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Analyse der Varusschlacht

Essay 2009 7 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

„Quintili Vare, legiones redde“

‚Quinctilius Varus, gib die Legionen zurück‘(www.kalkriese-varusschlacht.de), soll Kaiser Augustus immer wieder gerufen haben, als er von der Niederlage des Statthalters von Germanien erfuhr. Von den fünf am Rhein stationierten Legionen, sind drei, samt weiterer Verbände und Tross, in einer Schlacht gegen die Germanen völlig ausgelöscht worden.

Es ist wohl eine der bekanntesten und auch eine der meist diskutierten Schlachten der Antike, ja vielleicht die berühmteste Schlacht überhaupt. Berüchtigt war sie seit her allemal: Die Schlacht im Teutoburger Wald. Im Jahr 2009 jährt sie sich zum zweitausendsten Mal und zahlreiche Publikationen und Dokumentarfilme haben ihre Bedeutung wieder mehr in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken lassen, obwohl es seit dem Beginn der Neuzeit nicht an Rezeptionen mangelte. Heinrich von Kleists Drama „Hermannsschlacht“ und das Hermannsdenkmal bei Detmold sind nur zwei der bekanntesten Beispiele dafür.Die Beschäftigung mit dem Thema trug in dieser Zeit dazu bei, dass nationale Identität eine völlig neue Bedeutung erlangte. „Das Bewusstsein um eine eigene historisch bedeutsame Vergangenheit wurde dadurch gesteigert, die Varusschlacht wurde zur germanischen Befreiungstat erklärt und zum epochalen Ereignis hochstilisiert“ (Die Varusschlacht, München 2009, S.113), schreibt Günther Moosbauer, Privatdozent an der Universität Osnabrück, in seinem Überblickswerk „Die Varusschlacht“.

Ein wahrer Germanenmythos entwickelte sich und immer mehr wurde germanisch mit deutsch gleichgesetzt. Selbst der als Nationalheld gefeierte Anführer der germanischen Angreifer, Arminius, wurde einer Namensänderung unterzogen und als Hermann bezeichnet, was gerade durch Martin Luther weit verbreitet wurde. Ob sich Arminius wohl als deutscher Nationalheld verstand? Fraglich ist sogar, ob er sich überhaupt als Germane bezeichnen würde. Würde sich überhaupt irgendein Germane als solcher vorstellen? Je tiefer man thematisch eindringt, desto mehr Fragen stellen sich, gerade bezüglich unseres heutigen Verständnisses der „Varusschlacht“ und ihrer Bedeutung, ihrer Akteure und deren Bestreben. War sie wirklich „Wendepunkt der Weltgeschichte“, wie sie Theodor Mommsen betitelte?

Arminius der Cherusker und seine Germanen

Germania war aus römischer Sicht das Gebiet rechts des Rheins. Ein Begriff der von lateinischen und griechischen Geschichtsschreibern benutzt wurde und wahrscheinlich auch von ihnen formuliert worden war. Die Bewohner dieses Landes waren dementsprechend Germanen. Tatsächlich allerdings handelte es sich um eine Vielzahl von einzelnen Stämmen, die zum Teil stark verfeindet waren und sogar stammesintern wurde sich bekämpft, falls die Herrschaftsordnung nicht eindeutig bestimmt war. So hätte sich Arminius als Cherusker vorgestellt, ein anderer als Marser und wieder ein anderer als Angehöriger der Chatten, Brukterer, Usipeter, Friesen, Markomannen oder eines der vielen übrigen Stämme.

Man wird der Realität also nicht völlig gerecht, wenn man davon spricht, dass in der Varusschlacht Römer gegen Germanen kämpften. Vielmehr sollte davon die Rede sein, dass sich einzelne Stämme, oder sogar nur Teile davon, zusammenschlossen und unter der Führung eines Cheruskers in eine Schlacht gegen die Römer zogen. Nimmt man es ganz streng, könnte man sogar davon sprechen, dass Römer gegen einen Römer kämpften. Als solcher verstand sich Arminius wahrscheinlich noch eher im Vergleich zu seinem Verständnis als Germane. In der Tat war der cheruskische Fürstensohn römischer Bürger, wurde in Rom erzogen, in die römische Kriegskunst eingeweiht und später sogar für seine Leistungen im römischen Heer in den Ritterstand erhoben. Er war also kein Unbekannter, besonders nicht für Publius Quinctilius Varus, der ihn immer wieder gerne als Gast in seinem Haus empfing, mit ihm zusammen speiste und ihm vertraute.

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Details

Seiten
7
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640798827
ISBN (Buch)
9783640798599
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164781
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
12 Punkte
Schlagworte
Varusschlacht Punkte

Autor

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Titel: Analyse der Varusschlacht