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Oral History: Forschung mit Schülern - ein sinnvolles Unterfangen außerhalb der Schule?

von Boris Meder (Autor)

Referat (Ausarbeitung) 2004 9 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Hauptteil: oral history
a) Entstehung und Nutzung der oral history
b) Das Interview
c) Interviewtexte
(1) Lesbarkeit
(2) Vorgehensweise
(3) Auswertung
(4) Funktionalität
(5) Problematik
(6) Praktischer Gebrauch

3) Fazit

1) Einleitung

Die vorliegende schriftliche Ausarbeitung befasst sich mit dem Thema „oral history“. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt zunächst in der Entstehungsgeschichte des oral history, wobei anschließend die Voraussetzungen für ein oral history geführtes Interview erklärt werden. Das Interview selbst, auch Erinnerungsinterview genannt, dient als Einleitung zum Thema, welches vom zweiten Referenten behandelt wird. Dort liegt der thematische Schwerpunkt auf den methodischen und didaktischen Vorgehens- und Auswertungsweisen solcher Interviewtexte. Auch werden die Problemfelder und die Anwendbarkeit jener Texte kritisch untersucht und beleuchtet. Zum Schluss erfolgt ein kurzes Fazit zur Gesamtthematik.

2) Hauptteil: oral history

a) Entstehung und Nutzung der oral history

Oral history als Zweig der Geschichtswissenschaft entstand in den USA der 40er Jahre. Zwei verschiedene Gründe sind hier für die „plötzliche“ Nutzung von mündlichen Quellen zu benennen:

- Das historische Interesse wandte sich unter einem anderen Gesichtspunkt „schriftlosen“ Kulturen wie den Indianern und Sklaven zu. Die mündlich überlieferten Quellen erlaubten einen Einblick in die Gefühls- und Erlebniswelt von Kulturen, die nie eine eigene „Stimme“ hatten. Die oral history Forschung ermöglichte die Geschichte aus dem Blickwinkel der „schriftlosen“ Kulturen zu sehen, deren Erfahrungen und Erlebnisse ein Historiker jetzt viel präziser und veranschaulichter nachvollziehen konnte.
- Zudem wurde die oral history eine wichtige Methode zur Erforschung der politischen Zeitgeschichte. Durch Experteninterviews versuchte man politische Entscheidungsprozesse auf Regierungsebene in einer Gesellschaft zu verstehen, da entsprechende Akten zunächst z.B. im Privatbesitz des ehemaligen Präsidenten verblieben.

Etwa dreißig Jahre später, in den 70er Jahren, wurde die oral history auch erstmals in Europa genutzt. Anders als in den USA war die oral history schon immer an die Sozialgeschichte gebunden und unterstützte die Erforschung sozialer Gruppen, wie die Unterschicht, Frauenbewegungen oder Minoritäten.

Das heißt nicht, dass sich die Geschichte nicht mit diesen Gruppen auseinandergesetzt hat. Sie wurden in den Akten erwähnt, jedoch ähnlich wie bei den Indianern und Sklaven nur durch den äußeren, also extern geprägten Eindruck der Historiker und unter Verlust der persönlichen Erlebnisse und Meinungen diese Gruppierungen. In der Bundesrepublik Deutschland wurde der oral history als Forschungsansatz zu einer bevorzugten Methode, um die Geschichte der politischen Opfer des Nationalsozialismus nachvollziehen zu können. Zudem bediente man sich dieser Methode auch zur Erforschung von subjektive erlebten Erfahrungen der Menschen im sozialistischen System der DDR. Zu Beginn wurde die oral history von konservativ geprägten und traditionalistischen Richtungen der Geschichtswissenschaft auf Distanz gehalten. Zunächst diente sie lediglich als Ersatzquelle für fehlende oder stark verzerrte schriftliche Quellen. Schließlich bestand die Gefahr darin, dass das Interview unvollständig und stark persönlich „gefärbt“ sein könnte. Die zeitliche Komponente kommt erschwerend hinzu (länger zurückliegende Geschichte kann nicht detailgetreu von einer einzelnen Person wiedergegeben werden.), und für den Interviewten ist es sehr schwer, seine Erlebnisse in treffende Worte zu fassen. Die Kontrolle und Überprüfung jener getroffenen Aussagen stellt somit den immanentesten und zugleich schwierigsten Teil der Aufgabe da. Das Ziel ist dann, den objektiven Gehalt der Aussage herauszufiltern. Bereits wird deutlich, wie zeitaufwendig und intensiv die einzelnen Befragungen sein können; zudem muss der Historiker bei der darauf folgenden Auswertung neben Verwendung anderer Quellen auch andere Interviewtexte zum gleichen Thema analysieren und bewerten.

b) Das Interview

Zu Beginn der oral history wird ein gemeinsames Erinnerungsinterview produziert. Der Interviewer regt durch Fragen und Impulse den Befragten zu Erzählungen über seine persönlichen Erinnerungen an. Dabei ist auch die Haltung des Interviewers enorm wichtig: Dieser schreibt ständig mit und sollte Interesse an dem Erzählten bekunden, damit die befragte Person zu weiteren Erzählungen motiviert wird. An dieser Stelle sollten ergänzende Alternativen wie Video- und Tonbandaufzeichnungen erwähnt werden. Diese könnten jedoch die interviewte Person nervös werden lassen, da diese sich eventuell beobachtet fühlen könnte und nicht „aus sich heraus geht“. Es lassen sich zwei Arten von Interviews unterscheiden: „Das thematische Interview, bei dem der Befragte zu einem ganz bestimmten Sachverhalt , sei es ein Ereignis oder ein Stück Alltagswelt oder eine begrenzte biographische Erfahrung, Auskunft gibt,(zweitens gibt es) das biographische Interview, bei Dem die ganze Lebensgeschichte in den Zusammenhang einer Epoche, historische Brüche und Kontinuitäten gestellt werden soll.“, (Zitat nach Dorothee Wierling, S. 237) Bei allen Interviews handelt es sich um offen und narrativ gehaltene Interviews, damit die Wahrscheinlichkeit erhöht wird, das der Befragte einen so genannten „Kontrollverlust“ erfährt und so in seinen Erzählungen versinkt und mehr erzählt als er sich vorgenommen hatte. Bei der Gesprächsführung gilt es, dass der Interviewer sich hauptsächlich aus den Erzählungen raus hält.

[...]

Details

Seiten
9
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783656348641
ISBN (Buch)
9783656349082
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165272
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2,0
Schlagworte
oral history Geschichte Geschichtsdidaktik Geschichtsunterricht

Autor

  • Boris Meder (Autor)

    3 Titel veröffentlicht

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Titel: Oral History: Forschung mit Schülern - ein sinnvolles Unterfangen außerhalb der Schule?