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Johann Gustav Droysen: Sein Verständnis der Geschichts- und Naturwissenschaft

Essay 2007 9 Seiten

Geschichte - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Geschichte ist der Menschheit, ihr Gewissen
Einleitung

2. Naturwissenschaft, Geschichte und die Methodik
Hauptteil

3. Geschichte - Wissenschaft vor den Wissenschaften?
Fazit

4. Bibliografische Hinweise

1. Geschichte ist der Menschheit, ihr Gewissen

Einleitung

„ Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht! (1.Mose 1,3). Das Licht ist das erste Schöpfungswerk. Durch den Wechsel von Licht und Finsternis wird die Kategorie der Zeit eingeführt, die der Kategorie des Raumes vorgeordnet ist.“1 2 Schon im ersten Schöpfungsbericht der Bibel sieht Gerald Kruhöffer, Rektor am Religionspädagogischen Institut Loccum die Grundlage der modernen Wissenschaften begründet. Diese Untergliederung, der vom Menschen erfassbaren und beobachtbaren Kategorien Raum und Zeit, ist jedoch nicht auf theologischen Grundannahmen erwachsen. Bereits im 19.Jahrhundert standen Raum und Zeit in der Betrachtung des Geschichtsschreibers Johann Gustav Droysen (1808-1886). Der in Treptow geboren Droysen - Sohn eines preußischen Militärgeistlichen ausärmlichen Verhältnissen - wuchs in einer Zeit des Umbruchs heran. Zwischen napoleonischer Besatzung - aufkommendem Nationalismus - Industrialisierung - Neuhumanismus - Liberalismus und altpreußischem Machtbewusstsein3 entwickelte Johann Gustav Droysen seine Ansichten gegenüber der Geschichts - und Naturwissenschaften. Welcher Disziplin maß er nun welche Kategorie bei? Wie und in welchen Aspekten unterschieden sich die konkurrierenden Wissenschaften und wie ist die von Droysen gewählte Gegenüberstellung von Geschichte und menschlichem Gewissen zu verstehen? Wie muss der Historiker methodisch vorgehen um mit seinen Erkenntnissen das menschliche Gewissen zu fundieren?

Anhand des von Johann Gustav Droysen 1858 verfassten Leitfadens, basierend auf seinen Vorlesungen zur Methodologie und Enzyklopädie der historischen Wissenschaft, soll im Folgenden versucht werden diese Fragenüberblicksartig zu beantworten. Bei der Beantwortung müssen, um ein genaueres Verständnis des Autors zu gewährleisten, zuallererst die beiden Begriffe Natur und Geschichte dargestellt werden. Anschließend soll anhand der von Droysen postulierten historischen Methodik sein Geschichtsverständnis sowie die Unterschiede und etwaigen Gemeinsamkeiten der wissenschaftlichen Disziplinen nachvollzogen werden.

2. Naturwissenschaft, Geschichte und die Methodik

Hauptteil

Die menschlichen Anschauungen - Grundlage jeder Wissenschaft - werden bestimmt von der subjektiven Wahrnehmung jedes einzelnen. Zu diesen allgemeinen Anschauungen gehören zweifellos der Raum und die Zeit. „[Diese Größen bleiben] solange leer, solange sie nicht einen diskreten Inhalt dadurch bekommen, daß man sie durch das Nebeneinander und Nacheinander der Einzelheiten bestimmt und füllt.“4 Da der Mensch als geistiges Wesen dazu neigt in Extremen zu denken, vertritt auch Droysen eine strikte Abgrenzung der beiden Größen. Er sieht im Raum das sich periodisch wiederholende Nebeneinander natürlicher Erscheinungen. Auf den Winter folgt der Frühling und auf das Leben folgt der Tod. Anhand dieses konstanten Kreislaufes wird deutlich, dass im Wechsel Gleichheit ruht und die Zeit keine Berücksichtigung findet.5 So ordnet Droysen dem Raum sämtliches Natürliche (Natur) zu und dementsprechend sieht er darin den Aktionsrahmen der Naturwissenschaften begründet. Die Geschichtswissenschaft hingegen, die sich vor allem mit dem Wirken des Menschen in der historischen Zeit beschäftigt, betont das Faktum Raum nicht so stark wie die Naturwissenschaften - sie schließt den Raum aber auch nicht vollständig aus. Sie untersucht anhand der Kategorie Zeit das rastlose Nacheinander der Erscheinungen. Dieses rastlose Nacheinander versteht der menschliche Geist als in sich steigernde Kontinuität - als das im Gleichen Wechselnde.6 Nach Droysen deutet diese kontinuierliche Fortentwicklung auf einen höheren „Zweck der Zwecke“7 hin. Diesen Zweck, mag man ihn nun als Gott oder höchste Freiheit bezeichnen - Droysen lässt dies weitestgehend offen - kann vom Menschen empirisch nicht gefasst werden.8 Obwohl das Erreichen dieses Zweckes als eine unendliche Spirale der zeitlichen Bewegungen zu verstehen ist und die Tendenz dazu immanent in allen Dingen ruht, kann er nicht erfasst und beschrieben werden. Die Geschichtswissenschaft versucht sich ihm verstehend anzunähern. „ Mit jedem Schritt weiter in diesem Werden und Wachsen erweitert und vertieft [sich] das Verständnis der Geschichte.“9 Auf den ersten Blick wirkt diese polarisierte Gegenüberstellung der Naturwissenschaft und der Geschichtswissenschaft sehr naiv. Droysen erhebt unbewusst den Anspruch der Geschichte, einzig wahre Wissenschaft zu sein.

[...]


1 Johann Gustav DROYSEN: Grundriß der Historik (1856/57 und 1882), in: Wolfgang HARTWIG (Hrsg.): Über das Studium der Geschichte, München 1990, S.109.

2 Zit. nach: Gerald KRUHÖFFER: Grundlinien des Glaubens. Ein biblisch-theologischer Leitfaden, 3.Aufl., Göttingen 1989, S.58.

3 Vgl. Droysen: Grundriß, S. 83.

4 Zit. nach: Tomás Gil GONZÁLES: „Das Handlungskonzept in der Historik J. G. Droysens“, Diss. phil. Münster 1980 (MS), S. 70.

5 Vgl. ebd., S. 72.

6 Vgl. ebd., S. 73.

7 Berta BEDER: Johann Gustav Droysens Geschichtsauffassung, Diss. Hamburg 1928 (MS), S. 87/88.

8 Vgl. hierzu etwas Johann Gustav DROYSEN: Grundriß der Historik, S.84 bzw. Berta BEDER: Geschichtsauffassung, S. 88.

9 Johann Gustav DROYSEN: Grundriß der Historik, S. 92/93.

Details

Seiten
9
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640835416
ISBN (Buch)
9783640835478
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165831
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Historisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
Johann Gustav Droysen Naturwissenschaft Geschichtswissenschaft Verständnis der Disziplinen Jena Historie

Autor

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Titel: Johann Gustav Droysen: Sein Verständnis der Geschichts- und Naturwissenschaft