnöten (vgl. Wirth 1997, S. 8).

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Abb. 1: Gewichtsklassifizierung nach WHO 1998. Quelle: Eigene Darstellung nach http://www.euro.who.int/document/mediacentre/fs1305g.pdf

Bei Adipositas unterteilt man in verschiedene Ausdrucksformen, wobei ich mich auf die phänomenologische Klassifikation beziehen möchte, da diese Einteilung z. Z. klinisch wie auch wissenschaftlich gebräuchlich ist: Bei der Einteilung nach Fettzellularität unterscheidet man zw. einer hypertrophen und einer hyperplastischen (hyperzellulären) Adipositas. Erstere besteht, wenn die Fettzellen vergrößert (> 130µm), ihre Anzahl jedoch nicht vermehrt ist. Diese Form beginnt meist im Erwachsenenalter oder nach Schwangerschaften. Sie ist mit einer stammbetonten (abdominalen) Adipositas vergesellschaftet und lässt sich mit therapeutischen Maßnahmen recht gut behandeln. Eine hyperplastische (hyperzelluläre) Adipositas weist hingegen eine vermehrte Anzahl (> 60x109) von Fettzellen auf. Diese Form beginnt meist schon in der Kindheit, kann sich aber auch später erst entwickeln und spricht weniger gut auf eine Therapie an. Die Einteilung nach Fettzellularität spielte in den 1960er Jahren eine große Rolle, wird seit den 1980er Jahren allerdings mehr oder weniger von der regionalen Fettverteilung abgelöst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Fettverteilungsmuster. Quelle: http://www.zentrums-apotheke.ch/content/ images/fettverteilung_formel.gif

Bei der regionalen Fettverteilung wird eine Unterscheidung zw. zwei Ausprägungen vorgenommen, die klinisch bedeutsam sind und häufig verwendet werden: Die periphere (gynoide, gluteal-femorale) Adipositas und die abdominale (androide, zentrale, viszerale) Adipositas. Bei der peripheren Adipositas besteht eine vorwiegende Fettvermehrung im Bereich der Hüften, des Gesäßes und der Oberschenkel, weshalb sie die Bezeichnung ‚pear type’ (Birnen-Typ) erhielt. ‚Gynoid’ drückt aus, dass sie häufig bei adipösen Frauen (ca. 85%) vorkommt, wenngleich sie auch bei Männern mit ca. 20% präsent sein kann (vgl. Wirth 1997, S. 11 ff.). Bei der peripheren Adipositas besteht ein erhöhtes Risiko für mechanische Probleme (z.B. die Gonarthrose). Die abdominale Adipositas „(...) ist die typische ‚Stammfettsucht’ mit einer Fettvermehrung im Abdominalbereich (...) Sie [wird] auch Apfelform (‚apple-type’) genannt.“ (Wirth 1997, S. 12). Das Fett sitzt nicht im Unterhautfettgewebe, sondern im Bauchraum selbst (viszeral) und ist um die inneren Organe verteilt. Die Bezeichnung ‚android’ kommt daher, weil diese Form hauptsächlich bei Männern (ca. 80%) vorkommt (15% bei Frauen). Bei der abdominalen Adipositas treten zum einen Gesundheitsstörungen auf, die durch die vermehrte statische Belastung erfolgen, zum anderen Risikofaktoren, die man unter dem Überbegriff ‚Metabolisches Syndrom’ (Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck, erhöhter Blutzucker (Diabetes Typ-2)) zusammenfasst (vgl. Wirth 1997, S. 12 f.). Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für eine koronare Herzerkrankung (vgl. Lawrenz 2005, S. 108). Entspricht das Verhältnis Taille zu Hüfte > 0,85 bei Frauen und > 1,0 bei Männern spricht man von der abdominalen Adipositas. Liegen die Quotienten darunter, wird der peripheren Adipositas zugeordnet. Die regionale Fettverteilung lässt sich bei vielen Adipösen allein durch Inspektionen der Körperform feststellen (vgl. Wirth 1997, S. 12 f.).

3. Diagnostik

Die Diagnostik dient dazu, das Ausmaß der bestehenden Adipositas festzustellen. Darüber hinaus soll ein Status der körperlichen Leistungsfähigkeit und motorischen Fähigkeit, aber auch der Komorbidität (= Zusammentreffen verschiedener Krankheitsbilder) erhoben werden. Es gibt verschiedene Methoden, dessen sich die Diagnostik annehmen kann. Einige dieser Möglichkeiten werden im Folgenden vorgestellt (vgl. Lawrenz 2005, S. 110):

3.1 Anthropometrie

Unter die Anthropometrie fallen Messungsmethoden wie der Body-Mass-Index (BMI), die Messung der Hautfaltendicke sowie der Taille/Hüftindex (vgl. Lawrenz 2005, S. 110).

Der BMI ist die einfachste Methode, um das Ausmaß der Adipositas zu beschreiben, stellt somit ein unverzichtbares Mittel zur Bestimmung dar. Er spiegelt das Verhältnis zw. Körpergewicht und –länge wieder und wird aus dem Quotienten von Körpergewicht in kg und Körpergröße in m² berechnet.

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Abb. 3: Berechnungsformel des BMI. Quelle: http://www.mybmi.de/main.php

Anhand des ausgerechneten Wertes kann das eigene Gewicht klassifiziert werden, wodurch ein einheitlicher internationaler Vergleich möglich wird (vgl. Lawrenz 2005, S. 110; Wechsler 1998, S. 292). Für den BMI gilt folgende Einteilung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: BMI-Einteilung. Quelle: http://www.niufm.com/site_resources/library/

Promotions/Pick_The_Tick/BMI-Chart585.jpg

Da sich bei Kindern und Jugendlichen Körperproportionen und Fettanteile noch verändern, wird der BMI hier in alters- und geschlechtsspezifischen Perzentilen ausgedrückt. So gelten Kinder und Jugendliche ab einem BMI zw. 90.-97. Perzentile als übergewichtig und ab der 97. Perzentile als adipös (vgl. Lawrenz 2005, S. 110). Der Nachteil des BMI liegt darin, dass er keine Informationen über das gesamte Fett oder die Fettverteilung im Körper liefert. Dies ist aber wichtig, da Fett, welches im Übermaß im Bauchbereich gespeichert ist, Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann (vgl. EUFIC 2006b).

Da der BMI keine Informationen über die Fettverteilung liefert wird eine weitere Messmethode benötigt: Der Taille/Hüftindex bzw. die Umfangsmessungen. Von Interesse sind die Messungen an Taille und Hüfte, aus denen das Taille-Hüfte-Verhältnis errechnet werden kann (die sog. ‚waist-to-hip-ration’ (WHR)) (vgl. Wirth 1997, S. 23). Bei Erwachsenen können durch diese Messungen Rückschlüsse auf die Fettverteilung in den Regionen Taille und Hüfte gezogen werden. Hierbei wird zw. den beiden Formen der regionalen Fettverteilung (abdominal oder peripher) unterschieden (siehe Pkt. 2: Definition). Dieser Index gilt allerdings nur für Erwachsene. Bezogen auf die kindliche Körperform können lediglich Veränderungen der Körperzusammensetzung nachvollzogen werden.

Bei der Messung der Hautfaltendicke wird mit Hilfe des sog. ‚Caliper’ die Dicke des subkutanen Fettes ermittelt.

An verschiedenen Stellen gemessen und über eine Formel berechnet, liefert die Hautfaltendicke Informationen über den Gesamtkörperfettgehalt (vgl. Lawrenz 2005, S. 110).

3.2 Klinische Untersuchungen

Vor der apparativen Untersuchung steht die körperliche. Hierbei sind Veränderungen an Haut, Genitalien, Brust und Gelenken auffällig (vgl. Lawrenz 2005, S. 110 f.).

3.3 Laborchemische Untersuchungen

Mit Hilfe der Bestimmung verschiedener Laborparameter können Veränderungen im Stoffwechsel festgestellt werden. Um eine Aussage über den Fettstoffwechsel zu ermöglichen, sollten Cholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin sowie Triglyceride bestimmt werden (vgl. Lawrenz 2005, S. 111).

„Zur Beurteilung des Glucosestoffwechsels wird zunächst der Nüchternblutzucker bestimmt. Bei erhöhten Werten sollte ein oraler Glucosetoleranztest angeschlossen werden.“ (Lawrenz 2005, S. 111).

Darüber hinaus empfiehlt es sich Harnsäure und Leberenzyme zu bestimmen. Um eine Hypothyreose (Unterfunktion der Schilddrüse) als Ursache der Adipositas auszuschließen, sollte zudem TSH (Thyrotropin) bestimmt werden (vgl. Lawrenz 2005, S. 111).

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Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640818952
ISBN (Buch)
9783656095422
Dateigröße
990 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166157
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Sportwissenschaft und Motologie
Note
1,0
Schlagworte
adipositas kindes- erwachsenenalter

Autor

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