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Die Einteilung Hispanoamerikas in Dialektzonen

Bachelorarbeit 2010 33 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Henríquez Ureña

3 Tierras bajas und tierras altas

4 Canfield

5 Rona

6 Resnick

7 Zamora Munné

8 Cahuzac

9 Fallbeispiele
9.1 Mittelamerika: Eine geschlossene Dialektzone?
9.2 Uruguay: Heterogen oder homogen?

10 Schluss

Anhang

Bibliografie:

1 Einleitung

Sprachgeographie bedeutet in der Sprachwissenschaft eine dialektologische und vergleichende Methode. Dabei wird in einem bestimmten Territorium eine verhältnismäßig hohe Anzahl an Sprechern direkt und einheitlich befragt. Danach werden die festgestellten sprachlichen Formen, die entweder lexikalischer, phonischer oder grammatischer Natur sein können, in einem Punktenetz aufgezeichnet. Diese Methode hat vor allem im romanischen Gebiet eine außerordentliche Entwicklung im 20. Jahrhundert erfahren. (Coseriu 1975:1)

Im romanischen Raum war die Erscheinung des Sprachatlasses Atlas linguistique de la France von Jules Gilliéron (1854-1925) eine Wende in der Geschichte der Sprachwissenschaft. Anhand eines Fragebogens mit etwa 1400 Fragen ging sein Gehilfe Edmond Edmont im August 1897 auf eine Forschungsreise quer durch Frankreich. In weniger als vier Jahren wurden in 550 Orten insgesamt 720 Sprecher befragt und dabei wurden mehr als eine Million Antworten notiert und später in 1920 Karten ausgewertet. So gelang es Jules Gilliéron die verschiedenen Dialekte und Mundarten Frankreichs zu erforschen. (Coseriu 1975:15f.)

Nun stellen Sie sich dieses immense Projekt in der Größenordnung Hispanoamerikas vor! Das extrem große Territorium und die gigantische Sprecheranzahl würden es extrem kostspielig und zeitaufwendig machen ganz Hispanoamerika nach einem einheitlichen Fragebogen zu untersuchen. Doch gerade diese Informationen wären extrem wichtig um Dialektgrenzen bzw. Isoglossenbündel ausfindig zu machen. In diesem Kontext ist es nicht erstaunlich, dass zunächst Sprachatlanten auf Landesebene erstellt wurden, Z.B. Atlas lingüístico- etnográfico de Colombia (1982- 1983), Atlas lingüístico de México (1994), El atlas lingüístico de Ecuador (1992) oder Documentos del PREDAL Argentino. El Atlas Lingüístico- Antropológico de la República Argentina (1987). Dabei ist auffallend, dass vor allem die Metropolen untersucht wurden und dass im Gegensatz zu Europa die Atlanten erst sehr spät publiziert wurden, nämlich erst zum Ende des 20. Jahrhunderts.

Aufgrund des Mangels an Informationen über die sprachlichen Phänomene ist es nicht überraschend, dass es im 20. Jahrhundert noch nicht gelungen ist Hispanoamerika in Dialektzonen einzuteilen, obwohl das Bestreben danach groß war. Bei dem Versuch Hispanoamerika in Dialektzonen einzuteilen, sind verschiedene Dialektologen immer wieder auf Hindernisse gestoßen.

Die erste bekannte Quelle zu einer sprachgeographischen Gliederung ist Oríjenes del lenguaje criollo von Juan Igancio de Armas, die auf 1882 datiert ist. Er unterscheidet relativ undifferenziert und unsystematisch vier bis fünf Zonen. Die erste Zone umfasst die Antillen, Kolumbien sowie Venezuela und einen Teil Zentralamerikas. Die zweite Zone: Zentralamerika und Mexiko. Die dritte Zone: Den pazifischen Raum und die vierte: Den La-Plata Raum. Bei der dritten Zone ist ungewiss, ob sie wirklich nur eine Zone darstellt oder in zwei Zonen unterteilt werden sollte. (Vgl. Noll 2001: 44)

Fast vierzig Jahre später erschien der bereits berühmte Artikel „Observaciones sobre el español en América“ von Henríquez Ureña. Aufgrund der Substrateinflusse der amerindischen Sprachen teilt der dominikanische Gelehrte das hispanophone Amerika in fünf Zonen ein. Die Zonen ähneln dem Entwurf von J. I. de Armas, jedoch konnte bis dato nicht nachgewiesen werden, ob sich Henríquez Ureña an der Gliederung des Kubaners orientierte. (Vgl. Geckeler 1994:288)

Canfield (1982) und Rosenblat (1926) wiederum schlagen eine Zweiteilung Hispanoamerikas in Tief- und Hochländer vor. Die tierras altas werden durch den stabilen Konsonantismus und den labilen Vokalismus und die tierras bajas durch den labilen Konsonantismus und den stabilen Vokalismus charakterisiert. Obwohl diese Unterteilung Anerkennung findet, ist sie zu großräumig.

1964 versuchte sich der uruguayische Linguist José Pedro Rona abermals am Projekt der dialektalen Gliederung. Seine Unterteilung hebt sich von seinen Vorgängern durch seine Methodik ab. Anhand von Isoglossen versucht er den Großraum einzuteilen. Mit Hilfe von vier sprachlichen Merkmalen erhält er 16 Zonen. Nichtsdestotrotz weist auch seine Unterteilung Mängel auf, die Zamora Munné (1979-1980) in seinem Artikel „Las zonas dialectales del español americano“ aufzeigt und zugleich eine neue Einteilung vorschlägt. Geckeler (1994:295) sowie Noll (2001:48) halten die Gliederung von Munné für die bislang gelungenste.

Ebenfalls 1980 legte Cahuzac seinen Artikel „La división del español de América en zonas dialectales. Solución etnolingüística o semántico- dialectal“ vor. Wie der Titel schon andeutet hat seine Studie eine ethnolinguistische Ausrichtung und basiert auf lexikalischen Kriterien, anhand derer er Hispanoamerika in vier Zonen unterteilt.

Viele Linguisten haben es vorgezogen die Varianten eines einzelnen Landes näher zu beleuchten, Z.B. T. Navarro Tomás über Puerto Rico oder M. Benvenuto Murrieta über Peru. Rona (1958:7) problematisiert diese Vorgehensweise, da die Landesgrenzen und die Verbreitung von Varianten nicht übereinstimmen müssen. Er konstatiert, dass sie vor allem in deskriptiver und nicht in analytischer und vergleichender Weise vorgehen. Zudem findet er die Begriffe „español boliviano“ oder „español urugayo“ heikel, da sie suggerieren, dass Z. B. das „español urugayo“ in sich homogen sei und als Einheit klar abgrenzbar vom „español argentino“ wäre. „Además, el ‘español del Uruguay’ o ‘el español urugayo’ no es un concepto equivalente a un ‘dialecto’ o a una identidad lingüística que pueda oponerse a otra unidad lingüística”. (Ebd. 16)

Auch Coseriu bemängelt die Dialektmonographien, weil sie „kein einheitliches Bild, weder in den Kriterien, noch im Umfang oder im wissenschaftlichen Niveau“ bieten.(1975:15) Demgegenüber bietet ein Sprachatlas „Vorteile der Klarheit und unmittelbaren Evidenz der Erscheinungen sowie die Garantie für die technische Einheitlichkeit, Homogenität des Materials und Dichte der untersuchten Punkte“, aber der größte Vorteil besteht darin, dass die Daten nicht isoliert betrachtet werden, sondern in ihrer Gesamtheit und dass „für jedes Phänomen eine simultane räumliche Schau [ermöglicht wird], die wichtige Schlussfolgerungen […] vergleichender Art zulässt.“(Coseriu 1975:22)

Dementsprechend wäre ein Atlas der ganz Hispanoamerika einschließt wünschenswert. Manuel Alvar hat den Atlas Lingüístico de Hispanoamérica angekündigt. Wahrscheinlich wird dieses Projekt Klarheit über die Phänomene des lateinamerikanischen Spanisch geben. Humberto López Morales über die Notwendigkeit des geplanten Atlasses:

Hispanoamérica es un mosaico dialectal, desde luego, pero aún estamos lejos de saber dónde empiezan y acaban las piezas que lo integran. Es verdad que no han faltado los intentos por deslindar las zonas dialectales americanas, pero también lo es el hecho de que las conclusiones avanzadas suelen ser poco convincentes.[...] Los planteamientos teóricos, de una parte, endebles casi siempre, y la cantidad y calidad de los datos que hoy es posible reunir, insuficientes en grado sumo, de otra, hacen dudar de las premisas en las que descansan estas otras hipótesis y terminan por desautorizarlas, ante la probreza de las bases empíricas que las sustentan. Sólo cuando se eliminen estas deficiencias estaremos en disposición de emprender la tarea con éxito. El esperado Atlas Lingüístico de Hispanoamérica, ya en proceso avanzado de elaboración, será la puerta que nos permita adentrarnos con paso seguro por este laberinto. (López 1996:20f.)

So kann man bloß hoffen, dass im 21. Jahrhundert eine Einteilung Hispanoamerikas in Dialektzonen möglich sein wird. Im Hauptteil dieser Arbeit werden zunächst die verschiedenen Versuche Hispanoamerika in Dialektzonen einzuteilen vorgestellt und ihre Mängel aufgezeigt. Danach wird an zwei Fallbeispielen näher beleuchtet, wie sich die Mängel im Einzelnen manifestieren und welche Probleme die transkontinentale Dimension der Einteilung mit sich bringt.

Doch bevor wir uns den verschiedenen Einteilungen widmen, möchten wir kurz auf die Begriffe Sprache und Dialekt eingehen. Dialekte sind „die primären Erscheinungsformen jeder historischen Sprache. Insofern bestehen […] alle Sprachen aus zunächst gleichberechtigten regionalen Varietäten, die wir Dialekte nennen.“ (Geckeler 2004:31) In diesem Fall ist die Staatssprache Spanisch die historische Sprache, die wiederum vom „Gesichtspunkt der historischen Linguistik […] eine auf dem kastilischen Dialekt […] beruhende Ausbauvarietät“ ist und die verschiedenen Varietäten des gesprochenen Spanisch in Hispanoamerika sind Dialekte. (Ebd.) In diesem Sinne ist es die Aufgabe der Dialektologie die Heterogenität einer Sprache zu untersuchen, jedoch besteht das Risiko, dass man sich allzu sehr auf die Vielfalt des Sprechens konzentriert, sodass man ihre Einheitlichkeit aus den Augen verliert. So mahnt Alvar ganz zu Recht:

No hay lingüística con un mínimo de solvencia que no lo repita hasta el agotamiento: no hay más que un español. Es absolutamente falaz escindir esa realidad única en dos mundos opuestos: América y Europa. Hay una unidad que permite entendernos a cuantos poseemos este bien que es la lengua única; hay multitud de variantes en cada región de nuestro mundo sin que la unidad se resquebraje.(Alvar 1996: 3)

Nachdem nun einige Begriffe geklärt worden sind, sollen in chronologischer Reihenfolge die verschiedenen Modelle unterschiedlicher Linguisten vorgestellt werden.

2 Henríquez Ureña

Der Artikel „Observaciones sobre el español de América” von Pedro Henríquez Ureña ist 1921 in der Zeitschrift Revista de Filología Española erschienen. Mit diesem Artikel hat Henríquez Ureña einen wichtigen Beitrag zur Dialektologie Hispanoamerikas geleistet, da seine Klassifikation als erste systematische Gliederung gelten kann. Das zugleich viel zitierte und kritisierte Modell von Henríquez Ureña (1921:41) unterteilt das hispanophone Lateinamerika in folgende fünf Zonen:

1. Die bilingualen Gebiete im Süden und Südwesten der USA sowie Mexiko und Mittelamerika.
2. Die Antillen (Cuba, Puerto Rico, die Dominikanische Republik), die Küsten- und Tieflandgebiete Venezuelas und eventuell der Norden Kolumbiens.
3. Das Andengebiet Venezuelas, das Landesinnere und die Westküste Kolumbiens, Ecuador, Peru, der größte Teil Boliviens und eventuell der Norden Chiles.
4. Der größte Teil Chiles.
5. Die La Plata- Staaten (Argentiniern, Uruguay, Paraguay) und der Südosten Boliviens.

Jedoch kann dies nur als eine grobe Gliederung angesehen werden. Dessen war sich Henríquez Ureña durchaus bewusst und notiert dementsprechend zugleich anfangs den provisorischen Charakter seiner Einteilung.

Provisionalmente me arriesgo a distinguir en la América española cinco zonas principales [...]. El carácter de cada una de las cinco zonas se debe a la proximidad geográfica de las regiones que las componen, los lazos políticos y culturales que las unieron durante la dominación española y el contacto con una lengua indígena principal (1, náhuatl; 2, lucayo; 3, quechua; 4, araucano; 5, guaraní). El elemento distintivo entre dichas zonas está, sobre todo, en el vocabulario, en el aspecto fonético, ninguna zona me parece completamente uniforme. (Ebd.)

Demnach gelangt Henríquez Ureña zu dieser Aufteilung zum einen aufgrund geografischer, historischer und kultureller Faktoren und zum anderen infolge der Substrateinflusse der jeweilig wichtigen amerindischen Sprache. Die Unterschiede zwischen den fünf Zonen sind vor allem im Bereich des Wortschatzes angesiedelt. Er merkt an, dass in phonischer Hinsicht die Zonen in sich nicht homogen seien.

Aus diesem Grund hält er eine weitere Untergliederung für jede Dialektzone als angebracht, jedoch schlägt er nur für die erste Zone eine mögliche weitere Untergliederung vor. Demnach könnte die erste Zone in mindestens sechs weitere Unterregionen eingeteilt werden. In die zweisprachigen Gebiete der USA, der Norden Mexikos, das zentrale Hochland mit der Hauptstadt Mexikos, die Ostküste, die Halbinsel Yucatán und Mittelamerika zuzüglich Chiapas. Eine weitere Unterteilung Mittelamerikas hält er für wahrscheinlich. (Ebd. 42)

In dem Artikel „El problema de la división del español americano en zonas dialectales“ von José Pedro Rona (1964: 64-66) erhält die „provisorische“ Einteilung von Henríquez Ureña erstmals fundierte Kritik. Zunächst betont Rona, dass Henríquez Ureña zu seiner Zeit keinesfalls genügend Informationen zur Hand hatte. Des Weiteren unterstreicht er, dass die Eingeborenensprachen weit mehr als die angeführten fünf waren. Zum Beispiel, fehlen die Maya- Sprachen oder Aymara in der Betrachtung von Henríquez Ureña. Sein Hauptkritikpunkt an dem „provisorischen“ Modell liegt jedoch am Ansatz, den Henríquez Ureña für seine Unterteilung herangezogen hat. Folgendermaßen argumentiert Rona:

Puesto que los dialectos son hechos lingüísticos y objetivos, su determinación debe basarse en criterios objetivos también y en la observación de hechos de lenguaje, no de hechos extralingüísticos. Ahora bien, el criterio empleado por Henríquez Ureña evidentemente no es un criterio objetivo, ya que se basa en un presupuesto subjetivo: la mezcla del español con lenguas indígenas. No es un criterio lingüístico, ya que se basa en un hecho extralingüístico, aunque esto ya no resulte tan evidente. (Ebd. 66)

Demnach hält Rona das Kriterium des Sprachkontaktes zwischen Spanisch und den amerindischen Sprachen als ein außersprachliches, da die vermeintliche Sprachmischung zuerst bewiesen werden müsste, denn es handele sich vielmehr um eine Bevölkerungsmischung. Infolgedessen äußert Rona (1964: 66): “en efecto, es un hecho el que haya habido mezcla de población en algunas zonas, pero este hecho es etnológico o sociológico, no lingüistico.“ Nach Rona sollte eine Einteilung in Dialektzonen jedoch auf sprachlichen Merkmalen basieren, Z.B. phonologische oder morphosyntaktische. (Ebd.) Jedoch weist Horst Geckeler daraufhin, dass “Henríquez Ureña als Beweis für die Beeinflussung des Amerikanischspanisch durch Eingeborenensprachen gerade den Wortschatz im Auge hat“. (Geckeler 1994: 289)

Unbestritten bleibt, dass die Unterteilung von Henríquez Ureña nicht haltbar ist aufgrund der unadäquaten Vorgehensweise, dem Mangel an Informationen und der unstimmigen Wahl der Differenzierungskriterien. Trotzdem hat seine Arbeit in dem Sinne einen Wert, dass er den Stein sozusagen ins Rollen gebracht hat. Lope Blanch huldigt den Verdienst des Dominikaners wie folgt:

Pero creo que no se arriesgó inútilmente: con su osadía, la filología hispanoamericana obtuvo después frutos provechosos. Su arriesgada iniciativa-¿no corren riesgos terribles todos los exploradores de mundos desconocidos?- fue como un toque de clarín que despertó las inquietudes de muchos estudiosos del español americano. Henríquez Ureña tuvo el valor a arriesgarse a abrir la puerta y señalar el rumbo [...]. (Lope: 1989:53)

Nichtsdestotrotz sollte es über 40 Jahre dauern bis José P. Rona die „provisorische“ Einteilung untergrub und eine neue Einteilung oder vielmehr eine neue Methodik vorschlug.

3 Tierras bajas und tierras altas

Ebenfalls Henríquez Ureña hat erstmals die Begriffe tierras altas und tierras bajas in die Diskussion eingeführt. Jedenfalls bezeichnen Rosenblat (1926:31) sowie J.L. Rivarola (1990:158f.) ihn als Urvater des Begriffpaares. Rosenblat konstatiert über den Artikel “Observaciones sobre el español en América”:

Más fructífera me parece la diferenciación que también esbozó Don Henríquez Ureña, entre tierras altas y tierras bajas. Yo las distingo, de manera caricaturesca, por el régimen alimenticio: las tierras altas se comen las vocales, las tierras bajas se comen los consonantes.( Rosenblat 1926:34)

Demzufolge findet Rosenblat die dialektale Einteilung von Henríquez Ureña (im vorherigen Kapitel näher beleuchtet) wenig überzeugend, jedoch die Einteilung in Tief- und Hochlandgebiete plausibel.

In den tierras altas tritt eine variable Tendenz zur Abschwächung unbetonter Vokale bis hin zur völligen Elision auf und im Kontrast dazu ein stabiler Konsonantismus, währenddessen es in den tierras bajas[1] derweilen zu einer Schwächung der Konsonanten kommt. Dies betrifft vor allem die Realisierung des implosivem /s/. Oft wird das finale /s/ aspiriert oder es fällt ganz weg. Der Vokalismus ist im Gegensatz zu den Hochländern stabil. (Noll 2001:25-28)

Rosenblat (1926:34f.) geht davon aus, dass die genannten Unterschiede zwischen Tief- und Hochländer auf die Besiedlung der andaluces und castellanos zurückzuführen ist, denn die andaluces siedelten in den Gebieten die ihrer Heimat glichen, dementsprechend das wärmere Tiefland, währenddessen die castellanos das kältere Hochland bevorzugten.[2] Lipski (wie auch viele vor ihm und nach ihm) attackiert die Hypothese folgendermaßen:

La teoría de la acomodación climática no resiste la más mínima reflexión. En primer lugar, en España, las zonas climáticas no se relacionan con la pronunciación tan nítidamente como en Hispanoamérica. [...] En segundo lugar, nada hace pensar que los recién llegados a las colonias españolas estuvieran dispuestos a recorrer largas distancias para encontrar un clima apropiado. (Lipski 1996:21)

Demnach ist es wirklich sehr unwahrscheinlich, dass die Ähnlichkeit zwischen dem andalusischen Dialekt und den tierras bajas auf diese Weise eine Erklärung finden könnte.

Canfield macht zwar auch die Unterscheidung zwischen Tief- und Hochländer, jedoch manifestiert er den Grund dafür in den unterschiedlichen Entwicklungsstadien des andalucismo. Die zonas altas stellen den Anfang des andalucismo dar, währenddessen die zonas bajas ein andalucismo mucho más desarollado repräsentieren. (Moreno Fernández 1993:26) Von dieser These werden wir noch mehr im nächsten Kapitel erfahren.

In diesem Kapitel wurde die Einteilung in Hoch- und Tiefländer vorgestellt, die auf geografische Kriterien basiert. Auch wenn ein weitgehender Konsens über die phonischen Unterschiede der Hoch- und Tiefländer besteht, sind die Flächen zu groß um als Dialektzonen zu gelten.

[...]


[1] Man findet in der Literatur auch die Bezeichnung tierras costeras. Der Unterschied, in den beiden Bezeichnungen liegt darin, dass tierras bajas auch Paraguay und den Südosten Boliviens mit einschließt, denn mit tierras bajas wird auf die Höhe des Meeresspiegels Bezug genommen, währenddessen tierras costeras wirklich nur die Küstengebiete bezeichnen. (Vgl. Lipski 1996:20)

[2] Siehe hierzu auch Max Leopold Wagner (1920), der davon ausging, dass die Siedler vorwiegend andalusisch- extremeñischer Herkunft waren und der ebenfalls zwischen “Inseln und Küstengegenden” und “binnenländischen Gegenden” unterschied. (Noll 2001:73)

Details

Seiten
33
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640812011
ISBN (Buch)
9783640812158
Dateigröße
656 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165537
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,0
Schlagworte
einteilung hispanoamerikas dialektzonen Linguistik Lateinamerika Dialekte Spanisch Rona Henríquez Ure

Autor

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