Lade Inhalt...

Die Begriffe „Einbildungskraft“ und „Schwärmerei“ in Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“

Referat (Ausarbeitung) 2009 9 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Begriffe Schwärmerei und Einbildungskraft im Sturm und Drang

3. Schwärmerei und Einbildungskraft in den Briefen vom 10. bis zum 26. Mai 1771

4. Schluss

5. Bibliographie

1. Einleitung

Die folgende Arbeit geht von der Hypothese aus, dass Schwärmerei und Einbildungskraft in Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“ als wesentliche anthropologische Merkmale angesehen werden.

Um dies zu belegen, wird zuerst ein Einblick in die Epoche des Sturm und Drang gegeben, aus der das Werk stammt. Insbesondere die Vorstellung vom Menschen zu dieser Zeit muss erörtert werden. In diesem Zusammenhang wird das Hauptaugenmerk darauf liegen, die Bedeutung der Begriffe „Schwärmerei“ und „Einbildungskraft“ zu klären. Im folgenden Teil soll überprüft werden, inwiefern diese Begriffe Werther charakterisieren und ihn in seinem Denken und Fühlen bestimmen. Hierbei bilden die Briefe vom 10.Mai 1771 bis zum 26. Mai 1771 die Textgrundlage. In Anbetracht der Begrenzung dieser Arbeit kann nicht auf weitere Textstellen eingegangen werden.

2. Die Begriffe „Schwärmerei“ und „Einbildungskraft“ zur Zeit des Sturm und Drang

Die Phase des Sturm und Drang entwickelt sich in den Jahren 1765-1785 und bezeichnet eine junge literarische Bewegung, die sich gegen die Einseitigkeit der Aufklärung stellt. Allerdings lassen sich diese beiden Epochen nicht als Gegensatzpaare definieren, sondern der Sturm und Drang kann eher als Weiterführung der Aufklärung angesehen werden.[1] Es entwickelt sich ein neues Menschbild. Der Fokus wird nicht mehr nur auf den Verstand und die Vernunft gelegt, sondern das Gefühl und die Subjektivität des Individuums rücken in den Vordergrund. Weiterhin werden gesellschaftliche Konventionen und poetische Regeln als einschränkend empfunden und abgelehnt. Die Vertreter des Sturm und Drang sind der Ansicht, dass Regeln und Normen die Kreativität und Originalität des Künstlers hemmen. Der Künstler wird als Genie betrachtet, der seine Gefühle und Erfahrungen verarbeitet, ohne sich an einer Regelpoetik zu orientieren.[2] Im Zentrum steht also das Gefühl, das als wichtigster Wesenszug des Menschen angesehen wird. In diesem Zusammenhang spielen die Begriffe „Schwärmerei“ und „Einbildungskraft“ eine wichtige Rolle.

Nach Kluge bezeichnet „schwärmen“ zuerst nur das Schwarmverhalten der Bienen.[3] Von der Reformationszeit an wird der Begriff auf Menschen übertragen und bezieht sich auf „das Auftreten der überhand nehmenden und aufdringlichen Sektierer“[4]. Im 18. Jahrhundert erfährt das Wort erneut eine Bedeutungserweiterung und beinhaltet auch „sich auf wirklichkeitsferne Weise für etwas begeistern“[5]. Später erst wird der Begriff auf Personen übertragen und meint jemanden „schwärmerisch verehren“[6].

Das Verb „einbilden“ stammt ursprünglich aus der Mystik des 12. Jahrhunderts und bedeutet hier „etwas (in die Seele, die Seele in Gott) hineinprägen“[7]. Seit dem 17. Jahrhundert hat „einbilden“ nicht mehr nur eine religiöse Bedeutung, sondern steht auch für „irrtümlich annehmen, wähnen“[8].

Indem Sulzer in seinem Werk „Allgemeine Theorie der schönen Künste“ Einbildungskraft auch als eine Fähigkeit des Künstlers ansieht, weitet er die Bedeutung des Begriffs erneut aus:

„Demnach ist die Einbildungskraft, wie gesagt worden, die Mutter der schönen Künste. Durch sie liegt die Welt, so weit wir sie gesehen und empfunden haben, in uns und mit der Dichtungskraft verbunden wird sie die Schöpferin einer neuen Welt.“[9]

Demnach befähigt die Einbildungskraft den Künstler, eine ganz neue Welt zu schaffen; er wird selbst zum Schöpfer.

Allerdings ist Sulzer der Meinung, dass die Einbildungskraft „leichtsinnig ausschweifend und abenteuerlich“[10] sei und auf Grund dessen einer gewissen Ordnung unterliegen müsse. Goethe, als Vertreter des Sturm und Drang, würde der Einbildungskraft keine Grenzen setzen. Die von Sulzer verlangte Ordnung beschränkt aus Goethes Sicht die Entfaltung der Einbildungskraft lediglich und hemmt somit die Originalität des Künstlers.

[...]


[1] Vgl. Kaiser, Gerhard: Aufklärung Empfindsamkeit Sturm und Drang. Tübingen: A. Francke Verlag 2007. S. 177ff.

[2] Vgl. Pascal, Roy: Die Sturm und Drang Bewegung. In: Sturm und Drang. Hrsg. von Manfred Wacker. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1985. S. 56-57.

[3] Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin, New York: Walter de Gruyter 1995. 23., erweiterte Auflage. S. 748.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Ebd. S. 210.

[8] Ebd.

[9] Sulzer, Johann Georg: Allgemeine Theorie der schönen Künste. Hildesheim: Georg Olms Verlagsbuchhandlung 1967. 2 Band. S. 10ff.

[10] Ebd.

Details

Seiten
9
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640818181
ISBN (Buch)
9783640821570
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166031
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,0
Schlagworte
Literatur Goethe Werther

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Begriffe „Einbildungskraft“ und „Schwärmerei“ in Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“