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Albert O. Hirschman und die Präferenzen im Rational Choice Modell

Hausarbeit 2003 15 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der ökonomische Modellmensch und seine Präferenzen
2.1 Darstellung des ökonomischen Modellmenschen
2.2 Die Rolle der Präferenzen im Rational Choice Ansatz

3. Die Einführung weicher Spezifikationen in den Rational Choice Ansatz
3.1 Hirschmans Theorie von Engagement und Enttäuschung
3.2 Die Rolle der Enttäuschung beim Präferenzwandel

4. Vergleich der Stellung der Präferenzen in den beiden Modellen

5. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Albert O. Hirschman, 1915 in Berlin geboren, veröffentlichte zahlreiche Werke, in welche er seine Bedenken an den herkömmlichen Denkmodellen der Ökonomie äußerte. Erstaunlich ist dies vor allem, da Hirschman bis 1975 selbst Professor für Politische Ökonomie an der Harvard University war. Seine Kritik an den Denkmodellen der Ökonomie leitete er aus der Verknüpfung von individueller Erfahrung und allgemeinen politischen Fragestellungen ab. Trotz all seiner Bedenken hält Hirschman den Ökonomischen Ansatz für fruchtbar. In seinem Buch von 1984: `Engagement und Enttäuschung`[1] untersucht Hirschman über die Fachgrenzen ökonomischer Modelle und Theorien hinaus die Motive individuellen und kollektiven Handelns und deren Veränderung. Indem er die Rolle der Enttäuschung beim Präferenzwandel untersucht, unternimmt Hirschman eine Reise in das bis dahin kaum bearbeitete Feld der sozioökonomischen Psychologie. Er zeigt auf, dass die Enttäuschung eine zentrale Rolle im Prozess des Präferenzwandels einnimmt. In der vorliegenden Hausarbeit soll untersucht werden, wie sich Hirschmans Modell des Präferenzwandels und das herkömmliche ökonomische Denkmodell zueinander verhalten. Dazu wird als Basis der Rational Choice Ansatz, unter der besonderen Berücksichtigung der Stellung der Präferenzen, dargestellt. Im Anschluss daran wird Hirschmans Modell des Präferenzwandels durch Enttäuschung rekonstruiert. Beide Modelle von Präferenzen werden nun miteinander verglichen, um vorhandene Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten, beziehungsweise um aufzuzeigen an welchen Punkten Hirschmans Theorien weitreichender sind als die herkömmlichen ökonomischen Theorien. Zwar untersucht Hirschman in seinem Buch ebenfalls ausführlich den Wechsel zwischen privater und öffentlicher Handlungsebene des Engagements und dessen Motivationen, aber diese Thematik soll so weit wie möglich aus der Hausarbeit ausgeklammert werden, sodass der Schwerpunkt der Hausarbeit auf den Präferenzen liegen kann.

2. Der ökonomische Modellmensch und seine Präferenzen

2.1 Darstellung des ökonomischen Modellmenschen

In der klassischen Ökonomie wird ein Individuum als Explanans modelliert, um dann mit der Hilfe der Modellierung des Individuums auf kollektive Phänomene zu schließen. Die angewandte Vorgehensweise ist also der Methodologische Individualismus und als Ergebnis führt diese Art des Vorgehens zu einem deduktiv – nomologischen Erklärungsmodell. Mit dem Modellindividuum des Homo Oeconomicus soll eine Übertragung der individuellen Entscheidungen eines Akteurs auf kollektive Handlungen möglich werden. Kollektives Handeln ergibt sich nach den Prämissen des methodologischen Individualismus aus der Summierung sämtlicher individueller Handlungen, auch Logik der Aggregation genannt. Der Neuen Politischen Ökonomie[2] geht es um die Erklärung der Handlungenweisen von Kollektiven. Teil der Neuen Politischen Ökonomie ist der Rational Choice Ansatz als Entscheidungstheorie. Die Rational Choice Theorie dominiert zurzeit die moderne Politikwissenschaft und mit ihrer Hilfe wird das menschliche Verhalten im Sinne rationaler Entscheidungen analysiert. Durch die Logik der Selektion zwischen möglichen Entscheidungen ergibt sich die letztendliche Entscheidung des Individuums. Rational Choice nimmt die Rolle einer Logik der Situation ein. Rational Choice meint allerdings nicht Modellierung rationaler Entscheidungen, sondern rationale, von Dritten nachvollziehbare, Rekonstruktion empirisch verbreiteter Verhaltensmuster oder Konstruktionen zum Zwecke des Modellbaus. In der Logik der Situation ist etwa zu modellieren, wie das Individuum in der jeweiligen Situation die ihm offenstehenden Handlungsalternativen wahrnimmt und von welcher Handlungsalternative es glaubt, dass ihre Durchführung mit hinreichender Erfolgswahrscheinlichkeit den erhofften Nutzen einbringen.[3]

Zu Grunde liegt dem Rational Choice Ansatz das Prinzip der Nutzenmaximierung unter der Restriktion von Ressourcenknappheit. Dazu hat jedes Modellindividuum bestimmte Präferenzen und Handlungsoptionen. In Hinsicht der Inhalte ihrer Präferenzen sind die Modellindividuen unterschiedlich, das heißt jedes Individuum verfügt über subjektive Präferenzen. Allerdings sind alle Modellindividuen in der Lage ihre persönlichen Präferenzen widerspruchsfrei zu ordnen.

Es ist dem Modellindividuum ebenfalls möglich, alle seine Präferenzen, Handlungsoptionen und möglichen Zeile genau zu erkennen. Da sich auf Grund der vorherrschenden Knappheit nicht alle Präferenzen zeitgleich verfolgt werden können, muss das Modellindividuum Entscheidungen fällen. Unter Knappheit wird zum Beispiel die beschränkte Lebenszeit oder das zur Verfügung stehende Einkommen verstanden. Die Entscheidungen werden auf Grund des Ökonomischen Rationalitätsprinzip und den subjektiven Präferenzen gefällt. Das Modellindividuum versucht dabei immer, sich nutzenmaximierend zu verhalten und parallel dazu seine Kosten zu minimieren.[4] Bevor Handlungsentscheidungen getroffen werden, entwickelt das Modellindividuum in sich gewisse Bilder oder Vorstellungen im Bezug auf den Grad der zu erwarteten Befriedigung, welche er sich von seinem Handlungsakt verspricht. Diese unabhängige Existenz eines Handlungsplans und die in ihn eingehenden Erwartungen bedeuten, dass es bei der ersten Ausführung des Handlungsaktes zu einer Differenz zwischen Realität und Erwartung kommen kann. Da der Modellmensch über seine Präferenzen und seine Handlungsoptionen sowie deren Erfolgswahrscheinlichkeit vollkommen informiert ist, kann er eine feste Präferenzordnung erstellen. Die ursprüngliche Annahme, dass der Akteur vollständig rational handelt wurde aber in neueren Ansätzen aufgegeben, welche davon ausgehen, dass der Akteur nur beschränkt rational handeln kann.[5] Grund für diese Änderung ist die Erkenntnis, dass der Akteur nicht, wie ursprünglich angenommen, vollständig informiert ist. Informationsbeschaffung bedeutet nämlich auch das Entstehen von Kosten, welche im Verhältnis zu der Relevanz der zu bewältigenden Entscheidungsfindung stehen müssen. Da die Kosten minimiert werden sollen, kann sich der Akteur nicht auf vollständige Informationen verlassen, sondern muss seine Informationsbeschaffung an einem hinreichenden Punkt abbrechen. Das Modellindividuum muss also auch Entscheidungen unter Unsicherheit bezüglich des zu erwartenden Ergebnisses treffen.

[...]


[1] Hirschman, Albert O. 1984: Engagement und Enttäuschung. Über das Schwanken der Bürger zwischen Privatwohl und Gemeinwohl. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.

[2] Vgl. Druwe, Ulrich 1995: Politische Theorie. 2. überarbeitete und erweiterte Aufl., Neuried: Ars Una, S. 305.

[3] Vgl. Esser, Hartmut 1991: Rational Choice. In: Berliner Journal für Soziologie. Hefte 2 (1991), S. 234.

[4] Vgl. Druwe, Ulrich 1995: Politische Theorie. 2. überarbeitete und erweiterte Aufl,. Neuried: Ars Una, S. 305.

[5] Weiteres nachzulesen bei: Esser, Hartmut 1991: Alltagswissen und Verstehen. Zum Verhältnis von erklärender und verstehender Soziologie am Beispiel von Alfred Schuetz und "rational choice". Tübingen: Mohr.

Details

Seiten
15
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638213097
ISBN (Buch)
9783640614165
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v16454
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Politikwissenschaft
Note
2,7
Schlagworte
Albert Hirschman Präferenzen Rational Choice Modell Moderne Politische Theorie

Autor

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Titel: Albert O. Hirschman und die Präferenzen im Rational Choice Modell