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Baumol und die "Kostenkrankheit"

Studienarbeit 2010 41 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Zielstellung der Arbeit

2 Dienstleistung
2.1 Theorien & Ansätze
2.2 Abgrenzungsversuche
2.3 Charakteristika von Dienstleistungen
2.4 Dienstleistungsproduktion

3 Produktivität
3.1 Allgemeine Problemfeststellung
3.2 Abgrenzung Effizienz & Effektivität
3.3 Produktivitätsdefinition
3.4 Dienstleistungsproduktivität

4 Performing Arts – The Economic Dilemma

5 Entwicklung in der Literatur
5.1 Die 1960er
5.2 Die 1970er
5.3 Die 1980er
5.4 Die 1990er
5.5 Die 2000er

6 Allgemeingültigkeit der Kostenkrankheit

7 Fazit & Ausblick

Literatur

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Dienstleistungsproduktion

Abb. 2: Grundlegende Struktur der Dienstleistungsproduktivitätsermittlung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Möglichkeit der Produktivitätsdefinition

1. Zielstellung der Arbeit

Die Aufgabe der Studienarbeit besteht in der Darstellung und Aufbereitung der Entwicklung der Kostenkrankheit von William J. Baumol. Des Weiteren erfolgt eine Darstellung der Informations- und Kommunikationstechnologien unter Berücksichtigung der Kostenkrankheit.

Dazu gliedert sich die Arbeit in drei Bereiche. Der erste Bereich, bestehend aus Kapitel 2 und 3, stellt die theoretischen Grundlagen der Dienstleistung und der Produktivität dar. Im zweiten Bereich (Kapitel 4 und 5) wird die Kostenkrankheit als solches, anhand des Grundlagenwerkes „Performing Arts – The Economic Dilemma“, vorgestellt und anschließend die Entwicklung in der Literatur bis heute beleuchtet. Die Frage, in wieweit die Kostenkrankheit allgemein und insbesondere im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien gilt, wird im dritten Bereich (Kapitel 6) behandelt.

2 Dienstleistung

2.1 Theorien & Ansätze

Im Wandel der Zeit ändert sich nicht nur die Ökonomie eines Landes, sondern auch und insbesondere dessen Schwerpunkte [Corsten & Gössinger, 2007, S. 1]. In der Literatur werden drei verschiedenen Theorien bzw. Ansätze zur systematischen Erfassung der intersektoralen Strukturveränderungen verfolgt [Corsten & Gössinger, 2007, S. 1]. Diese sind die Zyklentheorie, die Stufentheorie und die Sektorentheorie [Corsten & Gössinger, 2007, S. 1].

In der Zyklentheorie sollen Bestimmungsgründe herausgearbeitet werden, welche gemeinsam die intersektoralen Strukturbedingungen und Konjunkturschwankungen bedingen [Corsten & Gössinger, 2007, S. 1]. Grundlage hierfür sind „(...) die sogenannten Kondratieffwellen, (...)“ [Corsten & Gössinger, 2007, S. 1], welche eine Periodenlänge von 50 bis 60 Jahre aufweisen [Corsten & Gössinger, 2007, S. 1]. Eine solche Welle begründet sich in der Entwicklung von Basisinnovationen[1], welche eine massive Abweichung von den bisherigen Technologien und/oder Arbeitsweisen mit sich bringt [Corsten & Gössinger, 2007, S. 1]. Im Ergebnis stellt die Zyklentheorie lediglich den Versuch dar, Veränderungen in der volkswirtschaftlichen Struktur zu erkennen und zu erklären [Corsten & Gössinger, 2007, S. 1]. Jedoch ist die fortschreitende strukturelle Veränderung in einem Sektor nicht zu erfassen [Corsten & Gössinger, 2007, S. 1]. Diese Theorie ist somit nicht geeignet, die Entwicklung der Dienstleistung wirkungsvoll zu beschreiben.

Ein weiterer Ansatz ist die sogenannte Stufentheorie. Hier wird versucht, allgemeingültige Gesetzte zur Entwicklung einer Volkswirtschaft aufzustellen [Corsten & Gössinger, 2007, S. 1]. Eine Volkswirtschaft soll demnach verschiedene, aufeinander folgende Stufen durchlaufen [Corsten & Gössinger, 2007, S. 1]. Der Ausgangspunkt ist hierbei der Urzustand und das Ziel ist die Stufe der Reife, die Endstufe [Corsten & Gössinger, 2007, S. 1]. Die Endstufe ist dadurch charakterisiert, dass innerhalb der Volkswirtschaft der tertiäre Sektor dominant sein soll, zum einen bezogen auf den Produktionsoutput und zum anderen auf die Beschäftigung [Corsten & Gössinger, 2007, S. 2]. Dabei zu beachten ist aber, dass jede durchlaufene Stufe durch Produktionssektoren und –techniken charakterisiert wird, welche dominant sind [Corsten & Gössinger, 2007, S. 2]. Somit gibt diese Theorie Hinweise auf den intersektoralen Strukturwandel, jedoch nicht über die Ursachen, welche zu diesem Wandel geführt haben [Corsten & Gössinger, 2007, S. 2].

Der dritte und wohl auch bekannteste Ansatz ist die Sektorentheorie, welche sich in den Primär-, Sekundär- und Tertiärsektor unterteilt [Corsten & Gössinger, 2007, S. 2]. ]. Gegliedert nach den Bereichen der Erwerbstätigkeit ergibt sich für die einzelnen Sektoren folgendes Bild [Görgens, 1975, S. 288; zitiert in Corsten & Gössinger, 2007, S. 5]:

Primärsektor: Land- und Forstwirtschaft

Sekundärsektor: verarbeitendes Gewerbe (einschließlich Energieversorgung) und Bergbau

Tertiärsektor: Dienstleistungen (privat und öffentlich) und Bauindustrie

Der Schwerpunkt dieses Ansatzes ist, dass in der langfristigen Entwicklung, bezogen auf die Produktion und die Beschäftigung, charakteristische und gesetzmäßige Veränderungen auf dem Weg vom Primärsektor hin zum Tertiärsektor gibt [Corsten & Gössinger, 2007, S. 2]. Dieser Weg der Verlagerung der Beschäftigung vom Primärsektor über den Sekundärsektor in den Tertiärsektor wird dabei als unausweichlich erachtet [Corsten & Gössinger, 2007, S. 2]. Begründet wird diese Annahme zum einen mit der Nachfragehypothese und zum anderen mit der Angebots- bzw. Produktivitätshypothese [Corsten & Gössinger, 2007, S. 2].

Der Kerngedanke der Nachfragehypothese ist es, dass bei steigendem Einkommen pro Kopf auch die Bedürfnisse nach höherwertigen Konsumgütern steigen, statt nur den Grundbedarf decken zu wollen [Corsten & Gössinger, 2007, S. 2]. Gleiches gilt auch für die Nachfrage von Dienstleistungen [Corsten & Gössinger, 2007, S. 2]. Die Angebots- bzw. Produktivitätshypothese geht dagegen davon aus, dass die auf Grundlage der gesteigerten Effektivität in dem Sekundärsektor freigesetzten Arbeitnehmer in dem Tertiärsektor aufgefangen werden und somit eine Verlagerung der Arbeit in den Tertiärsektor stattfindet [Corsten & Gössinger, 2007, S. 2]. Problematisch an diesem Ansatz ist jedoch, dass es als gegeben vorausgesetzt wird, dass die freigesetzten Arbeitskräfte im Tertiärsektor tatsächlich eingesetzt werden können [Corsten & Gössinger, 2007, S. 2]. Beide Ansätze führen im Ergebnis zu einer Verlagerung der Arbeitskräfte in den Tertiärsektor [Corsten & Gössinger, 2007, S. 2].

2.2 Abgrenzungsversuche

Das wesentliche Merkmal des Tertiärsektors ist die Dienstleistung. Zur Definition der Dienstleistung gibt es keine einheitlichen Abgrenzungsmerkmale. Stattdessen werden drei unterschiedliche Theorieansätze in der Literatur vorgeschlagen und diskutiert [Corsten & Gössinger, 2007, S. 21]. Diese sind die Aufzählung, die Negativdefinition und das Erstellen konstruktiver Merkmale [Corsten & Gössinger, 2007, S. 21; Meffert & Bruhn, 2009, S. 16].

Im Rahmen der Aufzählung werden die einzelnen Bereiche, welche zur Dienstleistung gehören, anhand von Beispielen aufgezählt [Corsten & Gössinger, 2007, S. 21; Meffert & Bruhn, 2009, S. 16]. Diese Positivdefinition wird auch als enumerative Definition bezeichnet [Corsten & Gössinger, 2007, S. 21; Meffert & Bruhn, 2009, S. 16]. Problematisch an diesem Ansatz ist die enorme Komplexität. Eine positive Definition der Bereiche, welche zur Dienstleistungsbranche gehören, ist zwar im Ergebnis eindeutig, jedoch aufgrund der Vielzahl von ständig neu entstehenden Bereichen und Unterbereichen schlicht unmöglich.

Dem gegenüber steht die Theorie der Negativdefinition. Im Rahmen dieses Ansatzes wird all das definiert, was gerade nicht zur Dienstleistung gehört [Corsten & Gössinger, 2007, S. 21; Meffert & Bruhn, 2009, S. 16]. Im Einzelnen bedeutet dieses, dass grundsätzlich alles zum Bereich Dienstleistung gehört, es sei denn, es wurde explizit als nicht dazugehörig definiert. Diese Systematik ist im Vergleich, zur Positivdefinition, besser geeignet. Dieser relativ einfache Ansatz ist von erheblicher Bedeutung.

So erkannten gerade die gesetzgebenden Organe[2] in Deutschland, die Besonderheit dieses Ansatzes. Exemplarisch sei hier das Strafrecht genannt. Will man positiv definieren, wann eine Körperverletzung vorliegt, so ist es nötig, dieses für alle Menschen in jeder nur denkbaren Kombination vorher genau festzulegen. Allein für die Stadt Cottbus, mit rund 100.000 Einwohnern, sind es dann mindestens 1*1010 (10 Mrd.) mögliche und nötige Kombinationen von Gesetzen. Im Vergleich dazu ist es möglich, mittels der Negativdefinition, mit nur einem Gesetz die Körperverletzung unter Strafe zu stellen. So ist die Verletzung von Personen grundsätzlich straffrei und erlaubt, es sei denn, es handelt sich um eine andere Person, dann wird dieses Verhalten bestraft[3].

Der dritte Theorieansatz, die explizite Definition mittels konstruktiver Merkmale und Konzentration von Gemeinsamkeiten, wird in der Literatur favorisiert [Corsten & Gössinger, 2007, S. 21; Meffert & Bruhn, 2009, S. 16]. Hierfür werden wiederum vier unterschiedliche Definitionen herangezogen, welche aber nicht zwangsläufig als komplett eigenständig anzusehen sind, sondern sich einander bedingen [Meffert & Bruhn, 2009, S. 16]. Diese vier Definitionen werden unterschieden in die tätigkeitsorientierte, prozessorientierte, ergebnisorientierte und potentialorientierte Definition [Meffert & Bruhn, 2009, S. 16].

Die tätigkeitsorientierte Definition basiert auf einer Feststellung, welche Schüller (1967) traf [zitiert in Meffert & Bruhn, 2009, S. 16]. Demnach ist jedes menschliche Handeln (im weitesten Sinne) eine Dienstleistung. Innerhalb dieser sehr weiten Definition ist es jedoch von geringerer Bedeutung, ob die Erbringung der Dienstleistung am Menschen direkt oder an Sachen, beziehungsweise an Gütern, erfolgt [Meffert & Bruhn, 2009, S. 16].

Der Kerngedanke der prozessorientierten Dienstleistungsdefinition ist, dass die Dienstleistung eine Tätigkeit ist, bei die Synchronität der Produktion und des Absatzes im Vordergrund steht [Bruhn, 2008, S. 23]. Dieser Ansatz geht auf Berekoven zurück, welcher unter dem Begriff der Synchronität noch den räumlich und zeitlich synchronen Kontakt zwischen Anbieter und Nachfrager verstand [Berekoven, 1974, S. 29; Meffert & Bruhn, 2009, S. 16]. Problematisch ist jedoch die Notwendigkeit des räumlichen Kontaktes, was bereits Meyer kritisierte [Meyer, 1994, S. 12]. Nach der prozessorientierten Definition ist ein Anruf in einem Call Center keine Dienstleistung, da es an der räumlichen Synchronität fehlt. Dieses ist natürlich nicht sehr einleuchtend, da gerade das Call Center das Paradebeispiel für Dienstleistungen ist.

Maleri stellte fest, dass nur das immaterielle Ergebnis eines Prozesses als Dienstleistung gesehen werden darf und nicht etwa die Leistungserstellung innerhalb eines Prozesses [Maleri, 1997, S. 4; Meffert & Bruhn, 2009, S. 17; Corsten & Gössinger, 2007, S. 22]. Dieser Ansatz wird auch als ergebnisorientierte Definition bezeichnet [Meffert & Bruhn, 2009, S. 17]. Sichtbar werden diese immateriellen Güter oder Ergebnisse durch die Veränderung einer Person oder eines Objektes [Corsten & Gössinger, 2007, S. 22]. Ein wesentliches Problem hierbei ist jedoch die Materialität von Trägermedien, z.B. im Bereich der Softwareentwicklung [Corsten & Gössinger, 2007, S. 22]. Die Hauptleistung liegt hierbei aber gerade nicht in der Erstellung des Trägermediums, sondern in der Entwicklung des Softwarepaketes, welches somit Gegenstand weiterer Dienstleistungen werden kann [Corsten & Gössinger, 2007, S. 22].

Die potentialorientierte Definition wird als ein Leistungsversprechen angesehen. Hierbei soll die Dienstleistung an dem Objekt des Nachfragers oder seines Verfügungsobjektes durchgeführt und eine Änderung bewirkt werden [Corsten & Gössinger, 2007, S. 21]. Das Leistungsversprechen wird somit als das Bereitstellen von maschineller oder menschlicher Leistungsfähigkeit verstanden [Corsten & Gössinger, 2007, S. 22; Meffert & Bruhn, 2009, S. 17]. Die Leistungsfähigkeit setzt jedoch elementar die Leistungsbereitschaft voraus. Erst wenn der Anbieter bereit ist, seine Leistung dem Kunden darzubieten, kann dieser (der Kunde) auf die Leistungsfähigkeit des Anbieters zugreifen und sie nutzen [Haller, 2010, S. 10, 11]. Beispielhaft sei an dieser Stelle der Friseur genannt, welcher auf den nächsten Kunden wartet. Das Ziel dieses Ansatzes ist mithin die Nutzenstiftung für den Nachfrager der Dienstleistung [Corsten & Gössinger, 2007, S. 22].

Die Definitionen der potential-, prozess- und ergebnisorientierten Betrachtungen führen in ihrem Zusammenspiel zu einem Gesamtprozess, den Bruhn wie folgt definiert: „Dienstleistungen sind selbständige, marktfähige Leistungen, die mit der Bereitstellung und/oder dem Einsatz von Leistungsfähigkeiten verbunden sind (Potenzialorientierung). Interne und externe Faktoren werden im Rahmen des Leistungserstellungsprozesses kombiniert (Prozessorientierung). Die Faktorkombination des Dienstleistungsanbieters wird mit dem Ziel eingesetzt, an den externen Faktoren – Menschen oder deren Objekte – nutzenstiftende Wirkungen zu erzielen (Ergebnisorientierung).“ [Bruhn, 2008, S. 24]. In der vorliegenden Arbeit wird diese Definition des Gesamtprozesses als Dienstleistung verstanden.

2.3 Charakteristika von Dienstleistungen

Aus den verschiedenen Definitionsversuchen lassen sich drei wesentliche Eigenschaften von Dienstleistungen erkennen. So weisen alle drei Gruppen von Definitionsansätzen die Eigenschaft der Immaterialität, der Integration des externen Faktors sowie des sogenannten Uno-Actu-Prinzips auf. Diese Eigenschaften sollen helfen die Dienstleistung von einem Sachgut abzugrenzen [Haller, 2010, S.7].

Die Eigenschaft der Immaterialität ist, zumindest für den Kunden, das wichtigste Element. Er (der Kunde) kann die Dienstleistung grundsätzlich nicht hören, sehen oder gar schmecken [Haller, 2010, S.7]. Sie ist somit mit einem, aus Sicht der Kunden, größeren Risiko behaftet, als ein Sachgut [Haller, 2010, S.7]. Um diesem gesteigerten Risiko zu begegnen, gibt es die Möglichkeit, eine Dienstleistung zu materialisieren [Meffert & Bruhn, 2009, S. 44]. Dieses ist z.B. der Fall, wenn in einem Flugzeug zum Essen in Folie eingeschweißtes Besteck gereicht wird [Meffert & Bruhn, 2009, S. 44]. Hier soll mit der Folie die Hygiene dargestellt werden [Meffert & Bruhn, 2009, S. 44]. Aus der Immaterialität resultieren zwei akzessorische Merkmale [Meffert & Bruhn, 2009, S. 44]. Diese Merkmale sind die Nichtlagerfähigkeit und die Nichttransportfähigkeit [Haller, 2010, S. 8; Meffert & Bruhn, 2009, S. 44]. Nichtlagerfähigkeit einer Dienstleistung bedeutet, sie kann nicht auf Vorrat produziert werden, sondern nur zu dem Zeitpunkt, in dem sie auch verbraucht oder konsumiert wird [Meffert & Bruhn, 2009, S. 44]. So ist es z.B. einem Lehrer nicht möglich den Unterricht in den Ferien zu produzieren, wenn der Konsum des Unterrichts erst nach den Ferien tatsächlich stattfindet. Aus der Nichtlagerfähigkeit folgt auch die Nichttransportfähigkeit, da ein Gut, welches nicht gelagert, auch nicht transportiert werden kann.

Die zweite Eigenschaft, die Integration des externen Faktors, ist für jede Dienstleistung essentiell und grenzt diese gleichzeitig von einem Sachgut ab [Meffert & Bruhn, 2009, S. 42; Haller, 2010, S. 8]. Der externe Faktor ist jedoch für den Ersteller der Dienstleistung nicht frei wählbar bzw. nicht frei disponierbar [Meffert & Bruhn, 2009, S. 42; Haller, 2010, S. 8]. So kann der externe Faktor aus der Person des Nachfragers, aber auch aus einem Objekt des Nachfragers bestehen. Beispielhaft sei hier die Feuerwehr genannt. Die Feuerwehr stellt die Dienstleistung „Feuerlöschen“ zur Verfügung. Ohne ein Objekt, welches brennt, kann die Dienstleistung „Feuerlöschen“ nicht erbracht werden. Ebenso verhält es sich mit dem Rettungsdienst. Auch dieser kann die Dienstleistung „Notfallrettung“ nur erbringen, wenn es einen Nachfrager gibt, der genau diese Dienstleistung nachfragt. Wie stark der Nachfrager in den Prozess der Dienstleistungserstellung integriert werden muss, hängt im Einzelfall von der konkreten Situation ab [Meffert & Bruhn, 2009, S. 42; Haller, 2010, S. 8]. So ist die Integration im Rahmen des Schulunterrichts deutlich höher als bei einem Internetkundenservice mittels E-Mail.

Das Uno-Actu-Prinzip als dritte Eigenschaft wird in der Literatur unterschiedlich eingeordnet [Haller, 2010, S. 8]. Grundsätzlich besagt dieses Prinzip, dass die Leistungserstellung und der Konsum der Leistung unmittelbar zusammenfallen müssen [Meffert & Bruhn, 2009, S. 44; Haller, 2010, S. 8]. Meffert und Bruhn sehen dieses Prinzip als direkte Konsequenz aus der Immaterialität [Meffert & Bruhn, 2009, S. 44; Haller, 2010, S. 8]. Demgegenüber sehen Corsten und Gössinger das Prinzip als Konsequenz aus der Integration des externen Faktors [Corsten & Gössinger, 2007 S. 22, 27, 28; Haller, 2010, S. 8]. Es stellt sich jedoch die Frage, ob es nicht auch noch eine dritte Sichtweise geben kann, welche besagt, dass das Uno-Actu-Prinzip eine Konsequenz aus beiden vorher genannten Eigenschaften ist und nicht isoliert betrachtet werden darf. Für beide Eigenschaften (Immaterialität und Integration des externen Faktors) gilt gleichermaßen, dass die Leistungserstellung und die Leistungsnachfrage zu keinem Zeitpunkt auseinanderfallen können, ohne den Charakter einer Dienstleistung aufzuheben.

2.4 Dienstleistungsproduktion

Die Verbindung zwischen dem Input und dem Output wird als Faktorkombination bezeichnet [Corsten & Gössinger, 2007, S. 128]. Ziel ist es, den Input, also die Produktionsfaktoren, im Rahmen eines Transformationsprozesses in die gewünschten Produktionsergebnisse (Output) zu überführen [Corsten & Gössinger, 2007, S. 128]. Es erfolgt dabei regelmäßig eine Unterteilung in Vorkombination und Endkombination [Corsten & Gössinger, 2007, S. 128].

Auf der Ebene Vorkombination ist das Ziel, eine bestimmte Leistungsbereitschaft zu erstellen, welche der Erfüllung einer genau definierten Dienstleistung dient [Corsten & Gössinger, 2007, S. 128]. Dazu werden diverse Produktionsfaktoren miteinander kombiniert [Corsten & Gössinger, 2007, S. 128]. Im Ergebnis ist dabei festzustellen, dass die Vorkombination eine Vorbereitung zur Leistungserstellung ist [Corsten & Gössinger, 2007, S. 128].

Die Vorkombination selber wird nun ebenfalls in zwei Kategorien untergliedert, die Kapazität und die Leistungsbereitschaft [Corsten & Gössinger, 2007, S. 128]. Die Kapazität ist definiert als generelles Leistungspotential, also z.B. die Fähigkeit eines Friseurs, Haare zu schneiden [Corsten & Gössinger, 2007, S. 128]. Mit Leistungsbereitschaft wird das umgehend verfügbare Leistungspotential bezeichnet, also die Vorbereitung eines Friseurs dem Kunden tatsächlich die Haare zu schneiden [Corsten & Gössinger, 2007, S. 128]. Die Kapazität stellt mithin ein notwendiges Durchgangsstadium der Vorkombination auf dem Weg zur Leistungsbereitschaft, als Ergebnis, dar [Corsten & Gössinger, 2007, S. 128, 129].

[...]


[1] Die Basisinnovation zeichnet sich im Vergleich zur Verbesserungsinnovation durch den gesteigerten Neuheitsgrad aus [Corsten & Gössinger, 2007, S. 1].

[2] Gesetzgebende Organe sind in Deutschland ausschließlich: Bundestag, Bundesrat und die Landtage der Länder.

[3] Auf eine explizite Definition der nötigen juristischen Einzelheiten wird an dieser Stelle verzichtet.

Details

Seiten
41
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640814831
ISBN (Buch)
9783640814787
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165775
Institution / Hochschule
Brandenburgische Technische Universität Cottbus
Note
1,3
Schlagworte
baumol kostenkrankheit

Autor

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Titel: Baumol und die "Kostenkrankheit"