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Fußball im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung des italienischen „Calcios“

Seminararbeit 2009 25 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Ursprünge des Fußballs

3. Entwicklung des Fußballs in England als Gegenbewegung zum italienischen „Calcio“

4. Entstehung des italienischen „Calcios“

5. Ablauf des „Calcios“

6. Bedeutung des „Calcios“

7. Fazit

Bibliographie

1. Einleitung

Keine andere Sportart erreicht eine dermaßen große Popularität, die sich auf sämtliche Kontinente und nahezu alle Staaten bezieht, wie der Fußball. Diese Sportart fasziniert die Menschen und begeistert sie, ungeachtet ihres wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Rangs. Der moderne Fußball erlebte am 8. Dezember 1863 seine Geburtsstunde, als in England mit der „Football Association“ der erste Fußballverband gegründet und die ersten einheitlichen Regeln veröffentlicht wurden. In den folgenden Jahren erlebte der Fußballsport einen imposanten Aufstieg mit tausenden Vereinsgründungen und erlangte innerhalb weniger Jahre weltweit große Bedeutung. Der internationale Fußballverband, die im Jahr 1904 gegründete „FIFA“, zählt inzwischen mehr als 200 Mitgliedsstaaten. Der moderne Fußball entstammt vielen unterschiedlichen Vorformen und diversen Ausprägungen, die bereits vor 2.300 Jahren ihren Ursprung hatten. Die Vorgeschichte des Fußballs lässt sich in drei Epochen einteilen, die im Altertum beginnen. Auch im Mittelalter erlangte der Fußball weitreichende Bedeutung. Dies ging vor allem von England, wo bereits im zwölften Jahrhundert Fußball gespielt wurde, sowie von Italien aus. In Italien erlangte der Fußball rund 200 Jahre später als in England unter dem Begriff „Calcio“ große Bedeutung.

Diese Arbeit beschreibt zunächst die Anfänge des Fußballs, charakterisiert dabei die unterschiedlichen Ausprägungen und vergleicht sie mit dem Fußball im Mittelalter. Anschließend legt die Arbeit ihren Fokus auf den Fußball im Mittelalter und untersucht diesen in seinen unterschiedlichen Formen. Dabei werden zunächst der englische und anschließend der italienische Fußball beleuchtet, wobei der Ablauf des Spiels, die Regeln, die Rahmenbedingungen sowie die Bedeutung erörtert werden. Danach wird die besondere Rolle des „Calcios“ beschrieben. Es wird beschrieben, welchen Stellenwert der italienische Fußball gehabt hat, was für seinen Aufstieg verantwortlich war und wer davon profitiert hat. Dabei wird vor allem auf den prunkvollen Rahmen des „Calcios“ sowie seine politische Bedeutung für die Florentiner Regierung der „Medici“ eingegangen. Auch die Unterschiede des Florentiner „Calcios“ sowie des im ländlichen Italien praktizierten „Calcios“ werden erklärt. Diese Arbeit widmet sich den Fragen, wie sich der damalige Fußball charakterisieren und geschichtlich einordnen lässt, wie er sich vom heutigen unterscheidet und welche Unterschiede zwischen dem englischen Fußball und dem „Calcio“ bestanden. Darüber hinaus werden die Fragen untersucht, welche soziale und politische Bedeutung der „Calcio“ gehabt hat und welche Folgen er für die Bevölkerung sowie für die Regierung hatte.

2. Ursprünge des Fußballs

Auch im Altertum sowie im Mittelalter wurde Fußball gespielt. Natürlich gab es beim Fußball im Altertum und Mittelalter völlig andere Spielformen und Regelarien als heute. Es waren Vorformen des heute bekannten, modernen Fußballs. Diese ersten Ausprägungen hatten lediglich gemeinsam, dass ein Ball in irgendeiner Form mit dem Fuß gespielt wurde. Die Geschichte des Fußballs ist rund 2.300 Jahre alt. Sie lässt sich in drei verschiedene Epochen einteilen, nämlich in die des Fußball im Altertum, des Fußballs im Mittelalter, der vorwiegend in England, Frankreich und Italien praktiziert wurde, sowie des modernen Fußball, der im Jahr 1863 in England offiziell ins Leben gerufen wurde und den heutigen Maßstäben dieser Sportart entspricht.

Aus dem Jahr 300 vor Christus stammen die ersten schriftlichen Dokumente über eine Sportübung, die dem Fußball sehr ähnlich ist. Diese wurden in China gefunden, wo also die ersten Ausprägungen des Fußballs praktiziert wurden. Im Rahmen der militärischen Ausbildung wurde in China ein Ballspiel erfunden, bei dem eine mit Federn gefüllte Lederkugel in ein zirka 40 Zentimeter großes Netz befördert werden musste.[1] Diese antike Sportart wurde als „Tsuhküh“ bezeichnet, was „einen Ball mit dem Fuß stoßen“ bedeutet. Dabei handelte es sich zunächst jedoch nicht um eine Mannschaftssportart, sondern um eine individuelle Geschicklichkeitsübung. Es entstanden im Laufe der Jahre jedoch die unterschiedlichsten Spielformen.[2] In den nachfolgenden Jahren gab es beim „Tsuhküh“ auch Gegner, die den Fußstoß zu verhindern versuchten. Später wurde das Spiel auch als Mannschaftsspiel praktiziert, bei dem sich der Ball zugespielt wurde und die Kontrahenten dies verhindern mussten. Das Spiel wurde zunächst nur im Heer des Kaisers gespielt. Es diente ausschließlich dazu, die Soldaten zu trainieren und gehörte zur militärischen Ausbildung. Es sollte den Soldaten Reaktionsschnelligkeit, Gewandtheit, taktisches Verhalten, Disziplin und Mannschaftsgeist vermitteln.[3] Bei einer anderen in China praktizierten Vorform des Fußballs bestand das Ziel darin, einen kleinen Lederball genau in die Mitte eines Steinkreises zu schießen. Der Ball desjenigen, dessen Ball dem Mittelpunkt des Kreises am nächsten war, gewann das Spiel. Der Spielball bestand aus acht zusammengenähten Lederstücken und wurde mit Federn und Tierhaaren ausgestopft. Diese Vorformen des Fußballs wurden vor allem im nördlichen Raum des chinesischen Reiches gespielt. Somit kann man festhaltenden, dass die „Hunnen“ die ersten Ausprägungen des Fußballs praktiziert haben.[4]

Im Laufe der Jahrhunderte kamen die chinesischen Fußball-Vorformen nicht nur beim Militär zum Einsatz, sondern etablierten sich zunehmend auch als unterhaltsamer Volkssport. In der Zeit der „Tschou-Dynastie“ wurde das Fußballspiel in der Bevölkerung als Freizeitsport beliebt, wobei es nach wie vor als Individual- sowie Mannschaftssport praktiziert wurde. Dadurch wurden zum ersten Mal grundlegende Regeln eingeführt, um Ausschreitungen oder zu hartes Spielen zu verhindern. Außerdem gab es in dieser Dynastie zum ersten Mal ein extra für das Spiel hergerichtetes Feld.[5] In der nachfolgenden „Han-Dynastie“ in Zentralchina, die von 206 vor Christus bis 220 nach Christus andauerte und zu den glorreichsten Epochen der chinesischen Geschichte gehörte, wurde ein Fußballspiel häufig im Rahmen von großen Festen vor den Stadttoren ausgetragen. Dabei zeichnete man erstmals die besten Spieler aus.[6]

Zwischen 221 vor Christus und 618 nach Christus, während der „Chin-Dynastie“ sowie im Laufe der „Sui-Dynastie“, erreichte das Fußballspiel in China den Höhepunkt seiner Beliebtheit und hatte sich als reiner Mannschaftssport durchgesetzt.[7] Es wurde nun mit zwei Toren und mindestens zehn Spielern pro Team praktiziert. Das Spiel entwickelte sich zu einem allseits beliebten Unterhaltungssport und nahm dabei zum Teil sogar professionelle Züge an. Die Sieger eines Spiels beziehungsweise eines Turniers wurden mit Preisen wie silberne Pokale und kostbare Stoffe geehrt. Die unterlegenen Mannschaften wurden häufig beschimpft oder sogar verprügelt.[8] Dabei wurden erstmals auch umfangreiche Regeln festgelegt, die in einem Handbuch mit 25 Kapiteln festgehalten wurden. Diese erste Fußball-Handbuch, das um 100 nach Christus entstand, beinhaltete über 70 für die damalige Zeit typische Spielzüge und elf Regelverstöße, die als „Foul“ geahndet wurden.[9] Unfaire Spieler verwies man entweder vom Feld oder beschimpfte sie als „Siao Jen“, was so viel wie „gemeiner Kerl“ bedeutet. Das Fangen oder Werfen des Balls war verboten. Das Tor bestand zu dieser Zeit aus rund fünf Meter hohen Bambusstangen. Auf diesen beiden Stangen lag eine weitere Stange, die als Querlatte gedient hat. Zwischen den Torpfosten wurde ein Netz gespannt. Einen Torwart gab es damals noch nicht. Mit dem Beginn der Tang-Dynastie im Jahr 618 nach Christus verwendete man zum ersten Mal mit Luft gefüllte Bälle, die die mit Federn gefüllten Spielkugeln ersetzten. Bei der Produktion wurde das Leder zunächst erhitzt und anschließend in einem mit Wasser gefüllten Becken gekühlt.[10] Um das Jahr 900 nach Christus geriet das Spiel in China allerdings wieder in Vergessenheit.

Stattdessen tauchte ein ähnliches Spiel im achten Jahrhundert in Japan auf, das sich zwar von der chinesischen Variante unterschied, allerdings auch mit dem Fuß gespielt wurde. Unter dem Namen „Kemari“ wurde in Japan im Rahmen von großen Festen und kulturellen Veranstaltungen ein Vorläufer des Fußballs zelebriert. Ziel dieses Spiels war es, einen Lederball mit Fußstößen solange wie möglich in der Luft zu halten. Dies fand zumeist vor großem Publikum statt und wurde frenetisch bejubelt. Auch in Amerika gab es im Altertum zahlreiche fußballähnliche Ballspiele. Sowohl die Azteken, als auch die Mayas, praktizierten verschiedene Vorformen des Fußballs, die einen ähnlichen Charakter wie die chinesischen Fußball-Ausprägungen hatten. Allerdings dienten diese Spiele überhaupt nicht der militärischen Ertüchtigung, sondern dem reinen Freizeitvergnügen.[11]

In den ersten Jahrhunderten nach Christus kamen Vorformen des Fußballs auch bei den Griechen und Römern vor. Hierbei wurde das Spiel jedoch ausschließlich zur militärischen Körperertüchtigung und nicht als Volkssport eingesetzt. In Griechenland praktizierte man die „Sphairomachia“, was übersetzt „Ballschlacht“ bedeutet. Dieser Name verdeutlicht die raue Spielweise dieses Fußball-Ausläufers. Diese Fußball-Vorform glich dem heutigen Rugby und zeichnete sich im Vergleich zu heutigen Maßstäben durch eine brutale Spielweise aus. Vor allem in Sparta und Athen waren die Vorformen des Fußballs sehr beliebt. Selbst Alexander der Große soll diese Sportart praktiziert haben.[12] Obwohl man den Fußball nicht zu den athletischen Leibesübungen zählte, war man trotzdem davon überzeugt, dass es für die Körperbildung vorteilhaft sei. Wegen ihres Unterhaltungswerts wurde das Spiel in Griechenland zu einer überaus beliebten Übung, die auch in der Schule zum Einsatz kam. Außerdem war die „Ballschlacht“ ein beliebter Publikumssport, der bei den Zuschauern sehr hoch im Kurs stand. Im Gegensatz zum chinesischen Fußball wurde die „Sphairomachia“ in Griechenland im pompösen Rahmen von großen Festivitäten und als Spektakel für die Zuschauer gesehen. Ein Spiel begann erst nach einem feierlichen Opfer auf dem Altar des Halbgottes Herakles, der als Patronat dieses Spiels galt. Die Spielerausrüstung entsprach sogar in etwa der damals üblichen kriegerischen Ausrüstung. Aus der Zeit Alexander des Großen ist bezeugt, dass die Soldaten ihre „Ballschlachten“ mit Helm und Harnisch austrugen. Das rugby-ähnliche Spiel galt als Männlichkeitsbeweis und musste von jedem Spartaner vor dem Eintritt ins dreißigste Lebensjahr erfolgreich bestanden werden. Dabei unterschied der Ehrentitel des „Sphaireis“ die erfolgreichen Teilnehmer von allen übrigen.[13] Die Mannschaftsstärke ergab sich aus dem Jahrgangsaufgebot, das die einzelnen Stadtbezirke, die gegeneinander antraten, aufstellen konnten. Für das Spiel gab es feste Regeln. Derjenige, der eine Spielregel verletzte, wurde zumeist hart bestraft und in vielen Fällen sogar ausgepeitscht.

Die Römer übernahmen dieses Spiel rund hundert Jahre später von den Griechen und nannten es „Harpastum“, was übersetzt „Raffball-Spiel“ bedeutet. Dieses „Raufspiel“ breitete sich erstmals um das Jahr 100 im Römischen Reich aus und diente ebenfalls vorwiegend dem militärischen Zweck.[14] Das Spiel diente den Römern als vormilitärische Übung als Vorbereitung auf den Krieg. Häufig kam das Spiel im Rahmen von Gladiatorenkämpfen als Nebenwettbewerb vor. Da der römische Arzt und Schriftsteller Galen das Spiel ausdrücklich als körperliche Ertüchtigung empfahl, ist davon auszugehen, dass die römische Art des Fußballs nicht so brutal von Statten ging wie in Griechenland. In seiner „Abhandlung über das Spiel mit dem kleinen Ball“ verweist Galen auf den egalitären Charakter des Spiels, und lobt, dass selbst der Ärmste um seine Ausstattung nicht in Verlegenheit zu sein brauche. Zudem sei das Spiel den übrigen Leibesübungen durch seine Vielseitigkeit überlegen.[15] „Harpastum“ muss ein anspruchsvolles, wenn auch ziemlich rohes Spiel gewesen sein, bei dem Schnelligkeit, Technik und Intelligenz gefragt waren. Vielfach kam es zu Ringkämpfen um das Spielgerät, das geworfen und gefangen sowie mit dem Fuß gespielt wurde. Dieses römische Spiel kann man also als Mischung aus Ringen, Fußball und Rugby bezeichnen.

[...]


[1] Vgl. Eitel, S. 160

[2] Vgl. Eitel, S. 160

[3] Vgl. Eitel, S. 160 f.

[4] Vgl. Eitel, S. 160 f.

[5] Vgl. Koch, S. 8 f.

[6] Vgl. Koch, S. 8 f.

[7] Vgl. Koch, S. 9

[8] Vgl. Koch, S. 10

[9] Vgl. Koch, S. 11

[10] Vgl. Koch, S. 12

[11] Vgl. Koch, S. 12

[12] Vgl. Morris, S. 11

[13] Vgl. Morris, S. 11 f.

[14] Morris, S. 11

[15] Morris, S. 11

Details

Seiten
25
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656086611
ISBN (Buch)
9783656087670
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165847
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,0
Schlagworte
fußball mittelalter berücksichtigung calcios

Autor

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Titel: Fußball im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung des italienischen „Calcios“