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Die Themen der italienischen und deutschen Prosa in den 60-er Jahren

Hausarbeit 2009 14 Seiten

Literaturwissenschaft - Moderne Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Kultur und Literatur

3. Die italienische Prosa der 60er Jahre

4. Die deutsche Prosa der 60er Jahre

5. Der Vergleich

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Kulturvergleich liegt in der menschlichen Natur. Ständig vergleicht man sich mit anderen Personen. Ein Kulturvergleich eröffnet somit auch der Kulturwissenschaft neue Möglichkeiten. Er hilft zum Beispiel dabei Phänomene der fremden aber auch der eigenen Kultur besser zu erkennen und zu verstehen. Stereotype werden analysiert und herausgebildet.

Außerdem kann man durch ihn Fettnäpfchen vermeiden, die Missverständnisse und Konflikte auslösen können.

In der vorliegenden Arbeit werden die Themen der italienischen und deutschen Prosa der 60er Jahren deskriptiv verglichen, um zu zeigen was die Nationen zu der Zeit bewegte. Aufgrund des Umfangs beschränkt sich diese Arbeit nur auf die Prosa der 60er Jahre. Es geht also darum, vergleichend darzustellen, was die italienischen und deutschen Autoren der Bundesrepublik berührte, worüber sie nachdachten, was sie erzählten und was sie letztendlich kritisierten. Es soll herausgestellt werden, ob es Gemeinsamkeiten gibt und in welchen Punkten sich die Themen der erzählenden Literatur unterscheiden.

Zunächst soll der Zusammenhang zwischen Literatur und Kultur betrachtet werden. Beide Begriffe werden kurz definiert, um anschließend zu zeigen, in wie fern Literatur ein Kulturgut ist. Danach werden die Prosathemen der beiden Länder, Italien und Deutschland, einzeln betrachtet, um dann den Vergleich durchzuführen, dessen gewonnenen Erkenntnisse zum Schluss zusammenfassend dargestellt.

Diese Arbeit basiert hauptsächlich auf Werken, die die Literaturgeschichte des jeweiligen Landes zusammenfassen, wie zum Beispiel „Geschichte der italienischen Literatur“ von Manfred Hardt oder die die „Neue deutsche Literaturgeschichte“ von Peter J. Brenner. Man findet viele solcher Werke, doch Literatur, die bereits einen Vergleich vollzieht, habe ich nicht gefunden.

Demnach, denke ich, ist diese Arbeit ein erster Ansatz für solch einen Vergleich.

2. Kultur und Literatur

Kultur ergibt sich aus dem menschlichen Handeln, die durch Symbole, Rituale, Werten und Normen zum Ausdruck kommen.[1] Es ist also all jenes, was Teil des menschlichen Lebens ist und nicht von der Natur gegeben ist. Sie wird somit als eine individuelle Errungenschaft angesehen.[2] Kultur soll zu dem ihr Wissen über Literatur, Sprache, Kunst, Medien, sozialen Lebens- und Handlungsformen zusammenfassen und ihre Zusammenhänge erklären, also die in den zeichen- und symboltheoretisch begründeten Kulturwissenschaften unterschiedenen Dimensionen (material, sozial und mental) untersuchen.[3]

Die materiale Dimension umfasst alle Artefakte einer Gesellschaft, wie mediale Ausdrucksformen, also Literatur, Kunst, Theater und Filme, aber auch Architektur, Kleidung und andere Gebrauchsgegenstände gehören dazu. Diese materiellen und ökonomischen Aspekte werden in der italienischen Kulturwissenschaft als civilizazione bezeichnet. Die geistige Dimension einer bestimmten Epoche nennt man hier civiltà, die dann noch weiter in incivilmento, die fortschreitende Entwicklung der civiltà und der cultura, das intellektuelle Leben und die Selbstreflexion einer Gesellschaft zu einer bestimmten Epoche.[4]

Dies entspricht also der mentalen Dimension, die alle Mythen, Werte, Normen, religiösen und politischen Überzeugungen etc. vereint.

Die soziale Dimension beinhaltet unter anderem die gesellschaftlichen Handlungsweisen, Rituale, Kommunikationsformen und gesellschaftliche Institutionen.[5]

Als Literatur werden im Allgemeinen alle schriftlich überlieferten Zeugnisse bezeichnet.[6] Literatur kann aber auch als eine Form von Kommunikation, und zwar als alle geschriebene Kommunikation, definier werden. Somit ist sie in die soziale Dimension einordbar.[7] Als mediale Ausdrucksform, die Literatur durch ihre Verschriftlichung wird, ist sie auch immer ein Artefakt und folglich Teil der civilizazione bzw. der materialen Dimension.

Auch wenn man, die „Grunddefinition“ von Kultur betrachtet, kann man Literatur als Kulturform identifizieren. Demnach ist Kultur alles, was vom Menschen geschaffen wurde und nicht naturgegeben ist. Literatur als schriftliches Zeugnis oder Kommunikationsform braucht immer einen Verfasser, der einen Text verfasst, welcher an einen Leser adressiert ist.[8]

Literarische Texte sind also von Menschen für Menschen gemacht und kann somit als Kulturprodukt angesehen werden.

3. Die italienische Prosa während der 60er Jahre

Anfang der 40er Jahre bis Mitte der 50er Jahre war die Zeit des Neorealismus. Es gab fortschrittliche Momente der Realitätsbewältigung. Themen dieser Literaturbewegung sind vor allem die Widerstandsereignisse des Krieges, die Resistenza und der Partisanenkrieg[9], wobei Umgangs- und Alltagssprache, sowie regionalen und dialektalen Elemente, verwendet wurden, um Volksnähe hervorzurufen.[10] So erschien 1950 die Erzählung „ La Garibaldina“ von Elio Vittorini, die von den Abenteuern und Liebschaften einer Baronin unter Garibaldis[11] Gefolge handelt.[12] Ein weiteres Beispiel dafür wäre auch der Erzählband „Racconti della guerra civile“ von 1949, der 1952 unter dem Titel „ I ventitre giorni della città di Alba“ neu erschien. Die Titelgeschichte beinhaltet die Befreiung der Stadt Alba durch die Partisanen und ihre darauffolgende Regierung, die 23 Tage dauerte.[13] Auch Italo Calvino widmete sich, in seinem ersten Roman „Il sentiero dei nidi di ragno“ von 1947 dem Partisanenkrieg[14]

[...]


[1] Vgl. Sommer, Roy: Grundkurs Cultural Studies/ Kulturwissenschaft Großbritannien. Stuttgart: Ernst Klett Sprachen GmbH, 2003, S.8.

[2] Vgl. Baasner, Frank/ Valeria Thiel: Kulturwissenschaft Italien. Stuttgart: Ernst Klett Sprachen GmbH, 2004, S.7, S.11.

[3] Vgl. Sommer, Roy (2003), S.8f. ; Baasner, Frank (2004), S.7.

[4] Vgl. Baasner, Frank (2004), S.10.

[5] Vgl. Sommer, Roy (2003), S.8.

Vgl. Liebhold, Christine/ Martin Werner (Hrsg.): Das neue große farbige Lexikon. Niederhausen: Bassermann, 1988. S.416.

Vgl.Nünning, Ansgar/ Vera Nünning: An Introduction to the Study of English and American Literature. Stuttgart: Klett Lernen und Wissen GmbH, 2008, S.11.

[8] Vgl. Ebd.

[9] Partisanen: bewaffnete Kämpfer, die nicht zur regulären Streitmacht des Staates gehören

Vgl. Hardt, Manfred: Geschichte der italienischen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Düsseldorf: Artemis & Winkler, 1996, S. 716f.

[11] Garibaldi: Protagonist der italienischen Einheitsbewegung

[12] Vgl. Hardt, Manfred (1996), S. 723.

[13] Vgl. Ebd., S. 731.

Vgl. Hösle, Johannes: Die italienische Literatur der Gegenwart. Von Cesare Pavese bis Dario Fo. München: Beck, 1999, S. 128.

Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640808687
ISBN (Buch)
9783640808908
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165304
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Romanistik
Note
1,3
Schlagworte
Italien Deutschland 60er Prosa Themen Vergleich

Autor

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