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Vergleich der Caesarfigur im Roman „Caesar“ von Gisbert Haefs und im Film „Julius Caesar“ von Uli Edel

Hausarbeit 2008 14 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Analyse der Caesarfigur im Roman „Caesar“ von Gisbert Haefs
2.1 Inhalt, Struktur und Aufbau des Romans
2.2 Die Figur Caesars

3 Analyse der Caesarfigur im Film „Julius Caesar“ von Uli Edel
3.1 Allgemeine Informationen zum Film
3.2 Die Caesarfigur im Film
3.2.1 Analyse der Sequenz „Caesars Rede zum Gedenken an seine Frau Cornelia“
3.2.2 Analyse der „Kerkerszene“

4 Schluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Gaius Julius Caesar ist eine der berühmtesten und umstrittensten Persönlichkeiten der Geschichte. Er gilt als Genie und Held, aber auch als Tyrann und Zerstörer der Republik. Zu kaum einer anderen Person haben so viele Historiker und Autoren ihre Meinung geäußert. Shakespeare, Mommsen und Brecht sind nur einige Wichtige von vielen.

In folgender Arbeit wird die Darstellung der Figur Caesar im Roman von Gisbert Haefs „Caesar“ und im Film von Uli Edel „Julius Caesar“ thematisiert. Beide Werke sind erst vor wenigen Jahren erschienen, der Film im Jahre 2002 und der Roman 2007. Zu dem umfassen der Erzählteil des Romans und der Handlungsablauf des Films ungefähr den selben Zeitraum und zeigen vielfach die selben Ereignisse und Personen. Daher ist ein Vergleich der Werke gut möglich.

Ziel der Arbeit ist es die beiden Hauptfiguren zu vergleichen. Daher wird von der These ausgegangen, dass der Roman eine doppelte Sichtweise – Caesar als Held und Tyrann – bietet. Dem gegenüber zeigt der Film eine idealisierte Figur, die allerdings im Handlungsverlauf eine Entwicklung erfährt.

Um die oben formulierte These zu bestätigen, wird im ersten Kapitel der Arbeit die Figur Caesar im Roman analysiert . Hierzu werden zunächst die drei Formen der Darstellung von Figuren erläutert, und dann auf dieser Grundlage die Darstellung Caesars untersucht. Im folgenden Teil der Arbeit wird der Film auf die Darstellung der Figur hin analysiert. Hierbei wird zwischen inhaltlichen und filmsprachlichen Kriterien differenziert. Es ist anzumerken, dass nur einzelne ausgewählte Sequenzen berücksichtigt und analysiert werden können, um den vorgegebenen Rahmen der Arbeit einzuhalten.

Bei der Erarbeitung des oben genannten Themas ergaben sich im Vorfeld einige Schwierigkeiten. Da es sich bei dem Werk von Gisbert Haefs um einen erst kürzlich erschienen Roman handelt, ist kaum spezifische Sekundärliteratur zu finden. Dieses Problem ergab sich ebenfalls beim Film von Uli Edel. Allerdings hilft ein großes Angebot an allgemeiner Sekundärliteratur zur Analyse von Romanen und Filmen, dieses Problem zu beheben.

2 Analyse der Caesarfigur im Roman „Caesar“ von Gisbert Haefs

2.1 Inhalt, Struktur und Aufbau des Romans

Der historische Roman „Caesar“ von Gisbert Haefs erzählt die zentralen politischen Ereignisse und beschreibt die politischen und gesellschaftliche Zustände in Rom von 52/53 vor Chr. bis zum Tod Caesars aus der Sicht des Soldaten Quintus Aurelius. Dieser schließt sich auf Grund von Ciceros Erpressung Caesars Stab an und begleitet ihn auf seinem Weg durch Gallien. Anstatt ihn, wie von Cicero verlangt, auszuspionieren, wird er zu einem Vertrauten des Feldherrn, der ihn unterstützt und bewundert, aber auch Zweifel an Caesars Vorhaben hegt.

Der Roman von Haefs ist in einen Erzählteil, der die Geschichte des Aurelius enthält, und in einen Chronikteil gegliedert. Die Chroniken bestehen aus kurzen Biographien der wichtigsten Personen Roms zu der Zeit. Der Chronikteil fügt sich in den Erzählteil des Romans ein, da er wichtige Informationen zum Verständnis der Zustände und Verhältnisse liefert. Auch in den Chroniken spielt Quintus Aurelius eine wichtige Rolle, da er selbst der Schreiber der Chroniken ist, die er in Gefangenschaft für die Pather verfasst.

2.2 Die Figur Caesars

Um die Darstellung der Caesarfigur im Roman von Haefs genauer zu analysieren, ist es notwendig die drei Formen der Darstellung von Figuren zu berücksichtigen.[1] Zum einen erhält der Leser Auskunft durch die Darstellung der Figur durch den Erzähler. Im Roman handelt es sich um einen personalen Erzähler, der aus der Sicht des Aurelius die römische Geschichte mit ihren politischen Zuständen und berühmten Persönlichkeiten darstellt. Somit wird auch Julius Caesar aus der Perspektive von Quintus Aurelius beschrieben. Da es sich bei Aurelius um einen Centurio handelt, ergibt sich eine Perspektive von „unten“, aus der der römische Feldherr dargestellt wird.

Diese Absicht Haefs, das Geschehen aus der Perspektive von „unten“ darzustellen, zeigt sich schon in einem der vorangestellten Motti, bei dem es sich um einen Auszug aus dem Gedicht Brechts „Fragen eines lesenden Arbeiters“ handelt. Brecht übt in diesem Gedicht. starke Kritik an einer Geschichtsschreibung, die die Herrscher hervorhebt und idealisiert darstellt, während die Beteiligung anderer Bevölkerungs-gruppen, speziell der unteren Schicht, ausgelassen wird.

Indem Caesar aus der Sicht von Aurelius beschrieben wird, der ihn und sein Vorhaben auch hinterfragt und kritisch betrachtet, wird es möglich den Mythos Caesar zu entschleiern und die Widersprüchlichkeit der Figur deutlich zu machen:

„[...] wenn tatsächlich auf Sizilien und Sardinien, vielleicht inzwischen auch in Hispanien römische Legionen gegen römische Legionen kämpften, nicht zum Wohl von Senat und Volk, sondern für die Macht der jeweiligen Führer, war dann Caesar besser oder auch nur anders als Pompeius? Als Marius? Als Sulla?“[2]

Durch diese erlebte Rede und besonders durch den Vergleich mit dem als brutal und gewalttätig bekannten Sulla, erzeugt der Erzähler beim Leser Skepsis gegenüber Caesar und seinen Ideen.

Caesar wird im Roman aber nicht eindimensional als Tyrann dargestellt. Es ist keine kategorische, sondern eine doppelte Sichtweise - Caesar als Held und Tyrann - zu erkennen. Dies verleiht dem Roman in der Art der Darstellung der Caesarfigur einen antithetischen Charakter. Caesar ist auf Grund seiner vielen verschiedenen, besonders aber auf Grund seiner widersprüchlichen Eigenschaften vom Erzähler als „mehrdimensionale“[3] Figur konzipiert. Dies zeigt sich zum Beispiel in der Darstellung des äußeren Erscheinungsbildes Caesars, in dem ebenfalls die doppelte Sichtweise Caesars deutlich wird. Er wird mit durchdringenden Augen, einer „Habichtsnase“[4] und einem „bohrende(n) Blick“[5] beschrieben. Durch diese Darstellung und den Vergleich mit einem Raubvogel wirkt Caesar auf den Leser streng und hartnäckig. Allerdings wird dieses Bild beim Leser durch die folgende Aussage revidiert: „Als sich das Bohren in eine seltsame Wärme zu verwandeln schien, die alle Vorbehalte schmelzen ließ.“[6]

Darüber hinaus erhält der Leser ein Bild durch die zwangsläufig subjektive Selbstdarstellung der Figur. Caesar präsentiert sich dem Leser im Roman durch seine Äußerungen und Taten. Auch hier ist die doppelte Sichtweise erkennbar. Auf der einen Seite wirkt Caesar sehr engagiert, erfolgreich und mutig, denn er gewinnt auf Grund seiner Klugheit einen Krieg gegen die zahlenmäßig weit überlegenen Gallier. Darüber hinaus verhält er sich seinen Soldaten gegenüber in manchen Situationen als sei er einer von ihnen und gewährt ihnen Privilegien. Er isst die gleiche Tagesration, schenkt ihnen die Beute und organisiert Feste. Auf der anderen Seite entsteht neben dem Eindruck von Großzügigkeit und Gönnerhaftigkeit gegenüber den Soldaten, der Eindruck von Brutalität und Gnadenlosigkeit gegenüber seinen Feinden, so lässt Caesar beispielsweise in der Schlacht von Alesia die gallischen Frauen und Kinder verhungern:

„Frauen, Kinder, Alte, Verwundete. Sie hatten gefleht und geweint, ehe sie schrieen und kreischten, ehe das Kreischen zu Gewimmer wurde. Aber Caesars Befehle waren eindeutig.“[7]

[...]


[1] http://www.thomasgransow.de/Fachmethoden/Charakterisieren , aufgerufen am 25.02.08

[2] Haefs, Gisbert: Caesar. München: Heyne 2007. S. 341f.

[3] Bachorz, Sabine: Analyse der Figuren. Figurenkonzeption. In: Einführung in die Erzähltextanalyse. Kategorien, Modelle, Probleme. Hrsg. von Peter Wenzel. Trier: Wissenschaftlicher Verlag Trier 2004. Band 6. S. 58.

[4] Haefs, Gisbert: Caesar. München: Heyne 2007. S. 133.

[5] ebd. S. 133.

[6] ebd. S. 133.

[7] ebd. S. 210f.

Details

Seiten
14
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640818235
ISBN (Buch)
9783640821488
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166038
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,3
Schlagworte
Literatur Helden

Autor

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