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Emotionale Intelligenz

Betrachtung der Entstehung, Entwicklung und aktuellen Reflexion in der Praxis

Hausarbeit 2010 26 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einordnung in das Themengebiet
1.2 Einführung in die Gebiete der Emotion und Intelligenz
1.2.1 Einführung Emotion
1.2.2 Einführung Intelligenz
1.3 Forschungsansätze
1.4 Klassische Emotionstheorien
1.4.1 James-Lange-Theorie der Emotion
1.4.2 Cannon-Bard-Theorie der Emotion
1.4.3 Zwei-Faktoren-Theorie von Schachter
1.5 Einführung in die Emotionale Intelligenz
1.5.1 Physiologie der Emotionalen Intelligenz

2 Hauptteil
2.1 Entwicklung der Emotionalen Intelligenz
2.1.1 Modell nach Peter Salovey & John D. Mayer (1990)
2.1.2 Modell nach Peter Salovey & John D. Mayer (1997)
2.1.3 Modell nach Daniel Goleman (1995)
2.1.4 Modell nach Daniel Goleman (2002)
2.2 Messmethoden
2.2.1 TMMS - Trait-Meta-Mood-Scale (Salovey et al., 1995)
2.2.2 MSCEIT Multifactor Emotional Intelligence - Mayer-Salovey-Caruso Emotional Intelligence Test (Mayer, Salovey & Caruso, 1997)
2.2.3 EQ-I - Emotional Quotient Inventory (BarOn, 1997)
2.2.4 ECI - Emotional Competence Inventory (Goleman, 1998)
2.2.5 ECI - Emotional Competence Inventory (Boytazis et al., 1999)

3 Kritische Würdigung
3.1 Nach Heinz Schuler – Emotionale Intelligenz als Etikettenschwindel
3.2 Nach John D. Mayer
3.3 Fazit

4 Schluss
4.1 Anwendungsbezug
4.2 Reflexion

5 Literaturangaben

Abbildungssverzeichnis:

1 Was ist Emotionale Intelligenz?

2 Forschung über die Emotionale Intelligenz

3 Verarbeitungsquerschnitt (Goleman, 1997, S. 37)

4 Modell der Emotionalen Intelligenz (Salovey & Mayer, 1990)

5 Komplexitätsstufen der Emotionalen Intelligenz (Salovey & Mayer, 1997 , S. 10)

6 Übersicht MSCEIT (Mayer, Salovey, Caruso, 1997)

1 Einleitung

Schon Aristoteles beschäftigte sich mit dem Thema der Emotionen und wie man mit ihnen umgehen sollte. Er forderte, man solle „ … die seltene Fähigkeit besitzen, gegen die rechte Person, im rechten Maße, zur rechten Zeit und auf rechte Weise zornig zu sein.“ (Aristoteles, Nikomachische Ethik ~ 322 vor Chr.)

Früher dachte man in westlichen Kulturen, dass Emotionen das Denken stören und deshalb kontrolliert werden müssen. Schon im ersten Jahrhundert vor Christus sagte Publilius Syrus: „Rule your feelings, let your feelings rule you.“, was so viel bedeutet wie: Regiere deine Gefühle, sonst regieren deine Gefühle dich. Heute ist man allerdings der Ansicht, dass Emotionen wichtig für das Fokussieren und Bestimmen des Denken und Handelns sind. Zum Beispiel unterscheiden uns Emotionen von Computern und Robotern. Aber was ist nun emotionale Intelligenz? Grob definiert bestimmt sie den richtigen Umgang mit eigenen Emotionen und Emotionen anderer. Sie beeinflusst den beruflichen Erfolg, die Beziehungen zu anderen Menschen und die eigene Zufriedenheit und Ausgeglichenheit.

Eine allgemein populäre Ansicht besagt, dass der EQ (= emotionaler Quotient) den beruflichen Erfolg zu 80% erklärt, während die akademische Intelligenz (= IQ) ihn nur zu 20% erklärt. Emotionale Intelligenz symbolisiert gewissermaßen das „gewisse Etwas“ zwischen einem Mitarbeiter und einer erfolgreichen Führungskraft.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Was ist Emotionale Intelligenz?

Die nachfolgende Arbeit führt in ein Grundverständnis von Emotionen ein und beschäftigt sich mit den grundlegenden Komponenten der Emotionalen Intelligenz. Weiter werden die Theorien von Peter Salovey & John D. Mayer und Daniel Goleman einander gegenübergestellt. Ein Überblick samt Einführung in Messmethoden für das Erfassen von Emotionaler Intelligenz folgt anschließend. Die kritische Würdigung und Reflexion der Theorie sowie die Anwendungsbezüge schließen die Arbeit ab.

1.1 Einordnung in das Themengebiet

Die Emotionale Intelligenz ist dem Fachgebiet der Emotionspsychologie zuzuordnen.

1.2 Einführung in die Gebiete der Emotion und Intelligenz

Bevor sich die Arbeit im weiteren Verlauf mit Emotionstheorien und der Emotionalen Intelligenz beschäftigt, sollen erst einmal die Begriffe Emotion und Intelligenz definiert und genauer betrachtet werden.

1.2.1 Einführung Emotion

"Eine Emotion ist ein qualitativ näher beschreibbarer Zustand, der

mit Veränderungen auf einer oder mehreren der folgenden Ebenen

einhergeht: Gefühl, körperlicher Zustand und Ausdruck."

(Schmidt-Atzert, 1996)

Was ist Emotion? Wie entsteht sie? Sind Emotionen Zustände oder Eigenschaften? Diese und weitere Fragen beschäftigen die Wissenschaft nicht erst seit der populärwissenschaftlichen Schrift von Daniel Goleman. Es gibt mehrere Richtungen, diese Fragen zu beantworten. In Anlehnung an Arnold, 1960, Lazarus, 1968, Young, 1961 tragen Emotionen nur dazu bei, Verhalten zu desorganisieren und sind in erster Linie Quelle menschlicher Probleme. Eine andere Meinung (in Anlehnung an Izard, 1994) geht in die Richtung, dass Emotionen das primäre Motivationssystem des Menschen bilden. William James beschrieb in seinem inzwischen klassischen Aufsatz (Was ist eine Emotion?, 1884) Emotionen als bloßes Wahrnehmen körperlichen Fühlens. Er vertritt die Meinung, dass körperliche Veränderungen direkt auf die Wahrnehmung eines erregenden Ereignisses folgen und das Fühlen dieser Veränderungen die Emotion darstellt. Diese Sichtweise verdeutlichte er anhand eines Beispiels: „Wir treffen auf einen Bären im Wald, unser Herz rast, unsere Knie zittern, und weil wir diese physiologischen Veränderungen wahrnehmen, fühlen wir Angst.“ (James, W., 1884). Nach William James wird somit eine Emotion durch das Bewusstsein hervorgerufen, das eine Person von einem spezifischen Muster körperlicher Veränderungen hat. 1885 wurde von Carl Lange ein weiteres Modell der Emotion vorgeschlagen, welches in etwa den gleichen grundlegenden Mechanismus in der kausalen Abfolge voraussetzt. Bedingt durch diese Ähnlichkeit sind die beiden Ansätze als James-Lange-Emotionstheorie in die Literatur eingegangen (siehe 1.4.1 James-Lange-Theorie der Emotion). Aufgrund der Definition von Emotion als bloßes Bewusstsein physiologischer Veränderungen wird der Ansatz auch als periphere Auffassung bezeichnet.

Der Frage nach dem evolutionären Zweck von Emotionen widmete sich Charles Darwin in seiner Schrift „The Expression of Emotion in Man and Animals“ (1872). Demnach besitzen Emotionen nützliche Funktionen für den Organismus, sowohl für die Vorbereitung adaptiven Verhaltens als auch für die Regulierung von Interaktionen innerhalb einer sozial lebenden Tierart.

Wissenschaftlich betrachtet lässt sich Emotion als eine Mischung aus folgenden Komponenten sehen:

- Physiologische Aktivität: Emotionen werden von körperlichen Reaktionen begleitet - wir schwitzen, frieren, bekommen Herzklopfen, unsere Atmung beschleunigt oder verlangsamt sich.
- Ausdrucksverhalten-Handlung-Reaktion: Wir zeigen motorische Reaktionen, ergreifen die Flucht bei Angst und greifen an, wenn wir nicht fliehen können. Unsere Mimik unterscheidet sich bei Freude von der bei Wut.
- Gefühl: Wir empfinden Angst, Wut, Freude oder Trauer, sind gekränkt oder stolz, fühlen uns geehrt oder missachtet.
- Kognition: Wir denken, während wir fühlen, und ein Gefühl kann von ganz unterschiedlichen Gedanken begleitet werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Emotion demnach eine Störung, eine Bewegung im sonst ausbalancierten Zustand der Psyche ist.

1.2.2 Einführung Intelligenz

„Intelligenz ist die allgemeine Fähigkeit eines Individuums, sein Denken

bewusst auf neue Forderungen einzustellen, sie ist allgemeine geistige

Anpassungsfähigkeit an neue Aufgaben und Bedingungen des Lebens.“

(Stern, 1912)

Doch Stern hat nur eine von sehr vielen Definitionen zum Thema Intelligenz geschrieben. Das große Problem bei dem Thema Intelligenz ist, dass jeder eine Vorstellung von einer intelligenten Person hat, diese Vorstellungen jedoch nicht auf einen Nenner gebracht werden können. Von Thorndike und Stein wurde 1937 das Modell der Sozialen Intelligenz vorgestellt. Howard Gardner stellte 1983 sein Modell der Multiplen Intelligenz vor.

1.3 Forschungsansätze

Anfangs muss man klar herausstellen, dass es mehrere Forschungsansätze zur Emotionalen Intelligenz gibt, die aber keinen gemeinsamen Konsens darüber finden, was EI nun tatsächlich ist. Außerdem gibt es beträchtliche Unterschiede hinsichtlich der Reichweite der Konzeptualisierung und der verwendeten Messinstrumente.

Hier ein geschichtlicher Abriss der verschiedenen Forschungsansätze:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Forschung über die Emotionale Intelligenz

Die nachfolgende Arbeit beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den Theorien und Modellen von Peter Salovey & John Mayer sowie Daniel Goleman.

1.4 Klassische Emotionstheorien

1.4.1 James-Lange-Theorie der Emotion

Allgemein gehen wir davon aus, dass wir weinen, weil wir traurig sind, dass wir schreien, weil wir wütend sind, dass wir lachen, weil wir uns freuen usw. Die beiden Forscher William James und Carl Lange entwickelten nahezu zeitgleich eine Emotionstheorie, welche genau das Gegenteil postuliert. Sie gehen davon aus, dass die physiologische und körperliche Reaktion dem Gefühl voraus geht. Das bedeutet also, wir sind traurig, weil wir weinen, wir sind wütend, weil wir schreien, wir freuen uns, weil wir lachen.

Zusammenfassend besagt die James-Lange-Theorie der Emotion, „ … dass wir einen Reiz wahrnehmen, dieser dann autonome Erregung und andere Körperreaktionen verursacht und in der Folge erleben wir spezielle Gefühle.“ (Orth, H., 2009).

1.4.2 Cannon-Bard-Theorie der Emotion

Die beiden Psychologen Walter Cannon und Philip Bard forschten ebenfalls im Kontext Emotion. Sie jedoch widersprachen der Theorie nach James & Lange. Sie sind der Meinung, dass viszerale Aktivität keine Relevanz für emotionales Erleben habe - aus zwei Gründen: man hat experimentell festgestellt, dass Tiere auch dann noch emotional reagierten, wenn man ihr viszerales System operativ vom Zentralen Nervensystem abtrennte; das autonome Nervensystem reagiert zu langsam, um für Emotionen verantwortlich gemacht zu werden, die häufig innerhalb von Sekundenbruchteilen auftreten. Demnach gehen Cannon & Bard davon aus, dass ein emotionaler Stimulus zwei voneinander unabhängige Reaktionen weckt: eine physische Reaktion (die Erregung) und eine psychische Reaktion (das Erleben von Emotion). Ihre Theorie besagt, dass sich beide Reaktionen nicht bedingen, sondern unabhängig nebeneinander bestehen.

Zusammenfassend besagt die Cannon-Bard-Theorie der Emotion, „ … dass theoretisch das Erleben von Emotion auch ohne körperliche Erregung möglich wäre, ebenso wie körperliche Erregung ohne emotionales Erleben.“ (Orth, H., 2009).

1.4.3 Zwei-Faktoren-Theorie von Schachter

Analog zur Theorie von Cannon & Bard besagt die Theorie nach Stanley Schachter, dass Emotion aus zwei Komponenten bestehen muss: einer physiologischen Erregung und einer kognitiven Bewertung. Die physiologische Reaktion ist verantwortlich für die Intensität der Emotion, die Kognition für die Qualität.

Stanley Schachter geht schlussfolgernd jedoch davon aus, dass Emotion die bewusste Interpretation einer Wahrnehmung ist.

1.5 Einführung in die Emotionale Intelligenz

Der Begriff der Emotionalen Intelligenz wurde Anfang der 90er Jahre von den amerikanischen Psychologen Peter Salovey und John D. Mayer eingeführt. Es dauerte jedoch weitere fünf Jahre, bis der Begriff von Daniel Goleman aufgegriffen und durch ihn weltweit bekannt wurde. Durch diesen plötzlichen Durchbruch der Emotionalen Intelligenz sah sich dann jedoch auch die Wissenschaft in der Pflicht, sich näher mit der Thematik zu beschäftigen, welche die Forschungsgebiete der Intelligenzforschung und der Emotionspsychologie verbindet.

1.5.1 Physiologie der Emotionalen Intelligenz

Wie kann man sie erklären? Wie ist sie verankert? Welchen Gehirnfunktionen oder -gebieten wird sie zugesprochen? Diese und weitere Fragen sollen nachfolgend unter dem Kapitel Physiologie der Emotionalen Intelligenz beantwortet werden.

Bei der physiologischen Begründung der Emotionalen Intelligenz ist der Mandelkern, auch Amygdala genannt, das entscheidende Gebiet. Der Mandelkern ist oberhalb des Hirnstamms angesiedelt und ist unser Speicher für alle emotionalen Erinnerungen. LeDoux beschreibt die Funktion des Mandelkerns wie folgt: „ Der Hippokampus ist entscheidend dafür, dass Sie ein Gesicht als das Ihrer Cousine erkennen. Es ist der Mandelkern, der hinzufügt, dass Sie sie eigentlich nicht mögen“ (Goleman, D., EQ - Emotionale Intelligenz, S. 35, 1997).

Die Funktion wird nachfolgend anhand eines praktischen Beispiels beschrieben:

Wir nehmen an, wir begegnen in offener Wildbahn einer Klapperschlange. Das visuelle Signal der Klapperschlange gelangt in einem ersten Schritt über unsere Retina zum Thalamus, wo das visuelle Signal in „die Sprache unseres Gehirns“ übersetzt wird. Der Thalamus bildet den größten Teil des Zwischenhirns. Er setzt sich aus vielen Kerngebieten zusammen, die eine besonders starke Verbindung zur gesamten Großhirnrinde aufweisen.

Nachdem das Signal übersetzt wurde, gelangt der größte Teil der Botschaft zum visuellen Kortex, welcher für die Verarbeitung von visuellen Reizen zuständig ist. Im visuellen Kortex wird das Signal analysiert und auf Bedeutung und Reaktionsangemessenheit hin abgeschätzt. Fällt die Reaktion emotional aus, werden vom Mandelkern aus die emotionalen Zentren aktiviert. Als Reaktion darauf steigt z.B. unser Puls, die Atemfrequenz wird schneller, unsere Hände fangen an zu schwitzen und der Blutdruck steigt.

[...]

Details

Seiten
26
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640816224
ISBN (Buch)
9783640815777
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165643
Institution / Hochschule
Hochschule Harz - Hochschule für angewandte Wissenschaften (FH)
Note
1,7
Schlagworte
Psychologie Persönlichkeit Persönlichkeitspsychologie Goleman Intelligenz Emotionale Intelligenz EQ Management Managementlehre Schachter Psychologie der Intelligenz ECI EQ-I TMMS MSCEIT Schuler Mayer Emotion Emotionstheorie James-Lange Cannon-Bard Zwei-Faktoren-Theorie

Autor

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