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Jugendkultur in George Lucas' "American Graffiti" und Peter Freeses Kernelemente in „The American Dream: Dream or Nightmare?“

Seminararbeit 2000 11 Seiten

Amerikanistik - Kultur und Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Amerikanische in American Graffiti

3 DerzeitlicheRahmen

4 Der Glaube an „progress“, „general attainability of success“ und die Bedeutung von „frontiers“ für die Jugendlichen

5 Freiheit und Gleichheit

6 Neuanfänge und die Bereitschaft zur Mobilität

7 Verschwiegene Elemente: „manifest destiny, multi ethnicity”

8 Abschlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Es ist wahr und ein Klischee zugleich, dass Hollywoodfilme die amerikanische Gesellschaft und Kultur widerspiegeln. Ebenso wahr und gleichsam klischeebeladen ist, dass Hollywoodfilme versagen, die amerikanische Gesellschaft widerzuspiegeln. Einerseits besitzen sie einen klaren und aussagekräftigen Charakter, doch verschleiern und verschweigen sie andere wichtige Aspekte der amerikanischen Kultur der im Film dargestellten Zeit. [1] Ein Aspekt, unter dem man sich George Lucas' Filmerfolg American Graffiti[2] nähern kann, ist die Frage, inwiefern für die Jugendkultur die Idee des „American Dream“ realisiert ist, den auch Peter Freese in seiner Untersuchung „The American Dream and the American Nightmare: A Survey“ hinterfragt. [3] So spiegelt Lucas in seinem semi-autobiografischen Film über vier amerikanische Jugendliche an einem Spätsommerabend in Kalifornien des Jahres 1962 deren Träume, Hoffnungen und Albträume im Einklang mit Freeses „constitutive elements of the American Dream“[4] wider. Die Träume der Jugendlichen sind aber, genau wie der Amerikanische Traum, nicht für alle gleichermaßen erfüllbar. Peter Freeses Kernelemente des Amerikanischen Traums „progress, success, frontiers, liberty, equality“ und ebenfalls erwähnten Aspekte „youth“, „mobility“ und „new beginnings“ sind nicht nur innerhalb Lucas' American Graffiti präsent, sie waren sogar Voraussetzung für dessen Entstehung. George Lucas integriert 1972, bewusst oder unbewusst, die konstituierenden Elemente des Traums in seiner Darstellung von Teenagern (seiner wirklichen Freunde) im Jahre 1962: „progress of youth, success of youth, frontiers of youth, liberty of youth, equality of youth, mobility of youth“ und „new beginnings of youth“. Nach einer kurzen Übersicht über den amerikanischen Charakter und den zeitlichen Rahmen werde ich im Folgenden die oben genannten Konstituenten des Amerikanischen Traums und ihre Bedeutung für die Jugendkultur in American Graffiti untersuchen.

2 Das Amerikanische in American Graffiti

Graffiti ist ein ursprünglich italienisches Wort und bedeutet Zeichnung oder Aufschrift auf Wänden, beiläufig, komisch, unmittelbar. Kultur selbst ist kein feststehender Begriff und es gibt viele unterschiedliche Ansätze, Kultur zu untersuchen. „Some look at clothes, others at cars,” so George Lucas. [5] Lucas legt seinen Schwerpunkt auf die Jugendkultur und ihre besondere Neigung zu Automobilen. In einem Interview zum 25­jährigen Jubiläum von American Graffiti sieht Lucas den einzigartigen amerikanischen Charakter darin, dass Teenager mittels Automobilen auf Partnersuche gehen: „Cruising was a uniquely American mating ritual involving automobiles“. [6] Wie kommt es also zu einer solch intensiven Leidenschaft für Automobile? Die Aufenthaltsorte der Jugendlichen sind abgesehen vom „Hop“, der einmalig im Jahr für den Schulabschlussball umfunktionierten Schulaula, auf das Schnellrestaurant Mels Drive­In, die Straßen der Stadt und einen Autofriedhof beschränkt. Es gibt scheinbar keine Beschäftigungsmöglichkeiten für die Jugend, da die gesetzliche Altersgrenze für Diskotheken und Bars (aufgrund des Alkoholausschanks) bei 21 Jahren liegt. Der Führerscheinerwerb ist hingegen mit Einschränkungen mit 14 Jahren möglich, was die Tatsache erklärt, dass sich viele Jugendliche ihr Auto zum Hobby machen. Der Einfluss der amerikanischen Legislative und insbesondere die Auswirkungen auf die Jugendkultur in bezug auf Liberalität ist signifikant. [7] Wenn auch nicht in den Mittelpunkt gerückt, bezeugen neben der Automobilkultur, Verhaltensweisen und Konversationen der Teenager, Modeerscheinungen, Musik und Radiosendungen den typischen amerikanischen Charakter dieser Ära.

3 Der zeitliche Rahmen

Mit dem Ausklingen der 50er Jahre, die durch rasantes ökonomisches Wachstum, verbreiteten Wohlstand, starkes Bevölkerungswachstum, die automobile Revolution, aber auch wachsende außenpolitische Spannungen gekennzeichnet sind, beginnt eine Zeit des Umbruchs, die Lucas zum Schluss des Filmes auszudrücken versucht. [8]

There's no message or long speech, but you know that, when the story ends, America underwent a drastic change.

The early sixties were the end of an era. It hit us all very hard. [9]

Die Darstellung der Stadt Modesto ist repräsentativ für amerikanische Wohnverhältnisse in den 50er Jahren und den Suburbanisationsprozess. [10] Im Zuge des ökonomischen Wachstums stand auch ein Anstieg der Militärausgaben, hervorgerufen von der wachsenden Angst vor der russischen Supermacht, der Koreakrise 1950 bis 1953 und des 1957 startenden Vietnam Konfliktes. [11]

Die im Film festgehaltene Zeit umfasst lediglich den Zeitraum weniger Stunden, beginnend mit dem Sonnenuntergang über der Stadt und abschließend mit den Impressionen des Flugzeugstarts als Zeichen eines Neuanfangs zum Anbruch des neuen Tages.

4 Der Glaube an „progress“, „general attainability of success“ und die Bedeutung von „frontiers“ für die Jugendlichen

Während zwei der Highschool-Graduenten, nämlich Steve Bolander und Curt Henderson aufbrechen, um im Osten der USA aufs College zu gehen, bleiben die beiden anderen, John Milner und Terry Fields, im Kleinstadtalltag gefangen. Peter Freeses „general attainability of success“ ist in American Graffiti auf den gemeinsamen Highschool­Abschluss zu übertragen. Der Glaube an Fortschritt ist allerdings abhängig von Stipendien.

Hier spaltet sich die Zieltheorie mit der Wirklichkeit: ohne finanzielle Unterstützung ist es den High-School-Graduenten trotz Abschluss kaum möglich, ihre Karriere voranzutreiben. Am Vorabend des Aufbruchs blicken Steve und Curt auf ihre Vergangenheit zurück und verabschieden sich auf einem Abschlussball von ihren Lehrern und Freunden, währenddessen die „Verlierer“ gelangweilt durch die Straßen der Stadt fahren („cruising“).

Die Musik aus den Lautsprechern der Autoradios erzeugt mit ihren typischen Themen des Amerikanischen Traums von Freiheit, Erfüllung und Liebe einen fast komischen Effekt im Kontrast zu den desillusionierten Jugendlichen. Ihre Realität beschränkt sich auf monotone, täglich wiederkehrende Erlebnisse, die parallel zum kreisförmigen Herumfahren in den Straßen der Stadt steht. [12] So reagiert John Milner auf das Beach Boys Lied „Surfin Safari“ im Radio abrupt, indem er wütend die Lautstärke zurücksetzt. Er sieht scheinbar keine Zukunft für sich, und hat auch kein Interesse an den Liedern von Freiheit und Erfüllung. Tatsächlich ist er mit dem Wagen noch immer unterwegs, auf der Suche nach seinem Glück. In Hinblick auf die absichtlich entfernte Motorhaube seines Autos und den Bekanntheitsgrad bei der örtlichen Polizei (er besitzt eine umfangreiche Sammlung von Strafzetteln im Handschuhfach) erweckt Milner den Eindruck des Revolutionärs („rebel without a cause“). Sein Erfolg ist sein Ruf, der schnellste Fahrer auf der Straße zu sein. Seine „frontier“ ist die Landstraße außerhalb der Stadt, die er abgesehen von illegalen Autorennen, nicht überschreiten kann. Aus dem Abspann erfahren wir, dass seine Zukunft auch auf der Straße endet. Lediglich zwei Jahre später wird er in einem Unfall mit einem betrunkenen Fahrer getötet.

Das Kernelement des Erfolgs ist also ein zweischneidiges Schwert mit einer scheinenden und einer dunklen Seite. Erfolg für den einen heißt auch immer Misserfolg für jemand anderen. Der Unterschied lässt sich nur im Vergleich beider miteinander herausstellen. Dieses binäre Prinzip überträgt George Lucas 1977 auf den ständigen Kampf zwischen Gut und Böse und macht es zum Grundgedanken und Mittel zur Spannungserzeugung in seinem Science-Fiction Film „Krieg der Sterne“.

[...]


[1] Susie Linfields, „Politics in Motion Pictures: Art & Society - United States,“ Nation, Vol. 268 (1999) : Issue 13, p36, 4p.

[2] Chris Nashawaty, „American Graffiti: Motion Pictures- Production & Direction,” Entertainment Weekly. (1999) : Issue 474, p94, 7p, 1c, 4bw.- Bei einem Budget von 750.000 Dollarn und einer Besetzungvon Unbekannten spielte American Graffiti bei seiner Erstveröffentlichung 55 Millionen Dollar ein. 1974 wurde American Graffiti für fünf Oscars nominiert: „Best Picture, Best Director, Best Film Editing, Best Original Screenplay“ und „Best Supporting Actress“.

[3] Peter Freese, The American Dream: Dream or Nightmare? (Essen: Verlag Die Blaue Eule, 1994) 67-95.

[4] Freese, 94.

[5] John Baxter, Mythmaker: The Life and Work of George Lucas (NewYork: Avon Books, Inc, 1999) 107.

[6] American Graffiti-25th Anniversary Edition Dir. George Lucas. (Universal Pictures, 1998). Im Anschluss an den Hauptfilm enthält die Jubiläumsausgabe Hinweise zur Produktion, ein Interview mit George Lucas und American Graffiti Darstellern.

[7] Die Frage, ob geltende Jugendschutzgesetze in den USA ihren Zweck tatsächlich erfüllen, sollte Aufgabe einer gesonderten wissenschaftlichen Arbeit sein.

[8] Irving Bernstein, Promises Kept-John F. Kennedy's New Frontier (New York/Oxford: Oxford University

Press 1991) 8-43.

[9] John Baxter zitiert George Lucas in Mythmaker: The Life and Work of George Lucas (NewYork: Avon Books, Inc, 1999) 106.

[10] Alan Brinkley, The Unfinished Nation (NewYork: McGraw-Hill, Inc. 1993) 779.

[11] Robert Higgs, „U.S. ¡Military Spending in the Cold War Era,“ PolicyAnalysis, (30 November, 1998) 114. http://www.cato.org/pubs/pas/pa114es.html.

[12] Mario Klarer, Einführung in die Anglistisch-Amerikanistische Literaturwissenschaft (Darmstadt: Primus Verlag, 1998) 84.

Details

Seiten
11
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783640810970
ISBN (Buch)
9783640811229
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165473
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Anglistik und Amerikanistik
Note
2,0
Schlagworte
jugendkultur george lucas american graffiti peter freeses kernelemente dream nightmare

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