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Die Wahl der richtigen Methode: handlungsorientierter Unterricht vs. Frontalunterricht

Seminararbeit 2008 26 Seiten

BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Frontalunterricht
2.1. Merkmale
2.2. Vorteile
2.3. Nachteile

3. Handlungsorientierter Unterricht
3.1. Merkmale
3.2. Anforderungen
3.3. Vorteile
3.4. Nachteile

4. Das Planspiel als Ausprägung des handlungsorientierten Unterrichts
4.1. Hintergründe
4.2. Durchführung

5. Handlungsorientierter Unterricht - ein Experiment
5.1. Das erste Experiment
5.2. Das zweite Experiment
5.3. Das dritte Experiment

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Die rasante Entwicklung in der Wissenschaft und Technik hat auch vor der Pädagogik nicht halt gemacht, und so wurden neue Formen des Unterrichts entwickelt. Neben der traditionellen Form der Wissensvermittlung, dem Frontalunterricht, haben sich in den letzten Jahren neue Formen entwickelt. Formen die sich besonders durch ein höheres Maß an Kreativität und Eigeninitiative auszeichnen. Der Schüler soll ganzheitlich eingebunden werden und somit auch seine eigene Persönlichkeit einbringen, was zweifelsohne die Entwicklung der Schüler fördert. Dennoch hat der handlungsorientierte Ansatz auch seine Schwachstellen.

Betrachtet man die Zahl der Schüler in verschiedenen Klassenstufen von Jahr zu Jahr, so fällt auf, dass diese jedes Jahr sinken. Jedes Jahr genügt ein gewisser Prozentsatz der Schüler den Anforderungen des Lehrplans nicht, und muss deshalb das Jahr wiederholen. Dieser Prozess wird in Österreich als „normal“ betrachtet.

In Bezug auf diese Tatsache haben wir uns überlegt, was die Ursachen dafür sein können. Die Gründe liegen entweder auf Seiten der Lehrer, und/oder der Schüler und/oder der Wahl der Unterrichtsmethode.

Im Folgenden gehen wir auf den Frontal- sowie auf den Handlungsorientierten Unterricht ein und beleuchten die Vor- und Nachteile.

2. Frontalunterricht

Wenn man einer Wand lange genug

etwas wiederholt, wird sie sich das auch merken.

(kroatischer Schimpfsatz an diejenigen gerichtet, die „langsam“ sind)

Der Lehrer als Hauptdarsteller im spannenden „Abenteuerfilm“ Schule. Das ist wohl die gewohnte und am meisten mit klassischem Unterricht verbundene Rolle des Vortragenden, welcher für diese Art des Lehrens nicht unbedingt immer mit Lorbeeren beworfen wird. Doch so negativ wie es viele sehen ist es gar nicht. Der klassische Frontalunterricht kann nicht einfach als schlecht, abgedroschen und überholt schubladisiert, sondern muss analysiert werden, um gute sowie natürlich auch schlechte Aspekte aus der Unterrichtstechnik herauszufiltern. Da es viele Schüler gibt, denen bei langatmigen Vortragsblöcken des Lehrenden die Haare zu Berge stehen, muss hinterfragt werden, woran das wohl liegt. Doch kommt es meist nicht darauf an, dass es sich um die Technik Frontalunterricht handelt, sondern um die handelnde Person, die oftmals den Frontalunterricht mit einer Märchenstunde oder einer Darstellung seiner selbst verwechselt. Guter Frontalunterricht verdient sicherlich den gleich guten Stellenwert wie sämtliche „neue“ Arten und Weisen des Unterrichtens wie offener Unterricht oder Gruppenarbeiten, um nur zwei Beispiele aus der großen Anzahl alternativer Methoden zu nennen.

2.1. Merkmale

Doch was prägt den klassischen Frontalunterricht in seiner alltäglichen Form? Das bedeutendste Merkmal ist sicherlich die ungleiche Verteilung von Aktiv- und Passivposten. Es gibt einen Hauptakteur, welcher seine Ausführungen vorbringt, und viele passive Akteure, die sich im Hintergrund halten und die Darbietungen der Lehrperson aufnehmen. Doch ist die Bezeichnung aktiv und passiv eigentlich nicht immer richtig, denn nur weil Schüler den passiven Posten im darstellenden Unterricht einnehmen, soll das nicht heißen, dass Schüler keine Aufgabe haben. Sie stehen vor der Herausforderung des aktiven Zuhörens, der richtigen und ertragreichen Aufnahme des Gehörten. Herausfiltern des Wichtigen und vergessen des Unwichtigen sind die Künste, mit welchen ein Schüler, der mit Frontalunterricht konfrontiert ist, ausgestattet sein soll - also jeder. Man kann den darstellenden Unterricht mit einer Vorstellung des Clowns im Zirkus vergleichen. Ein guter Clown erntet viel Applaus, es wird nach der Vorstellung von ihm erzählt und man kann sich die tollsten Teile seiner Vorstellung merken. Ist der Clown jedoch ein langweiliger Lückenfüller, fadisiert man sich und wird froh sein, wenn die Vorstellung endlich vorbei ist, ohne irgendeinen Teil der Darbietung gedanklich mit nach Hause zu nehmen (Terhart E., 1997, S.142ff.).

Ein weiteres Merkmal der frontalen Art des Unterrichtens ist die bequeme Weise für Schüler, in welcher sie das benötigte Wissen vermittelt bekommen. Es werden Fakten mittels Vortag und verschiedenen Medien wie Overhead-Projektor und Tafel dargebracht, ohne dass man sich als Hörer groß anstrengen muss, diverse Unterlagen über Fachwissen zu einer Problemstellung zu beschaffen. Doch damit verbunden scheint die Inanspruchnahme des angebotenen „Services“. Viele Schüler nehmen diese passive Rolle zu ernst. Das heißt nicht, dass sie immer daran schuld sind, denn es kommt auf die Art und Weise der Darbietung darauf an. Ist diese sehr schlecht, wird die Konzentration gleich irgendwo zwischen gut und böse sein. Es erfolgt die Neigung zur Vorstufe des Einschlafens. Wird aber eine ansprechende Darbietung gezeigt, kann man dem Schüler auch nicht helfen, wenn er das Angebot von „bequemen“ Wissen nicht nützt und dann hinsichtlich Schularbeiten, Tests und Prüfungen sich den Stoff aus selbst zu suchenden Quellen erarbeiten muss (Terhart E., 1997, S. 142ff.).

2.2. Vorteile

Oftmals kommt es aber bei Lernenden genau umgekehrt vor, dass der Frontalunterricht das beliebteste „Medium“ in der Schule ist. Man kann passiv am Unterricht teilnehmen, das Wissen aufnehmen bzw. das herausfiltern, was einem wichtig erscheint und muss nicht unbedingt mit voller Konzentration die gesamte Einheit lang dabei sein. Die Folgen wurden jedoch bereits im vorigen Absatz erwähnt. Wenn noch dazu die Vortragsweise des Lehrenden akzeptabel oder sogar gut ist, gewinnen sehr viele Zuhörer dem Frontalunterricht einiges Positives ab.

„Die Stärke des Frontalunterrichts ist ... zugleich seine Schwäche“ (vgl. Meyer H, 1987, S. 184). Wie man sieht, drücken auch erfahrene und führende Didaktiker ihre Zweifel an, dass man den darstellenden Unterricht, welcher gleichzeitig als aufnehmendes Lernen bezeichnet wird, nicht als gut oder schlecht kategorisieren kann, sondern beidseitig belastet ist. So findet man Ansätze für die Eignung des Frontalunterrichts für spezifische Probleme. „Frontalunterricht eignet sich dann gut, wenn ein Lehrer einen bestimmten inhaltlich spezifizierten und klar strukturierten Wissens- und/oder Problembereich präsentieren will - und die Schüler diesen nachzuvollziehen und in ihr Wissen und Denken aufzunehmen haben“ (vgl. Terhart E., 1997, S. 142).

Wie schon erwähnt, erweist sich der darstellende Unterricht vor allem für spezifische Probleme hilfreich, wo der Lehrende den Lernenden Wissen vermittelt, das meist die Basis für weitere Prozesse bildet. Es wird sozusagen das Rüstzeug eines Bereiches gegeben. Der Lehrende soll dem Zuhörer das Problem erläutern und dieses anhand von allgemeinen Erklärungen verständlich machen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Gegenstand Rechnungswesen. Bevor Beispiele in der Gruppe, etc. diskutiert werden können, muss die Lehrperson einmal das Problem der Rechnungsabgrenzung aufzeigen, um überhaupt den Sinn der nachfolgenden Einheiten aufzuzeigen (Terhart E., 1997, S. 142ff.).

Der Autor Karl Aschersleben (1986, S. 33ff) führt vier große Vorteile des Frontalunterrichts an:

Er findet den darstellenden Unterricht sehr ökonomisch, da er Zeit und auch Geld sparend wirke. Es sei einfach unmöglich dass jeder Lehrer, von denen es nicht unbegrenzt viele gibt, sich mit jedem Schüler einzeln beschäftigt. Weiters seien manche Unterrichtsgegenstände einfach nur für einen Frontalunterricht geeignet, wobei er das Beispiel des Satz von Pythagoras anführt.

Als zweiten großen Vorteil erwähnt er die einfache Umsetzung von Frontalunterricht. Verurteilt aber die Kritiker, welche immer aufzeigen versuchen, dass diese einfache Unterrichtsweise nur für weniger gute oder überlastete Lehrer geeignet sei. Guter Frontalunterricht müsse trotz seiner einfachen Art sehr gut durchdacht und vorbereitet sein.

Weiters führt Aschersleben den disziplinarischen Vorteil an. Der Lehrende habe beim Frontalunterricht stets das ganze Plenum „im Auge“, könne sichtbare Unaufmerksamkeiten von einzelnen „Hörern“ sehen, diese abwenden und dagegen intervenieren. Jedoch verurteilt er Lehrende, die keine Motivation von den Schülern fordern, nur weil es sich um einen Vortrag ihrerseits handelt. Dies gilt laut ihm sogar als Missbrauch der Unterrichtstechnik.

Als vierten Punkt führt der Autor den Vorteil an, dass vor allem „Stoff“ mit geringem Schwierigkeitsgrad für den Frontalunterricht geeignet sei.

Es folgen weitere damit verbundene Vorteile, welche mit dem Mitteilen, gleichem oder nicht vorhandenem Vorwissen aller und gleichem Interesse des Plenums betitelt sind.

Man kann also erkennen, dass dem Frontalunterricht ein sehr weites Spektrum an Vorteilen zugerechnet werden kann. Es wird aber auch klar, dass es beim Einsatz der Methode auf Fingerspitzengefühl ankommt, um abwägen zu können, ob es in dieser oder jener Situation wirklich richtig ist, die Technik zu verwenden und vor allem in welchem Maße. „Wo diese Form des Unterrichtens aufgrund der gegebenen Situation, der nachstehenden Aufgaben sowie im Kontext einer Unterrichtsreihe adäquat ist, sollte sie ihre Vorteile auch entfalten können“ (vgl. Terhart E, 1997, S. 145).

So richtet sich die allgemein aufkommende Kritik nicht immer gegen den gut und richtig eingesetzten darstellenden Unterricht, sondern eher gegen die Dominanz, welche im Bereich der Schule aufscheint und wahrscheinlich auch niemals zu unterbinden sein wird.

Um also den gewünschten Lernerfolg zu erlangen und die gewünschte Qualität der Schülerwiedergaben bei diversen Prüfungen bzw. für die spätere Berufspraxis zu erreichen, benötigt es nicht die Abschaffung des Frontalunterrichts, sondern einen gezielten Einsatz verbunden mit anderen Lehrmethoden, um einen optimalen Mix zu finden. „Kein Unterricht ist gut, weil oder obwohl er offen ist, kein Unterricht ist gut, weil oder obwohl er frontal ist“ (vgl. Kleinschmidt-Bräutigam M, 1992, S.9).

Nicht zu vergessen beim Erreichen des Lernerfolgs durch Frontalunterricht ist der Faktor Zeit. Darbietender Unterricht ist sicherlich zeitmäßig am besten zu verwalten bzw. am einfachsten einzuschätzen. Der Lehrer gibt vor, wie lange und intensiv er sich mit dem Kern des zu behandelnden Stoffes beschäftigt und kann den Verlauf sehr gut steuern. Vergleicht man das ganze mit Gruppenarbeiten, findet man im Zeitmanagement sehr große Unterschiede.

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Details

Seiten
26
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640796915
ISBN (Buch)
9783640797028
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164643
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Institut für Organisation und Lernen
Note
1,0
Schlagworte
Unterrichtsmethoden

Autor

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Titel: Die Wahl der richtigen Methode: handlungsorientierter Unterricht vs. Frontalunterricht