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Grammatik in der Fachsprache

Hausarbeit 2010 19 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Grundlegendes zu den grammatischen Mitteln und deren Einteilung

3) Morphologie
3.1) Wortbildungsmorphologie
3.2) Flexionsmorphologie

4) Syntax
4.1) Satzarten
4.2) Relativ- und Attributsätze
4.3) Nominalisierungen
4.4) Satzkomplexität

5) Schlussbetrachtung

6) Bibliographie der Quellen

1) Einleitung

ÄVerordnung zur Verlängerung der Geltungsdauer der Verordnung über die Festlegung eines Planungsgebietes zur Sicherung der Planung für den Neubau der Bundesautobahn 59 (BAB Duisburg-Wesel) in der Gemeinde Voerde, Kreis Wesel, vom 30. Januar 1981.„1 So oder so ahnlich sehen heute besonders komplexe Satze aus, die unter den Begriff „Fachsprache" fallen. Wenn man von Fachsprache spricht, sollte man jedoch besser den Plural, also „Fachsprachen", benutzen. Die Anzahl an Fachsprachen ist so groB, ihr „Aufgabenbereich" so breit, dass man in alien Situationen des Lebens, hauptsachlich jedoch im Beruf auf Texte trifft, die sprachlich so speziell fur ein Fachgebiet sind, dass sie nur mit grofier Muhe verstanden werden konnen. Eine Definition von Fachsprache findet sich dementsprechend im Duden wieder. Dieser versteht unter dem Begriff „Fachsprache" eine Sprache, die einen speziellen Wortschatz und spezielle Verwendungsweisen beinhaltet, fur ein bestimmtes Fachgebiet gilt und eine genaue Verstandigung und exakte Bezeichnungen innerhalb dieses Fachgebietes ermoglicht.

Meist sind solche Satze wie obiges Beispiel noch langer, noch verschachtelter. Sie sind fur Laien und fachfremde Menschen nur schwer zu verstehen und erfordern eine Einarbeitung in das jeweilige Fach. Der Grund hierfur ist schon - und auch hauptsachlich - im Bereich des Wortschatzes zu finden, der fur jedes Sachgebiet individuell vorhanden ist. Fachsprache ist eigentlich „nur" eine Variante der allgemeinen Sprache, die in Bereichen der Wissenschaft, Technik etc. Anwendung findet und, als entscheidendes Faktum, durch klar definierte Fachbegriffe gekennzeichnet ist.2So kann ein Mediziner durchaus Begriffe wie „EKG" oder ahnliche verstehen und zuordnen, er scheitert jedoch wahrscheinlich an fachsprachlichen Wortern aus der Physik. Allgemeiner ausgedruckt heifit das: Vertreter von verschiedenen, voneinander unabhangigen Fachgebieten mussen ihren Wortschatz um eine Vielzahl neuer Begriffe erweitern, da sie sonst nicht oder wenigstens nicht mehr mit voller Sicherheit verstandlich sind.3 Gerade Menschen, die mit Fachsprache ± meist kommt es zu Begegnungen mit dieser im Beruf4 ± zu tun haben, müssen folglich ihren Wortschatz erweitern um zu verstehen, was sie lesen oder hören. Allerdings erschwert nicht nur der Wortschatz das Verständnis von fachsprachlichen Texten. Auch die Grammatik, spezieller die Syntax und die Morphologie, leistet einen größeren Beitrag zur Eigenart einer Berufssprache.5 Entstanden unter dem Einfluss der lateinischen Gelehrsamkeit des Mittelalters und der Humanistenzeit, entnimmt die Fachsprache ihre syntaktischen Mittel aus der Allgemeinsprache.6 Dementsprechend sind die in Fachtexten angewandten syntaktischen und morphologischen Mittel nichts rein fachlich Spezielles. Jedoch ist es ihre Verwendungsart und ±häufigkeit, die die Syntax in der Fachsprache auszeichnet.

Zu erwahnen bleibt hier, dass „insbesondere die juristische Sprache einen nachhaltigen EinfluB"7 auf den Satzbau der Fachsprachen ausgeubt hat

Ziel dieser Arbeit ist es, die verschiedenen morphologischen und syntaktischen Mittel, deren sich die Fachsprache und ihre Autoren bedienen, herauszustellen und ihre Verwendungswirkung zu beschreiben, das heifit: inwieweit entspricht die Wirkung eines syntaktischen Mittels „dem Streben, das Geschehen moglichst begrifflich als statische Zustande und Grofien und die Tendenz, die objektiven wissenschaftlichen Denkbeziehungen klar, eindeutig, genau und schablonenmaBig auszudrucken8

Als Vorlage dienen fachsprachliche Texte und Phrasen aus unterschiedlichen Gebieten, vor allem aber aus den Bereichen Jura und Technik. Gerade diese beiden Bereiche bieten viele komplexe, meist schwer zu verstehende Satzkonstruktionen und zeichnen sich weiterhin dadurch aus, dass die Wirkung der Syntax in Fachsprachen hier zur vollen Entfaltung gelangt.

2) Grundlegendes zu den grammatischen Mitteln und deren Einteilung

Allgemein kann man in der Fachsprache von einem quantitativen Gebrauch der Grammatik reden, wahrend die Allgemeinsprache sich in diesem Bereich durch eine qualitative Anwendung auszeichnet. Wahrend man also von den syntaktischen Mustern in der Standartsprache als „Bestandsspezifika" spricht, muss man fur die Fachsprache eine andere Bezeichnung wahlen: „Nicht das Inventar oder der „Bestand" der Muster, sondern die Frequenz ihrer Verwendung sind also charakteristisch"9 Dies ist gleichbedeutend mit dem Sprechen von „Frequenzspezifika" und impliziert, wie oben gesagt, eine mangelnde Qualitat und somit erhebliche Schwierigkeiten im Verstehen solcher fachspeziellen Texte. Zwar gibt es in verschiedenen Fachbereichen, wie zum Beispiel der Mathematik, syntaktische Bestandsspezifika10, diese sind jedoch eher die Ausnahme. Daher empfiehlt sich gerade fur das wissenschaftliche Arbeiten mit Fachsprache und deren Literatur im Bereich der Grammatik eine Einteilung in die Bereiche Syntax und Morphologie zur besseren Ubersicht.

Eine gute Möglichkeit der Einteilung liefert Thorsten Roelke.11 Zunächst einmal ist die Unterscheidung zwischen Morphologie und Syntax entscheidend für das wissenschaftliche Arbeiten mit fachsprachlichen Texten. Allerdings ist Morphologie nicht das Selbe wie Morphologie. So gibt es zum Beispiel Unterteilungen in Wortbildungsmorphologie und Flexionsmorphologie, die ihrerseits wiederum Oberbegriffe für verschiedene untergeordnete Elemente sind. Ebenso kann man die Syntax aufspalten. Ich werde mich in dieser Abreit an der Einteilung Roelckes orientieren. Eine Bewertung der Mittel findet auf der Basis von vier Punkten statt: Deutlichkeit, dass heißt die logische Folgerichtigkeit der Darstellung, Verständlichkeit, also der adäquate Bezug zum Rezipienten, Ökonomie, bedeutet Effizienz der Darstellung und Anonymität bzw. Objektivierung.

3) Morphologie

Nach Roelcke ergibt sich für den Bereich Morphologie eine Einteilung in zwei Gruppen: Zum einen die Gruppe der Wortbildungsmorphologie, die sich mit den Punkten Komposition, Derivation, Wortkürzungen und Konversion beschäftigt, zum anderen die der Flexionsmorphologie, welche die Unterpunkte Person/Numerus, Konjugation und Deklination beinhaltet.

3.1) Wortbildungsmorphologie

In Deutschland hat sich über die Jahrhunderte, in denen die Fachsprache entstanden ist, ein charakteristisches Merkmal nach und nach immer weiter herausgebildet. Durch den enormen Umfang, den sie in jedem einzelnen Bereich besitzt und die dadurch implizierte Ausschöpfung des Wortschatzes, besteht ein großer Benennungsbedarf. Für viele Sachgebiete ergibt sich daher der Lösungsweg ÄAusschöpfung der Wortbildungsmorphologie„, besonders im Rahmen der fachlichen Kommunikation.

Einer der produktivsten Bereiche in der Schöpfung neuer Wörter ist die Komposition, bzw. die Zusammensetzung aus Wörtern aus den Bereichen Substantive, Verben und Verbstämme, sowohl infinit als auch finit, Partizipialkonstruktionen und Adjektive und Adverbien zu neuen Wörtern ± beispielsweise: Volkswirtschaft, Facharztausbildung, trennschleifen ± aber auch Abkürzungen mit Buchstaben (ADAC) oder Zahlen (3er- Pack).12 Der Vorteil der Komposita ist es, dass für alle Dinge, Zustände oder ähnliches spezifische Benennungen möglich sind, was dem Bestreben nach Deutlichkeit zu Gute kommt. Weiterhin tragen sie auch genau dann zur Verkürzung von Sätzen und zur Ökonomie bei, wenn sie als Umformungen aus Relativ- oder Attributsätzen entstanden sind, und dementsprechend den Großteil des Gehaltes eines ganzen Satzes in einem Begriff zusammenfassen.13 Der Nachteil der Zusammensetzung ist allerdings, „daB bei manchen Komposita [...] eine Entschlusselung durch einen rezipierenden Laien in aller Regel ausgeschlossen ist"14 wie zum Beispiel in dem Fall „Holzschraube", bei dem man nicht erkennen kann, ob es sich um eine Schraube aus oder fur Holz handelt.

[...]


1 Grosse (1983), S. 24; Ickler (1997), S. 147

2 Vgl. CanooNet

3 Vgl. Seibicke (1959), S. 41

4 Vgl. Seibicke (1959), S. 41

5 Vgl. Jaspersen (1998), S. 104; Beier (1980), S. 53

6 Vgl. Ickler (1997), S. 143; Hahn (1983), S. 111

7 Ickler (1997), S. 143

8 BČnes (1976), S. 91

9 Vgl. Ickler (1997), S. 144

10 Vgl. Ickler (1997), S. 154 ± 156

11 Roelcke (1999)

12 Vgl. Roelcke (1999), S. 73

13 Vgl. Jaspersen (1998), S. 107

14 Jaspersen (1998), S. 107

Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640805211
ISBN (Buch)
9783640805631
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165057
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Schlagworte
grammatik fachsprache

Autor

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