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Ronald Reagan und Margaret Thatcher - Eine politische Freundschaft mit Schwierigkeiten

Seminararbeit 2010 13 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der erste Prüfstein im Süd-Atlantik

3. Der Tiefpunkt „Grenada“

4. Resümee

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ I liked her immediately - she was warm, feminine, gracious, and intelligent - and it was evident from our first words that we were soul mates [...]. “1

Ronald Reagan über das erste Treffen mit Margaret Thatcher

„ When we met in Person I was immediately won over by his charm, sense of humor and directness, [...] “2

Margaret Thatcher über Ronald Reagen

Durch die obigen Worte Ronald Reagans und Margaret Thatchers übereinander gestellt, wird klar, dass zwischen diesen außergewöhnlichen politischen Akteuren des letzten Jahrhunderts mehr als nur eine politische Freundschaft bestand. Ihre persönliche Verbindung ging über die Politik hinaus und überstand auch die Interessenkonflikte der Nationen, als deren Oberhäupter sie gewählt waren. Heute noch gelten sie als das „Traumduo des Konservatismus“ und werden als ideal harmonisches und homogenes Paar der Politik gezeichnet. Im Kampf gegen die Sowjetunion und die wirtschaftlichen Probleme in ihren beiden Ländern kann der Mittelpunkt ihrer Gemeinsamkeiten gesehen werden.

Doch welche Schwierigkeiten hatte dieses Verhältnis zu überstehen? Kann bei näherer Betrachtung wirklich von vollkommener Harmonie und Eintracht zwischen Ronald Reagan und Margaret Thatcher die Rede sein?

Diesen Fragen wird in dieser Arbeit auf den Grund gegangen. Dabei stehen Ereignisse, die unmittelbar die Beziehung zwischen den beiden Regierungsoberhäuptern auf die Probe stellten, im Fokus der Betrachtung. Zur Bearbeitung der Fragestellung wird ausgewähltes Quellenmaterial und ausgewählte Literatur herangezogen, um so ein Bild zu zeichnen, welches insbesondere die Tiefen des Verhältnisses zwischen Ronald Reagan und Margaret Thatcher widerspiegelt. Dabei wird zunächst auf den Falklandkrieg und dessen Auswirkungen auf ihre Beziehung eingegangen, um in einem weiteren Schritt die Kontroversen zwischen diesen beiden über die US-Invasion auf Grenada zu beleuchten. Abschließend werden die Ergebnisse der Betrachtung in einem Resümee zusammengestellt und bewertet.

2. Der erste Prüfstein im Süd-Atlantik

Die gute Beziehung zwischen Ronald Reagan und Margaret Thatcher wurde bereits früh in der Amtszeit Reagans auf eine harte Probe gestellt. Zum ersten großen Prüfstein wurde dabei Ende März 1982 die Invasion argentinischer Truppen auf den Falklandinseln, welche zu diesem Zeitpunkt seit rund 200 Jahren ein Teil des Britischen Commonwealth waren. Der Präsident der Militärjunta Argentiniens General Galtieri sah sich hohem innenpolitischen Druck ausgesetzt und wählte den Weg, diesen Druck durch ein militärisches Abenteuer zu mindern. Dabei wurde er Opfer seiner eigenen Fehleinschätzung der Prioritäten der Politik Reagans. Dieser hatte am Anfang seiner Amtszeit klar gemacht, er werde den Einfluss des Kommunismus in den Latein- amerikanischen Staaten begrenzen und bekämpfen und zu diesem Zwecke eine enge Zusammenarbeit mit den Südamerikanischen Nationen anstreben. In diesem Kontext war Argentinien einer der stärksten Partner der USA im Kampf gegen den Kommunismus in Südamerika. Diese Rolle überschätzte Galtieri und übersah auch die enge Beziehung zwischen dem Vereinigten Königreich, vertreten durch Margaret Thatcher, und den USA, repräsentiert durch Ronald Reagan.3 Der Präsident der Vereinigten Staaten machte rückblickend in seinen Memoiren klar, auf welcher Seite er von Anfang an in dieser Angelegenheit stand:

„ Not only did Margaret Thatcher and I become personal friends and share a similiar philosophy about government; the alliance was strengthened by the long special relationship between our countries born of democratic values, [...] and a friendship deepened and mellowed by fighting two world wars side by side. The depth of this special relationship made it impossible for us to remain neutral during Britain ‘ s war with Argentina over the Falkland Islands in 1982, although it was a conflict in which I had to walk the fine line. “4

Die Brisanz in diesem Konflikt lag für Reagan darin, dass er sich nicht offen auf die Seite Großbritanniens stellen konnte, da er befürchten musste, Galtieri als starken Partner im Kampf gegen den Kommunismus in Südamerika zu verlieren.5 Dies erklärt auch, warum er erstens, eine offene Parteinahme vermied und zweitens, bis zum end- gültigen Ausbruch des Konfliktes die Möglichkeit suchte, über den Secretary of State Al Haig zu einer friedlichen Lösung zu gelangen.

Margaret Thatcher ihrerseits bat Reagan, mit Galtieri das Gespräch zu suchen und ihn von weiteren Schritten abzuhalten. Reagan kam dieser Bitte nach und konstatierte am 2. April in seinem Tagebuch:

„ Last night I called the Pres. of Argentina - talked for 40 min. trying to persuade him not to invade the Falkland Islands [...]. [...] I got nowhere. This morning they landed some 1000 or so men. “6

Den Kontakt mit den Argentiniern überließ Reagan von da an Al Haig. Dieser war nun dafür zuständig, Galtieri zu Zugeständnissen zu bewegen, um so Thatcher davon abzubringen, die britische Flotte weiter auf Kurs in Richtung Falklandinseln zu halten. Die britische Premierministerin sah in Folge misstrauisch dabei zu, wie sich die amerikanische Seite darum bemühte, eine friedliche Lösung zu erarbeiten. Zu diesem Misstrauen trug auch bei, dass Al Haig nach der Invasion der Falklandinseln durch die argentinischen Truppen, das von Thatcher in Auftrag gegebene Hilfegesuch des britischen Botschafters Henderson ausschlug, materielle Unterstützung zu leisten und den Waffenhandel mit Argentinien einzufrieren. Weiterhin bewegte er Reagan dazu, keine offensichtlichen Schritte zur Unterstützung irgendeiner der beiden Seiten zu unternehmen und die Invasion durch Galtieri nicht öffentlich zu verurteilen. Dieses Verhalten stieß auf Unverständnis und Enttäuschung bei Margaret Thatcher, die sich eindeutigere Handlungen Reagans zu Gunsten des Vereinigten Königreiches gewünscht hatte.7 Für einen zusätzlichen Eklat sorgte ungewollt die UN-Botschafterin der USA Jeane Kirkpatrick. Sie war am Abend vor der Invasion der Argentinier in der argentinischen Botschaft zu einem Abendessen zu ihren Ehren eingeladen. Dieser Fakt warf ein schlechtes Licht auf die Rolle der USA in diesem Konflikt und belastete zusätzlich die Beziehung zwischen Reagan und Thatcher.

Die Bemühungen Haigs wurden nicht mit Erfolg gekrönt. Reagan notierte am 19. April konsterniert in sein Tagebuch:

„ Al H. is on his way home. Argentina made some concessions but not nearly enough.

[...] I don ‘ t think Margaret Thatcher should be asked to concede anymore “8

Neben diesem gescheiterten Versuch Haigs einen Kompromiss zu finden, der beide Seiten zufrieden stimmen würde, kam es am 29. April zum letzten Versuch, der ebenfalls zu keinem Ergebnis führte. Dies veranlasste Reagan nun zum ersten Mal öffentlich Partei zu ergreifen. Margaret Thatcher kündigte er dies in einem persönlichen Brief an:

„ We will leave no doubt that Her Majesty ‘ s Government worked with us in good faith and was left with no choice but to proceed with military action based on the right of selfdefense. “9

Trotz der Ausweglosen Lage und der verhärteten Positionen auf der argentinischen wie auch auf der britischen Seite wurden Reagan und Haig nicht müde, einen Kompromiss zu erreichen. Immer wieder versuchte Reagan durch seine persönlichen Bande zu Thatcher zu erreichen, dass weitere Kampfhandlungen ausbleiben würden. Doch immer wieder musste er erkennen, dass Margaret Thatcher nicht gewillt war, von ihrem Entschluss die Falklandinseln zurückzuerobern, abzurücken. In einem weiteren Tagebucheintrag stellte er fest:

„ I called P.M Thatcher [...]. I talked to Margaret but don ‘ t think I persuaded her against further action. “10

Der Tiefpunkt in der Beziehung beider wurde erreicht als Reagan von Seiten des brasilianischen Präsidenten erfuhr, dass die Briten eine Invasion des argentinischen Festlandes vorbereiten würden. Reagan griff unverzüglich zum Telefon, um Margaret Thatcher zu diesem Sachverhalt zu befragen. In seinen Memoiren hielt er rückblickend fest:

„ Margaret heard me out, but, demonstrating the iron will for which she is famous, she stood firm. I couldn ‘ t persuade her to make a commitment not to invade, [...]. “11 Die von Reagan befürchtete Invasion des argentinischen Festlandes durch britische Truppen blieb in der Folge aus und die Kampfhandlungen beschränkten sich weiterhin auf die Falklandinseln selbst.

[...]


1 Zit. nach Hugo Young, The Iron Lady, New York 1989, S. 250.

2 Margaret Thatcher, The Path to Power, New York 1995, S.372.

3 Vgl. Nicholas Wapshott, Ronald Reagan and Margaret Thatcher - A Political Marriage, New York 2008, S. 161-164.

4 Ronald Reagan, An American Life, New York 1990, S. 357.

5 Vgl. ebd. S. 358.

6 Ronald Reagan und Douglas Brinkley (Hrsg), The Reagan Diaries, New York 2007, S. 77.

7 Vgl. Wapshott, Ronald Reagan and Margaret Thatcher, S. 166-167.

8 Reagan und Brinkley (Hrsg.), The Reagan Diaries, S. 80.

9 Zit. nach Wapshott, Ronald Reagan and Margaret Thatcher, S. 177.

10 Reagan und Brinkley (Hrsg.), The Reagan Diaries, S. 84.

11 Reagan, An American Life, S. 360.

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640812493
ISBN (Buch)
9783640812424
Dateigröße
373 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165511
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Schlagworte
Reagan Thatcher

Autor

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