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Zusammenhang zwischen Subjektivität und Normativität

Der Umsturz der alten Metaphysik und der Beginn der Neuzeit

Essay 2010 6 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Die Aufklärung

1. Subjektivierung

2. Ethisierung der Metaphysik

3. Die Normativität der Ratio

Quellen:

Die Aufklärung

Der Verlust des Glaubens an einen christlichen Gott oder an die Autorität der christlichen Kirche ist durch Konfessionskriege in Europa und den Vormarsch der Rationalität der Aufklärung begleitet worden. Die Menschen berufen sich auf ihr innerstes Vermögen, eigene Entscheidungen zu treffen, um sich kraft des Verstandes von den überlieferten Dogmen und Normen der Kirche zu lösen. Der Mensch klärt sich auf.

Jahrhunderte gehen vorüber, ehe alte Machtstrukturen an Einfluss verlieren und abgelöst werden können. Die alte ‚ordo’ und mit dieser der Glaube an eine göttliche Ordnung der Welt, war tief im abendländischen Denken verankert. Demnach war die Rechtsphilosophie bis zur Neuzeit geprägt durch die Berufung auf objektive normgebende und dem Menschen vorgeschobene Instanzen, wie die Natur oder ein göttliches Wesen. Pflichten und Rechte des Menschen fanden ihre Begründung in den Geboten eines Gottes.

Wenn im Mittelalter beispielsweise bei Thomas von Aquin von Rechten gesprochen wurde (lex oder ius naturale), war damit die Tugendpflicht, das „Rechte“ zu tun, gemeint: „That an act is right does not imply that anyone at all has a right to it“[1]. Diese Auffassung hielt sich im Form des Naturrechts (oder Naturgesetzes) bis zum Anfang der Neuzeit.

Thomas Hobbes war es, der ein Fundament geschaffen hat, auf dem Rechte ohne Bezug auf eine äußere Instanz begründet werden konnten[2]. Er bricht mit der Tradition im Verständnis des Naturrechts, „indem er an ihre Stelle das kalkulierende individuelle Selbstinteresse setzt“[3] und löst damit die alte Rechtsphilosophie ab. Die Naturgesetze wurden, mit Kant gesprochen, zu bloßen Klugheitsregeln (consilia) und galten nicht mehr als ein Symbol der göttlichen Ordnung.

Die Freiheit, die später bei Kant zum alleinigen Grund für die Mündigkeit des Menschen wird, diente auch für Hobbes in einem gewissen Verständnis als Grundlage für die Ordnung des Staates. Denn durch diese Freiheit konnte der Mensch das tun, was er für richtig hielt[4]. Damit aber ein Zusammenleben gesichert werden könne, müsse der Einzelne seine unmittelbare Freiheit aufgeben und sich mit anderen Individuen auf einen Vertrag der Gegenseitigkeit einigen. Dadurch entstand ein Staat aufgebaut auf den kontinuierlichen Stufungen des individuellen auf Selbsterhaltung bedachten Eigenwillens[5].

Doch wie kann aus der Heteronomie der Eigenwillen ein Zusammenleben organisiert werden? Oder anders:

„Wie konnte die Idee der volonté générale wirklicher Wille werden? [...] Damit eigennützige Interessen nicht antagonistisch, sondern vereinbar sind, muß ihnen ein der individuellen Kalkulation entzogener Zusammenhalt vorausliegen. Damit Verträge zustande kommen und gehalten werden können, muß es erst vertragsfähige Subjekte geben.“[6].

Es entstand demnach eine neue Problemlage, denn die Frage nach der Vertragsfähigkeit des Individuums konnte nicht mehr unter Berufung auf eine göttliche Instanz begründet werden.

Kant ist es, der eine vorläufige Antwort auf diese Frage gefunden zu haben scheint, indem er die Metaphysik der alten Ordnung „vom Sockel reißt“, und ein neues „Erkenntnisreich errichtet, in dem der menschliche Geist der Souverän ist, der der Natur die Gesetze ihres Erscheinens vorschreibt“[7].

1. Subjektivierung

Diese Umwälzung des Denkens, welches sich von den unwissenschaftlichen Dogmen der Kirche lösen will, indem der Verstand den Glauben ablöst, wird von Kant verheißungsvoll mit dem Titel „Kopernikanische Wende“ belegt. „Solange die Sonne am Firmamente steht und die Planeten um sie herumkreisen, war das nicht gesehen worden, daß der Mensch sich auf den Kopf, d.i. auf den Gedanken stellt und die Wirklichkeit nach diesem erbaut“[8], sind gut 30 Jahre später Hegels Worte für diese neue Situation. Vorbereitet wurde diese bereits durch die Einsichten und den Zweifeln, die Descartes in seinem ‚ego cogito’ ausdrückt. Demnach kann sich der Mensch nichts anderem mehr absolut sicher sein, außer des eigenen Bewusstseins: das ‚Ich-denke’.

[...]


[1] Heiner Roetz, 1993, S. 10. Donelly, 1980, S. 529-530.

[2] Waelter Jaeschke, ebd., S. 188.

[3] Heiner Roetz, ebd., S. 8.

[4] Walter Jaeschke, ebd., S. 211.

[5] Peter Furth, 2006, S. 180.

[6] Ebd., S. 178-180.

[7] Peter Furth, 2006, S. 320.

[8] Hegel, 1970, S. 529.

Details

Seiten
6
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640808519
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165207
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
Subjektivität Aufklärung Individualisierung Individualität Normativität Menschenrechte Kant Metaphysik Neuzeit Subjekt
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Titel: Zusammenhang zwischen Subjektivität und Normativität