Lade Inhalt...

Steigerung der Kompetenzerwartung im polizeilichen Einsatztraining

Studienarbeit 2010 15 Seiten

Sport - Sportpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Polizeiliches Handeln im Kontext der Optimierung von Wettkampfleistung
1.2 Situationstraining im Rahmen des polizeilichen Einsatztrainings

2 Kompetenzerwartung
2.1 Auswirkungen der Kompetenzerwartung auf das Verhalten
2.2 Unterschiede zwischen Trainings- und Einsatzsituationen
2.2.1 Nichtwiederholbarkeit
2.2.2 Konsequenzen
2.2.3 Zeitpunkt des Handelns
2.3 Steigerung der Kompetenzerwartung
2.3.1 Persönliche Erfahrung
2.3.2 Stellvertretende Erfahrung
2.3.3 Sprachliche Überzeugung
2.3.4 Emotionaler Erregungszustand

3 Training der Kompetenzerwartung
3.1 Praxis des Prognosetrainings
3.1.1 Aufgabenstellung
3.1.2 Festlegen des Zeitpunktes
3.1.3 Festlegen einer negativen Konsequenz
3.1.4 Prognose
3.1.5 Vorbereitung
3.1.6 Durchführung
3.1.7 Ergebnisfeststellung
3.1.8 Objektive Analyse
3.1.9 Konsequenz
3.2 Intensivierung des Prognosetrainings durch Zeitverzögerung

4 Schlussbemerkung

5 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Polizeiliches Handeln im Kontext der Optimierung von Wettkampfleistung

Die vorliegende Studienarbeit bezieht sich auf das Training des polizeilichen Handelns für Einsatzsituationen. Auf den ersten Blick mag das unter der Überschrift „Optimierung der Wettkampfleistung“ etwas abwegig klingen, doch lassen sich strukturelle Ähnlichkeiten mit der Wettkampfleistung im Sport erkennen.

Der regelmäßig trainierende Polizeibeamte bereitet sich im sogenannten Einsatztraining auf den „Einsatzfall“ vor. Das Training dient einzig und allein dazu, im Ernstfall die persönliche Leistung abrufen zu können, um Gefahren für die öffentliche Sicherheit abzuhalten oder den Strafverfolgungsanspruch des Staates durchzusetzen. Der Leistungssportler folgt einer ähnlichen Systematik: Training, um im Wettkampf die individuelle Leistung auf höchstem Niveau zu präsentieren und Handlungen stabil auszuführen zu können – die optimale Leistung zum definierten Zeitpunkt (vgl. Immenroth/Eberspächer/Hermann, 2008, S. 119).

Die vorliegende Arbeit hat die Steigerung der Kompetenzerwartung im Bereich des polizeilichen Handelns zum Schwerpunkt.

1.2 Situationstraining im Rahmen des polizeilichen Einsatztrainings

Das Situationstraining gilt als „Königsdisziplin“ im polizeilichen Einsatztraining. In interaktiven Szenarien werden sowohl hohe Anforderungen an den handelnden Beamten, als auch an die Situationsdarsteller und Trainer gestellt. Die Integration sämtlicher Bestandteile der polizeilichen Ausbildung wie Rechtskenntnisse, Kommunikation, Deeskalation, Selbstverteidigung, Eingriffstechniken, Schusswaffengebrauch und taktischer Komponenten stellt sich besonders für den Kopf bzw. für die Psyche als sehr anspruchsvoll dar. Aus diesem Grund hat im modernen Einsatztraining das Situationstraining einen festen Platz sowohl in der Ausbildung, als auch im weiteren Training des Polizeibeamten.

Aus logistischen Gründen ist ein Situationstraining in vielen Dienststellen nicht in dem Maße durchführbar, wie es für einen kontinuierlichen Trainingsprozess wünschenswert wäre. Auch das Schieß- oder Waffentraining sowie das Training von Techniken der körperbezogenen Gewalt können nicht immer in zufriedenstellendem Maße absolviert werden. Es ist bekannt, dass im Trainingsprozess – besonders bei motorischen Aufgaben - die Anzahl der absolvierten Wiederholungen ein entscheidender Faktor ist (vgl. Meinel/Schnabel, 2007, S. 150). Für eine stressstabile Anwendung ist die Wiederholungsanzahl aber nicht allein verantwortlich. Ein Beispiel soll hier zur Veranschaulichung dienen:

Viele Polizeibeamte erbringen im Einsatztraining durchaus ihre Leistungen wie das Treffen der Zieldarstellung, die korrekte Ausführung der Selbstverteidigungstechniken beim Sparring oder das optimale Lösen einer polizeilichen Lage im Situationstraining. In Einsatzsituationen verlieren Kollegen mitunterer allerdings ihren Glauben an ihre Fähig- und Fertigkeiten. Der Polizist ist nicht mehr davon überzeugt, dass seine erlernten Fertigkeiten in Realsituationen wirksam werden. So lässt sich mitunter erklären, warum Polizeibeamte in extremen Beanspruchungssituationen (z.B. einer Amok-Lage) die Situation meiden, indem sie einen längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen. Dies heißt nicht, dass die gelernten Techniken und Taktiken nicht mehr verfügbar sind, sondern dass der Beamte nicht mehr von der Wirksamkeit seiner Fertigkeiten überzeugt ist, also nicht mehr das nötige Selbstvertrauen hat.

Dieses Beispiel zeigt, dass es notwendig ist – neben den motorischen Anteilen - die Überzeugung von der Wirksamkeit des eigenen Handelns, auch in den schwierigsten Situationen, einzuüben. Es wird hier von der Kompetenzerwartung gesprochen, welche sich auf die „Self-efficacy“-Theorie von Albert Bandura (1977) gründet.

2 Kompetenzerwartung

Je nach Literatur wird neben der Kompetenzerwartung auch von Selbstwirksamkeit oder Selbstwirksamkeitserwartung gesprochen (vgl. Schwarzer, 2000, S. 173; Reicherts/Horn, 2009, S. 589). Im Volksmund ist oft von „Selbstvertrauen“ die Rede, welches noch weitere Faktoren umfasst. Wenn Joachim Löw im Fußball vom „Selbstvertrauen der Mannschaft im Angriff“ spricht, ist darunter streng genommen die Kompetenzerwartung der Mannschaft in der konkreten Situation zu verstehen.

2.1 Auswirkungen der Kompetenzerwartung auf das Verhalten

Nach Bandura (1977, 1997) hat die Kompetenzerwartung verschiedene Auswirkungen auf das menschliche – und damit auch polizeiliche - Verhalten.

Die Selbstwirksamkeitserwartung hat Einfluss auf die Auswahl der Situationen, in die sich eine Person begibt (selektiver Faktor). Bei geringer Kompetenzerwartung werden oftmals Situationen mit hoher Anforderungscharakteristik (wie im einleitenden Bespiel) gemieden. Bei hoher Kontrollüberzeugung werden derartige Situationen als Herausforderung empfunden und sogar explizit aufgesucht.

Des Weiteren beeinflusst das Einschätzen der eigenen Bewältigungskompetenz die kognitiven und motivationalen Prozesse einer Person. Ein Beamter mit hoher Kompetenzerwartung wird in einer Beanspruchungssituation länger „am Ball bleiben“ bevor er aufgibt, da er von sich überzeugt ist, dass er über die Kompetenz verfügt, die Situation zu lösen. Erfolge, also das erfolgreiche Beenden einer Einsatzlage, wird dieser Beamte eher seiner eigenen Leistungsfähigkeit und Tüchtigkeit zuschreiben, was sich wiederum positiv auf die Bewältigung zukünftiger Lagen auswirken wird.

Schließlich weist Bandura noch auf die Bedeutung der so genannten Bewältigungswirksamkeit (coping efficacy) hin.

Ein Polizist, der seine Möglichkeiten einer Angriffsituation erfolgreich zur begegnen als gering einschätzt – also über ein geringe Bewältigungswirksamkeit verfügt - wird eine derartige Situation bereits im Vorfeld als selbstwertbedrohlich einschätzen. Der Beamte wird demnach mit Gefühlen von Angst auf die Situation reagieren. Die Relevanz dieses Konzeptes für das Handeln von Polizeibeamten ist offensichtlich: Polizisten empfinden schwierige Einsatzsituationen oft als belastend bzw. „stressig“ und schätzen ihre Bewältigungsmöglichkeiten entsprechend ein. Folglich wird bereits im Vorfeld emotional auf diese Situationen reagiert.

2.2 Unterschiede zwischen Trainings- und Einsatzsituationen

Wenn Polizeibeamte sich im Training und in Einsatzsituation nicht immer gleich verhalten, ist dies ein Indiz dafür, dass sich das Training von einer realen Einsatzsituation in einigen Faktoren strukturell unterscheidet. Im Wesentlichen begründet sich der Unterschied auf zwei Aspekte (vgl. Eberspächer 2004, S. 31f; vgl. Immenroth et al., 2008, S. 149):

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640819782
ISBN (Buch)
9783640822737
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166063
Institution / Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst)
Note
1,0
Schlagworte
Selbstwirksamkeitserwartung Polizei Kompetenzerwartung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Steigerung der Kompetenzerwartung im polizeilichen Einsatztraining