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Chemie im Kontext - ein innovatives Konzept für den Chemieunterricht?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 14 Seiten

Didaktik - Chemie

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Neue Ansätze im naturwissenschaftlichen Unterricht - situiertes Lernen im Chemieunterricht

3. Das Konzept
3.1. Grundprinzipien
3.1.1. Was sind Kontexte?
3.1.2. Basiskonzepte nach Chemie im Kontext
3.2. Ziele und Leitlinien
3.3. Unterrichtsaufbau: Gestaltung und Methodik

4. Chemie im Kontext - eine kritische Betrachtung

5. Fazit

1. Einleitung

„Als wesentliche Grundlage technischer, ökologischer und wirtschaftlicher Entwicklungen eröffnet die Chemie Wege für die Gestaltung unserer Lebenswelt und somit zur Verbesserung unserer Lebensqualität. Chemische Erkenntnisse und Methoden sind infolgedessen integraler Bestandteil einer fundierten naturwissenschaftlichen Grundbildung, die als Hilfe zur Bewältigung der eigenen selbst gestalteten Lebenssituation und zur Bewältigung der globalen Probleme der Menschheit verstanden wird.“1

Nach den „Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung Chemie“ steht im Vordergrund eines modernen Chemieunterrichts heute der Erwerb von anwendbarem Wissen. Wissen, dass sich auch außerhalb des Klassenraums für Schüler bei ihrer späteren Berufsorientierung und zur Bewältigung ihres Alltags nutzen lässt. Die Konzeption von Chemie im Kontext zeigt, wie der Erwerb eines anschlussfähigen und strukturierten chemischen Wissens gelingen kann. Sie verbindet damit die Forderungen nach einem kontextbasierten und stärker schülerorientierten Lernen mit der Sicherung eines strukturierten Basiswissens. Lehrende und Lernende haben die Freiheit der Auswahl und der Strukturierung. Gleichzeitig können durch das Unterrichten von Chemie in Kontexten sowohl aktuelle Bildungsziele als auch die Ansprüche der neuen „Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung Chemie“ umgesetzt werden.

In dieser Arbeit soll die Konzeption von Chemie im Kontext erklärt werden. Dabei soll ganz besonders auf die Grundprinzipien, Ziele und Leitlinien eingegangen werden. Neben dem theoretischen Aufbau des Unterrichtes soll die Gestaltung und die Methodik von Chemie im Kontext auch einem Beispiel konkretisiert werden. Hier werden zwei Unterrichtseinheiten vorgestellt; zum einen ein ausführlicher Unterrichtsentwurf zum Thema „Verbrennungen“, zum anderen eine Kurzdarstellung eines Lernzyklus` zum Thema „Treibstoffe in der Entwicklung.“ In der abschließenden kritischen Betrachtung dieser Konzeption wird vor allem der Frage nachgegangen, ob Chemie im Kontext ein innovatives Konzept für den Chemieunterricht darstellt. Unterschiedliche Meinungen von Autoren und Lehrern werden in diesem Abschnitt gegenüber gestellt.

2. Neue Ansätze im naturwissenschaftlichen Unterricht - Lerntheoretischer Hintergrund - situiertes Lernen im Chemieunterricht

Auslöser und Vorbild für die Entwicklung der Konzeption waren die positiven Erfahrungen eines kontextorientierten Chemieunterrichtes im anglo - amerikanischen Raum . Chemie im Kontext basiert darüber hinaus auf grundlegenden Theorien des „Situated Learning“.2 Diese Situierung des Lernens bezieht sich auf eine soziale Einbettung von Wissen.

Die Kernaussage aller Ansätze zum „Situated Learning“ ist die, dass Wissen immer situativ erworben wird und an eine konkrete Lernsituation gebunden ist. Je näher eine Lernsituation einer späteren Anwendungssituation ist, um so leichter kann ein Transfer von Wissen geleistet werden. Die Anwendbarkeit von Wissen in der Lebenswelt der Schüler wird demnach deutlich erleichtert durch eine stärkere Integration von alltagsrelevanten Themen.3

Nach konstruktivistischen Lerntheorien kann Wissen nicht von einer Person auf eine andere übertragen werden. Wissen wird vielmehr von jeder Person neu konstruiert. Dieser Vorgang baut auf bereits vorhandenem Wissen auf. Daher ist es notwendig, stärker als bisher, die Vorerfahrungen der Schüler zu berücksichtigen und mit in den Unterricht einzubeziehen. Je näher die im Unterricht behandelten Themen an gesellschaftlich bedeutsame Fragestellungen anschließen, desto eher wird eine soziale Situierung des Wissens ermöglicht.4

Das naturwissenschaftliche Verständnis junger Leute zu schulen, sie mit den Anforderungen einer modernen Gesellschaft vertraut zu machen, bedarf heute neuer Wege in der Gestaltung von naturwissenschaftlichem Unterricht. Interessenlage und Erfahrungshorizont sowie individuell unterschiedliche Bedürfnisse und Vorlieben, Begabungen und Lerngeschwindigkeiten der Schüler sollten dabei berücksichtigt werden. Dazu ist eine neue Art von „Lernkultur“ notwendig, die sich von der bloßen Wissensvermittlung hin zu neuen Konzepten des Lernens entwickelt, die das Erkennen von Zusammenhängen fördert und das eigenständige Erweitern des Horizonts zu einem positiven und bereichernden Erlebnis macht.

3. Das Konzept

In den letzten Jahren ist zu beobachten, dass in der Schule die Darstellung der Naturwissenschaften als Einzeldisziplinen Physik, Biologie und Chemie mehr und mehr zugunsten von „integriertem naturwissenschaftlichem Unterricht“ oder Fächern wie „Naturphänomene“ oder „Natur und Technik“ in den Hintergrund tritt.5 Den Schülerrinnen und Schülern sollen durch lebensweltlich orientierte Beispiele naturwissenschaftliche Betrachtungsweisen nähergebracht werden und sie sollen so nicht nur besser für den Erwerb naturwissenschaftlichen Grundwissens motivierbar sein, sondern durch vielfältige horizontale Verknüpfungen auch leichter lernen und besseres Transferwissen entwickeln.

Die Konzeption „Chemie im Kontext“ argumentiert entlang dieses Leitgedankens und versucht eine Neuformulierung des Chemieunterrichtes in Kontexten, worunter „...die (komplexen, fachübergreifend angelegten) aktuellen, lebenswelt-bezogenen Fragestellungen innerhalb derer die sinnstiftenden Beiträge dieser Wissenschaftsdisziplin einsichtig werden und sich Sachstrukturen erschließen lassen“6 zu verstehen sind.

3.1. Grundprinzipien

- Kontextorientierung: Für die Schülerinnen und Schüler stellen Kontexte, d. h. persönlich oder gesellschaftlich relevante Themen den zentralen Anreiz und Bezugspunkt für die Erarbeitung chemischer Fachinhalte dar. Durch den Bezug der einzelnen Kontexte zur ihrer Lebenswelt erfahren sie, dass es für sie und ihren Alltag eine Bedeutung hat, sich mit Chemie zu beschäftigen. Kontexte sind zum Beispiel „Mit dem Wasserstoffauto in die Zukunft“, „Säuren in der Speisekammer“ oder „Energy Drinks“.

- Vernetzung zu Basiskonzepten: Gerade in einem kontextbezogenen Unterricht ist es wichtig, den Lernenden ein Ordnungsschema für den systematischen und kumulativen Aufbau von Wissen und Verständnis zu bieten. Ausgehend von den mittels der Kontexte erarbeiteten Fachinhalten werden daher wenige zentrale Basiskonzepte, die chemischem Wissen zugrunde liegen (zum Beispiel das Donator-Akzeptor-Konzept oder das Stoff-Teilchen-Konzept), entwickelt. Sie bilden die fachliche Basis, von der aus wiederum weitere Kontexte erschlossen werden können.
- Methodenvielfalt: Der Unterricht nach Chemie im Kontext charakterisiert sich durch eine möglichst große Methodenvielfalt. Selbstgesteuertes Lernen erhält in verschiedenen Phasen eine stärkere Bedeutung. So verändern sich auch die traditionellen Lehrer-Schüler-Rollen.

3.1.1. Was sind Kontexte?

Unter „Kontexten“ versteht man einen übergeordneten, sinngebenden Zusammenhang, dessen Inhalte von Bedeutung für die Lernenden sein sollen und die Notwendigkeit zur Erarbeitung chemischer Kenntnisse für die Schülerinnen und Schüler offenkundig machen sollen.7

Kontexte müssen …

… möglichst authentische und damit oftmals komplexe Fragestellungen beinhalten.
… für die Lernenden eine Relevanz aufweisen.
… ermöglichen, dass Schülervorstellungen Eingang finden und dass an diese angeknüpft werden kann, um neue fachliche Konzepte zu erarbeiten.
… Fragen aufwerfen, von denen einige nur mit Hilfe chemischer Kenntnisse zu klären sind.
… in der Schule durch möglichst große Eigenaktivität der Lernenden behandelt werden können.8

[...]


1 Einheitliche Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung Chemie (EPA Chemie) i. d. F. 05.02.2004, Präambel (Auszug)

2 Parchmann, Ina: Chemie im Kontext - Begründung und Realisierung eines Lernens in sinnstiftenden Kontexten. Praxis der Naturwissenschaften - Chemie in der Schule 1/50, S. 2 (2001)

3 Vgl. Ebd. S. 2

4 Vgl. Ebd. S. 3

5 Maulbretsch, C.: Chemie im Kontext - eine kritische Betrachtung - Teil . Praxis der Naturwissenschaften - Chemie in der Schule 6/51, S. 27 (2002)

6 Parchmann, Ina: Chemie im Kontext - eine Konzeption zum Aufbau und zur Aktivierung fachsystematischer Strukturen in lebensweltlichen Kontexten. MNU 53, 132 ff. (2000)

7 Wagner - Staakke, B.: Chemie Im Kontext. Grundlagen der Konzeption. http://www.martin-buber- oberschule.de/faecher/chemie/Chemie%20im%20Kontext%20MBO%20Homepage.ppt (01.02.07), S 8

8 Ebd. S. 12

Details

Seiten
14
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640818785
ISBN (Buch)
9783640821976
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165919
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Note
1,7
Schlagworte
chemie kontext konzept chemieunterricht

Autor

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