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Alternative Preis- und Mengensteuerungsmechanismen auf dem Pharmamarkt

Seminararbeit 2011 24 Seiten

Gesundheit - Public Health

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2. Der Pharmamarkt
2.1 Besonderheiten
2.2 Marktteilnehmer
2.2.1 Anbieter- Hersteller, Apotheken
2.2.2 Nachfrager- Ärzte und Patienten
2.2.3 Zahler- Krankenkassen

3. Auswirkungen auf die Marktteilnehmer
3.1 Mengensteuerungen
3.1.1 Negativlisten
3.1.2 Positivlisten
3.2 Preissteuerungen
3.2.1 Zuzahlungen
3.2.1.1 Festbeträge
3.2.1.2 Höchstpreise
3.2.2 Aut-idem- Regelung
3.2.3 Parallelimporte
3.2.4 Arzneimittelbudget
3.2.5 Rabattvereinbarungen

4. Fazit:

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb.1 Darstellung von Preis-und Mengenmechanismen auf dem deutschen Arzneimittelmarkt

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„...anypolicy 'willmake some things worse and some better”

(Lipsey/ Lancaster- 1959)1

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung haben sich im Zeitraum von 1977 bis 2007 mehr als verfünffacht.2 Hierbei bilden die Ausgaben für Arzneimittel den drittgrößten Posten an den Gesamtausgaben der GKV mit einem Anteil von 16 Prozent nach Ausgaben für stationäre und ambulante Leistungen. Aufgrund der steigenden Kostenentwicklung zulasten der GKV wurde der Markt für Arzneimittel in der Vergangenheit zahlreichen Steuerungsmechanismen mit dem Ziel unterworfen, in die Dynamik der Arzneimittelausgaben einzugreifen3

1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit soll die Frage beantworten, welche alternativen Preis- und Mengensteuerungsmechanismen es gibt und welche Einfluss diese auf betrachtete Marktteilnehmer haben. Im zweiten Kapitel werden die Besonderheiten des Pharmamarktes gegenüber anderen Verbrauchsgütermärkten herausgestellt, die eine Regulierung vonseiten des Gesetzgebers unumgänglich machen. Des Weiteren werden die Marktteilnehmer, die aufgrund der Voraussetzungen des Gesundheitswesens in einem besonderen Verhältnis stehen, nach Anbieter, Nachfrager und Zahler getrennt charakterisiert. Im dritten Kapitel werden sowohl Mengen- als auch Preissteuerungsmechanismen vorgestellt, die der Systematisierung in Abbildung 1 folgen und die Auswirkungen dieser Mechanismen auf die einzelnen Marktteilnehmer untersucht. Der Grund, dass es mehr Maßnahmen gibt, die am Preis ansetzen als Maßnahmen, die an dem Wettbewerbsparameter Menge ansetzen ist möglicherweise auf die nicht so großen Erfolge in der Vergangenheit zurückzuführen. An dieser Stelle wird darauf hingewiesen, dass sich nur auf ausgewählte und besonders aktuell diskutierte Preis- und Mengenmechanismen detaillierter eingegangen wird, da sonst der vorgegebene Rahmen der Seminararbeit gesprengt worden wäre.4 Das letzte Kapitel trägt nochmal alle wesentlichen Inhalte zusammen und zieht auf ein Fazit über das Ausmaß der Zielerreichung einer Kostendämpfung im Arzneimittelbereich mit den dargelegten Maßnahmen und schließt mit einem Ausblick in die zukünftigen Perspektiven des Arzneimittelmarktes und den noch zu erwartenden Entwicklungstendenzen.

Die Begriffe Pharmamarkt und Arzneimittelmarkt und die Begriffe Arzneimittel und Medikamente werden synonym verwendet. Mit dem Begriff der Hersteller ist die Arzneimittel herstellende Industrie gemeint.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.l Darstellung von Preis- und Mengenmechanismen auf dem deutschen Aizneimittelmarkt (Quelle: in Anlehnung an Schreyögg u.a (2004), S. 17. )

2. Der Pharmamarkt

2.1 Besonderheiten

Als wichtigste Produktionsfaktoren innerhalb des Gesundheitswesens gelten Ärzte, Arzneimittel, Pflegepersonal, physisches Kapital (z. B. Krankenhäuser) und Patienten. Ein großes Potential für Produktivitätswachstum liegt in der Wahl der Kombination der Produktionsfaktoren, die sich zum Teil substituieren lassen; z. B. kann man mit Arzneimitteln teure Leistungen (z. B. Krankenhausaufenthalte) in einem gewissen Ausmaß substituieren und damit die Produktivität im Gesundheitswesen steigern. Somit bieten Arzneimittel Möglichkeiten, diese erwünschten Substitutionswirkungen zu erzielen. und damit die Produktivität im Gesundheitswesen zu erhöhen.5 Arzneimittel müssen aber bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um überhaupt auf den Markt gebracht werden zu können und im weiteren Schritt von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen zu werden. Nach den Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes unterteilt man Arzneimittel in apothekenpflichtige, verschreibungspflichtige und frei verkäufliche Präparate. Die ersten beiden Klassifizierungen können gemäß den sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen zulasten der GKV abgerechnet werden. Sie zählen zu den erstattungsfähigen Medikamenten.6 In Abgrenzung dazu gibt es noch die nicht erstattungsfähigen Medikamente, die zum Markt der Selbstmedikation gehören.7 Die Abgabe von apothekenpflichtigen und verschreibungspflichtigen Arzneimitteln dagegen darf ausschließlich durch Apotheken und Verschreibungspflichtige Medikamente dürfen ausschließlich vom Arzt verordnet werden.8 Mit diesen Ausführungen wird deutlich, dass sich der Arzneimittelmarkt von anderen Verbrauchgütermärkten dadurch unterscheidet, dass er in sich kein Markt mit homogenen, austauschbaren Produkten ist, sondern nach funktionalen, therapeutischen und wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten in Teilmärkte unterteilt werden kann.9 Des Weiteren befindet sich eine Vielzahl unterschiedlicher Unternehmenstypen auf dem Arzneimittelmarkt, die sich in Umsatzgröße, vertikaler Integration, Diversifikation, Umsatzstruktur, im Ausmaß geografischer Expansion sowie in Abhängigkeit und Forschung und Entwicklung erheblich voneinander unterscheiden; z.B. unterscheidet man zwischen forschenden Unternehmen (Innovatoren) und Generikaherstellern (Imitatoren). Bei einem funktionsfähigen Marktmechanismus und einem damit einhergehenden Preiswettbewerb würde normalerweise das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage über den Preis und damit über den angemessenen Preis eines Produktes entschieden.10 Durch staatliche Regulierungen werden aber übliche Mechanismen von Angebot und Nachfrage teilweise außer Kraft gesetzt und ein Wettbewerb kommt zum Erliegen.11 Da der Arzneimittelmarkt aber stärker als andere Verbrauchsgütermärkte durch den Staat reglementiert wird, weil die Güter, die die Gesundheit des Konsumenten beeinflussen, oftmals lebensnotwendig, dringend benötigt werden und in ihrer Wirkung sowie Qualität durch die direkten Verbraucher (z.B. Patienten) kaum eingeschätzt werden können, schützen staatliche Interventionen Verbraucher vor einer preislichen Überforderung einerseits und andererseits vor den Wirkungen einer Interventionsspirale.12 Deshalb kann auch eine preisliche Überforderung der Verbraucher einschließlich der sie vertretenden Versicherungsträger nicht ausgeschlossen werden. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, den Verbraucher zu schützen.13 Zuletzt ist auszuführen, dass der Arzneimittelmarkt durch eine besondere Konstellation der Nachfrage gekennzeichnet ist, denn mit Ausnahme der Selbstmedikation ist die Kaufentscheidung des Arztes und die Verbrauchsentscheidung des Patienten voneinander entkoppelt, während die Finanzierung durch Dritte erfolgt, z. B. durch die Krankenversicherung.14 Die Besonderheit des pharmazeutischen Marktes lässt sich zusammenfassen als eine große Anzahl an Unternehmenstypen, eine Dreiteilung der Nachfrage und die Notwendigkeit regulatorischer Maßnahmen.15

2.2 Marktteilnehmer

2.2.1 Anbieter- Hersteller, Apotheken

Allgemein sind Erforschung und die Entwicklung eines neuen Arzneimittels zeitaufwendig und kostenintensiv. Bis zur endgültigen Marktzulassung benötigt man für die Entwicklung eines neuen Produktes durchschnittlich 12 Jahre. Es entstehen Kosten bis zu 800 Millionen US$.16 Man unterscheidet bei Herstellern zwischen forschenden Arzneimittelherstellern und Generikaherstellern. Die Generikahersteller (Imitatoren) profitieren von den Forschungsresultaten der Innovatoren (forschende Arzneimittelhersteller). Generikahersteller können im Vorfeld der Zulassung im Vergleich zum Hersteller des Originalpräparates wesentlich kostengünstiger produzieren, weil sie weder für Forschung und Entwicklung noch in den Prozess der klinischen Untersuchungen Geld investieren müssen.17 Um aber den Innovatoren einen Anreiz für die Entwicklung und Forschung neuer Medikamente zu geben, gibt es Patente und weitere Schutzrechte für Arzneimittel, die dem Erfinder die Exklusivität für die Vermarktung seiner Erfindung zusichert.18 Wenn das Patent abgelaufen ist, darf das Medikament von Generikaherstellern kopiert werden, die der Zulassungsbehörde lediglich beweisen müssen, dass das von ihnen hergestellte Produkt die gleichen pharmakologischen Eigenschaften wie das Originalpräparat besitzt. Konnten die Innovatoren vor Patentablauf die Preise noch selbstständig festsetzen, zwingt sie nach Patentablauf der Wettbewerb mit den Generikaherstellern dazu, den Preis auf Wettbewerbsniveau abzusenken. Das bedeutet, dass die Produkte sich innerhalb der Patentschutzzeit amortisieren müssen oder Umsatzeinbußen infolge von Patentabläufen durch Neuentwicklungen kompensiert werden müssen.19 Bisher unterliegen die Arzneimittelhersteller keiner direkten staatlichen Preisbindung. Sie können den Preis ihrer Produkte- abgesehen von möglichen Marktzwängen- grundsätzlich frei bestimmen.20

Die von Gesetzes wegen her primäre Aufgabe der Apotheken hingegen ist die „Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung der Bevölkerung“ und insbesondere die Entwicklung, Herstellung, Prüfung, und Abgabe von Arzneimitteln.21 Die besondere Bedeutung der Apotheken im Arzneimittelmarkt resultiert aus der staatlichen Vertriebsbindung in Form der Apothekenpflicht. Das bedeutet, dass die Abgabe von Arzneimitteln nach dem Gesetz den Apotheken vorbehalten ist.22. Apotheken nehmen daher eine Monopolstellung in der öffentlichen Arzneimittelversorgung ein.23 Einfluss hat die Apotheke auf die Absatzmenge im Bereich der Selbstmedikation, während der Großteil der Nachfrage vom Verordnungsverhalten der Ärzte abhängig ist. Auch der Apothekenabgabepreis ist gesetzlich festgeschrieben, lediglich die Preise für nicht verschreibungspflichtige Medikamente sind seit 2004 freigegeben.24 Die Handelsspanne ist die Differenz zwischen dem Einkaufs- und dem Apothekenabgabepreis. Sie ist über die Bestimmung der Arzneipreisverordnung (AMPreisV) gesetzlich geregelt, dennoch hat der Apotheker zwei Möglichkeiten der mittelbaren Einflussnahme auf die Handelsspanne und damit auf sein Einkommen. Diese werden auch in der aktuellen Diskussion aufgegriffen. Der Wettbewerb der Apotheken erstreckt sich daher heute in erster Linie auf die Tiefe und Breite des Sortiments, die Beratung der Verbraucher- besonders bei over- the counter- Produkten, und auf den Standort.

2.2.2 Nachfrager- Ärzte und Patienten

Der Arzt nimmt sowohl die Rolle des Anbieters als auch des Nachfragers ein. Zum einen ist der Patient aufgrund fehlender Fachkompetenz bei der Bestimmung der Art und des Umfang seiner Nachfrage auf den Rat des Arztes angewiesen- dieser bestimmt welches Angebot der Patient in Anspruch nimmt. Diese Abhängigkeit des Patienten wiederum ermöglicht dem Arzt die Art und Menge der Nachfrage nach medizinischen Leistungen über das medizinisch notwendige Maß hinaus auszuweiten.25 Je mehr Leistungen er zulasten der GKV verordnete desto mehr konnte er sein Honorar erhöhen. In den letzten Jahren ging man deshalb dazu über Arzneimittelbudgets festzusetzen.26

Das alleinige Recht, Rezepte auszustellen, stellt ein wichtiges Instrument dar, um Patienten zu gewinnen und längerfristig zu binden. Ein großzügiges Verordnungsverhalten kann somit die Patientenbindung und damit auch direkt die Verdienstmöglichkeiten des Arztes erhöhen.27 Somit wird deutlich, dass ein gesundheitsökonomisches wie auch gesundheitspolitisches Interesse besteht, das Verhalten des Arztes zu steuern, damit er die Interessen seiner Patienten wahrnimmt und die knappen Ressourcen im Gesundheitssystem wirtschaftlich einsetzt. Ansatzpunkt einer solchen Steuerung ist zumeist die Ausgestaltung des Vergütungssystems, weil damit nicht nur das Einkommen des Arztes determiniert wird, sondern auch Auswirkungen auf die Menge und Qualität seiner Leistungen erzeugt werden können.28 Das Verhalten der Patienten ist primär von der Empfehlung seines Arztes geprägt. Das bedeutet aber nicht, dass der Patient seine Konsumentensouveränität vollkommen aufgibt. Neben der ärztlichen Empfehlung kann er bei Vorliegen von Beschwerden immer noch selbst entscheiden, ob er wartet, bis sich sein Gesundheitszustand wieder von selbst verbessert, ob er in die Apotheke geht und ein bekanntes rezeptfreies Präparat kauft oder sich vom Apotheker ein Präparat empfehlen lässt. Darüber hinaus muss der Patient, damit eine medizinische Therapie auch die gewünschten Erfolge erzielt, zu einem gewissen Grad kooperieren. Der Erfolg einer Therapie kann nur vollständig erfolgen wenn einerseits die Verhaltensempfehlungen des Arztes berücksichtigt und zum anderen die verordneten Medikamente der ärztlichen Empfehlung entsprechend eingenommen werden.29 Zuletzt muss aber auch auf das Moral Hazard- Verhalten des Patienten eingegangen werden, um das Verhalten des Patienten verstehen zu können, denn durch die Krankheitskosten­Vollversicherung hat der Versicherte keinerlei Anreiz für eine gesunde Lebensführung mit der Folge, dass das Krankheitsrisiko steigt. Für die Versicherung bedeutet dieses Verhalten eine Leistungsausweitung und damit eine größere Leistungsinanspruchnahme des Versicherten.30

2.2.3 Zahler- Krankenkassen

Die gesetzliche Krankenversicherung ist der wichtigste Träger der finanziellen Absicherung des Krankheitsrisikos in Deutschland.31 Als zentraler Akteur im Gesundheitswesen hat die GKV Beziehungen zu allen Marktteilnehmern. Sie ist zum einen Dienstleister der Versicherten und Patienten, Einzugsstelle des Gesamtsozialversicherungsbetrages für die Arbeitgeber und Kostenträger medizinischer Leistungen für die Leistungserbringer und Empfänger.32 Eine Leistungsart der Krankenversicherung ist die Finanzierung verordneter Arzneimittel. Die Finanzierung erfolgt nach dem Solidaritätsprinzip und dem Sachleistungsprinzip.33 Diese beiden Prinzipien sind meist auch die Treiber für die angebotsinduzierte Nachfrage und Moral Hazard aufseiten der Ärzte und Patienten. Der gesetzliche Auftrag der GKV ist es, die Gesundheit seiner Mitglieder zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu verbessern. Hierzu hat sie unter Beachtung des Wirtschaftlichkeitsgebotes die Aufgabe, darauf zu achten, dass Leistungen wirksam und wirtschaftlich erbracht werden und somit nur im notwendigen Maß von den Marktteilnehmern in Anspruch genommen werden.

3. Auswirkungen auf die Marktteilnehmer

Aufgrund der Besonderheiten auf dem Pharmamarkt bestehen Steuerungs- und Finanzierungsdefizite. Ziel von Steuerungsmechanismen aufseiten der Nachfrager ist es, diese Defizite so zu mildern oder zu korrigieren, dass ein Zusammenhang zwischen Leistungsinanspruchnahme im Versicherungsfall und dem Preis der Leistung hergestellt wird. Die Nachfrager müssen den Eindruck gewinnen, dass die Leistungen im Versicherungsfall nicht zum Nulltarif zu haben sind und ein Kostenbewusstsein entwickeln, das ihr Nachfrageverhalten beeinflusst.34 Ziel aufseiten der Anbieter ist es, durch einen erzwungenen Preiswettbewerb überhöhte Gewinne bei den Arzneimittelherstellern zu verhindern, eine willkürliche Preisbildung von Medikamenten zu unterbinden und das Angebotsverhalten zu beeinflusst.35 Hierzu setzt der Gesetzgeber Mechanismen ein, die an den Wettbewerbsparametern Preis und Menge ansetzen. Hieraus ergeben sich verschiedene Auswirkungen auf das Verhalten der Marktteilnehmer.

3.1 Mengensteuerungen

3.1.1 Negativlisten

Die Negativlisten bestimmt Arzneimittel, die von der Erstattungsfähigkeit durch die GKV ausgeschlossen sind und deren Nutzen nicht nachgewiesen ist.36 Demzufolge handelt es sich dabei in erster Linie um Bagatellarzneimittel.37 Durch die Negativliste wurde eine Marktbereinigung um ca. 6700 Präparate erreicht, diese empfanden die Ärzte als längst fällig.38 Die kostendämpfende Wirkung der Negativlisten hielt aber nicht lange an. Grund dafür war, dass letztendlich die Hälfte der ausgegrenzten Arzneimittel von den Versicherten gekauft wurde. Damit wurde lediglich die Last von der Versicherung zum Versicherten verschoben. Außerdem nahmen die Verordnungen zu stärker wirksamen Arzneimitteln zu, da diese nicht in der Negativliste enthalten waren.39 Des Weiteren kritisierte man dass sie den Ärzten weder zu einem rationaleren Verordnungsverhalten verhalf noch diente sie der Erleichterung der Budgeteinhaltung. Grund hierfür war, dass die in der Liste aufgeführten Arzneimittel, bereits negativ monografiert waren, damit in ihrer Wirkung umstritten und somit von vornherein selten von den Ärzten verschrieben wurden.

3.1.2 Positivlisten

Bei der Positivliste, handelt es sich um eine Auflistung von verordnungsfähigen Arzneimitteln, deren Kosten von der GKV erstattet werden. Für Arzneimittelunternehmen, deren Produkte in der Positivliste aufgeführt sind, bedeutet das, dass diese neben der allgemeinen Marktzulassung ein zweites Zulassungsverfahren für den vom sozialen Gesundheitssystem abgedeckten Markt durchlaufen müssen. Die Patienten müssen für Produkte, die nicht auf dieser Liste stehen selbst aufkommen. Die Positivliste setze sich aber nicht durch.

[...]


1 Vg1.Lipsev/Lancaster(1956).S.22.http://1inks.istor.org/sici?sici=00346527%281956%2F1957%2924%3A1%3C 11%3ATGTOSB%3E2.0.CO%3B2-2, [Datum des Zugriffs: 06.10.10].

2 Vgl. Engelke (2009), S. 4.

3 Vgl. Schulenburg u.a.(2003), S. 26.

4 Es werden nicht alle Regulierungsmaßnahmen aufgeführt, sondern nur die als am wichtigsten betrachteten vorgestellt. Als Hinweis dient dazu die Häufigkeit der Abhandlungen in der Fachliteratur. Die Arbeit erhebt also nicht den Anspruch einer vollständigen Aufzählung aller Regulierungsmaßnahmen.

5 Vgl. Sutter (1983), S. 4.

6 Vgl. Hummel (1999), S.16 f.

7 Vgl. Engelke (2009), S. 90.

8 Diese Unterteilung im Rahmen des AMG trägt der Arzneimittelsicherheit Rechnung. Es soll verhindern werden, dass durch die missbräuchliche oder fehlerhafte Anwendung Schäden hervorgerufen werden können eine Einnahme nur unter ärztlicher Beobachtung erfolgen soll. Dazu Roos (1990), S. 23.; dazu auch Engelke (2009), S. 89.

9 Vgl. Wenzel (1986), S. 33., dazu auch Roos (1990), S. 13.

10 Vgl. Wüstrich (1994), S. 40.

11 Vgl. Die Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs im deutschen Arzneimittelmarkt wird auch heute noch heftig diskutiert. Hier gibt es verschiedenen Ansichten: Fehl/ Oberender (1999), S. 67 ff., dazu auch Bever- Breitenbach (1991), S.5.

12 Vgl. Gottschalk (2006), S. 1, dazu auch Fehl/ Oberender (1999), S. 67ff.; Bever- Breitenbach (1991), S.5.

13 Vgl. Ruhr (1978), S. 10.; dazu auch Berger (1974), S. 17.

14 Vgl. Wenzel (1986), S. 34.

15 Vgl. Bever-Breitenbach (1991), S. 6.

16 Vgl. Engelke (2009), S. 109.

17 Vgl. Sutter (1983), S. 12 f.

18 Die durchschnittliche Patentverwertungszeit beträgt lediglich 10 Jahre, da die Patentanmeldung bereits nach der Entwicklung des Wirkstoffes erfolgt, bis zur Marktzulassung aber aufgrund von Tests und Prüfungen weitere 10-12 Jahre vergehen.

19 Vgl. Engelke (2009), S. 109 f

20 Vgl. Hummel (1999), S. 18.

21 Vgl. Engelke (2009), S.163.

22 Eine Ausnahme stellt hier lediglich der Over- the- Counter (OTC) dar. Da sich im Rahmen dieser Arbeit nur auf den Verordnungsmarkt konzentriert wird, spielen der Selbstmedikationsmarkt und die dort vorherrschenden Bedingungen nur eine untergeordnete Rolle.

23 Vgl. Bever- Breitenbach (1991), S. 16.

24 Vgl. Engelke (2009), S. 176.

25 Vgl. Engelke (2009), S. 139.

26 Vgl. Kap. 3.2.4

27 Vgl. Engelke (2009), S. 152.

28 Vgl. ebenda (2009), S. 128.

29 Vgl. ebenda (2009), S. 205.

30 Vgl. MPS (1990), S. 10.

31 Vgl. Engelke (2009), S. 210.

32 Vgl. Engelke (2009), S. 12.

33 Nach dem Solidaritätsprinzip hat der Versicherte unabhängig von seinem Einkommen Anspruch auf Leistungen der GKV und das Sachleistungsprinzip besagt, dass die Gesundheitsleistungen nicht monetär, sondern gegen ein Rezept beim Apotheker eingeholt werden können. Vgl. Roos (1990), S. 21.

34 Vgl. MPS (1990), S. 11.

35 Vgl. Schryögg (2004), S. 18.

36 Vgl. Kietzmann (2010), http://www.apotheke-adhoc.de/Nachrichten/Politik/12287.html , [Datum des Zugriffs: 08.10.10].

37 Bagatellarzneimittel sind Arzneimittel ,die „üblicherweise bei geringfügigen Gesundheitsstörungen verordnet werden“ und unwirtschaftliche Arzneimittel, die „für das Therapieziel oder zur Minderung von Risiken nicht erforderliche Bestandteile enthalten oder deren Wirkung wegen der Vielzahl der enthaltenen Wirkstoffe nicht mit ausreichender Sicherheit beurteilt werden können. Vgl. Boom (1993), S. 48f.

38 Vgl. Rieser, (2000), http://www.aerzteblatt.de/archiv/24277/, [Datum des Zugriffs: 08.10.10].

39 Vgl. Li- Fang Chou (1993), S. 48.

Details

Seiten
24
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640799923
ISBN (Buch)
9783640800254
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164856
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
2,0
Schlagworte
Management im Gesundheitswesen preismechanismen auf dem gesundheitsmarkt Mengenmechanismen aut-idem regelung positivlisten

Autor

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Titel: Alternative Preis- und Mengensteuerungsmechanismen auf dem Pharmamarkt