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Der August-Bebel-Hof in Braunschweig

Zentrum sozialdemokratischer und kommunistischer Gesinnung in Braunschweig?

Hausarbeit 2009 13 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

II. Einleitung

III. Die Entstehungsgeschichte und Konzept der Wohnungssiedlung

IV. Der Bebelhof und die Sozialdemokratie

V. Fazit

VI. Bibliographie

I. Einleitung

Am 30. Januar 1933 wurde die Macht im Staate an Adolf Hitler und seine NSDAP übergeben. Durch diese politische Entscheidung änderten sich nicht nur die Gegebenheiten im Reich – die Weimarer Republik fand somit ein jähes Ende – sondern natürlich auch für die Stadt Braunschweig. Ein Ort, der die Ereignisse, wie sie überall im Reich stattfanden widerspiegelt, ist der sogenannte „August-Bebel-Hof“. Kein anderes Wohnungsbauprojekt war ähnlich umstritten wie der Bebelhof.

Bereits der Namensgeber lässt darauf hindeuten, dass es sich beim Bebelhof um ein Zentrum sozialistischer oder möglicherweise sogar kommunistischer Gesinnung handelt. Diese These stellt in dieser Arbeit die zentrale Rolle.

Die Quellenlage ergibt sich als recht überschaubar: als Grundlage dient vor allem die „ Jahresarbeit im Fach Kunsterziehung an der Gauß-Schule Braunschweig über das Thema Bebelhof “ von Marcus H. Herrenberger aus dem Jahre 1975. Dieser Arbeit beinhaltet ein recht große Ansammlung an Dokumenten, Zeitungsartikeln, Plänen und Statistiken zur Geschichte, zu städtebaulichen sowie sozialen Aspekten des Bebelhofs. Ebenfalls Quellen bietet Reinhard Bein in seinem Buch „ Braunschweig zwischen rechts und links : der Freistaat 1918 bis 1930; Materialien zur Landesgeschichte “.

Eher wohnungsbaupolitisch und –kritisch beschäftigte sich Frank Ehrhardt mit dem Aufsatz „Der August-Bebel-Hof. Ein sozialdemokratisches Wohnungsbauprojekt in der Spätphase der Weimarer Republik“ aus dem Buch „ Alltag und Politik : Vorträge zur Geschichte der Braunschweiger Arbeiterschaft.

Auf dieser Grundlage soll nun versucht werden, den Bebelhof und seine Sozialgeschichte, insbesondere mit Hinblick auf den nationalsozialistischen Aufstieg, in Braunschweig darzustellen.

II. Die Entstehungsgeschichte und Konzept der Wohnsiedlung

1. Planung und Bau

Die Grundsteinlegung für den August-Bebel-Hof fand am 5. September 1929[1] (Ehrhardt geht fälschlicherweise von Juli 1929 aus[2], jedoch berichtet der „Volksfreund“ vom 6. September 1929 über die Grundsteinlegung vom Vortag[3]) statt. Sie beschränkt sich weitestgehend auf den Raum zwischen den Straßen Salzdahlumer Straße, Borsigstraße, Hans-Porner-Straße und der Hermann-von-Vechelde-Straße. Der Hof war mit dem Anspruch verbunden, nicht allein durch die Schaffung zusätzlichen Wohnraums der Wohnungsnot entgegenzuwirken, sondern auch für sogenannte „Minderbemittelte“ bis dahin nicht erreichbare Standards an Wohnqualität zu bieten.[4]

Die nach dem sozialdemokratischen Politiker August Bebel benannte Siedlung wurde durch den Hamburger Architekten Friedrich R. Ostermeyer einheitlich im Stil des „Modernen Bauens“ von der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Braunschweig GmbH (Gewobau), einem Tochterunternehmen der Deutschen Wohnungsfürsorge AG für Beamte, Angestellte und Arbeiter (Dewog), angelegt.[5] Wohnen wurde im Modernen Bauen zentrales Thema der Architektur, vor allem das Wohnen in der Großstadt und in Arbeiterwohnungen.[6] Architektur, Bau und Wohnen wurden nun philosophisch, es ging um eine neue Einheit von Kunst und Industrie.; dies zeigt sich besonders gut in Walter Gropius‘ „Staatliches Bauhaus Weimar“ aus dem Jahre 1923. „Da Bauen kollektive Arbeit ist, hängt sein Gedeihen nicht vom einzelnen, sondern vom Interesse der Gesamtheit ab.“[7] An diesem Satz lässt sich gut zeigen, dass Bauen in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts mehr als nur den Zweck des ‚Wohnens‘ erfüllte, viel mehr rief der Bau eines Hauses im Menschen den demokratischen und sozialen Grundgedanken hervor und stellte damit eine Verbindung von Politik und Wohnen.

Der Bauhausstil erfüllte also in den Augen der Künstler und Architekten sowohl einen sozialen, als auch einen gemeinnützigen Zweck. Klare übersichtliche Baukörper und Grundrisse, städtebauliche räumliche Gruppierungen sollten zeigen, dass Kunst nicht romantische Verschleierung, sondern geistige Ordnung sei.[8] Das beste Beispiel hierfür ist der Bebelhof in seiner ursprünglichen Form.

Oft stand eben jene Architektur im Mittelpunkt der Kritik, neben der Ausstattung der Wohnanlage und – angesichts zunehmender finanzieller Probleme des Wohnprojekts, die im Mai 1932 zum Konkurs führten – die ökonomische Seite des Baus.[9]

Der Bebelhof sollte zum Renommierprojekt der Regierung Jasper werden, mit einer gänzlich anderen Konzeption und Architektur als die Gebäude im Siegfriedviertel, die unter Beteiligung der bürgerlichen Vorgängerregierung Marquordt entstanden waren. Im Landtags-Untersuchungsausschuss sagte Heinrich Jasper später: „Ich wollte auch meine Siegfriedstraße haben.“[10] Die räumliche Abgrenzung war insofern auch erwünscht. Trotzdem bestand die Nähe zu wichtigen Industriezentren im Südosten Braunschweigs, denn durch die Wirtschaftspolitik der SPD in den 20er Jahren sind große Betriebe wie ‚Franke und Heidecke‘ 1925 -26, davor ‚Büssing‘, die Eisenbahnsignalwerke Jüdel in den Gründerjahren, das Ausbesserungswerk der Reichsbahn und die erweiterten Brauereien ‚Wolters‘ und ‚Feldschlösschen‘.[11]

Die Gebäude wurden in Nord-Süd-Ausrichtung gebaut und sollten eine gute Sonnenlichtlage gewährleisten.[12] Für die damalige Zeit waren die Wohnungen sehr modern, sie verfügten über Zentralheizung und Badezimmer, was sonst kaum verbreitet war. Zwischen den Häuserzeilen wurden zudem große Grünflächen angelegt. Die Anlage überragt im Nordwesten der 35 Meter hohe Uhrenturm, der die Ausdehnungsgefäße der Zentralheizung aufnahm und weithin sichtbar den Namen der Siedlung mitteilte.[13] Die wichtigste Gemeinschaftseinrichtung war das Waschhaus.

[...]


[1] Herrenberger, Marcus H.: “Bebelhof - Jahresarbeit im Fach Kunsterziehung an der Gauß-Schule Braunschweig “: Braunschweig, 1975: S. 5.

[2] Ehrhardt, Frank: „ Der August-Bebel-Hof. Ein sozialdemokratisches Wohnungsbauprojekt in der Spätphase der Weimarer Republik “ in: Schuegraf, Wolf-Dieter [Hrsg.]: „ Alltag und Politik : Vorträge zur Geschichte der Braunschweiger Arbeiterschaft. Gehalten beim Arbeitskreis Andere Geschichte “: Braunschweig, 1990: S. 70.

[3] „Der Volksfreund“ vom 6. September 1929: 2. Beilage. In: Herrenberger, Marcus H.: “Bebelhof - Jahresarbeit im Fach Kunsterziehung an der Gauß-Schule Braunschweig “: Braunschweig, 1975.

[4] Ehrhardt : Der August-Bebel-Hof: S. 67.

[5] Herrenberger : Bebelhof: S. 5.

[6] Ebd. S. 7.

[7] Gropius, Walter: „Staatliches Bauhaus Weimar 1919/23“: Weimar/München, 1923.

[8] Herrenberger: Bebelhof: S. 7.

[9] Ehrhardt: Der August-Bebel-Hof: S. 67.

[10] Ebd. S. 70.

[11] Herrenberger : Bebelhof: S. 13.

[12] „Baugilde“ (1931, Heft 15): in: Bein, Reinhard: „Braunschweig zwischen rechts und links : der Freistaat 1918 bis 1930 ; Materialien zur Landesgeschichte“: Braunschweig, 1990: S. 148.

[13] Ehrhardt: Der August-Bebel-Hof: S. 71.

Details

Seiten
13
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640801930
ISBN (Buch)
9783640802319
Dateigröße
937 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164984
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,3
Schlagworte
machtergreifung nazis nsdap bebelhof braunschweig kommunismus sozialismus sozialdemokratie weimarer republik

Autor

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Titel: Der August-Bebel-Hof in Braunschweig