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Aktienoptionen an der Eurex und Hebelprodukte - Vorstellung und Strategien für den Privatanleger

Studienarbeit 2003 38 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Ziel und Aufbau der Arbeit

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Abgrenzung Kassa- und Terminmarkt
2.2 Abschlussmotive für Termingeschäfte
2.2.1 Hedging
2.2.2 Spekulation

3. Aktienoptionen an der Eurex
3.1 Call- und Put-Option
3.2 Short- und Long Position
3.3 Innerer Wert und Zeitwert
3.4 Wichtige Kennzahlen

4. Strategien mit Aktienoptionen
4.1 Long Call
4.2 Long Put
4.3 Short Call
4.4 Short Put

5. Optionsähnliche Zertifikate (Turbos und Shorts)
5.1 Entstehung der Hebelprodukte
5.2 Einfachheit von Hebelprodukten
5.3 Funktionsweise von Hebelprodukten
5.4 Strategieüberlegungen mit Hebelprodukten
5.5 Vergleich von Hebelprodukten mit Optionen

6. Fazit und Schlussbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

Versicherung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Ziel und Aufbau der Arbeit

Seit nunmehr über zweieinhalb Jahren befindet sich der DAX[1] in einem Abwärtstrend. Von seinem Hoch im März 2000 hat er aktuell[2] rund 60 % verloren. Einige Aktien, z.B. die Deutsche Telekom, haben über 80 % ihres Wertes eingebüßt. Viele Privatanleger, die keine Stoppkurse gesetzt haben, wurden von dieser Entwicklung besonders hart getroffen und sitzen immer noch auf zum Teil enormen Verlusten. Institutionelle[3] und professionelle Anleger konnten sich dieser Entwicklung teilweise etwas entziehen. Sie bedienten sich moderner Terminmarktinstrumente, um z.B. ihre Kurse gegen Verluste abzusichern. Sie sind an der Terminbörse, der Eurex[4], aktiv. Hört jedoch ein Privatanleger die Worte Terminbörse oder Optionen, denkt er sofort an wilde Spekulationen, die einem Glücksspiel gleich kommen. Doch hier liegt der Anleger falsch. Natürlich ist es durchaus möglich mit Hilfe von Optionen riskante Spekulationen einzugehen, allerdings lassen sich gerade mit diesen „verfluchten“ Optionen auch konservative Strategien verfolgen. Es gibt sogar Anleger, die behaupten: „Wer sich nicht an der Terminbörse engagiert, ist ein Spekulant.“[5] Doch wie darf man eine solche Aussage verstehen? Ist es nicht so, dass man an der Terminbörse in den meisten Fällen immer nur verliert und sich sogar ruinieren kann?

Beschäftigt man sich etwas intensiver mit Optionen, dann stellt man fest, dass gerade mit diesen modernen Termininstrumenten den Anlegern ein weites Feld neuer Möglichkeiten eröffnet wird, um Anlagerisiken zu begrenzen. Bleibt dem Anleger jedoch die Wirkung dieser Finanzprodukte vorenthalten, ist er unkontrollierbaren Risiken stärker ausgesetzt.[6]

Wichtig beim Umgang mit Optionen ist die konsequente Verfolgung einer Strategie, denn nur so ist gewährleistet dass keine wilde Spekulation entsteht.

Diese Arbeit soll dazu dienen, dem Leser einen Überblick über Optionen und die Strategien, die er damit verfolgen kann, geben. Ihm werden theoretische Grundlagen und die Ausgestaltung von Optionen aufgezeigt. Desweiteren wird noch eine neue Anlageform erklärt, die erst in den letzten Monaten ihren großen Boom erlebt und, in gewissen Fällen, eine sehr gute Alternative gegenüber Optionen darstellt. Dem Privatanleger soll mit Hilfe dieser Arbeit die Angst vor Optionen genommen werden. Er soll nicht nur in die Lage versetzt werden, Optionen zur Verfolgung konservativer Strategien einzusetzen, sondern auch, um an vom ihm erwarteten Marktveränderungen zu profitieren.

Zunächst werden einige theoretische und optionenbezogene Grundlagen dargelegt. Dem Leser wird erklärt, was eine Option überhaupt ist und welche Arten es davon gibt. Anschließend werden die verschiedenen Strategien, die sich mit Hilfe der vier Grundpositionen Long Call, Long Put, Short Call und Short Put verfolgen lassen, dargestellt und erklärt. Hierbei wird nur auf einfache Strategien eingegangen. Die zusammengesetzten Strategien, die aus mehreren Optionen bestehen, sind nicht Thema dieser Arbeit. Im folgenden Abschnitt werden die optionsähnlichen Zertifikate vorgestellt, die ein immer größeres Interesse, vor allem bei Privatanlegern, finden. Im Einzelnen wird auf die Entstehung, die Einfachheit, die Funktionsweise, die möglichen Strategien und auf einen Vergleich mit Optionen eingegangen. Abschließend folgt ein Fazit und ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des Optionsmarktes und des Marktes der optionsähnlichen Zertifikate.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Abgrenzung Kassa- und Terminmarkt

An den internationalen Finanzmärkten wird zwischen Kassageschäften und Termingeschäften unterschieden. Kassaprodukte sind die klassischen Anlageinstrumente „Aktie, Zins und Devise.“[7] Derivate (= Terminprodukte) beziehen sich immer auf ein Kassaprodukt, sind also von diesen abgeleitet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Charakteristisch für den Kassamarkt ist, dass bei einer Transaktion (Kauf oder Verkauf) der Vertragsabschluss und die Vertragserfüllung sehr eng zusammenfallen. Wohingegen im Terminmarkt der Vertragsabschluss und dessen Erfüllung nicht zusammenfallen. Dazwischen kann ein Zeitraum von mehreren Tagen, Wochen oder sogar Jahren liegen.[8] Terminprodukte können an einer Terminbörse oder auch OTC[9] gehandelt werden. Optionen und Futures sind die zwei herausragenden Vertreter von börsengehandelten Termingeschäften.[10]

Abbildung 1: Das Finanzmarktsystem

Quelle: Bankakademie-Verlag GmbH (Hrsg.): Studienwerk der Bankakademie

Die Eurex ist seit 1999 die weltweit größte Terminbörse. Sie wurde im Dezember 1996 gemeinsam von der Deutschen Börse AG und der Schweizer Börse ins Leben gerufen und durch die Fusion der DTB[11] und SOFFEX[12] im Jahr 1998 gegründet.[13]

2.2 Abschlussmotive für Termingeschäfte

Es gibt zwei grundlegende Motive für einen Privatanleger sich am Optionsmarkt zu engagieren. Auf der einen Seite steht das Motiv der Absicherung (Hedging) seiner Aktienbestände bzw. seines gesamten Depots, wohingegen auf der anderen Seite die reine Spekulation auf von ihm erwartete Kursbewegungen steht. Optionen können somit benutzt werden, um Risiken zu reduzieren oder um Risiken einzugehen.[14] Sie bieten sowohl dem erzkonservativen Anleger, wie auch dem hyperaggressiven Spekulanten interessante Möglichkeiten.[15]

2.2.1 Hedging

Der Hedger benutzt, wie zuvor beschrieben, die Optionen um seine Bestände gegen eventuelle Verluste abzusichern bzw. um diese Verluste zu begrenzen. Der Preis für die Option, der auch als Prämie bezeichnet wird, kann als Versicherungsprämie gesehen werden. Fallen die Kurse, beginnt die Versicherung zu wirken. Trifft der Kursverfall nicht ein ist die Prämie verloren. Bei der Absicherung von Aktienbeständen können verschiede Strategien verfolgt werden.

2.2.2 Spekulation

Im Gegensatz zum Hedger, der das Risiko ungünstiger Kursbewegungen begrenzen oder sogar ganz eliminieren will, ist das Ziel des Spekulanten ein anderes: er will mit seiner Strategie an von ihm erwarteten Kursveränderungen teilhaben.[16]

Er kann durch Kombination verschiedener Optionen Strategien konstruieren, die zur jeweiligen Markterwartung passen.[17] Das Spektrum der Spekulations-, im Gegensatz zu den Absicherungsmöglichkeiten, ist natürlich weitaus größer. Der Privatanleger hat die Möglichkeit nicht nur extrem risikoreiche, sondern auch konservative Spekulationen zu tätigen.

3. Aktienoptionen an der Eurex

Bei Optionen handelt es sich um bedingte Termingeschäfte, da der Käufer der Option ein Recht erwirbt, der Verkäufer (Stillhalter) jedoch eine Verpflichtung eingeht. Somit ergibt sich ein asymmetrisches Risikoprofil, da Käufer und Verkäufer nicht das gleiche Gewinn- und Verlustpotential haben.

3.1 Call- und Put-Option

Unterscheidet man die Optionen hinsichtlich des Rechts, das sie verbriefen, so sind zwei grundlegende Typen zu nennen:

der Call (Kaufoption) und

der Put (Verkaufsoption)

Der Käufer des Calls bzw. des Puts hat mit Bezahlung der Optionsprämie das Recht erworben, eine bestimmte Anzahl, eines bestimmten Basiswertes[18] (Underlying), zu einem festgelegten Preis (Basispreis), innerhalb einer bestimmten Laufzeit (amerikanische Option[19] ) oder an einem bestimmten Tag (europäische Option), zu kaufen (Call-Option) oder zu verkaufen (Put-Option)[20]

Der Verkäufer (Stillhalter) der Option hat die Verpflichtung, den Basiswert zum festgelegten Basispreis zu verkaufen (Call), bzw. ihn zu kaufen (Put), wenn der Käufer von seinem Recht Gebrauch macht, d.h. die Option ausübt. Ist eine physische Lieferung des Basiswerts nicht möglich, wie z.B. bei einem Index, dann muss der Stillhalter die Differenz zwischen Basispreis und Marktpreis bezahlen. Hierbei handelt es sich um den sogenannten Barausgleich (Cash-Settlement).[21]

3.2 Short- und Long-Position

Durch einen Kauf oder Verkauf einer Option nimmt der Anleger eine Position im Markt ein. Diese Position ist entweder „long“ oder „short“. Der Käufer einer Option befindet sich auf der Long-Seite, der Verkäufer auf der Short-Seite. Dies hat zur Folge, dass ein Anleger insgesamt vier Positionen einnehmen kann:

- Long-Call (Käufer einer Kaufoption)
- Short-Call (Verkäufer einer Kaufoption)
- Long-Put (Käufer einer Verkaufsoption)
- Short-Put (Verkäufer einer Verkaufsoption)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Die 4 Grundpositionen

Quelle: EUREX (Hrsg.), Produkte und Strategien im Aktien- und Indexbereich, S. 7

3.3 Innerer Wert und Zeitwert

Der Preis einer Option setzt sich aus zwei verschiedenen Komponenten zusammen, dem inneren Wert und dem Zeitwert. Bei einem Call ist der innere Wert die Differenz zwischen dem Kassakurs und dem Basispreis der Option; beim Put ist es genau umgekehrt. Der innere Wert entspricht dem geldwerten Vorteil, den der Inhaber aus der sofortigen Ausübung der Option erzielen würde. Notiert eine Aktie z.B. bei 120,-- Euro und der Call hat einen Basispreis von 100,-- Euro, so beträgt der innere Wert 20,-- Euro. Da der Inhaber der Option nicht verpflichtet ist diese auszuüben, ist der innere Wert niemals negativ.[22] Weist die Option am Verfalltag keinen inneren Wert auf, so ist sie wertlos, da der Inhaber den Basiswert über den Kassamarkt günstiger beziehen kann.

Hinsichtlich ihres inneren Wertes lassen sich Optionen in „out of the money“, „at the money“ und „in the money“ unterscheiden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Optionen und ihr Zustand

Quelle: Böll, C.: Optionsstrategien zur Kurssicherung, S. 5

Während der Laufzeit liegt der Wert einer Option über ihrem inneren Wert.[23] Dieses Mehr an Wert wird als Zeitwert bezeichnet. Somit lässt sich der Optionspreis als Summe von innerem Wert und Zeitwert verstehen. Besitzt eine Option keinen inneren Wert, setzt sich ihr Preis lediglich aus dem Zeitwert zusammen. Der Zeitwert ist der Betrag, den Marktteilnehmer in Erwartung von Preisänderungen des Basiswertes zahlen.[24] Er ist maßgeblich von der Volatilität des Basiswertes, der Restlaufzeit der Option und des Zinsniveaus abhängig. Im Zeitverlauf nimmt er ab und beträgt am Ende der Laufzeit null.[25] Da die genaue Berechnung des Zeitwertes sehr komplex ist, lässt sie sich nur mit Hilfe eines Optionspreismodells berechnen.[26]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Einflussfaktoren auf die Preisrichtung von Optionen

Quelle: Bacher, U.: Optionen, S. 18

3.4 Wichtige Kennzahlen

Einer der Gründe, der Anleger dazu bewegt in Optionen zu investieren, ist die volle Teilnahme an einer gewinnbringenden Kursentwicklung einer Aktie bei geringerem Kapitaleinsatz, als bei einem direkten Kauf.[27] Diese Verhältnis von Optionsprämie zum Basiswert, das den geringeren Kapitaleinsatz zum Ausdruck bringt, nennt man Hebel. Der Hebel gibt an, um wieviel Prozent sich der Wert der Option ändert, wenn der Basiswert um ein Prozent steigt oder fällt.[28] Je größer der Hebel ist, desto stärker reagiert die Option auf Kursänderungen des Basiswerts, umso höher sind demzufolge die Ertragschancen, wie auch die Verlustrisiken.[29]

Die Abhängigkeit des Optionspreises von den in Tabelle 3 beschriebenen Einflussfaktoren wird mit Risikokennzahlen beschrieben, die mit griechischen Buchstaben bezeichnet werden.[30] Diese Sensitivitätskennzahlen (Delta, Gamma, Rho, Theta und Vega) geben Aufschluss über das Wertverhalten einzelner Optionen.[31]

Die wichtigste Kennzahl unter ihnen ist das Delta. Es bringt zum Ausdruck, um wieviel Einheiten (z.B. Cent, Punkte) sich der Preis einer Option ändert, wenn sich der Preis des Basiswerts um eine Einheit ändert.[32] Somit gibt es Aufschluss über die Sensitivität der Optionsprämie auf Bewegungen im Kurs des Basiswerts.[33] Bei einem Call bewegt sich das Delta zwischen 0 und +1, bei einem Put zwischen 0 und -1. Die Höhe des Deltas ist abhängig davon, ob sich eine Option in-, at- oder out-of-the-money befindet. Ist die Option at-the-money so beträgt das Delta 0,5.[34] Befindet sich eine Option weit in-the-money, so weist sie ein Delta von nahezu 1 auf.[35] Ein Delta von 0,7 sagt demzufolge aus, dass sich die Option in-the-money befindet und sich bei einem Anstieg des Basiswerts um 1 EUR um 0,7 EUR verteuert.

4. Strategien mit Aktienoptionen

4.1 Long Call

Der Käufer des Long Call erwartet (stark) steigende Kurse der zugrundeliegenden Aktie während der Laufzeit der Option. Durch den Kauf des Calls kann er überproportional an den Kurssteigerungen der Aktie teilhaben, ohne diese selbst im Depot zu halten. Im Gegensatz zum Direktkauf der Aktie muss er hier nur die deutlich geringere Optionsprämie aufwenden. Interessiert sich der Anleger z.B. für die Siemens-Aktie, die am 10.01.02 bei € 50,-- notiert, so kauft er anstelle der Aktie einen Call mit Basis € 55,-- und Laufzeit Juni 2002. Für diesen wird eine Prämie von € 3,25 fällig. Um an der Entwicklung von 1000 Siemens-Aktien teilzuhaben werden 10 Optionskontrakte[36] benötigt. Tritt nun die erwartete Kurssteigerung ein, kann der Anleger, sobald der Kurs über € 55,-- notiert, seine Optionen ausüben und die Aktien zu € 55,-- beziehen. In den meisten Fällen werden die Optionen jedoch nicht ausgeübt, sondern während der Laufzeit glattgestellt[37], da der Anleger hierbei zusätzlich zum inneren Wert noch den Zeitwert bekommt.[38] Steht die Siemens-Aktie am 24.01.02 bei € 53,--, so notiert der Call bei € 4,56. Die Aktie ist in diesem Fall um 6 % gestiegen, der Call hingegen um 40 %.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Gewinn bzw. Verlust am Laufzeitende beim Long Call

Quelle: eigene Darstellung

Diese Strategie eignet sich nur für den kurzfristig orientierten Spekulanten, da er jederzeit den Markt im Blick haben sollte, um bei einem (starken) Kursanstieg seine Position glattstellen zu können und somit den Gewinn zu realisieren. Um einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals zu verhindern, sollte die Position auch bei einer negativen Kursentwicklung rechtzeitig glattgestellt werden. Das Verlustpotential des Anlegers ist auf die eingesetzte Optionsprämie begrenzt, das Gewinnpotential ist theoretisch unbegrenzt, da die Aktie ins „Unendliche“ steigen kann.

Doch auch für den konservativen Anleger lässt sich mit dem Kauf eines Calls eine entsprechende Strategie verfolgen. Er geht nach der sogenannten 90/10-Strategie vor. 90 % des Vermögens werden in sichere, festverzinsliche Wertpapiere, die restlichen 10 % in Calls (z.B. Siemens) angelegt. Durch die Investition in die Calls nimmt der Anleger in etwa eins zu eins an der Entwicklung der Siemens-Aktie teil. Bei einem Vermögen von € 50.000,- werden demzufolge € 45.000,-- in festverzinsliche Wertpapiere mit einer Rendite von 3,5 % auf ein Jahr angelegt. Mit den restlichen € 5.000,-- werden Calls auf die Siemens-Aktie gekauft. Nach einem Jahr erhält er auf alle Fälle die Zinszahlung in Höhe von € 1.575,-- aus seinen festverzinslichen Wertpapieren. Notiert die Aktie am Ende der Laufzeit (nach einem Jahr) unterhalb des Basispreises, so ist sein Call wertlos und er verliert die gesamte Optionsprämie. Sein maximaler Verlust liegt somit bei € 3.425,-- (Optionsprämie – Zinseinnahmen). Ist die Aktie hingegen gestiegen, z.B. 20 %, kann er seine Option verkaufen bzw. ausüben. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufkurs ist sein Gewinn aus dem Optionsgeschäft. Dieser Gewinn, plus die Zinszahlung aus den festverzinslichen Wertpapieren, ergibt den Gesamtgewinn. Durch diese Strategie kann der Anleger am Aktienmarkt teilhaben, sein Verlustrisiko aber nach unten stark begrenzen.[39] Würde er die Hälfte seines Vermögens in Aktien investieren (damit erzielt er nahezu die gleiche Gewichtung), würde sein Verlust bei negativer Entwicklung der Aktie weitaus größer, sein Gewinn bei positiver Entwicklung allerdings nicht viel größer sein.[40] Je nach Risikobereitschaft des Anlegers kann diese Strategie in der Gewichtung geändert werden.

4.2 Long Put

Erwartet ein Anleger fallende Aktienkurse, so könnte er theoretisch die Aktien leerverkaufen. Allerdings ist dies in Deutschland nicht erlaubt. Um aber trotzdem an seiner Erwartungshaltung zu partizipieren kauft der Anleger Put-Optionen. Ist er z.B. der Meinung, dass die Siemens-Aktie, die am 10.01.02 bei € 50,-- notiert, fallen wird, so kauft er einen Put mit Basis 45 und Laufzeit Juni 02. Für diesen Put wird eine Prämie von € 3,25 fällig. Da er an der Entwicklung von 1000 Siemens-Aktien teilhaben will, kostet ihn dieses Engagement € 3.250,--. Tritt nun der erwartete Kursverfall ein und die Aktie notiert am Laufzeitende unterhalb von € 45,--, kann er seine Option ausüben und die Aktien zu € 45,-- verkaufen. Da er sie nicht besitzt, müsste er sie zuerst an der Börse kaufen, um sie dem Stillhalter zu verkaufen. In den meisten Fällen wird er jedoch während der Laufzeit seine Option glattstellen. Notiert die Aktie am 31.01.02 bei € 46,-- so hat seine Put-Option einen Wert von € 5,04. In diesem Fall hat die Aktie 8 % an Wert verloren, der Put 55 % an Wert gewonnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: Gewinn bzw. Verlust am Laufzeitende beim Long Put

Quelle: eigene Darstellung

Die Verfolgung dieser Strategie ist, wie die des Long Call, nur für Spekulanten geeignet, die den Markt jederzeit im Blick haben, um auf entsprechende Kursänderungen schnell reagieren zu können. Sowohl das Verlust- wie auch das Gewinnpotential sind begrenzt. Maximal kann der Anleger seine gezahlte Optionsprämie verlieren. Sein Gewinn ist auf die Differenz zwischen Basispreis und Optionsprämie begrenzt. Doch auch mit einem Long Put lässt sich eine sehr konservative Strategie verfolgen. Sie nennt sich Protective Put. Der Unterschied zur vorher genanten besteht darin, dass der Anleger die entsprechende Aktie in seinem Depot hält (hier: 1000 Siemens) und der Put als eine Art Versicherung gesehen wird, die die Aktie gegen Kursverluste absichert. Der Anleger hat die Erwartung, dass seine Aktie langfristig gesehen weiter steigen wird, er aber eventuell kurze Kursrückgänge in Kauf nehmen muss. Um sich gegen diese Kursrückgänge abzusichern kauft er einen Put. Geht der Kurs der Aktie zurück, so gewinnt der Put aufgrund der reziproken Entwicklung zur Aktie an Wert hinzu. Der Anleger begrenzt somit sein Verlustpotential nach unten, nimmt aber weiterhin an einer positiven Entwicklung seiner Aktie teil.[41] Kauft der Anleger pro Aktie eine Option (wie hier beschrieben), so handelt es sich um einen Nominalwert-Hedge. Dies stellt die einfachste Variante dar, um seine Aktien abzusichern. Allerdings ist diese Variante nicht genau, da sie ein identisches Preisverhalten von Aktie und Option unterstellt. Für einen Privatanleger ist sie jedoch ausreichend geeignet. Eine exaktere Variante ist der Delta-Hegde, bei dem das Delta der Option berücksichtigt wird.[42]

4.3 Short Call

Erwartet der Anleger stagnierende oder nur leicht fallende Kurse, so empfiehlt sich der Verkauf eines Calls. Notiert die Siemens-Aktie, wie im vorherigen Beispiel bei € 50,.--, so bekommt er für die 10 verkauften Kontrakte eine Optionsprämie in Höhe von € 3.250,--. Diese Prämie stellt gleichzeitig sein maximaler Gewinn dar. Geht die Strategie des Anlegers auf und notiert die Aktie nicht höher als der Basispreis der Option (€ 55,--) so kann er die gesamte Optionsprämie als Gewinn vereinnahmen, da sein Kontrahent die Option nicht ausüben wird. Liegt er jedoch nicht richtig und die Aktie notiert bspw. bei € 60,--, so muss er, wenn die Option ausgeübt wird, die Aktien zu € 55,-- verkaufen. Da er sie nicht im Depot hat, muss er sie am Markt zu € 60,-- kaufen. Hierbei handelt es sich um einen „naked“ Short Call, einen ungedeckten Short Call. Damit der Anleger überhaupt einen solchen Call verkaufen kann, muss er Sicherheiten hinterlegen, sogenannte Margins. Diese Strategie eines „naked“ Short Calls ist sehr riskant, da bei stark steigenden Kursen das Verlustpotential quasi unbegrenzt ist. Sie ist daher für einen Privatanleger nicht zu empfehlen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 6: Gewinn bzw. Verlust am Laufzeitende beim Short Call

Quelle: eigene Darstellung

Neben dieser spekulativen Strategie eignet sich der Short Call auch für andere Zwecke. Besonders häufig wird er von Anlegern verkauft, die bereits über eine entsprechende Aktienposition verfügen („covered“ Short Call).[43] Somit erhöht der Anleger den Ertrag (die Rendite) aus seinem Aktienbestand um die vereinnahmte Prämie, solange der Kurs während der Laufzeit leicht fällt, gleichbleibt oder nur leicht ansteigt.[44] Unter diesen Umständen wird der Käufer des Calls seine Option nicht ausüben. Der Anleger verfolgt hiermit eine sogenannte Nebeneinkünfte-Strategie.

Es gibt noch eine weitere Strategie, bei der der „covered“ Short Call zum Einsatz kommt. Der Verkauf des Calls kann auch als Verankerung eines Verkaufslimits verstanden werden. Besitzt ein Anleger bspw. BMW-Aktien, die derzeit an der Börse mit € 30,-- notieren, und erwartet er einen Kursanstieg auf € 33,--, um sie auf diesem Niveau zu verkaufen, so kann er einen Verkaufsauftrag mit Limit € 33,- an die Börse geben. Steigen die Aktien auf € 33,-- so wird sein Bestand verkauft. Alternativ zu dieser Strategie hat er die Möglichkeit eine Short Call Position mit Basis € 33,-- zu eröffnen. In diesem Fall streicht er zusätzlich eine Prämie ein. Steigt die Aktie auf über € 33,-- wird der Käufer des Calls seine Option irgendwann ausüben und der Anleger muss sie ihm zu € 33,-- verkaufen (wie er es im Fall mit dem Limit auch getan hätte). An weiteren Kurssteigerungen der Aktie kann er nicht mehr partizipieren, es sei denn, er stellt seine Position noch rechtzeitig glatt. Tritt die erwartete Kurssteigerung nicht ein bzw. fällt die Aktie, so kommt er mit seiner Aktienposition erst in die Verlustzone, wenn der Kurs unterhalb € 30,-- minus der vereinnahmten Optionsprämie notiert. Diese Strategie ist also weitaus konservativer als die Aktien im Depot zu halten und ein hohes Verkaufslimit zu setzen.[45]

4.4 Short Put

Geht der Anleger von stagnierenden oder nur leicht steigenden Kursen aus, kommt der Verkauf eines Puts in Frage. Da mit ihm auf steigende Kurse spekuliert werden kann, zählt er zur Gruppe der Haussestrategien.[46] Jedoch ist das Gewinnpotential auf die vereinnahmte Prämie begrenzt und der Anleger nimmt nicht an Kurssteigerungen der Aktie teil. Notiert die Siemens-Aktie bei € 50,-- so verkauft er 10 Put-Kontrakte mit Basis € 45,-- zu je € 3,25. Insgesamt nimmt der Anleger in diesem Fall eine Prämie von € 3.250,-- ein. Fällt die Aktie nicht unterhalb € 45,-- wird der Kontrahent die Option nicht ausüben und sie verfällt. Der Anleger hat in diesem Fall den maximalen Gewinn erzielt. Notiert die Aktie jedoch unterhalb von € 45,--, wird die Option eventuell vom Kontrahent ausgeübt und der Anleger muss die Aktien zu € 45,-- abnehmen. Da der Anleger in diesem Fall die Aktien abnehmen und somit Geld zur Verfügung haben muss, bedarf es zur Durchführung dieser Strategie, wie auch beim „naked“ Short Call, eines Margins. Das Verlustpotential dieser Strategie ist begrenzt, da der Aktienkurs nie unter Null fallen kann. Der maximale Verlust beträgt Basispreis minus vereinnahmte Optionsprämie.

Tabelle 7: Gewinn bzw. Verlust am Laufzeitende beim Short Put

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

[...]


[1] DAX = Deutscher Aktienindex; enthält die dreissig größten deutschen Börsenwerte

[2] Stand 15.11.2002

[3] z.B. Versicherungen und Pensionsfonds

[4] Eurex = European Exchange, eigenständiger, vollelektronischer Markt für Börsentermingeschäfte

[5] vgl. Uszczapowski, I.: Optionen und Futures verstehen, S. 1

[6] vgl. Uszczapowski, I.: Optionen und Futures verstehen, S. 2

[7] vgl. Garz H./Günther S./Moriabadi C.: Portfolio-Management, S. 245

[8] vgl. Bankakademie-Verlag GmbH (Hrsg.): Studienwerk der Bankakademie

[9] OTC = over the counter: im Freiverkehr gehandelt, nicht standardisiert

[10] vgl. Garz H./Günther S./Moriabadi C.: Portfolio-Management, S. 245

[11] DTB = Deutsche Terminbörse

[12] SOFFEX = Swiss Option and Financial Futures Exchange; erste reine Computerbörse

[13] vgl. http://deutsche-boerse.com/INTERNET/EXCHANGE/product/e.../..., 30.10.2002

[14] vgl. Hull, J.C.: Optionen, Futures und andere Derivate, S. 20

[15] vgl. Uszczapowski, I.: Optionen und Futures verstehen, S. 42

[16] vgl. Hull, J.C.: Optionen, Futures und andere Derivate, S. 17

[17] vgl. Bacher, U.: Optionen, S. 24

[18] Basiswerte können z.B. Aktien, Indizes, Währungen oder Zinsen sein

[19] an der Eurex werden ausschließlich Aktienoptionen amerikanischen Typs gehandelt

[20] vgl. Bacher, U.: Optionen, S. 4 + 5

[21] vgl. Eck, C./Reichert, M.: Professionelles Eurex-Trading, S. 442

[22] vgl. Eurex (Hrsg.): Produkte und Strategien im Aktien- und Indexbereich, S. 8

[23] vgl. Garz H./Günther S./Moriabadi C.: Portfolio-Management, S. 254

[24] vgl. Bankakademie-Verlag GmbH (Hrsg.): Studienwerk der Bankakademie

[25] vgl. Grill, W./Perczynski, H.: Wirtschaftslehre des Kreditwesens, S. 306

[26] vgl. Bacher, U.: Optionen, S. 18

[27] vgl. Uszczapowski, I.: Optionen und Futures verstehen, S. 55

[28] vgl. Grill. W./Perczynski, H.: Wirtschaftslehre des Kreditwesens, S. 228

[29] vgl. Bacher, U.: Optionen, S. 22

[30] vgl. Eurex (Hrsg.): Produkte und Strategien im Aktien- und Indexbereich, S. 10

[31] vgl. Eck, C./Reichert, M.: Professionelles Eurex-Trading, S. 92

[32] vgl. Bacher, U.: Optionen, S. 22

[33] vgl. Eck, C./Reichert, M.: Professionelles Eurex-Trading, S. 93

[34] vgl. Eurex (Hrsg.): Produkte und Strategien im Aktien- und Indexbereich, S. 10 + 11

[35] vgl. Eck, C./Reichert, M.: Professionelles Eurex-Trading, S. 93

[36] 1 Optionskontrakt bezieht sich auf 100 Aktien des zugrundeliegenden Basiswerts (Ausnahmen: Allianz, Münchener Rück, SAP und Porsche jeweils 10)

[37] glattstellen = durch ein Gegengeschäft (hier: Verkauf) die Position neutralisieren

[38] vgl. Zahn, H.E.: Handlexikon, S. 37

[39] vgl. Böll, C.: Optionsstrategien zur Kurssicherung, S. 16

[40] ausführliches Beispiel siehe Anhang: Vergleich 90/10 Strategie mit normalen Depot, S. 1

[41] ausführliches Beispiel siehe Anhang: Vergleich Depot mit und ohne Protective Put, S. 2

[42] vgl. Eck, C./Reichert, M.: Professionelles Eurex-Trading, S. 120

[43] vgl. Steiner, M./Bruns, C.: Wertpapiermanagement, S. 504

[44] vgl. Dresdner Bank (Hrsg.): An der Börse sind noch Termine frei, S.7

[45] ausführliches Beispiel siehe Anhang: Aktienanlage mit Pfiff – der gedeckte short call, S. 3

[46] vgl. Steiner, M./Bruns, C.: Wertpapiermanagement, S. 506

Details

Seiten
38
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638213998
ISBN (Buch)
9783640898879
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v16598
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Villingen-Schwenningen, früher: Berufsakademie Villingen-Schwenningen – Fachrichtung Banken und Bausparkassen
Note
3,0
Schlagworte
Aktienoptionen Eurex Hebelprodukte Vorstellung Strategien Privatanleger

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