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Vergleich der Entwicklungspsychologien von Piaget und Erikson für den Beruf des Lehrers

Hausarbeit 2010 18 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Ziele der Entwicklungspsychologie

3 Ursachen der Entwicklung

4 Entwicklung und ihre Theorien
4.1 Die psychosozialen Entwicklungsstufen nach Erikson
4.2 Piagets kognitive Entwicklungspsychologie des Kindes
4.2.1 Assimilation
4.2.2 Akkommodation
4.2.3 Stufen der kognitiven Entwicklung

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Rahmen des Studiums zum B.A. Lehren und Lernen an der Leuphana Universität Lüneburg im Wintersemester 2009/2010 wurde im Modul „Psychologie der Entwicklung und Interaktion“ das Seminar „Kognitive Theorien der Entwicklungspsychologie“ angeboten. Innerhalb dieses Seminars wurden unterschiedliche Entwicklungstheorien vorgestellt. Diese Hausarbeit beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Frage, in wieweit Wissen über die kognitive Theorie Piagets und die tiefenpsychologische Theorie Eriksons im Alltag des Lehrerberufes von Bedeutung sein kann.

Es ist bekannt, dass in jeder Klasse SchülerInnen unterschiedlich weit entwickelt sind und dass ihre Wissensstände oftmals weit auseinander liegen. Besteht zwischen diesen Differenzen und den unterschiedlichen Entwicklungsstufen ein Zusammenhang? Wie unterschiedlich sich die SchülerInnen trotz gleicher Altersgruppe entwickeln und ob verschiedene Verhaltensmuster mit Hilfe der Theorien geklärt, beziehungsweise besser verstanden werden können, wird in dieser Ausarbeitung geklärt.

Dieses wird erreicht, indem vorab die Ziele der Entwicklungspsychologie und Ursachen der menschlichen Entwicklung kurz beschreiben werden. Abschließend wird ein Vergleich der beiden Entwicklungspsychologen und ihren Theorien gezogen. Zudem wird innerhalb der Kapitel stets ein Bezug zum schulischen Umfeld hergestellt.

Das Thema Entwicklung wird in der Psychologie sehr unterschiedlich bestimmt, wodurch es viele Definitionen für sie gibt. Jedoch konnten Übereinstimmungen gefunden werden, sodass man den Begriff Entwicklung als diverse Veränderungen eines Organismus definieren kann. Diese Veränderungen stehen in Abhängigkeit zueinander und bilden einen Zusammenhang. Kennzeichnend für die Entwicklung ist, dass die gesamten Veränderungen auf ein Ziel hingerichtet sind, in einer bestimmten Reihenfolge ablaufen, die nicht umkehrbar ist und dass die verschiedenen Veränderungsprozesse zu bestimmten Altersstufen zugeordnet werden können (vgl. Altenthan, 1996, S. 189).

Folglich beschäftigt sich die Entwicklungspsychologie mit dem Erleben und Verhalten eines Menschen im Laufe der Zeit. Der Begriff Entwicklung besteht aus den Begriffen ‚Erleben‘ sowie ‚Verhalten‘ und wird auf diese eingeschränkt.

2 Ziele der Entwicklungspsychologie

Die Entwicklungspsychologie hat verschiedene Ziele. Zusammengefasst untersucht sie unter anderem, wie und aus welchen Gründen sich Wahrnehmungen, Denkprozesse und Verhaltensmuster bei Kindern und Erwachsenen ändern.

Da die menschliche Entwicklung mit der Zeugung eines Individuums beginnt und erst mit dessen Tod endet, gibt es die Kinder- und Jugend-, sowie die Erwachsenenpsychologie (vgl. Altenthan, 1996, S. 187). Bei dieser Ausarbeitung wird sich die Entwicklungspsychologie auf die Kinder- und Jugendpsychologie beschränken. Ein Ziel der Entwicklungspsychologie ist die Erforschung universeller Veränderungen. Hierbei handelt es sich um die Veränderungen, die bei allen Kinder gleich sind, unabhängig von ihrer Kultur, in der sie aufwachsen und deren unterschiedlichen Erfahrungen die sie erleben. Solche Veränderungen werden vorerst nur beschrieben und anschließend erklärt. So sollen biologische Faktoren und Erfahrungen ermittelt werden, die die Kinder beeinflussen (vgl. Dorlöchter, 1997, S. 164). Dieser Forschungspunkt ist wichtig um zu erfassen, welches Verhalten für welches Alter angemessen ist. Auch elterliche oder schulische Erziehungsprozesse können dort mit eingebunden werden, sodass ihre Auswirkungen ermittelt und gegebenenfalls optimiert werden können. Ein weiteres Ziel besteht darin, individuelle Unterschiede zu erklären. Hierbei sind die verschiedenen Verhaltensmuster zu betrachten. In Kindergärten kann man bspw. gut beobachten, dass einige Dreijährige ihre Eltern ohne Probleme verabschieden. Andere Dreijährige haben große Probleme ihre Mutter gehen zu lassen und es artet in hysterischen Wein- und Brüllanfällen aus. Ein ähnliches Phänomen in der Entwicklung ist die Mathematik. Einige Kinder begreifen Rechenprozesse in der Schule sehr schnell und andere bekommen Schwierigkeiten.

Die Aufklärung der individuellen Unterschiede kann bspw. helfen die staatlichen Förderprogramme gezielter anzuwenden und zu verbessern (vgl. ebd., S. 164). Durch das Herausfinden der individuellen Fähigkeiten eines Kindes sind Eltern auch besser informiert, wenn es bspw. um die Entscheidung des (weiterführenden) Schulbesuches geht.

Ein weiterer Forschungsbereich, mit dem sich die Entwicklungspsychologie beschäftigt ist der Kontext eines Kindes. Mit Kontext ist das Umfeld gemeint, das das Verhalten des Kindes beeinflusst (vgl. ebd., S. 164). Ein Beispiel ist die Lesesozialisation eines Kindes. Aufgrund empirischer Untersuchungen lässt sich relativ genau sagen, dass Kinder, die ein positives Leseklima in der Familie haben, später in der Schule folglich weniger Schwierigkeiten beim Lesen und verstehen von Texten haben werden, als Kinder, bei denen von Haus aus wenig gelesen und vorgelesen wurde (vgl. Garbe, 2008, S. 186- 187). Der Kontext umfasst allerdings nicht nur die Familie, sondern auch Nachbarschaft, Lehrer und vor allem die Peergroup. All diese Aspekte, die die Entwicklung des Kindes beeinflussen, werden benötigt, um ein Verständnis für die Entwicklung zu schaffen. Die Gewichtung der Ziele ist unterschiedlich und hängt von den verschiedenen Psychologen und deren Art und Orientierung der zu untersuchenden Fragestellung ab (vgl. Dorlöchter, 1997, S. 165).

3 Ursachen der Entwicklung

Die eben erläuterten Ziele sind bestimmt von verschiedenen Bedingungen, wie bspw. dem Freundeskreis oder den angeborenen biologischen Faktoren. Alle Bedingungen, die die Entwicklung eines Menschen beeinflussen und in Gang halten, werden Entwicklungsfaktoren genannt, die sich drei Gruppen von Faktoren zuordnen lassen (vgl. Altenthan, 1996, S. 189).

- die endogenen Faktoren
- die exogenen Faktoren
- die autogenen Faktoren

Bei endogenen Faktoren handelt es sich um ein vorgeschriebenes Schema, das bei jedem Menschen vorhanden ist. Dieses Schema sorgt für eine normale Entwicklung, die allerdings nur zustande kommen kann, wenn bestimmte genetische Bedingungen erfüllt sind (vgl. ebd., S. 189). Wenn also eine Schädigung des genetischen Materials vorliegt, wie beispielsweise bei der Trisomie 21, wird die Entwicklung schwer gehemmt.

Endogene Faktoren sind also Kräfte, die bei der Geburt vorliegen und den Entwicklungsprozess auslösen und in Gang bringen. Zu diesen Kräften gehören das Wachstums- und Entwicklungspotential, bestimmte Prozesse des Organismus wie der Zell- und Organaufbau, der Stoffwechsel, das Wachstum, die Bewegung, Reizbarkeit oder die Fortpflanzung. Entwicklung des Nervensystems, der Sinnesorgane und der Muskulatur sind ebenfalls durch die endogenen Faktoren bedingt (vgl. ebd., S. 189). Die endogenen Faktoren sorgen dafür, dass Veränderungen immer in einer bestimmten Reihenfolge ablaufen und nicht umkehrbar sind. Die exogenen Faktoren sind Reize, die das Kind durch seine Umwelt aufnimmt und Entwicklungsprozesse auslösen, beziehungsweise die Entwicklung in Bewegung halten. Die Umwelteinflüsse sind meist die Faktoren, die eine gesunde Entwicklung ermöglichen oder aber auch Entwicklungsstörungen hervorrufen. Die exogenen Faktoren sind ausschlaggebend für die Entwicklung der Persönlichkeit (vgl. ebd., S. 189).

Ein Beispiel findet man in der Sprachentwicklung. Die äußeren Umwelteinflüsse legen fest, welche Sprache wie, in welchem Alter gesprochen wird. So sprechen Menschen in Bayern ein anderes Deutsch als in Hannover. Autogene Faktoren beziehen sich auf den Willen des Kindes. Setzt sich das Kind von alleine heraus, als aktives Wesen mit seiner Umwelt auseinander spricht man von autogenen Kräften. Das Kind nimmt somit selbst Einfluss auf seine Entwicklung. Die Wirkung von endogenen und exogenen Faktoren können von den autogenen Faktoren beeinflusst werden. Sie können die Entwicklung hemmen, sowie fördern (vgl. Altenthan, 1996, S. 189). Ein Beispiel findet man erneut bei Kindern in der Sprachentwicklung. Es gibt Kinder, die von sich aus gerne und viel reden. Sie sprechen alles nach, was sie hören und haben einen großen Mitteilungsbedarf. Andere Kinder wiederum sind schüchtern und verschlossen. Sie fördern ihren Spracherwerbsprozess weniger, sondern hemmen ihn vielmehr. Endogene, exogene und autogene Faktoren wirken bei Entwicklung eines Individuums zusammen und beeinflussen sich wechselseitig und lassen im Zusammenwirken die Entwicklung voranschreiten.

Die endogenen Faktoren legen bspw. Fest, wie groß ein Mensch wird. Die tatsächliche Größe wird jedoch durch die Ernährung bestimmt, also durch die von außen rantretenden Reize der Umwelt. Hier liefern sich endogene und exogene Faktoren ein Wechselspiel. Anlagen, Umwelt und der Mensch selbst beeinflussen sich gegenseitig. Die Anlage stellt das Rohmaterial dar, das von der Umwelt und von den Genen gegebene Potential beeinflusst wird (vgl. Oerter, 1998, S. 457).

4 Entwicklung und ihre Theorien

In der früheren Entwicklungspsychologie ging es primär darum, die Veränderungen von psychischen Fähigkeiten, Funktionen und Kräften genau zu beschreiben und deren Ursache herauszufinden. In der moderneren Psychologie geht es vor allem darum, diese Veränderungen zu Erklären. Es sollte nun erforscht werden, wie bestimmte Ursachen und Wirkungen zusammenhängen (vgl. Altenthan u.w., 1996, S. 169). Die durch Entwicklung bedingten Veränderungen des Erlebens und Verhaltens sind mit Hilfe von verschiedenen Theorien zu erklären. Die Lerntheorie, die tiefenpsychologische Theorie, sowie die kognitiven Theorien sind an dieser Stelle von Bedeutung. Wichtig ist, dass man die unterschiedlichen Theorien nicht vollständig voneinander abgrenzen kann, da es oftmals Überschneidungen gibt.

Das Lernen durch Einsicht ist bspw. eine Lerntheorie, jedoch wird es auch zu den kognitiven Theorien gezählt (vgl. Altenthan u.w., 1996, S. 169). Wichtige Vertreter der Theorien sind P. Pawlow im Rahmen der Lerntheorien, J. Piaget im Bereich der kognitiven Theorien und Sigmund Freund in der Tiefenpsychologie. Da der amerikanische Psychoanalytiker E. Erikson die Phasentheorie Sigmund Freuds erweiterte, wird auch er in den Bereich der tiefenpsychologischen Theorien eingeordnet. Im Rahmen dieser Ausarbeitung wird nun auf zwei wichtige Vertreter der Entwicklungspsychologie eingegangen, die beispielhaft die tiefenpsychologischen und die kognitiven Theorien darstellen.

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Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640810604
ISBN (Buch)
9783640810611
Dateigröße
607 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165479
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
2,3
Schlagworte
Piaget Entwicklungspsychologie Erikson

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