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Erweiterung des Euro-Währungsgebiets

Eine kritische Würdigung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 25 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung1

2. Die Entwicklung des Euro-Währungsgebiets2
2.1 Von der Utopie einer europäischen Gemeinschaft
2.2 Die 3 Stufen der Wirtschafts- und Währungsunion
2.3 Der Euroraum wächst

3. Die EU-Konvergenzkriterien vor Beitritt6
3.1 Ziel und Zweck der Zugangsvoraussetzungen
3.2 Die Maastrichter Konvergenzkriterien
3.2.1 Preisstabilität
3.2.2 Haushaltsdisziplin
3.2.3 Wechselkursstabilität
3.2.4 Konvergenz der Zinssätze
3.2.5 Weitere Prüfungskriterien
3.3 Die Anwendung der Kriterien in der Vergangenheit

4. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt – Die Kriterien nach Beitritt 11
4.1 Ziel und Zweck des SWP
4.2 Präventive Überwachung und korrektives Vorgehen
4.3 Der ‚Blaue Brief‘ für Deutschland

5. Die Theorie der optimalen Währungsräume13
5.1 Robert Mundells ‘Theory of Optimum Currency Areas‘
5.2 Erweiterungen der Mundell‘schen Theorie
5.3. Der Euroraum – ein optimaler Währungsraum?

6. Schlussfolgerung18

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Die drei Stufen der EWWU

Abb. 2: Das Euroland mit elf Mitgliedstaaten, Stand 1999

Abb. 3: Die fiskalische Konvergenz der EWWU-Länder, Stand 1998

Abb. 4: Die Europäische Union und der Euro, Stand 2009

1. Einleitung

Am 01. Januar 2002 wurde der Euro erstmals als Bargeld der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion eingeführt. Seitdem nimmt die Zahl der Menschen, die den Euro als Zahlungsmittel nutzen, stetig zu. So haben die EU-Osterweiterung sowie der Beitritt Maltas und Zyperns im Jahr 2004 bereits ihre Auswirkung auf die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion EWWU gezeigt; zuletzt durch den Beitritt der Slowakei. Weitere mittel- und osteuropäische Länder MOEL beabsichtigen, sich in naher Zukunft von ihren bisherigen Währungen zu trennen, um den Euro einführen zu können. Zu dieser Übernahme sind die neuen Mitgliedsländer der EU auch gemäß Maastrichter Vertrag langfristig verpflichtet – sobald sie die vertraglich verankerten Konvergenzkriterien erfüllt haben.

Um ein reibungsloses Verständnis zu garantieren, sollen zunächst einige Begrifflichkeiten erläutert werden. So gibt es das Eurosystem, das aus den Zentralbanken aller Mitgliedstaaten besteht, die den Euro als Währung bereits nutzen und eine gemeinsame Geldpolitik betreiben. Davon zu unterscheiden ist das Europäische System der Zentralbanken, zu dem die EZB sowie die Zentralbanken aller Staaten der EU gehören. Neben den teilnehmenden Ländern differenziert man darüber hinaus die Mitglieder mit Sonderstatus wie Dänemark und Großbritannien, sowie die Länder mit Ausnahmeregelung wie Lettland und Litauen.

Die vorliegende Arbeit gibt zunächst einen geschichtlichen Überblick über die Entstehung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Das darauffolgende Kapitel widmet sich den Maastrichter Konvergenzkriterien sowie weiteren Faktoren, die eine Teilnahme an der EWWU ermöglichen. Hier wird zudem die bisherige Anwendung der Kriterien bei Gründung und Erweiterung der EWWU kritisch betrachtet. Daraufhin stelle ich den Stabilitäts- und Wachstumspakt vor und beleuchte kurz das Urteil des Europäischen Gerichtshofes infolge des Defizitverfahrens gegen Deutschland. Der letzte Abschnitt befasst sich mit Robert Mundells Theorie optimaler Währungsräume und der Frage, ob der Euroraum die geforderten Kriterien erfüllt.

2. Die Entwicklung des Euro-Währungsgebiets

2.1 Von der Utopie einer europäischen Gemeinschaft

„Verschmilzt die Wirtschaft zur einer Gemeinschaft, und das wird früher geschehen, als wir denken, so verschmilzt auch die Politik. Das ist nicht der Weltfriede, nicht die Abrüstung und nicht die Erschlaffung, aber es ist Milderung der Konflikte, Kräfteersparnis und solidarische Zivilisation.“[1] Mit diesen Worten prophezeite Walther Rathenau, damaliger Außenminister der Weimarer Republik, bereits im Jahre 1913 die Entstehung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion.

Das Fundament bildet der 1967 geschlossene Fusionsvertrag zur Europäischen Gemeinschaft EG, die sich aus der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl EGKS, der Europäischen Atomgemeinschaft Euratom sowie der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft EWG zusammensetzte. Die seit 1952 existierende, auch als Montanunion bekannte EGKS wurde von Belgien, Luxemburg, Italien, den Niederlanden, Frankreich und der BRD gegründet. Um Handels- und Zollhemmnisse zu beseitigen und zur Entstehung eines gemeinsamen Marktes beizutragen, beschlossen diese Länder sechs Jahre später durch Unterzeichnung der Römischen Verträge die Euratom sowie die EWG. Obwohl bereits erste Entwürfe über eine gemeinsame Wirtschafts- und Währungsunion vorlagen, dauerte es noch mehrere Jahre bis zur Realisierung der Europäischen Integration.

Erneuten Anstoß gab die Regierungskonferenz 1969 in Den Haag, auf der über die Vertiefung der Zusammenarbeit in den Bereichen der Außen- und Währungspolitik diskutiert und im Rahmen derer der Barre-Plan vorgestellt wurde. Dieser sprach sich für eine stärkere Abstimmung der nationalen Währungspolitiken aus, da das Bretton-Woods-System zu dieser Zeit zunehmend Anzeichen von Anspannung zeigte. Dieses internationale Währungssystem legte seit 1944 die Landeswährung gegenüber dem US-Dollar fest und vereinbarte die Wechselkurse zwischen jeweils zwei Nichtdollar-Währungen. Der Barre-Plan diente als Grundlage für den sogenannten Werner-Bericht, der infolge der Konferenz in Auftrag gegeben wurde und die Verwirklichung einer gemeinsamen WWU innerhalb von 10 Jahren mithilfe eines Drei-Stufen-Plans vorsah. Aufgrund weltweiter Währungsturbulenzen in Folge der Ölkrise 1973/1974 brach jedoch das Bretton-Woods-System endgültig zusammen und der Plan scheiterte.

Angesichts der drohenden Krise wurde bereits 1972 durch das Baseler Abkommen der Europäische Wechselkursverbund eingeführt, der zunächst als ‚Schlange im Tunnel‘ bekannt wurde. Dabei handelt es sich um einen „Mechanismus zur Steuerung der Schwankungen ihrer Währungen (der Schlange) innerhalb enger Bandbreiten gegenüber dem USD (dem Tunnel).“[2] Nach Freigabe des Dollarkurses 1973 entfiel der Tunnel und die „Währungen der ‚Schlange‘ ‚floateten‘ im Block gegenüber dem US-Dollar.“[3] Jedoch war die Währungsschlange nicht institutionalisiert und beinhaltete keinen gegenseitigen Unterstützungsmechanismus, sodass es ihr an Stabilität fehlte.

Sieben Jahre später wurde sie durch das Europäische Währungssystem EWS abgelöst, dessen Teilnehmerstaaten untereinander eine Zone stabiler Wechselkurse bildeten, gegenüber Drittwährungen […] aber ihre Wechselkurse im Grundsatz frei schwanken ließen.“[4] Damit versuchten sie die Vorteile der mit dem EG-Vertrag geschaffenen Zollunion zu erhalten und durch - im Falle von Währungsinstabilitäten - drohende Abwertungen unkontrollierbare Abwertungsketten innerhalb der EG-Länder zu vermeiden.[5] Zugleich wurde die Währungseinheit European Currency Unit ECU eingeführt, zu der die Leitkurse aller Mitgliedsländer im Verhältnis festgelegt wurden und so ein bilaterales Paritätengitter ergaben. Damit kam der Wechselkursmechanismus zum Tragen, der die Wechselkursfluktuationen innerhalb spezifischer Bandbreiten von +/- 2,25% halten sollte. Die ECU wurde zudem als Zahlungsmittel und Reservewährung der nationalen Zentralbanken verwendet. Durch diese Wechselkursregelungen sollte der Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr erleichtert und ein einheitlicher europäischer Markt nach dem Vorbild der USA geschaffen werden.

Die bedeutendste Reform des EG-Vertrags - die Einheitliche Europäische Akte EEA – im Jahre 1986 bildete die Grundlage zur Schaffung des Binnenmarktes und verpflichtete durch gemeinschaftliche Aufgaben und Befugnisse zu verstärkter Zusammenarbeit.

2.2 Die 3 Stufen der Wirtschafts- und Währungsunion

1988 tagte der Europäische Rat, welcher durch die EEA zwei Jahre zuvor als feste Institution verankert wurde, mit dem Ziel, die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion vorzubereiten und einzuführen. Der dazu zusammengestellte Expertenausschuss empfahl im sogenannten Delors-Bericht die EWWU in drei Stufen auszubauen.

[...]


[1] Rathenau, W., Schriften, 1918, S. 276-278.

[2] Portal der Europäischen Union, Weg, 2008, online.

[3] Stapelfeldt, G., Union, 1998, S. 190.

[4] Jarchow, H.-J., Theorie, 2003, S. 431.

[5] Vgl. Welfens, P. J. J., Grundlagen, 2005, S. 628.

Details

Seiten
25
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640797394
ISBN (Buch)
9783640797165
Dateigröße
779 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164555
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,0
Schlagworte
Euro-Währungsgebiet Erweiterung Geldtheorie Geldpolitik Konvergenzkriterien Euro-Raum

Autor

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