Lade Inhalt...

Ethik in der Wirtschaftsinformatik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 30 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsabgrenzungen

3. Ethisch relevante Themen für die Wirtschaftsinformatik
3.1 Asymmetrien in Informationssystemen
3.2 Verantwortlichkeit von Entscheidungsträgern
3.3 Datenspeicherung und Datenschutz
3.4 NonObvious Relationship Awareness
3.5 Ortungssysteme
3.6 Weitere ethisch relevante Themen

4. Forderungen an die Wirtschaftsinformatik

5. Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Wirtschaftsinformatik als interdisziplinäre Wissenschaft

Abb. 2 Funktionsweise von NORA

Abb. 3 Funktionsweise von GPS

Abb. 4 Funktionsprinzip von TMCpro

Abb. 5 Funktionsweise von Google Street View

1. Einleitung

Die Leistungsfähigkeit von Computern steigt ständig rapide an. Speicherplatz wird immer kostengünstiger und die Vernetzung unterschiedlicher Systeme schreitet voran. Immer mehr Daten werden gespeichert und neue Informationssysteme entwickelt. Die Frage wird aufgeworfen, welche Daten gespeichert werden dürfen, wie ein Informationssystem gestaltet und welche Verantwortung den Benutzern zugewiesen werden soll. (Laudon et al. 2010, S. 158) Umso mehr Informationssysteme entwickelt und eingeführt werden, umso höher ist die Abhängigkeit von diesen Systemen und die Verletzbarkeit bei Fehlern. Die ethische Bedeutung dieser Fragen für die Wirtschaftsinformatik soll mit dieser Arbeit behandelt werden. Es soll gezeigt werden, mit welchen Themen sich die Wirtschaftsinformatik bereits auseinander gesetzt hat und wie damit am besten umgegangen werden sollte. Die These dieser Arbeit lautet deshalb: In der Wirtschaftsinformatik haben ethische Aspekte bisher keine Beachtung gefunden. Diesbezüglich wurde eine Forschungsfrage gestellt, die mit dieser Arbeit beantwortet werden soll. Die Frage lautet: Welche ethischen Themen betreffen die Wirtschaftsinformatik?

Zu Beginn werden die wichtigsten Begriffe abgegrenzt und definiert. Anschließend sollen verschiedene Themengebiete mit ethischer Relevanz mithilfe einer Literaturrecherche ausgearbeitet und dargestellt werden. Im Anschluss sollen Möglichkeiten gezeigt werden, wie mit ethischen Themen verfahren werden kann. In diesem Zusammenhang wird es auch nötig sein, Forderungen an die Wirtschaftsinformatik zu formulieren, um ethische Themen ordnungsgemäß zu behandeln. Den Schluss der Arbeit bilden dann eine Zusammenfassung und ein Fazit.

Es scheint, als würden ethische Betrachtungsweisen in der Gesellschaft an Bedeutung gewinnen. So protestierten tausende Bürger gegen die Einführung von Google Street View in Deutschland. (Koch 2010) Weitere Demonstrationen mit bis zu 7.500 Menschen wurden gegen verschiedene Systeme zur Datensammlung wie Elena oder eine geplante Volkszählung registriert. (Golem.de 2010) Das Interesse der Bevölkerung am Schutz der Privatsphäre steigt, die Angst vor der Datensammlung in Informationssystemen wächst. Die Wirtschaftsinformatik ist mit diesen ethischen Bedenken konfrontiert. Viele Alltagssituationen sind durch ethische Aspekte wie Moral, Werte und Haltungen gekennzeichnet. Es ist das Ziel dieser Arbeit, solche für die Wirtschaftsinformatik bedeutsamen Themen zu identifizieren und zu bewerten. Mit dieser Arbeit soll das Bewusstsein für ethische Themen geschaffen und zur Diskussion animiert werden.

2. Begriffsabgrenzungen

Um dem Leser der Arbeit ein besseres Bild über das Thema zu ermöglichen, sollen in diesem Punkt zweckmäßige Definitionen dargestellt werden.

Ethik

Die Ethik stellt einen grundlegenden Bestandteil der Philosophie dar, dessen Ursprünge bis in das antike Griechenland reichen. Kern der Betrachtungen in der Ethik ist die Moral, welche sich wiederum aus Werten bzw. Zielen, und Normen bzw. Handlungsanleitungen zusammensetzt. In jedem Individuum existieren Haltungen, wie der Mensch handeln soll. Die Ethik beschäftigt sich mit der Frage, ob die Handlungen eines Menschen richtig sind oder nicht.

Ethik kann deskriptiv oder normativ sein. Deskriptive Ethik beschreibt empirisch, welche Handlungen in der Gesellschaft als gut angesehen werden. Normative Ethik beschäftigt sich mit guten und schlechten Verhaltensweisen und soll anhand dessen Sollzustände, also Normen, festlegen. Beide Teile werden unter der Methaethik noch einmal in Sprache und Logik der Aussagen untersucht. Diese systematische Dreiteilung ist charakteristisch für die Ethik. (Karmasin und Litschka 2008, S. 13 f.)

Die vorliegende Arbeit bezieht sich vorwiegend auf deskriptive Ethik und zeigt, welche Haltungen in der Gesellschaft bereits angesprochen wurden und als gut bzw. schlecht eingeschätzt werden.

Wirtschaftsinformatik

Die Wirtschaftsinformatik beschäftigt sich laut Mertens „mit der Gestaltung, dem Betrieb und der Nutzung von Systemen der computergestützten Informationsverarbeitung in Wirtschaft und Verwaltung und zunehmend auch im unmittelbaren privaten Lebensumfeld.“ (Mertens et al. 2010, S. 1) Sie versucht, Informatik und Betriebswirtschaftslehre sinnvoll zu integrieren. Erste Klassifikationen stammen aus dem Jahre 1955, in dem EDV-Anwendungen erstmals in der Wirtschaft eingesetzt wurden. (Ortner 2009) Die interdisziplinäre Einordnung veranschaulicht diese Abbildung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Wirtschaftsinformatik als interdisziplinäre Wissenschaft (Abts und Mülder 2009, S. 3)

Zu erkennen ist, dass die Wirtschaftsinformatik Teile der Informatik, der Rechtslehre, der Betriebswirtschaftslehre und der Ingenieurwissenschaften beinhaltet. Mertens fügt in seinen Erklärungen noch einen zusätzlichen Bereich der Wirtschaftsinformatik an, der sich mit keiner anderen Wissenschaft deckt. (Mertens et al. 2010, S. 7)

Es ist also schwer, einen einheitlichen Begriff zu definieren, da die Übergänge zu anderen Wissenschaften fließend verlaufen. Wirtschaftsinformatik lässt sich als Realwissenschaft, als Formalwissenschaft und auch als Ingenieurwissenschaft klassifizieren. Wirtschaftsinformatiker beschäftigen sich mit der Beschreibung und Optimierung realer Informationssysteme und der Entwicklung und Konstruktion zukünftiger Informationssysteme. (Laudon et al. 2010, S. 61) Da sich die Wirtschaftsinformatik nicht nur mit betriebswirtschaftlichen Aspekten befasst, werden auch Anwendungen und Systeme für Privatanwender in dieser Arbeit unter ethischen Gesichtspunkten analysiert.

3. Ethisch relevante Themen für die Wirtschaftsinformatik

3.1 Asymmetrien in Informationssystemen

Eine Asymmetrie ist ein Ungleichgewicht. Sie entsteht in diesem Fall bei der Verfügbarkeit von Informationen. Wenn ein Informationssystem eine große Menge an Daten verarbeitet, aufbereitet und einem Entscheidungsträger darstellt, wählt das System automatisch aus der Fülle an Informationen die relevanten aus. Der Entscheider versorgt sich also nicht selbst mit Informationen, sondern bekommt diese durch ein System dargestellt. Diese zweckmäßig erstellte Asymmetrie dient der Spezialisierung und Effizienz von Unternehmen. Die aufgeworfenen ethischen Fragen bei diesem Sachverhalt stellen sich wie folgt dar:

Der Wirtschaftsinformatiker gestaltet das Informationssystem nach den Wünschen des Unternehmens. Es werden relevante Daten ausgewählt und aufbereitet. Es existiert jedoch keine genaue Einschätzung, welche Informationen denn wichtig sind und welche nicht. Auch die Berechnung von Ergebnissen bleibt dem Benutzer verborgen. Diese Informationsasymmetrie zwischen Entwickler und Benutzer führt zu Problemen im erwarteten Verhalten des Programmes.

Die Forderung an ein Programm, fehlerfrei und wie erwartet zu funktionieren, ist eine ethische, an Werte gebundene Aussage, die nicht eindeutig definiert ist. Die Systemanforderungen sind von Benutzer zu Benutzer unterschiedlich und demnach schwer zu generalisieren. Unkonkrete Wünsche wie erwartungstreue „gute“ Software, können nicht zu formalen quantitativen Zielen führen. Deshalb werden Nutzer häufig in die Entwicklung des Systems einbezogen, um genauere Anforderungen formulieren zu können.

Die Beschäftigung mit den Asymmetrien zwischen Benutzern und Entwicklern findet also bereits vielfach im Alltag, wenn auch nur unterbewusst, statt. Es ist nicht sinnvoll, ein System vollständig bezüglich seiner Einflussgrößen und deren Konstellationen zu definieren, wodurch die Asymmetrisierung also keine problematische Handlungsweise ist. (Fehling und Jahnke 2007, S. 11 f.)

Zu diesem Thema werden demnach bereits Diskussionen geführt. Sie zielen jedoch nicht darauf ab, eindeutige ethisch korrekte Gestaltungslinien für Softwaresysteme zu definieren, da dies praktisch nicht möglich ist. Vielmehr besteht die Intention, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Gestaltung von Software in Absprache mit den Benutzern ethische Züge aufweist.

3.2 Verantwortlichkeit von Entscheidungsträgern

Menschen, die Entscheidungen treffen, die andere Personen beeinflussen, haben eine besondere Verantwortung. Hierarchisch höher gestellte Mitarbeiter, Manager und Entscheider handeln nach ihren Möglichkeiten und nehmen somit Einfluss auf andere Mitmenschen. Hierbei wird die Frage aufgeworfen, welche Handlungen ethisch vertretbar sind und in welchem Maße andere Subjekte beeinflusst werden dürfen. Für die Wirtschaftsinformatik hat dies besonders bei der Entwicklung von Informationssystemen einen hohen Stellenwert. Umso mehr Informationen und Alternativen das System berücksichtigt, umso effektiver ist es. Durch den Anstieg der Wahlmöglichkeiten für einen Entscheider steigt auch dessen Verantwortlichkeit gegenüber dem Unternehmen und dessen Mitarbeitern.

Der Wirtschaftsinformatiker muss beim Entwurf der Software die Alternativen für den Nutzer so beschränken, dass eine Überforderung verhindert wird. Dadurch wird die Verantwortung der Entscheider sinnvoll eingegrenzt. Routinetätigkeiten sollten demnach relativ wenig Verantwortung bedeuten. Für strategische Entscheidungen hingegen muss ein sinnvolles Maß an strukturierten Optionen vorgegeben sein, um die Selektionsleistung zu sichern. Es ist demnach entscheidend, wie viele Informationen das System bereitstellt und welche Kontrolle der Benutzer über seine Entscheidungen hat. Umso intransparenter das System ist, umso stärker ist die Abhängigkeit von der Software und der Kontrollverlust des Nutzers. Im Extremfall muss der Software blind vertraut werden, was einer strengen Asymmetrisierung entspricht. Dadurch entscheidet nicht mehr der Mensch, sondern das Computersystem. (Fehling und Jahnke 2007, S. 14)

Zu dieser Thematik gibt es verschiedene Aussagen, wie der Wunsch von Johnson und Mulvey nach einer Standardisierung für die Entwicklung von entscheidungsunterstützenden Systemen. (Johnson und Mulvey 1995, S. 58-64) Ein weiterer Ansatz ist die Nutzung von künstlicher Intelligenz in solchen Systemen, die jedoch die Entscheidungsfreiheit des Menschen einschränkt bzw. diesen sogar ersetzt. Bei der Entwicklung von Informationssystemen wird bisher jedoch immer festgelegt, welche Verantwortung ein Benutzer haben darf, weshalb die ethische Bedeutung dieses Themas für die Wirtschaftsinformatik sehr hoch ist. (Fehling und Jahnke 2007, S. 15)

3.3 Datenspeicherung und Datenschutz

Wie eingangs erwähnt, stellt die Speicherung von Daten keine große finanzielle Belastung dar. Jedes Unternehmen und auch jede Privatperson kann aufgrund der geringen Kosten große Datenmengen speichern. Ein Verstoß gegen das Datenschutzgesetz ist problemlos möglich. Dieses ist in Deutschland verhältnismäßig strikt geregelt. Es gelten das „Recht auf informationelle Selbstbestimmung“ und das Verbot der Speicherung von „identifizierbaren personenbezogenen Daten“ durch Unternehmen. (Laudon et al. 2010, S. 165) Sofern also über eine Person personenbezogene Daten gespeichert werden sollen, bedarf dies einer Einwilligung des Betroffenen. Neben der Weiterentwicklung der Datensammlung, wurde auch die automatisierte Datenanalyse optimiert. Das Interesse der Unternehmen für die Einkaufsgewohnheiten, Geschmäcker und Vorlieben ihrer Kunden ist groß. Viele Informationen geben Kunden unbewusst und teilweise unbeabsichtigt preis. Jede Quittung wird in den elektronischen Kassen der Supermärkte registriert und gibt Aufschluss über Einkaufsgewohnheiten. Werbemittler wie DoubleClick erstellen Profile über Internetnutzer, um deren Vorlieben zu erkennen und ihnen zielgerichtete Werbung zu unterbreiten. (Laudon et al. 2010, S. 158)

Biometrische Daten

Zur eindeutigen Identifikation von Personen werden biometrische Merkmale immer häufiger genutzt. Solche Merkmale sind beispielsweise der Fingerabdruck oder die Form der Iris, aber auch Gesichtsform und Unterschrift. Durch verschiedene Scanner können diese Daten ausgelesen werden und so automatisierte Zutrittskontrollen durchgeführt werden. Die ethische Fragestellung in diesem Zusammenhang ist: darf ein Mensch ein Datenträger sein? Frühere Kontrollen nutzten Passwörter und Zahlencodes. Durch biometrische Datenerfassung sind die zutrittsgewährenden Merkmale jedoch nicht mehr von der Person unabhängig. Das Bewusstsein, dass bestimmte Körperteile biometrische Daten enthalten, kann das Verhalten eines Menschen ändern. Die Auswirkungen von Verstümmelungen oder Verletzungen steigen, da diese die Identifikation verhindern können. In diesem Zusammenhang steigt aber auch der Verdacht für Selbstverstümmelungsfälle. Ein weiterer Aspekt ist das Verfügungsrecht des Dateninhabers, also wann und wie auf dessen Daten zugegriffen werden darf. Weiterhin fragwürdig ist die Option, beim Scannen von biometrischen Merkmalen zusätzliche Informationen über die Person, wie Gemüts- oder Gesundheitszustand, zu erhalten. Diese Möglichkeit muss unterbunden werden. Durch die Verweigerung der Datenerhebung oder wenn diese aus biologischen Gründen nicht möglich ist, kann es zu Diskriminierung kommen. Religiöse Ansichten der Entblößung durch biometrische Identifikation müssen respektiert werden. Die Risiken, die für den Einzelnen durch die Einführung von biometrischer Datenerfassung entstehen, müssen in jedem Fall einen Nutzen, wie erhöhte Sicherheit, mit sich bringen. Aus ethischer Sicht steht jedoch weiterhin der Sachverhalt des menschlichen Datenträgers im Mittelpunkt der Diskussion. (Rippe 2005, S. 150 ff.)

Elena

Mithilfe des elektronischen Entgeltnachweises sollen in Zukunft Arbeitnehmerdaten in einer zentralen Datenbank erfasst werden. Das Elena genannte System wird von Arbeitgebern Daten über ihre Arbeitnehmer sammeln und für die Beantragung von staatlichen Transferzahlungen konsultiert werden. Einträge in die Datenbank sind zum Beispiel Adresse, Einkommen, Arbeitszeit, Fehlzeiten und Familienstatus. Der Zugriff wird vorerst nur für die Bundesagentur für Arbeit möglich sein, jedoch sind weitere Freigaben für Krankenkassen oder Polizei realistisch. Die Speicherdauer beträgt mindestens zwei Jahre. Bedenken an diesem Projekt wurden vom Mitglied des Deutschen Ethikrats Spiros Simitis geäußert. Er stellt Sicherheit, Datenschutz und Zugriffsrechte in Frage. Besonders ein Freitextfeld zur individuellen Bewertung der Arbeitnehmer kritisiert er scharf, da es zu Diskriminierung, Sonderbehandlung oder zur Verweigerung von Leistungen kommen kann. Einige Veränderungen an der Datenerhebung wurden daraufhin bereits vorgenommen. (Schayani und Schmitt 2010) Ursprünglich startete die Datensammlung für Elena im Jahr 2010. Der Zugriff auf die Daten sollte ab 2012 möglich sein. Jedoch wurde dies vorerst auf 2014 verschoben, um die Testphase zu verlängern. Was mit den bisher gesammelten Daten geschehen soll, ist noch nicht entschieden worden. (Reichling 2010) Die ethische Relevanz bezüglich der Privatsphäre des Bürgers stellt hohe Anforderungen an die Entwicklung des Informationssystems Elena. Die Auswahl der zu erhebenden Daten muss sehr gewissenhaft und rechtlich korrekt geschehen, um die Profilerstellung über bestimmte Arbeitnehmer zu verhindern. Dies stellt für die Wirtschaftsinformatik eine große Herausforderung und Verantwortung dar.

Volkszählung 2011

Für den Mai 2011 ist in Deutschland eine Volkszählung geplant, die Aufschluss über die Einwohnerzahl geben soll. Die erhobenen Daten sollen beispielsweise zur Kalkulation des Bedarfs an Krankenhäusern, Kindertagesstätten oder Seniorenheimen dienen. Die Befragung findet lediglich stichprobenartig statt, beinhaltet aber Daten wie Beruf, Bildungsstand und die freiwillige Angabe zur Glaubensrichtung. Weiterhin werden Haus- und Wohnungseigentümer verpflichtet, über Ausstattung, Nutzungsverhältnisse und Gebäudeart Auskunft zu geben. (Hausding 2010) Auch in diesem Fall muss abgewogen werden, wie mit den Daten umgegangen werden soll. Die sichere Speicherung und Zugangskontrolle sind wichtig, um ethische Bedenken zu minimieren.

Datenschatten

Ein Datenschatten bezeichnet Informationen, die eine Person in modernen Kommunikationssystemen bewusst oder unbewusst hinterlässt. Prinzipiell sind diese Daten relativ harmlos, da sie an unterschiedlichen Orten gespeichert sind und kaum personenbezogen ausgewertet werden können. Das eigentliche Problem ist jedoch die Vernetzung von Datenbanken, sodass einzelne kleine Datenmengen zu großen Datenbeständen zusammengefasst werden. Dies ermöglicht die Identifikation von Personen und die Profilerstellung. (Fricke 2008, S. 2) Ein Beispiel für eine solche Datensammlung ist der Dienst Payback, mit welchem Einkaufsgewohnheiten über eine Chipkarte analysiert werden können. Auch das Mautsystem kann zur Verfolgung von Fahrzeugen genutzt werden. Obwohl dies nur für die Verfolgung von Straftätern genutzt werden soll, sind weitere Verwendungen nicht auszuschließen. (3sat 2006)

Die ethische Relevanz für die Wirtschaftsinformatik zeigt sich in der Verantwortung bei der Vernetzung solcher Informationssysteme. Die Profilerstellung muss verhindert werden. Personenbezogene Daten müssen anonymisiert werden und die Benutzer müssen darauf hingewiesen werden, wann sie wo Daten hinterlassen.

Geistiges Eigentum

Durch die Verbreitung von Kommunikationsnetzwerken entstehen Probleme für den Schutz des geistigen Eigentums. Bücher, Musiktitel und Filmmaterial sind online digitalisiert und nicht an physische Datenträger wie Papier oder CD gebunden. Ihre Verbreitung über Tauschbörsen im Internet stellt eine Gefahr für die Urheber dar. Durch die Anwendung des Peer to Peer Prinzips werden Daten in Teilen an verschiedene Nutzer verteilt und nicht mehr zentral gespeichert, sodass ein Vorgehen gegen die Verbreitung nur schwer realisierbar ist. Im Zuge dessen wurden die Systeme zum Kopierschutz fortlaufend weiterentwickelt. Ethisch fragwürdig ist die Haltung, solche urheberrechtlich geschützten Werke kopieren zu dürfen bzw. auch der Aspekt, ob so leicht kopierbare Medien überhaupt geschützt werden müssen. (Laudon et al. 2010, S. 175) Die Wirtschaftsinformatik muss sich gezielt damit auseinandersetzen, ob und wie geistiges Eigentum geschützt werden kann und soll. Außerdem ist es nötig, das Bewusstsein der Nutzer dahingehend zu schulen, dass der potenzielle Diebstahl geistigen Eigentums kein Kavaliersdelikt ist und weitreichende Folgen haben kann.

[...]

Details

Seiten
30
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640818648
ISBN (Buch)
9783640824496
Dateigröße
835 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166082
Institution / Hochschule
Technische Universität Ilmenau – Fakultät für Wirtschaftswissenschaften Fachgebiet, Wirtschaftsinformatik für Dienstleistungen
Note
1,7
Schlagworte
ethik wirtschaftsinformatik

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Ethik in der Wirtschaftsinformatik