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Soziale Rollen - Die Lehrerrolle verstehen

Der Personenzentrierte Ansatz

Referat (Ausarbeitung) 2010 11 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Gliederung:

1. Die Entwicklung des Personenzentrierten Ansatzes

2. Grundgedanke und Ziel des Personenzentrierten Ansatzes

3. Der Erwerb der Kompetenz

4. Die Bedeutung des PZA fur die Praxis in der Schule

1. Die Entwicklung des Personenzentrierten Ansatzes.

Der Personenzentrierte Ansatz (PZA) kommt ursprunglich aus der Padagogik und wurde von Carl Rogers im Rahmen der „Klientenzentrierten Gesprachspsychotherapie" 1951 entwickelt. 1 Er bewies, dass Therapeuten, deren Klienten am Ende der Psychotherapie günstige Veränderungen im Testwert aufwiesen, sich gemäß Einschätzungen der Tonaufnahmen durch neutrale Bewerter und durch Einschätzungen der Klienten deutlich achtungsvoll, wertschätzend, sowie einfühlsam und aufrichtig gegenüber dem Klienten verhielten.2

Dem theoretischen Ansatz Rogers liegt ein humanistisches Menschenbild zugrunde. Anders als in der Psychoanalyse und den kognitiven Theorien, wo unbewusste Triebe bzw. Reiz- Reaktions-Verhalten den Menschen bestimmen, geht die humanistische Psychologie von der Selbststeuerung des Individuums aus. Der Mensch wird als ganzheitliches Wesen (Kognition, Emotion und Motivation) betrachtet, dessen Ziel die Selbstverwirklichung ist.3 Diese Ergebnisse Rogers wurden 1991 durch Annemarie und Reinhard Tausch an über 900 Klienten in Einzel und Gruppenpsychotherapie bestätigt.4 Zuvor entwickelten sie schon in den 70er Jahren den Ansatz von Rogers weiter und zentrierten ihn zur Schule hin5. Die Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie setzt sich seit der PISA-Studie vermehrt dafür ein, dass der Ansatz in das Schulsystem integriert wird.6 Im gehaltenen Referat und seiner vorliegenden Ausarbeitung wird der Grundgedanke des Personenzentrierten Ansatz und seine Einsatzmöglichkeiten für die schulische Praxis vorgestellt.

2. Grundgedanke und Ziel des Personenzentrierten Ansatzes

Der personenzentrierte Ansatz besteht in erster Linie aus humanen Grundeinstellungen: Wertschätzung, Einfühlsamkeit und Echtheit. Der Klient als gleichberechtigter Partner des Psychologen bildet den Mittelpunkt der Therapie. Ziel ist es, das Erleben und Verhalten des Klienten, mittels Gesprächen, zu verändern. Es geht um konstruktive Kommunikations- und Kooperationsformen, um zwischenmenschliche Beziehung und um die Entwicklung einer Person. Vorwegzunehmen ist, dass der PZA keine Technik ist, sondern Grundlage und Rahmenbedingung konstruktiver menschlicher Begegnungen7. Bei Fragen, die nach dem persönlichen Erleben von Situationen und Geschehen, nach der Wahrnehmung und der Bewertung von sich und anderen fragen, bietet der Ansatz eine gute Ausgangslage.

Die Untersuchungen von Annemarie und Reinhard Tausch zeigen, dass Achtung und Wärme, sowie Einfühlung in den Patienten positive Effekte erzielten.

Beispielsweise trugen Achtung und Wärme der Helfenden beim Belasteten zu einer Zunahme von Selbstachtung und Selbstakzeptierung, von Vertrauen, Hoffnung und dem Gefühl von Geborgenheit sowie zur Beruhigung und Entspannung bei. Weiterhin wurde Angstminderung, die Abnahme negativer Selbstbewertung und die Verminderung von Verwirrung bewirkt.8

Einfühlungsverm ögen des Helfenden fördert beim Belasteten, das Gefühl des Ernstgenommenwerdens, eine tiefe Erfahrung des Verstandenwerdens, das Gefühl von Nähe und die Verminderung von Widerstand und Trotz.

Achtung und Einfühlung zusammen bedingen also eine gute zwischenmenschliche Beziehung, Kooperation, Zufriedenheit mit der Begegnung, ein sich wohlfühlen und Bereitschaft zur Aufrechterhaltung dieser Beziehung, sowie förderliche Aktivitäten und Rücksichtnahme auf andere in den eigenen Handlungen.9

Tausch und Tausch zeigen, dass es sinnvoll ist, diesen Grundgedanken auch auf die Schule zu übertragen. Sie fordern ein Vorgehen, dass die innerpsychische Situation des Kindes mehr im Auge hat, als das bis dato der Fall ist. Das Kind soll dort angesprochen werden, wo es emotional und kognitiv steht. Ein Lehrer, der einfühlsam und achtsam mit seinen Schülern10

umgeht, bewirkt häufig, dass sich ihr Wohlbefinden und damit auch ihre Leistungen und ihr Selbstvertrauen verbessern und ihr Störverhalten nachlässt.11

Nach Tausch und Tausch realisieren dies nur 10- 15 % aller Lehrkräfte.12 Dies führen sie auf die berufsbedingte Grundhaltung bei Lehrkräften zurück, die im Gegensatz zu dem Grundgedanken des PZA steht. Durch die Überlegenheitsposition der Lehrer gegenüber den Schülern neigen viele dazu, diese schnell zurechtzuweisen und zu beurteilen. Ein Klima, das auf gegenseitigem Verstehen und auf Achtung beruht, erzeugt mehr Transparenz im Umgang miteinander, sodass es zu weniger Irritationen kommt und das Vertrauen gestärkt wird.

Ein positives Beispiel für einen solchen Ansatz findet man an finnischen Schulen, wo beispielsweise sehr viel Wert darauf gelegt wird, Schülerpersönlichkeiten nicht zu beschämen13. Dies unterstützt die Schüler darin, mit dem Leistungsdruck und den Konflikten in sozialen Verbunden zurechtzukommen. Die Schüler sind in erhöhtem Maße dazu bereit Leistung zu bringen, wenn sie sich unterstützt fühlen und haben sogar Freunde daran etwas zu leisten und gut zu sein.

Langfristig bringt die Förderung des persönlichen Lernens eine Förderung emotionaler Kompetenzen der Schüler mit sich und bewirkt den Abbau von Aggressionen. Dadurch, dass die Schüler sich akzeptiert fühlen, entwickeln sich weniger Ängste und Verweigerungshaltungen gegenüber der Schule, zudem trägt die veränderte Wahrnehmung der eigenen Wirksamkeit zu einer Steigerung des Selbstwertgefühls bei. Nicht zuletzt fördert ein personenzentriertes Vorgehen in der Schule langfristig das pers ö nliche Lernen und das fachliche Lernen des Schülers.

Auf Seite des persönlichen Lernens kann der PZA bewirken, dass die emotionalen Fähigkeiten des Schülers gestärkt werden, er Aggressionen abbauen kann, er sich akzeptiert fühlt und er weniger Angst und Verweigerungshaltung gegenüber der Schule entwickelt. Weiterhin kann es eine Stärkung des Selbstwertgefühls, der Wahrnehmung eigener Wirksamkeit und der Motivation bedeuten. So verhält sich der Schüler auch einfühlsamer und achtungsvoller gegenüber Anderen.14

[...]


1 Personenzentrierte Kultur verbessert Schulklima und Leistungsfähigkeit von Schülern und Lehrern. Interview mit Dr. Thomas Fleischer. In: Gesprächspsychotherapie und Personenzentrierte Beratung 1/04. S.9-14. 2 Tausch, Reinhard 1999: Achtung und Einfühlung ± Kompass für didaktische und erzieherische Handlungen von Lehrern und Erziehern. In: Beate Bender, Thomas Fleischer, Birke Mersmann (Hg.): Person und Beziehung in Schule und Unterricht. Ein Beitrag des Personenzentrierten Ansatzes zur Professionalisierung des Lernens in der Schule. Köln, S. 3±12.

3 Köck, Janina: Der personenzentrierte Ansatz nach Carl R Rogers. http://www.wege.org/der-personenzentrierte-ansatz- nach-carl-r-rogers.html(30.05.2009)

4 Tausch, Reinhard: Achtung und Einfühlung - Kompaß für didaktische und erzieherische Handlung von Lehrern und Erziehern. .S.3.

5 Personenzentrierte Kultur verbessert Schulklima und Leistungsfähigkeit von Schülern und Lehrern. Interview mit Dr. Thomas Fleischer. S.9.

6 Ebd.

7 Personenzentrierte Kultur verbessert Schulklima und Leistungsfähigkeit von Schülern und Lehrern. Interview mit Dr. Thomas Fleischer. S.10.

8 Tausch, Reinhard: Achtung und Einfühlung-Kompaß für didaktische und erzieherische Handlung von Lehrern und Erziehern.S. 5.

9 Ebd.

10 Im folgenden beschranke ich mich darauf von „Schulern" zu reden, meine damit aber selbstverstandlich „Schulerinnen und Schuler". Das selbe gilt fur „Lehrer" und andere Berufsbezeichnungen.

11 Tausch, Reinhard: Achtung und Einfühlung-Kompaß für didaktische und erzieherische Handlung von Lehrern und Erziehern.S. 6.

12 Ebd.

13 Personenzentrierte Kultur verbessert Schulklima und Leistungsfähigkeit von Schülern und Lehrern. Interview mit Dr. Thomas Fleischer. S.12.

14 Tausch, Reinhard: Achtung und Einfühlung-Kompaß für didaktische und erzieherische Handlung von Lehrern und Erziehern.S.9.

Details

Seiten
11
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640803552
ISBN (Buch)
9783640803170
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164958
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Schlagworte
Personenzentrierung Der personenzentrierte Ansatz Tausch Lehrerrolle Lehrer-Schüler Interaktion Carl Rogers soziale Rollen Empathie

Autor

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