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Die Yorùbá-Bàtá-Trommeln im lokalen und globalen Kontext

Hausarbeit 2009 11 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Ursprung der Bàtá-Trommeln

3. Bàtá-Trommeln im religiösen System der Yorùbá

4. Das Bàtá-Ensemble

5. Die Verbreitung der Bàtá Trommel während des Sklavenhandels

6. Die Bàtá-Trommler im lokalen und globalen Markt

7. Die Wiederbelebung der Tradition im modernen Nigeria

8. Ausblick: Die Zukunft der traditionellen Bàtá-Ensembles in Èrìn-Òsun

9. Literaturangaben

1. Einleitung

Obwohl in der Musik der Yorùbá1 auch Chordophone, Aerophone und Idiophone gespielt werden, stellen die Membranophone die wichtigsten Instrumente ihrer traditionellen Musik dar (Euba 1990: 27). Die Bàtá-Trommeln der im südwestlichen Nigeria lebenden Yorùbá haben eine lange religiöse Tradition. Durch den Rückgang der indigenen Religion, die Migration vom Land in die Stadt, die Popularität von neueren Musikinstrumenten sowie die Fusionen von Musikstilen sind sie jedoch im Verlaufe der Zeit etwas in Vergessenheit geraten. Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit werden der Ursprung, die Bedeutung und die Verbreitung der Bàtá-Trommeln skizziert. Dazu werd en Quellen von Musikethnologen, Historikern und Ethnologen hinzugezogen. Danach wird aufgezeigt mit welchen Mitteln die ältere Generation versucht ihre Tradition - in einer sich schnell verändernden Umwelt - zu bewahren. Die Dùndún-Trommel stellt eine gewisse Konkurrenz gegenüber der Bàtá- Trommel dar. Auch wurde sie von Musikethnologen, wie Darius Thieme oder Akin Euba, genauer erforscht als andere Trommeln der Yorùbá sowie mit der Bàtá-Trommel verglichen. Deshalb findet auch die Dùndún-Trommel vermehrt Erwähnung, wenngleich die Bàtá- Trommel im Mittelpunkt steht. Euba sowie die Ethnologin Debra Klein haben beide jahrelang im Yorùbá-Land2 zum Thema Trommeln geforscht. Während Euba seinen Forschungsschwerpunkt der Dùndún gewidmet hat, war es bei Klein die Bàtá.

2. Der Ursprung der Bàtá-Trommeln

Grundsätzlich spielen die Yorùbá nicht einzelne Trommeln, sondern es existieren unterschiedliche Typen von Trommelensembles. Davon sind manche weit verbreitet, während andere nur wenigen Subgruppen bekannt sind. Zu den am weitesten verbreiteten Ensembles zählen Bàtá, Ìpèsè, Àgèrè, Ìgbìn, Gbèdu und Dùndún. Mit Ausnahme des Dùndún- Ensembles sind alle mit einem sozialen Kontext verbunden. Die Bàtá-Ensembles z.B. treten einerseits an Egúngún (Maskeradenart) zu ehren der Verstorbenen auf und andererseits sind sie das offizielle Ensemble von Èsù (Gott des Schicksals) und Ṣàngó (Gott des Donners und Blitzes). Zusätzlich hat beinahe jede Subgruppe seine eigenen lokalen Trommeln (Euba 1990: 27-33). Über die Trommeln im Yorùbá-Land existieren die verschiedensten Ursprungslegenden. Da es sich um orale Überlieferungen handelt, ist es schwierig einen exakten Ort zu bestimmen. Gemäss Klein legen die Mitglieder der Àyán3 -Trommler-Lineage den Ursprung der Bàtá-Trommeln im südwestlichen Nigeria, in Òyó4 , fest. Die frühesten aufgezeichneten Geschichten über die Trommeln des Bàtá-Ensembles gehen bis ins 15. Jahrhundert zurück, als König Ṣàngó regierte (Thieme 1970: 361; Klein 2007: 21). Darius Thieme - ein Musikethnologe, der zwischen 1964-66 in der Umgebung von Òyó knapp 80 Interviews mit vorwiegend älteren Trommlern und Ensemble-Leadern durchführte - beobachtete, dass sich die Dùndún-Trommeln mit der Zeit in vielen Gebieten von Westafrika ausgebreitet hatten, während die Bàtá-Trommeln lediglich im Yorùbá-Land Verbreitung fanden (Thieme 1970: 361). Diese Popularität führt Euba auf die Besonderheit zurück, dass die Dùndún an jeglichen Festlichkeiten gespielt werden kann und niemals an einen bestimmten Kontext gebunden war (Euba 1990: 35).

3. Bàtá-Trommeln im religiösen System der Yorùbá

Bevor die monotheistischen Religionen, d.h Islam und Christentum, einen Einfluss auf das religiöse Leben vieler Yorùbá ausübten, glaubten sie an verschiedene lokale Òrìsàs (Götter)5. Diese stehen in einer Beziehung zueinander und bilden gemeinsam ein religiöses System. An höchster Stelle des Systems steht die Gottheit Olódùmarè, wobei die Òrìsàs als Vermittler zwischen den Yorùbá und Olódùmarè agieren (McKenzie 1976: 189f; Ilesanmi 1991: 216). Thomas Makanjuola Ilesanmi - ein Professor am Department of Linguistics and African Language an der Obafemi Awolowo Universität in Nigeria - hat jedoch zahlreiche Beispiele dafür gefunden, dass die Yorùbá in der Praxis meist ihren lokalen Òrìsà anbeten und Olódùmarè nicht erwähnen (Ilesanmi 1991: 221).

Nach Peter McKenzie (1976) - ein Kirchenhistoriker, der in den 70er Jahren zum Thema westafrikanische Religionsgeschichte forschte - haben die einzelnen Òrìsàs der Yorùbá meist einen natürlichen sowie einen sozial-historischen Aspekt:

„It is subjective theism, with, objectively, Deity particularized and concretized in two directions: a link on the one hand with the natural and impersonal world - hills, trees, rivers, earth, sky; and on the other with the human and personal sphere - societies, historical events, cultural and economic activities, war, farming, healing, founding of cities and towns, kings, culture-heroes, ancestors, peace-makers […]” (197).

Ṣàngó z.B. wird einerseits mit den Naturkräften Donner und Blitz und andererseits mit den Vorfahren der ehemaligen Könige von Òyó assoziiert (McKenzie 1976: 197). Jeder Òrìsà besitzt sein eigenes Trommelensemble, seinen eigenen Tanz sowie sein eigenes Loblied - Oríkì genannt (Illesanmi 1991: 219). Die Trommeln werden an jährlich wiederkehrenden Festivals oder bei speziellen Zeremonien zu ehren der Òrìsàs gespielt. Der Musikethnologe an der American University in Nigeria, Ademola Adegbite (1988), beschreibt die Musik an religiösen Festen als Kommunikation mit den Göttern:

„[…]the Yoruba are quite aware that their Òrìsà are lovers of music and that on the more serious level, that is the ritual and religious levels, music can be used as a vehicle of communication between man and these Òrìsà. In order to communicate with them, the Òrìsà must be in good mood. One way of getting them into a good mood is to recite or chant their oríkì (praise poem) either vocally, instrumentally or vocally with instrumental accompaniment” (22f).

Es gibt drei verschiedene Trommeltypen, die während religiösen Zeremonien gespielt werden. Vom Ältesten nehmen die Gläubigen an, dass sie von den Göttern geschaffen, gespielt und gehört wurden, als diese selbst Menschen waren. Manche dieser Trommeln kennt man heute nur noch dem Namen nach, andere wurden komplett vergessen. Eine von denen, die überlebt hat, ist die Bàtá. Gemäss den Legenden wurde sie von Èsù geschaffen (Adegbite 1988: 19f). Der zweite Typ sind Trommeln, die später eingesetzt und von den Anhängern jüngerer Òrìsàs gespielt wurden. Dabei spielte man oft nicht mehr nur für einen Gott. Die Bàtá-Trommler z.B. traten, ausser zu ehren von Èsù, auch an anderen Ritualen, wie Egúngún oder Ṣàngó auf. Der dritte religiöse Trommeltyp existiert in der Yorùbá- Gesellschaft am wenigsten lange und wurde erst später für religiöse und soziale Zwecke eingesetzt. Das bekannteste Beispiel ist die Dùndún-Trommel, die auch als zeremonielle Musik zu ehren von Èsù Anwendung findet. Wenn die Dùndún-Trommler im religiösen Kontext auftreten, dann jedoch meist, wenn die Gläubigen und die Öffentlichkeit involviert sind. Wenn es sich um private oder geheime Riten handelt, wird die Trommel des Òrìsà eingesetzt (ibid.: 19f).

[...]


1 Die Yorùbá wurden erst ab dem späten 19. Jahrhundert zu einer ethnischen Gruppe zusammengefasst und so bezeichnet. Heute leben sie vorwiegend im westlichen Nigeria sowie im Süden von Benin und Togo. Davor lebten die einzelnen Subgruppen - Òyó, Egba, Ijèbú, Ijesha, Ekìtì et al. -, getrennt voneinander in verschiedenen Königreichen (Babalola 2004: 103). Weil sie unter dem Namen Yorùbá am besten als soziale Einheit zusammengefasst werden können, wird in dieser Arbeit durchgehend diese Bezeichnung verwendet und nicht auf einzelne Subgruppen eingegangen.

2 Als Yorùbá-Land wird das südwestliche Nigeria bezeichnet.

3 Viele Yorùbá glauben, dass Àyán der allererste Trommler gewesen ist, der nach seinem Tod ein Gott wurde - der Gott der Trommel. Die heutigen Trommlerfamilien der Àyán Lineage werden als entfernte Nachfahren des Gottes angesehen (Euba 1990: 90-93).

4 Òyó ist ein Bundestaat im Yorùbá-Land.

5 Heute sind ca. 45% der Bevölkerung Muslime, ca. 45% Christen und ca. 10% glauben an Òrìsàs (ARDA 2008).

Details

Seiten
11
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640817160
ISBN (Buch)
9783640820627
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165885
Institution / Hochschule
Universität Basel – Ethnologisches Seminar
Note
Schlagworte
Yoruba Bata Polak Westafrika religiöse Tradition Dundun Nigeria Orisa Globalisierung

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Titel: Die Yorùbá-Bàtá-Trommeln im lokalen und globalen Kontext