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Investitionsstrategien im Bereich Regenerative Energien und deren Wachstumswirkung für China, Deutschland und die USA

Masterarbeit 2010 90 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Investitionsstrategische Überlegungen
1.1 Grundlagen der Investitionstheorie
1.2 Investition und Finanzierung
1.3 Besonderheiten von Projekten im Bereich Regenerative Energien
1.3.1 Versorgung eines Haushalts mit selbst gewonnener Energie
1.3.2 Amortisationsdauer von Investitionen
1.3.3 Subventionierung und Verpflichtung durch den Staat

2 Wachstumsimpulse durch Investitionen
2.1 Allgemeine Ableitungen aus der Wachstumstheorie
2.1.1 Positive Wirkung zusätzlicher Investitionen
2.1.2 Die Rolle von Innovationen
2.2 Branchenspezifische Auswirkungen
2.2.1 Höhe und Auswirkung der Subventionierung
2.2.2 Entwicklung der Strompreise
2.2.3 Ausweitung von Exporten

3 Anreize und Strategien im internationalen Vergleich
3.1 Das Erneuerbare-Energien-Gesetz und die Solarindustrie in Deutschland
3.2 Wunsch nach mehr Arbeitsplätzen und Unabhängigkeit in den USA
3.3 Mix aus erneuerbaren Energien zur Deckung von Chinas Energiebedarf
3.4 Zusammenführung der Beobachtungen

4 Gegenüberstellung der Strategien
4.1 Renditeprognose für Privatinvestoren
4.1.1 Grundlegende Unterschiede der Anreiz- und Gewinnsituation
4.1.2 Auswahl des optimalen Energieträgers
4.1.3 Finanzierungsalternativen und Zwischenfazit
4.2 Auswirkungen auf die Wohlfahrt der betrachteten Länder
4.2.1 Allgemeine Wachstumseffekte
4.2.2 Betrachtung der Innovationslandschaft
4.2.3 Ergebnisse in Bezug auf die individuellen Zielsetzungen
4.4 Ökologische Nachhaltigkeit der gewählten Maßnahmen

5 Zusammenfassung der Ergebnisse und Zukunftsaussichten

Quellen- und Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 : Darstellung einer Zahlungsreihe für Investitionen

Abbildung 2: Zahlungsreihe einer Investition mit Fremdkapitaleinfluss

Abbildung 3: Produktion und Kapital je Beschäftigten

Abbildung 4: Die Auswirkungen von technischem Fortschritt

Abbildung 5: Auswirkungen von Subventionen auf Preis und Nachfrage

Abbildung 6: Der Mindestpreis und dessen Subventionierung

Abbildung 7: Export des inländischen Überschussangebotes

Abbildung 8: Strombereitstellung aus erneuerbaren Energien in Deutschland

Abbildung 9: Nutzung erneuerbarer Energien in den USA nach Quellen (2008)

Abbildung 10: Zusammensetzung von Chinas Regenerative-Energien-Mix

Abbildung 11 : Zahlungsreihe für eine Solarinvestition in Deutschland (in Euro)

Abbildung 12: Zahlungsreihe für eine Solarinvestition in den USA (in US-Dollar)

Abbildung 13: Zahlungsreihe für eine Solarinvestition in China (in Yuan)

Abbildung 14: Finanzierung einer Solarinvestition in Deutschland (in Euro)

Abbildung 15: Solarinvestition in Deutschland mit 30% Fremdfinanzierung (in Euro)

Abbildung 16: Solarinvestition in den USA mit 30% Fremdfinanzierung (in Dollar)

Abbildung 17: Solarinvestition in China mit 30% Fremdfinanzierung (in Yuan)

Abbildung 18: Anfängliche Entwicklung der Arbeitsproduktivität

Abbildung 19: Umsatz der Top-10 Solarunternehmen weltweit 2010 (Prognose)

Abbildung 20: Börsenwert ausgewählter Solarunternehmen weltweit (in Mio. Euro)

Abbildung 21: Kapitalintensität und Arbeitsproduktivität im Vergleich

Abbildung 22: Auswirkung der ausgeprägten F&E-Aktivitäten in den USA

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 : Ausgangsdaten für zwei konkurrierende Projekte

Tabelle 2: Gewinnvergleichsrechnung für zwei Investitionen

Tabelle 3: Übersicht der Aus- und Einzahlungen für ein Projekt X

Tabelle 4: Berechnung der Amortisationsdauer (Kumulationsmethode)

Tabelle 5: Förderung regenerativer Energien im internationalen Vergleich

Tabelle 6: Investitionsdaten für Solarstromanlagen (Angaben umgerechnet in Euro)

Tabelle 7: Gewinnvergleichsrechnung für Wasserkraftprojekte

Tabelle 8: Amortisation von verschiedenen RE-Projekten

Tabelle 9: Übersicht der einzelnen Amortisationszeiten

Tabelle 10: Individuelle Ziele und bisherige Erfolge

Einleitung

Seit dem Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls im Jahre 2005 haben viele der teilnehmenden Staaten große Anstrengungen unternommen, um den weltweiten Ausstoß von sogenann­ten Treibhausgasen zu reduzieren. Einen ganz entscheidenden Beitrag zur Erfüllung der festgelegten Ziele soll dabei die Energiegewinnung aus regenerativen Quellen wie Sonne, Wasser oder Wind liefern. Aufgrund der zunehmenden staatlichen Förderung und der steigenden Nachfrage innerhalb der Bevölkerung entstanden so in den vergangenen Jah­ren neue internationale Märkte, die sich ausschließlich auf erneuerbare Energien konzent­rieren. Da sich die verschiedenen Technologien allerdings derzeit noch in einer sehr frü­hen Phase befinden und Massenproduktion nur langsam aufgenommen wird, sind Projek­te in diesem Bereich sehr kostenintensiv. Dies gilt allgemein sowohl für den Staat, der Mittel für Subventionen aufbringen muss, als auch für Unternehmen, die in Forschung und Entwicklung investieren und für die Endkunden, die beim Kauf einer eigenen Anlage mit hohen Anschaffungskosten rechnen müssen. Demgegenüber stehen verschiedene Möglichkeiten, Rückflüsse aus den getätigten Investitionen zu generieren. Unternehmen, die sich auf die Fertigung oder den Verkauf von Anlagen zur Energieerzeugung speziali­siert haben, profitieren unmittelbar von einer steigenden Nachfrage, welche wiederum zu höheren Gewinnen führt. Häufig wird aber auch Privatpersonen ein Anreiz zur Nutzung gegeben, wenn eventuell überschüssige Energie vom Netzbetreiber aufgekauft und in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Außerdem kann eine Ersparnis entstehen, wenn man sich entscheidet, den erzeugten Strom selbst zu verbrauchen und somit nicht weiter auf den Bezug aus fremden Quellen angewiesen ist.

In dieser Arbeit geht der Autor zwei unterschiedlichen Fragen nach, die sich auf die Ent­wicklung der Märkte für regenerative Energien in China, Deutschland und den USA be­ziehen. Die erste Frage ist, welche unterschiedlichen Strategien zur Ausweitung von In­vestitionen im Bereich Regenerative Energien in den jeweiligen Ländern zum Einsatz kommen und welche Rendite dabei in Aussicht gestellt wird. Die zweite Frage ist, in­wieweit die jeweiligen Vorgehensweisen die gesamtwirtschaftliche Entwicklung des ei­genen Landes beeinflussen. Die voneinander abweichenden Ansätze sollen dabei vergli­chen werden, um eventuelle Überlegenheiten bestimmter Strategien aufzudecken und somit Handlungsempfehlungen zu ermöglichen.

Zur Klärung dieser Hauptfragen geht der Autor wie folgt vor. Zunächst werden im ersten Kapitel die Grundzüge der Investitionstheorie vorgestellt und die speziellen Anforderun­gen für Projekte im Bereich Regenerative Energien aufgezeigt. Danach folgen theoreti- sche Überlegungen bezüglich der Auswirkung von Investitionsentscheidungen auf die Wachstums- und Entwicklungsperspektiven eines Landes. Erneut werden hier Besonder­heiten der betrachteten Branche berücksichtigt. Im dritten Kapitel erfolgt eine Beschrei­bung der Ausgangslage in den ausgewählten Ländern Deutschland, USA und China. Es werden sowohl die eigentlichen Beweggründe zur Förderung sauberer Energieträger als auch die bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt ergriffenen Maßnahmen und Strategien vorge­stellt. Das vierte Kapitel stellt die Investitionsstrategien dann vergleichend gegenüber und liefert so eine Aussage darüber, wie sich die Investoren und die Regierungen verhalten sollten, um einen möglichst hohen Nutzenzuwachs zu erzielen. Abschließend nimmt der Autor im letzten Kapitel eine Zusammenfassung der Ergebnisse vor und gibt aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse einige Prognosen über die zukünftige Entwicklung der Branche ab.

1 Investitionsstrategische Überlegungen

Unabhängig davon, ob es sich um eine Privatperson, ein Unternehmen oder den staatli­chen Sektor handelt, spielen beim Kauf oder dem Bau einer Anlage zur Energiegewin­nung immer die in der Zukunft zu erwartenden Aus- und Einzahlungen des Projekts eine Rolle. In der Investitionstheorie werden diese Größen häufig in einer sogenannten Zah­lungsreihe miteinander verrechnet und gegenübergestellt, um so eine Entscheidung dar­über zu ermöglichen, ob das Vorhaben tatsächlich realisiert werden soll oder nicht. Eben­falls liefert die Theorie somit ein Mittel für potenzielle Investoren, um aus verschiedenen Projekten das für ihn vorteilhafteste auszuwählen.

1.1 Grundlagen der Investitionstheorie

Als Definition innerhalb dieser Arbeit soll eine Investition „eine betriebliche Tätigkeit [sein], die zu unterschiedlichen Zeitpunkten t Aus- und Einzahlungen (zt < 0, zt > 0) ver­ursacht, wobei dieser Vorgang immer mit einer Auszahlung beginnt.“[1] Eine Investition wird dabei mit dem Ziel getätigt, dass nach dem anfänglichen Abgang monetärer Mittel in den folgenden Perioden ein Rückfluss entsteht, der irgendwann die Auszahlungen nicht nur ausgleicht, sondern übersteigt und somit einen Gewinn generiert. Die Investiti­onsrechnung lässt sich zunächst in statische und dynamische Verfahren unterteilen, die sich dadurch unterscheiden, ob der Zeitpunkt anfallender Zahlungen einen Einfluss auf die Entscheidung hat oder nicht. Gerade für private Investoren ist es aber ein wichtiger Einflussfaktor, wann genau die Rückflüsse erfolgen, weil unter Umständen das Geld be­reits für weitere, zinsbringende Projekte eingeplant wird. Ebenfalls kann sich die Ge­winnlage im Laufe der Zeit stark verändern und dies sollte auf jeden Fall in die Überle­gungen mit einbezogen werden. Dynamische Verfahren sind also wesentlich besser ge­eignet, um die bestmögliche Alternative aus einer Reihe von Projekten auszuwählen. Dennoch können statische Verfahren mit wenig Aufwand eine erste Einschätzung ermög­lichen und werden daher in der Praxis häufig herangezogen. Zu den statischen Verfahren gehören die Gewinnvergleichsrechnung, die Kostenvergleichsrechnung, die Renditever­gleichsrechnung und die Amortisationsrechnung. Unter diesen Methoden sollen jedoch im späteren Verlauf der Arbeit lediglich die Gewinnvergleichsrechnung und die Amorti­sationsrechnung wieder aufgegriffen werden. Letztere wird in Kapitel 1.3.2 noch ausführ­lich thematisiert und bildet zusammen mit den dynamischen Verfahren, die später im Verlauf dieses Kapitels behandelt werden, die theoretische Grundlage für weitere Über­legungen. An dieser Stelle soll dennoch kurz die Gewinnver-gleichsrechnung erläutert werden, um einen ersten Einblick in investitionsstrategische Herangehensweisen zu er­möglichen und um die Mängel des Verfahrens aufzuzeigen.

Wichtig ist zunächst, dass bei der Methode „der Periodengewinn des jeweiligen Projekts als Differenz zwischen Erträgen und Aufwendungen ermittelt [wird] (also nicht zwischen Einzahlungen und Auszahlungen).“[2] Das bedeutet konkret, dass bei der Kalkulation auch Abschreibungen und Zinsen berücksichtigt werden müssen. Als Beispiel soll sich ein Investor zwischen zwei Projekten A und B entscheiden, welche den Bau unterschiedli­cher Produktionsmaschinen vorsehen. Die Produkte erzielen, da sie unabhängig von der Maschine immer die gleiche Qualität aufweisen, in jedem Fall einen Marktpreis von je 10€. Gegeben sind folgende Angaben über die beiden Maschinen:

Tabelle 1: Ausgangsdaten für zwei konkurrierende Projekte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Kruschwitz, Lutz (2005): „Investitionsrechnung“ (S. 34)

Um nun den Gewinn der beiden Projekte zu errechnen, müssen Erträge und Aufwendun­gen gegenübergestellt werden. Der Ertrag ergibt sich jeweils aus der Produktionsmenge multipliziert mit dem Stückpreis von 10€. An Kosten fallen hier wie bereits erwähnt ne­ben den aufgeführten fixen und variablen Kosten (letztere errechnen sich aus der Produk­tionsmenge multipliziert mit den variablen Kosten je Stück) kalkulatorische Abschrei­bungen und Zinsen an. Die Abschreibungen werden linear auf die Nutzungsjahre verteilt und als Zinssatz werden 10% auf das durchschnittlich gebundene Kapital (Anschaffungs­preis geteilt durch zwei) angesetzt. Es ergibt sich folgende Rechnung zur Ermittlung des jeweiligen Gewinns:

Tabelle 2: Gewinnvergleichsrechnung für zwei Investitionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an: Kruschwitz, Lutz (2005): „Investitionsrechnung“ (S. 34)

Zur Auswahl der besten Investitionsalternative gilt innerhalb dieses Verfahrens ganz ein­fach: „Diejenige Investitionsalternative, die den höchsten Gewinn aufweist, ist zu wäh­len.“[3] Somit wäre in dem hier gewählten Beispiel das Projekt B mit einem durchschnittli­chen Jahresgewinn in Höhe von 50.000€ dem Projekt A vorzuziehen. Allerdings lässt sich an diesem Punkt bereits Kritik an der Methode der Gewinnvergleichsrechnung an­bringen. Es wurden im Beispiel unterschiedlich hohe Anschaffungsauszahlungen vorge­nommen und sollte der Investor Projekt A wählen, so würden ihm zu Beginn 100.000€ gegenüber Projekt B übrig bleiben, die er wiederum an einer anderen Stelle gewinnbrin­gend anlegen könnte. Diese Möglichkeit wird jedoch von der Gewinnvergleichsrechnung vollkommen außer Acht gelassen. Ein zweiter Kritikpunkt liegt in der unterschiedlichen Nutzungsdauer. Projekt A läuft, nachdem Projekt B beendet ist, noch ein ganzes Jahr weiter und generiert weiterhin Gewinne. Unter diesem Aspekt müsste eigentlich Projekt A als vorteilhaft betrachtet werden, da es über die gesamte Laufzeit hinweg 5 x 45.000€ = 225.000€ an Gewinn erzielt, wohingegen Projekt B nur auf 4 x 50.000€ = 200.000€ kommt. Da bei diesem Verfahren allerdings nur die jährlichen Durchschnittswerte für den Gewinn verglichen werden, kommt man zu einem anderen Ergebnis. Als Beurteilung folgt also: „Eine Gewinnvergleichsrechnung ist nur dann unproblematisch, wenn es sich um Investitionen mit gleicher Nutzungsdauer und gleichem Kapitaleinsatz handelt. Sonst sind Fehlentscheidungen wahrscheinlich.“[4]

Die gleiche Kritik lässt sich auch für die Verfahren Kostenvergleichsrechnung und Ren­ditevergleichsrechnung anbringen. Da man in der Realität jedoch nur selten die Auswahl aus Projekten mit exakt gleicher Ausstattung trifft, werden die drei Verfahren kaum Re­levanz für die in dieser Arbeit verfolgten Ziele haben. Dennoch wird das Verfahren der Gewinnvergleichsrechnung vom Autor unterstützend hinzugezogen, da es in der Praxis trotz seiner Mängel häufig verwendet wird. Hierin könnte auch eine Erklärungsmöglich­keit für die in der Realität anzutreffende Auswahl eigentlich unterlegener Projekte liegen. Grundlegend für die weitere Analyse werden als Folge die dynamischen Verfahren der Investitionsrechnung sein. Die wichtigsten unter diesen sind die Kapitalwertmethode, die Annuitätenmethode und die Methode des internen Zinssatzes, wobei sich der Autor hauptsächlich der erstgenannten Methode bedienen wird. Im Folgenden werden die grundlegenden Überlegungen dynamischer Verfahren erläutert und dann ein Beispiel zur Kapitalwertmethode durchgerechnet. Den Abschluss des Kapitels bildet dann eine kurze Ausführung zu den zwei anderen genannten Verfahren.

Zur Durchführung eines dynamischen Ansatzes muss - wie in der Einleitung des ersten Kapitels erwähnt - zunächst eine Zahlungsreihe aufgestellt werden. Diese stellt die jeweiligen Aus- und Einzahlungen zukünftiger Perioden gegenüber, wobei sich diese im Laufe der Zeit verändern können. Es werden also nicht wie in der Gewinnvergleichsrech­nung Durchschnittswerte über alle Perioden gebildet, sondern jede Periode einzeln be­trachtet. Wie in der Definition für Investitionen beschrieben, beginnt der Vorgang mit einer Auszahlung, das heißt der Investor gibt zu Beginn eine bestimmte Menge Geld aus, um ein von ihm gewähltes Projekt verwirklichen zu können. In der Folge muss der Investor laufende Auszahlungen wie beispielsweise Instandhaltungskosten einkalkulieren und kann auf der anderen Seite mit Einzahlungen rechnen, die aus dem Absatz der hergestellten Güter resultieren. Verrechnet man die Ein- und Auszahlungen der einzelnen Perioden, erhält man sogenannte „Einzahlungsüberschüsse“ oder den „cash flow“, wobei der Begriff „Überschuss“ sich auch auf eine negative Zahl beziehen kann. Folgendes Beispiel für ein Projekt mit den jeweiligen Aus- und Einzahlungen sei gegeben:

Tabelle 3: Übersicht der Aus- und Einzahlungen für ein Projekt X

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Pflaumer, Peter (2005): „Investitionsrechnung (S. 8)

Allein die Einzahlungsüberschüsse sind für die weiteren Berechnungen entscheidend und werden zur Veranschaulichung nun in einer anderen Form dargestellt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Darstellung einer Zahlungsreihe für Investitionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Pflaumer, Peter (2005): „Investitionsrechnung“ (S. 9)

Als Alternative zur hier beschriebenen Investition bietet sich dem Investor die Möglich­keit zum Kauf einer Anleihe mit jährlicher Verzinsung in Höhe von 10%. Dieser Prozent­satz bildet damit den sogenannten Kalkulationszinsfuß, welcher als Basis zum Vergleich herangezogen wird. Erwirtschaftet eine Investition mehr als die Anlage zu diesem Zins­satz (welcher die beste Alternative darstellt), so ist sie auf jeden Fall vorzuziehen. An­dernfalls sollte die Investition abgelehnt und statt dessen das Geld zum Kalkulationszins­fuß angelegt werden.

Mit der Kapitalwertmethode wird nun der Wert der zukünftig zu erwartenden Einzah­lungsüberschüsse für den gegenwärtigen Zeitpunkt ermittelt. Der Gedanke dahinter ist der, dass Zahlungen aus einer späteren Periode nicht den gleichen Wert besitzen wie so­fortige Zahlungen. Würde man beispielsweise seine Erlöse aus dem kommenden Jahr bereits jetzt zur Verfügung haben, so könnte man sie der Basisalternative (zum Kalkula­tionszinsfuß) zuführen und so Zinseinkünfte realisieren. Man kann also nicht einfach die Einzahlungsüberschüsse aus der Tabelle 1 mit der Anfangsauszahlung verrechnen, da sonst jegliche Zinswirkung unberücksichtigt bliebe. Statt dessen erfolgt zunächst eine sogenannte „Abzinsung“ oder auch „Diskontierung“ der Einzahlungsüberschüsse. Das heißt, dass der Wert ermittelt wird, den man heute zum Kalkulationszinsfuß anlegen müsste, um beispielsweise in Periode 1 den ausgewiesenen Wert in Höhe von 124.600€ zu erhalten. Dies geschieht mittels sogenannter „Diskontierungsfaktoren“, die mit den jeweiligen Einzahlungsüberschüssen multipliziert werden. Man bildet die Diskontie­rungsfaktoren ähnlich wie einen normalen Zinsfaktor zunächst durch 1 + 0,1 (Kalkulati­onszinsfuß) = 1,1. Da in diesem Fall jedoch die Zinsen von der zukünftigen Zahlung zu­rückgerechnet werden sollen, stellt sich der endgültige Faktor als 1,1-1 dar. Analog gilt für die zweite Periode 1,1-2 und so weiter, da später bereits auf eine mehrmalige Verzin­sung verzichtet wurde. Als Berechnung des gesamten Kapitalwertes C0 ergibt sich also für das obige Beispiel:

C0 = -660.000 + 124.600 x 1,1-1 + 149.000 x 1,1-2 + 173.400 x 1,1-3 + 503.400 x 1,1-4 = -660.000 + 710.520,18 = 50.520,18

Die 660.000 sind dabei der Eurobetrag, der zu Beginn der Investition ausgezahlt werden muss und die 710.520,18 stellen den gegenwärtigen Geldwert der zukünftigen Einzah­lungen dar. Man könnte diesen Wert auch interpretieren als Anlage mit einer von der Basisalternative abweichenden Verzinsung unbekannter Höhe. Der ermittelte Wert von 50.520,18 (Euro) entspricht somit genau dem „Vermögenszuwachs zum Zeitpunkt t=0 [...], den der Investor durch die Investition gegenüber der Basisalternative (Anlage zum Kalkulationszinsfuß) erfährt.“[5] Für die Kapitalwertmethode lässt sich als Entscheidungs­regel festhalten, dass eine Investition immer dann durchgeführt werden sollte, wenn der Kapitalwert größer als Null ist, denn in diesem Fall wird ein höherer Gewinn erzielt als bei der besten Alternativanlage. Anders herum ist die untersuchte Investition abzulehnen, wenn der Kapitalwert unter Null liegen sollte.

Die Annuitätenmethode folgt im Grunde der gleichen Entscheidungsregel, nur dass dabei der Kapitalwert einer Zahlungsreihe in n (Anzahl der Perioden) gleich hohe Raten (diese werden als Annuitäten bezeichnet) aufgeteilt wird. Natürlich müssen die einzelnen Zah­lungen dann auch jeweils größer als Null sein, um die Investition vorteilhaft werden zu lassen. Dieses Verfahren liefert jedoch im Rahmen dieser Arbeit keine zusätzlichen Er­kenntnisse und wird deshalb nicht weiter verfolgt.

Die Methode des internen Zinsfußes schließlich konzentriert sich anders als die beiden ersten Verfahren auf die Suche nach demjenigen Zinssatz, bei dem der Kapitalwert der Zahlungsreihe genau Null beträgt. Man spricht dann auch von der „internen Verzinsung“ einer Investition, das heißt, dass der interne Zinsfuß im Grunde die Rendite (Verzinsung) des jeweiligen Projekts widerspiegelt. In den späteren Kapiteln dieser Arbeit spielt der interne Zinsfuß als Vergleichsmaß eine wichtige Rolle, wobei jedoch statt einer genauen Berechnung iterativ vorgegangen wird. Das heißt, es werden verschiedene Zinssätze als Kalkulationszinsfuß eingesetzt, um so näherungsweise die Rendite zu ermitteln.

1.2 Investition und Finanzierung

Zur Durchführung einer Investition kann es manchmal zwingend notwendig sein, von einem Kapitalgeber wie etwa einer Bank Geld zu leihen und dieses in der Folge in Form von Zinsen und Tilgung zurückzuzahlen. Analog zur Investitionsdefinition aus Kapitel 1.1 beschreibt die Finanzierung also „eine Handlung, die zu unterschiedlichen Zeitpunk­ten t Ein- und Auszahlungen verursacht, wobei dieser Vorgang immer mit einer Einzah­lung beginnt.“[6] Zur Veranschaulichung soll noch einmal das Beispiel zur Kapitalwertbe­rechnung aus dem vorangehenden Kapitel verwendet werden. Dabei sollen die 660.000€, welche den Anschaffungspreis darstellen, zu 30% fremdfinanziert werden. Dies ent­spricht einem Betrag von 660.000€ x 0,3 = 198.000€. Es bleibt also eine Auszahlung in der Periode t=0 in Höhe von 660.000€ - 198.000€ = 462.000€. Eine entscheidende Rolle bei Fragen der Finanzierung spielt neben dem vereinbarten Tilgungsrhythmus immer die Höhe des Zinssatzes. Dabei können drei Fälle auftreten: Entweder entspricht der Soll­zinssatz (Zinssatz der Kreditaufnahme) der Höhe nach genau dem Kalkulationszinsfuß (also der Verzinsung der Basisalternative) oder er weicht nach oben oder unten ab. Be­trachtet wird zunächst der erste Fall, bei dem Sollzinssatz und Kalkulationszinsfuß genau 10% entsprechen. Außerdem soll die geliehene Summe (198.000€) am Ende der Investi­tionsdauer in t=4 in einer einzelnen Rate bestehend aus Tilgung und Zinsen für vier Peri­oden zurückgezahlt werden. Insgesamt müssen also abschließend 198.000€ x 1,14 = 289.891,80€ gezahlt werden, die mit der letzten Einzahlung in Höhe von 503.400€ zu verrechnen sind. Somit ergibt sich eine neue Zahlungsreihe, die wie folgt aussieht:

Abbildung 2: Zahlungsreihe einer Investition mit Fremdkapitaleinfluss

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Pflaumer, Peter (2005): „Investitionsrechnung“ (S. 88)

Errechnet man den Kapitalwert dieser neuen Zahlungsreihe entsprechend der bereits ge­nannten Formel, so erkennt man, dass dieser unverändert bei 50.520,18€ liegt. Sollte die Anschaffung nun nicht mehr zu 30% fremdfinanziert werden, sondern etwa nur zu 20% oder gar zu 100%, so ändert sich das Ergebnis nicht. Es gilt die Regel, dass sobald „Soll- und Habenzinssatz übereinstimmen, dann hat der Anteil des Fremdkapitals auf die Höhe des Kapitalwertes keinen Einfluss.“[7]

Dies ist natürlich nicht länger der Fall, sobald sich die Verzinsung des Fremdkapitals und die der Basisalternative in ihrer Höhe unterscheiden. In der Realität dürfte diese Annah­me üblicherweise erfüllt sein. Betrachtet wird zunächst die Lage, in welcher der Sollzins­fuß mit 12% über dem immer noch geltenden Kalkulationszinsfuß der alternativen Anla­gemöglichkeit in Höhe von 10% liegt. Der Anschaffungspreis soll erneut zu 30% aus Fremdkapital entrichtet werden, so dass die abschließende Rückzahlung sich errechnet aus: 198.000€ x 1,124 = 311.556,83€. Der letzte Einzahlungsüberschuss ist also 503.400€ - 311.556,83€ = 191.843,17€. Setzt man nun erneut alle Einzahlungsüberschüsse in die Gleichung zur Kapitalwertberechnung ein, so erhält man einen Wert von 35.722,67€. Dieser Kapitalwert ist kleiner als beim vorherigen Sollzinsfuß von 10%, da schließlich mehr Zinsen an den Kapitalgeber gezahlt werden müssen. Im letzten Fall liegt der Zins­satz für Fremdkapital mit 8% nun unter dem Kalkulationszinsfuß von 10% und so verrin­gert sich natürlich auch die Rückzahlungssumme bestehend aus Zinsen und Tilgung auf insgesamt 198.000€ x 1,084 = 269.376,81€. Der letzte Einzahlungsüberschuss ist dem­nach 503.400€ - 269.376,81€ = 234.023,19€ und man erhält einen Kapitalwert in Höhe von 64.532,19€. Im Gegensatz zum vorherigen Fall ist der Kapitalwert nun also gestie­gen, da die Zinsbelastung geringer ausfällt. Dies ist in der Investitionstheorie ein Sonder­fall, den man als „Leverage-Effekt“ bezeichnet. Hierbei gilt, dass immer wenn „der Kal­kulationszinsfuß größer als der Kreditzinssatz [ist], so ist es vorteilhaft, den Anteil des Fremdkapitals zu erhöhen.“[8]

Abschließend lässt sich festhalten, dass Finanzierungen grundsätzlich in Anspruch ge­nommen werden können, um die anfänglichen Anschaffungskosten nicht selbst beglei­chen zu müssen. Es kann dabei von einem Geldgeber wie etwa einer Bank ein bestimmter Betrag geliehen und über die Investitionsdauer in einer oder mehreren Raten zurückge­zahlt werden, wobei ebenfalls das Anfallen von Zinszahlungen zu beachten ist. Eine Fi­nanzierung kann aber auch zur Steigerung des Kapitalwerts einer Investition beitragen, falls man in der Lage ist, aufgrund günstiger Kapitalmarktbedingungen den sogenannten „Leverage-Effekt“ zu nutzen. In diesem Fall wäre die zusätzliche Aufnahme von Fremd­kapital auch dann empfehlenswert, wenn der Investor den Anschaffungspreis ohne Prob­leme selbst begleichen könnte.

1.3 Besonderheiten von Projekten im Bereich Regenerative Energien

Für Investitionen im Bereich der Energiegewinnung müssen viele Eigenheiten des Mark­tes beachtet werden. Elektrischer Strom ist ein Gut, das täglich zur Verfügung gestellt werden muss und dessen Nachfrage auf unbestimmte Zeit zunehmen wird. Die Notwen­digkeit entsprechender Investitionen ist somit gegeben, allerdings bleibt die Frage, wel­cher Energieträger an welchem Ort als effiziente Lösung dient und den meisten Gewinn verspricht. Regenerative Energiequellen spielen dabei aus mehreren Gründen eine beson­dere Rolle. Erstens bieten sie eine Möglichkeit für einzelne Haushalte, sich selbst mit Energie zu versorgen, da beispielsweise Solar- oder Erdwärmeanlagen nicht viel Platz einnehmen und nach der Installation keiner ständigen Überwachung bedürfen. Bei fossi­len Energieträgern wie Kohle oder Erdöl (und auch bei Kernenergie) lässt alleine der Transportaufwand für die Brennstoffe derartige Kleinstprojekte unmöglich erscheinen. Zweitens lassen sich aufgrund der bereits genannten, hohen Nachfrage nach Strom schnell und mit einer gewissen Sicherheit Gewinne realisieren. Außerdem werden Pro­jekte zur Nutzung regenerativer Energien in vielen Ländern staatlich gefördert, so dass sowohl Anschaffungspreise als auch die Vergütung der Stromeinspeisung in das öffentli­che Netz vorteilhaft gegenüber konventionellen Energieträgern sind.

1.3.1 Versorgung eines Haushalts mit selbst gewonnener Energie

Wie bereits erwähnt, gibt es unter den erneuerbaren Energieträgern einige, die sich sehr gut für die Versorgung kleinerer Abnehmer wie Privathaushalte (oder auch mittelständi­sche Unternehmen) eignen. Die am häufigsten, privat genutzten Träger sind Biomasse, Geothermie, Sonneneinstrahlung und in geringem Maße auch Wind. Es entsteht entweder eine Gaseinsparung, falls durch das Verfahren Wärme erzeugt und zur Beheizung des Wohnraumes (oder Arbeitsplatzes) verwendet wird oder es steht direkt elektrisch nutzba­re Energie (Strom) zur Verfügung. Dabei wird in der Regel „der erzeugte Strom entweder vollständig ins öffentliche Stromnetz eingespeist oder zunächst für den heimischen Strombedarf genutzt. In diesem Fall geht nur der Überschuss an den Netzbetreiber.“[9] Es entstehen somit zwei unterschiedliche Modelle, die für einen Privatinvestor in Frage kommen: Entweder kann er den fremd bezogenen Strom substituieren und das so einge­sparte Geld in den Einzahlungsüberschüssen verrechnen. Strom, der über den Eigenbe­darf hinaus anfällt, wird vom Netzbetreiber aufgekauft und führt dabei zu zusätzlichen Einzahlungen. Oder aber es erfolgt die komplette Abgabe des gewonnenen Stroms. Die­ses Verfahren ist sicherlich einfacher zu rechnen, da nicht auf durchschnittliche Verbrauchswerte zurückgegriffen werden muss, welche Aufschluss über die Höhe der tatsächlichen Ersparnis geben. Durch welches Modell der Investor einen höheren Gewinn erwirtschaften kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Besonders wichtig sind die Entwicklung der Strompreise bei Fremdanbietern und die derzeit geltenden Vergütungs­sätze. Sind Strompreise im Allgemeinen sehr hoch, so kann durch die Eigenversorgung eine größere Ersparnis realisiert werden. Ein hoher Kurs für die Einspeisung des Stroms hingegen würde für den Verkauf der gesamten Energie sprechen. Der durchschnittliche Strompreis in Deutschland lag im Juli 2010 bei 22,97 Cent pro Kilowattstunde (kWh)[10], wohingegen der Einspeisungssatz laut dem deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ab dem 01.10.2010 bei maximal rund 33 Cent liegt[11]. Es wäre demnach also vor­teilhaft, den gesamten Strom in das öffentliche Netz abzugeben, denn die Vergütung deckt nicht nur den Strompreis, sondern bringt darüber hinaus einen Gewinn.

1.3.2 Amortisationsdauer von Investitionen

Die Berechnung der sogenannten Amortisationsdauer stellt das einzige mehrperiodige Verfahren der statischen Investitionsrechnung dar. Als Amortisation bezeichnet man den Vorgang, dass eine anfängliche Investitionsauszahlung über die generierten Einzahlungen in voller Höhe wieder zurückgewonnen wird. Der Zeitraum, bis die erwirtschafteten Er­löse genau den anfallenden Kosten entsprechen, nennt man Amortisationsdauer. Es ist zu beachten, dass eine vollständige Amortisation erst dann erreicht ist, wenn auch laufende Kosten wie Zinszahlungen vollständig durch überschüssige Einzahlungen gedeckt wer­den können. Die Amortisationsdauer ist besonders im Bereich der regenerativen Energien und speziell für Privatinvestoren von hoher Relevanz, da Anschaffungskosten in der Re­gel sehr hoch sind und hauptsächlich zu Beginn der Nutzung hohe Gewinne erzielt wer­den können. Für Investoren gilt die einfache Entscheidungsregel: „Wähle die Investition mit der kürzesten Amortisationsdauer!“[12] Somit ist sichergestellt, dass für Investoren schnell wieder liquide Mittel für weitere Projekte frei werden. Als Beispiel zur Ermitt- lung der Amortisationszeit sei wieder ein Vergleich zwischen zwei Investitionsalternati­ven A und B gegeben. Die Investition A setzt Anschaffungskosten in Höhe von 200.000€ und die Investition B in Höhe von 150.000€ voraus. Ferner entstehen in den folgenden Perioden laufende Kosten etwa für Wartung und Instandhaltung sowie Erlöse aus dem Verkauf der produzierten Güter. Um nun die Amortisationsdauer festzustellen, verwendet der Autor die sogenannte „Kumulationsmethode“, bei welcher die verschiedenen Aus- und Einzahlungen in den einzelnen Perioden jeweils aufsummiert und immer wieder mit­einander verglichen werden. Gesucht wird dann nach dem Zeitpunkt, in dem die kumu­lierten Einzahlungen die kumulierten Auszahlungen übersteigen. Ab diesem Zeitpunkt nämlich können alle vorherigen Kosten durch die generierten Erlöse gedeckt werden und es werden fortan Gewinne erwirtschaftet (vorausgesetzt es entstehen keine unvorhergese­henen Veränderungen der Zahlungsströme). Im hier gewählten Beispiel liegt die Amorti­sationsdauer für die Investition A bei vier Jahren, wohingegen sich Projekt B erst nach sechs Jahren vollständig amortisiert (Tabelle 4).

Tabelle 4: Berechnung der Amortisationsdauer (Kumulationsmethode)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Angaben sind natürlich nur als eine erste Einschätzung zu betrachten, da mittels der Tabelle lediglich eine Aussage darüber getroffen werden kann, ab welcher vollen Periode die Einzahlungen überwiegen. Genau genommen liegt die Amortisationsdauer also für Projekt A zwischen drei und vier Perioden und für Projekt B zwischen fünf und sechs Perioden. Zur exakten Ermittlung kann folgende Rechnung hinzugezogen werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Somit ist die genaue Amortisationszeit für beide Investitionen bekannt und entsprechend der oben genannten Entscheidungsregel sollte der Investor das Projekt A durchführen, weil dieses schneller die entstehenden Kosten zu decken in der Lage ist. Nicht entschei­dend ist also, wie hoch die Anschaffungskosten des Projektes sind, denn diese waren bei Projekt A um 50.000€ höher. Die kumulierten Auszahlungen am Ende der Laufzeit sind bei Projekt A ebenfalls höher und die kumulierten Einzahlungen niedriger, jedoch spielt auch dies keine entscheidende Rolle. Wichtig ist lediglich, dass die Einzahlungen bei Projekt A in den ersten Perioden wesentlich höher sind als bei der Alternativinvestition und so eine schnellere Amortisation erreicht werden kann. Als Kritik sei dennoch zu ver­merken, dass genau wie bei den anderen statischen Verfahren keine Aussage darüber getroffen wird, wie der Differenzbetrag zwischen den jeweiligen Anschaffungspreisen vom Investor verwendet wird. Streng genommen lassen sich also auch hier nur Alternati­ven mit gleich hohen Anschaffungskosten vergleichen.

1.3.3 Subventionierung und Verpflichtung durch den Staat

Erneuerbare Energien werden in vielen Ländern der Welt staatlich gefördert, da die In­dustrie sich derzeit noch im Aufbau befindet und aufgrund höherer Kosten nicht im Wettbewerb zu konventionellen Energieträgern bestehen könnte. Die Subventionierung erfolgt mittlerweile eher indirekt, das heißt, dass die Regierungen sich weniger finanziell am Bau von Anlagen beteiligen (Schenkungen), sondern Anreize wie Steuererleichterun­gen (2004 lag die allgemeine Einkommenssteuer in China bei 33%, wohingegen sie für Biogas- und Windanlagen lediglich bei 15% lag[13] ) oder Vorzugskredite einsetzen. Ein weiteres, verbreitetes Mittel stellen die per Gesetz geregelten Abnahmeverpflichtungen und -preise für Strom aus erneuerbaren Quellen dar. So sind zum Beispiel in Deutschland laut dem EEG die „Netzbetreiber [...] verpflichtet, den gesamten angebotenen Strom aus erneuerbaren Energien und aus Grubengas unverzüglich vorrangig abzunehmen, zu über­tragen und zu verteilen“[14] sowie den „Anlagenbetreiberinnen und -betreibern Strom aus Anlagen, die ausschließlich erneuerbare Energien oder Grubengas einsetzen, [...] [zu] vergüten.“[15] Streng genommen handelt es sich hierbei aber nicht um (staatliche) Subven­tionen, da keine öffentlichen Mittel eingesetzt werden, um den Preis zu stützen. Vielmehr sind die Stromanbieter gezwungen, diese Art der Förderung auszugleichen. Da diese al­lerdings die Mehrkosten ganz einfach auf den Endkunden umlegen, sind es schließlich die Verbraucher, welche die regenerativen Energien durch den höheren Strompreis sub­ventionieren. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird der Autor diesen Sachverhalt vereinfa­chend als „Umlageverfahren“ oder kurz „Umlage“ bezeichnen.

Steuervorteile und andere individuelle Konzepte lassen sich vom Autor der Höhe nach nicht immer genau beziffern, aber da derartige Anreize durchaus Auswirkungen auf In­vestitionsentscheidungen haben, werden an den entsprechenden Stellen der Arbeit Schät­zungen vorgenommen. Aus investitionstheoretischer Sicht werden Schenkungen ganz einfach mit der Anschaffungsauszahlung verrechnet, wohingegen Vorzugskredite sich in einem niedrigeren Sollzinssatz der Finanzierung widerspiegeln. Steuererleichterungen hingegen werden durch ein einfaches Modell in die Berechnung mit aufgenommen. In diesem Modell sei rg die Bruttoverzinsung einer bestimmten Investition. Da Steuern zu­nächst noch nicht mit einbezogen werden, handelt es sich hier um eine Bruttogröße und der Begriff Verzinsung (oder Rendite) deutet darauf hin, dass es sich um eine prozentuale Angabe handelt (Rückflüsse im Verhältnis zur Anschaffungsauszahlung). Weiter werde ein Kredit benötigt, um die Investition durchführen zu können. Somit ist es maßgeblich für den Investor, dass die erwartete Rendite mindestens genau den Sollzinssatz des Kre­dits (i) sowie die Abschreibungsrate (d) deckt. Es gilt:

rg = i + d

In dieser Gleichung besteht ein positiver Zusammenhang von i und d zur Bruttorendite, das heißt, falls einer der beiden Parameter steigt, so steigt automatisch auch rg. Für den Investor bedeutet es, dass er bei höherem Sollzinssatz oder einer höheren Abschreibungs- rate eine höhere Verzinsung der Investition benötigt, damit diese sich für ihn lohnt. Be­zieht man nun Steuern mit in die Betrachtung ein, so ergibt sich die Nettoverzinsung (rn) der Investition. Der aktuell geltende Steuersatz wird mit dem Buchstaben t beschrieben und durch Multiplikation mit der Nettorendite erhält man die prozentuale Steuerbelastung (trg), die sich aufgrund der Rückflüsse ergeben würde. Außerdem ist noch eine Kompo­nente td zu berücksichtigen, die angibt, wie viel Steuerersparnis aus den vorgenommenen Abschreibungen resultiert. Formal ergibt sich:

rn = rg - (trg - td)

Die Klammer auf der rechten Seite der Gleichung entspricht also der Steuerlast reduziert um die Steuern, welche aufgrund früher Abschreibungen nicht gezahlt werden müssen. In der Klammer befindet sich mit dem Parameter t eine vom Staat beeinflussbare Größe. Generell gilt, je kleiner der Steuersatz t ist, desto kleiner wird der gesamte Ausdruck in der Klammer (es sei unterstellt, dass rg stets positiv ist) und die Nettorendite steigt. Für die Aufstellung eines Zahlungsstroms sind also Steuervergünstigungen im Grunde bereits in den Einzahlungsüberschüssen enthalten, da diese bei höheren Steuern niedriger ausge­fallen wären.

Für die staatlichen Förderprogramme zur Abnahme von Strom aus regenerativen Quellen lässt sich eine Einbindung in die Investitionstheorie ebenfalls über die Einzahlungsüber­schüsse erreichen. Die Rückflüsse der Investition werden ganz einfach anhand der gel­tenden Einspeisungssätze berechnet, die durch das Gesetz geregelt sind. Die Vergütung wird in der Regel auf einen bestimmten Zeitraum festgelegt, so dass Investoren keine Schwankungen in den Einzahlungen zu befürchten haben. Abhängig sind die Einzahlun­gen somit neben dem Einspeisungssatz nur noch von der Art und Größe der installierten Anlage und der damit verbundenen Menge an produziertem Strom. Aufgrund dieser Aus­gestaltung kann somit eine sehr gute Vergleichbarkeit unter den ausgewählten Ländern hergestellt werden.

2 Wachstumsimpulse durch Investitionen

Werden in einer Volkswirtschaft zunehmend Investitionen durchgeführt, so verursacht dies - vorausgesetzt es handelt sich um sinnvolle Projekte - einen Anstieg des Bruttoin­landsproduktes. Die Zusammenhänge, durch welche dieses Wachstum hervorgerufen wird, sind sehr vielfältig und daher sollen sie in diesem Kapitel kurz vorgestellt werden.

2.1 Allgemeine Ableitungen aus der Wachstumstheorie

Die in Kapitel 1.1 vorgestellte Definition des Wortes „Investition“ soll hier für einen Moment ausgesetzt werden, damit der Autor „die Investitionen, eine Stromgröße (die in einem bestimmten Zeitraum neu produzierten Maschinen und neu gebauten Fabriken), in Beziehung zum Kapital - einer Bestandsgröße (der Bestand an Maschinen und Fabriken zu einem Zeitpunkt)“[16] setzen kann. Der Kapitalbegriff findet Anwendung in der neo­klassischen Wachstumstheorie, welche auf die Arbeit von Solow aus dem Jahre 1956 zurückzuführen ist und welche nun näher erläutert werden soll. Die Grundannahme des Modells besagt, dass Wachstum durch die beiden Einsatzfaktoren Arbeit (N) und Kapital (K) herbeigeführt werden kann. Dabei können diese beiden Faktoren untereinander sub­stituiert werden, das heißt, dass man einen geringeren Einsatz von Arbeit durch zusätzlich eingesetztes Kapital ausgleichen kann (und anders herum), um ein bestimmtes Produkti­onsniveau zu halten. Die Produktion wird mit dem Buchstaben Y gekennzeichnet und repräsentiert den gesamten Output einer Volkswirtschaft. Steigt die absolute Produktion im Laufe der Zeit, so wächst die Volkswirtschaft. Der Zusammenhang zwischen dem Output und den Einsatzfaktoren lässt sich durch eine sogenannte Cobb-Douglas- Produktionsfunktion wie folgt darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Kleinbuchstabe a stellt die Produktionselastizität des Faktors Kapital dar. Die Elasti­zität gibt an, wie stark sich eine Erhöhung des Faktors Kapital auf das Wachstum aus­wirkt. Da a zwischen 0 und 1 liegt, kann folglich eine zusätzliche Einheit Kapital niemals zu genau einer zusätzlichen Einheit an Output führen, sondern der Zuwachs ist stets un­terproportional. Außerdem können etwa bei konstantem Einsatz des Faktors Arbeit im­mer geringere Produktionszuwächse durch zusätzliches Kapital erreicht werden. Am leichtesten lässt sich dies am Beispiel mit a = 0,5 nachvollziehen. Da diese Potenz dem Wurzelziehen gleich kommt, gilt für ein Produktionsniveau von Y = 1 = 10,5. Für eine zusätzliche Einheit Output müssen nun drei weitere Einheiten Kapital bereitgestellt wer­den. Es gilt: Y = 2 = 40,5. Im Weiteren sind schon fünf Einheiten mehr nötig: Y = 3 = 90,5. „Das bedeutet, dass die marginale Kapitalproduktivität (auch Grenzproduktivität des Ka­pitals) sinkt.“[17] Intuitiv lässt sich das Problem leicht nachvollziehen, wenn man sich vor­stellt, dass in einem Werk eine feste Anzahl an Arbeitern vorhanden ist, aber immer mehr Maschinen bereitgestellt werden. Irgendwann lassen sich die zusätzlichen Maschinen nicht mehr produktiv einsetzen, weil das Personal bereits ausgelastet ist.

2.1.1 Positive Wirkung zusätzlicher Investitionen

Durch eine Erweiterung des Modells kann das Problem der abnehmenden Kapitalproduk­tivität wie auch die weiteren Auswirkungen eines verstärkten Kapitaleinsatzes sehr gut dargestellt werden. Dazu wird zunächst der Begriff der „Kapitalintensität“ eingeführt. Die Kapitalintensität beschreibt im Grunde nichts anderes als das Verhältnis zwischen vorhandenem Kapital und vorhandenen Arbeitskräften und wird als Bruch K/N geschrie­ben. Gibt es also viele Maschinen in einem Werk und vergleichsweise wenig Personal, so arbeitet ein Unternehmen sehr kapitalintensiv. Anders herum ist die Kapitalintensität niedrig, wenn hauptsächlich mit dem Einsatz von menschlicher Arbeit operiert wird.

Der zweite wichtige Begriff ist die „Arbeitsproduktivität“. Hierbei handelt es sich um den Quotienten aus volkswirtschaftlicher Produktion und dem Einsatz an Arbeit (Y/N). Es wird also beschrieben, wie viel pro Einheit Arbeit produziert werden kann. Ein hoher Wert der Arbeitsproduktivität ist dabei natürlich wünschenswert, denn in diesem Fall kann mit zusätzlichem Arbeitseinsatz ein hohes Wachstum erzielt werden. Die Arbeits­produktivität lässt sich innerhalb einer Grafik mit der Kapitalintensität in Verbindung bringen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Produktion und Kapital je Beschäftigten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Blanchard, Olivier und Illing, Gerhard (2009): „Makroökonomie “ (S. 326)

Leicht lässt sich zunächst folgende Erkenntnis ablesen: „Steigt die Kapitalintensität (das Kapital je Beschäftigten), so steigt auch die Produktion je Beschäftigten.“[18] Dies ist eben­falls leicht verständlich, wenn man bedenkt, dass der Output von Produktionsmaschinen in der Regel höher liegt als der von manueller Arbeit. Wenn die Arbeitskräfte also Ma­schinen zur Verfügung haben, so arbeiten sie wesentlich produktiver. Die Bereitstellung von Maschinen erfolgt dabei mittels Investitionen, wodurch die Beziehung zur Investiti­onstheorie hergestellt werden kann.

Ein weiterer, positiver Effekt, der aus der steigenden Arbeitsproduktivität resultiert, ist ein Beschäftigungseffekt. Wenn Arbeit sich zunehmend positiv auf die Produktion (und somit auch auf das volkswirtschaftliche Wachstum) auswirkt, so besteht ein Anreiz, zu­sätzliche Arbeitskräfte einzustellen. Schließlich wird zur Steuerung der vielen Maschinen auch eine große Menge an Personal benötigt. Der Effekt ist natürlich im Anfangsstadium - also beim erstmaligen Aufbau von Kapital (mittels Investitionen) - am größten. Wird etwa ein neues Werk mit einem bestimmten Bestand an Maschinen errichtet, so entsteht unmittelbar eine hohe Nachfrage nach Arbeit.

Wie bereits erwähnt, lässt sich in Abbildung 3 ebenfalls das Problem der abnehmenden Grenzproduktivität von Kapital wiederfinden. Die Steigung nimmt im Kurvenverlauf immer weiter ab, bis irgendwann tatsächlich eine Sättigungsgrenze erreicht wird. „Ohne technischen Fortschritt sind also einer Steigerung der Arbeitsproduktivität durch eine höhere Kapitalausstattung recht enge Grenzen gesetzt.“[19] Aus diesem Grunde soll in ei­nem nächsten Schritt darauf eingegangen werden, wie man die Grenzen erweitern und somit ein höheres Wachstumsniveau erreichen kann.

2.1.2 Die Rolle von Innovationen

Technischer Fortschritt wird in der Regel dadurch erreicht, dass menschliches Know-how (oder Humankapital) in Verbindung mit wissenschaftlicher Ausrüstung und Forschungs­einrichtungen gebracht wird. Innerhalb dieser Verbindung entstehen sogenannte Innova­tionen, welche „die Durchsetzung neuer technischer, wirtschaftlicher, organisatorischer und sozialer Problemlösungen in Unternehmen und Markt“[20] zum Ziel haben. Techni­scher Fortschritt wurde bislang vollkommen aus der Betrachtung ausgeschlossen, aber wie sich gezeigt hat, kann Wachstum durch steigenden Kapitaleinsatz allein nicht dauer­haft gesichert werden. Aufgrund von technischem Fortschritt wird es hingegen möglich, „dass auch bei Konstanz der Einsatzmengen der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital, also auch bei Konstanz der Kapitalintensität, das Sozialprodukt wachsen kann.“[21] Ver­sucht man die Arbeitsproduktivität Y/N als Funktion der Kapitalintensität K/N innerhalb einer Grafik darzustellen, so erhält man wie bereits erklärt das Bild aus Abbildung 3. Durch technischen Fortschritt wird diese Funktion einfach nach oben verschoben, so dass bei einer gegebenen Kapitalintensität A die Arbeitsproduktivität nicht länger in Höhe von A’ ausfällt, sondern auf das Niveau von B’ steigt (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die Auswirkungen von technischem Fortschritt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Blanchard, Olivier und Illing, Gerhard (2009): „Makroökonomie“ (S. 327)

Dies kann man sich etwa so erklären, dass eine alte Maschine durch eine neuartige ersetzt wurde, die eine höhere Produktionsleistung hat als das Vorgängermodell. Somit steigt bei gleicher Kapitalintensität (unterstellt, dass die gleiche Menge an Kapital für beide Ma­schinen eingesetzt werden muss) die Produktivität.

Die Betrachtung bezieht sich hier auf das Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Produk­tion, aber diese wird natürlich durch eine Vielzahl von Unternehmen bereitgestellt. Jedes davon hat für sich einen Anreiz, produktiv zu arbeiten und ist daher besonders an tech­nisch oder technologisch fortschrittlichen Maschinen interessiert. Aus diesem Grunde entstehen auch immer mehr private Forschungs- und Entwicklungszentren, in denen nach neuen Lösungen für die Aufgaben im Betrieb gesucht wird. Unabhängige Investoren sind ebenfalls bereit, monetäre Mittel zur Schaffung von technischen Neuerungen zur Verfü­gung zu stellen, da diese stark von Unternehmen nachgefragt werden und somit mit ho­hen Rückflüssen zu rechnen ist. Und schließlich werden Investitionen im Bereich For­schung und Entwicklung (FuE) auch von staatlicher Seite vorgenommen, da die Regie­rung ein generelles Interesse an der Ausweitung des gesamtwirtschaftlichen Outputs hat. Derartige Investitionen können leider nicht sehr gut mittels der Investitionstheorie erfasst werden, da sich keine Rückflüsse aus den Forschungsergebnissen bemessen lassen. Al­lerdings lässt sich die Höhe der FuE-Investitionen unter den verschiedenen Ländern sehr gut vergleichen, um so Erkenntnisse über eventuelle Wachstumswirkungen zu gewinnen. Allgemein wird angenommen, dass langfristig „die Volkswirtschaft, die die höchste Rate des technischen Fortschritts aufweist, alle anderen überholen [wird].“[22]

2.2 Branchenspezifische Auswirkungen

Speziell auf dem Gebiet Regenerative Energien sind einige weitere Aspekte zu berück­sichtigen, welche das Wachstum einer Volkswirtschaft auf unterschiedliche Weise beein­flussen können. Diese sollen im Folgenden vorgestellt werden, wobei in den drei Unter­kapiteln jeweils verschiedene Verursacher der Beeinflussung ausgemacht werden. Im ersten Unterkapitel werden zunächst staatliche Maßnahmen untersucht. Darauf folgt eine Analyse der Auswirkungen privater Einzelinvestitionen und das letzte Unterkapitel be­schäftigt sich mit Unternehmensaktivitäten und wie genau diese auf das gesamtwirt­schaftliche Wachstum einwirken.

2.2.1 Höhe und Auswirkung der Subventionierung

Wie bereits in Kapitel 1.3.3 erwähnt, findet eine Subventionierung im Bereich Regenera­tive Energien entweder durch den Staat über Steuererleichterungen oder Vorzugskredite statt oder es erfolgt eine pflichtgebundene Umlage der Einspeisevergütung auf die End­kunden. Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene lässt sich recht gut erfassen, in welcher Höhe genau die relevanten Zahlungsströme ausfallen. Dies gilt nicht nur für Zahlungen im Rahmen des Umlageverfahrens, sondern auch für alle anderen Zuwendungen, da diese im Rahmen des Staatshaushalts erfasst werden müssen. Auf die Ausgaben der innerhalb die­ser Arbeit untersuchten Länder wird im Kapitel 3 noch eingegangen, aber an dieser Stelle soll schon einmal eine Größenordnung vorgestellt werden. So ergab sich in einer vom Forschungsunternehmen „Bloomberg New Energy Finance“ durchgeführten Studie: „Governments last year gave $43 billion to $46 billion of support to renewable energy through tax credits, guaranteed electricity prices known as feed-in tariffs and alternative energy credits, [...]. That compares with the $557 billion that the International Energy Agency last month said was spent to subsidize fossil fuels in 2008.”[23] Derzeit werden also wesentlich mehr öffentliche Gelder zur Unterstützung konventioneller Energien be­reitgestellt, als der Bereich Erneuerbare Energien beansprucht. Bleibt zu klären, wie sich eine Subventionierung bestimmter Industrien auf das volkswirtschaftliche Wachstum auswirkt. Dieses Kapitel soll sich dabei zunächst nur mit den tatsächlichen Subventionen - also den staatlichen Ausgaben zur Unterstützung der Industrie - auseinandersetzen. Das Konzept der Umlage von Einspeisungsvergütungen wird hingegen im folgenden Kapitel ausführlicher behandelt.

Bezüglich der Subventionierung mittels Vorzugskrediten soll hier nur erwähnt werden, dass ein günstigerer Zinssatz generell förderlich für zusätzliche Investitionen ist und so­mit mehr Kapital in der Volkswirtschaft gebildet wird. Dies führt wie in Kapitel 2.1.1 bereits erwähnt zu einer steigenden Arbeitsproduktivität, die das wirtschaftliche Wachs­tum beschleunigen kann. Direkte Subventionen, welche immer seltener vorgenommen werden, stellen sich als staatliche Zuschüsse zu Anschaffungspreisen für Anlagen dar. Daraus resultierende Auswirkungen lassen sich am einfachsten durch das Modell von Angebot und Nachfrage aus der neoklassischen Theorie erklären. In diesem führt eine Subventionierung zur Verschiebung der Angebotskurve nach unten (Abbildung 5).

Abbildung 5: Auswirkungen von Subventionen auf Preis und Nachfrage

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Cezanne, Wolfgang (2005): „Allgemeine Volkswirtschaft“ (S. 180)

[...]


[1] Kruschwitz, Lutz (2005): „Investitionsrechnung“ (S. 4)

[2] Hirth, Hans (2005): „Grundzüge der Finanzierung und Investition“ (S. 23)

[3] Pflaumer, Peter (2000): „Investitionsrechnung“ (S. 112)

[4] Kruschwitz, Lutz (2005): „Investitionsrechnung“ (S. 35)

[5] Pflaumer, Peter (2005): „Investitionsrechnung (S. 11)

[6] Kruschwitz, Lutz (2005): „Investitionsrechnung“ (S. 4)

[7] Pflaumer, Peter (2005): „Investitionsrechnung“ (S. 88)

[8] Pflaumer, Peter (2005): „Investitionsrechnung“ (S. 90)

[9] Deutsche Energie-Agentur (2010): „renewables - Made in Germany“ (S. 16)

[10] Verivox (2010): „Halbjahresübersicht: Strompreise gestiegen, Gaspreise noch stabil“

[11] Solaranlagen - Infos und Preise für Photovoltaik und Solarthermie

[12] Kruschwitz, Lutz (2005): „Investitionsrechnung“ (S. 38)

[13] National Renewable Energy Laboratory: „Renewable Energy Policy in China: Financial Incentives“

[14] Bundesministerium der Justiz (2008): „Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien“ (S. 6)

[15] Bundesministerium der Justiz (2008): „Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien“ (S. 8)

[16] Blanchard, Olivier und Illing, Gerhard (2009): „Makroökonomie“ (S. 337)

[17] Cezanne, Wolfgang (1999): „Allgemeine Volkswirtschaft“ (S. 507)

[18] Blanchard, Olivier und Illing, Gerhard (2009): „Makroökonomie“ (S. 326)

[19] Cezanne, Wolfgang (1999): „Allgemeine Volkswirtschaft“ (S. 509)

[20] Pepels, Werner (2006): „Produktmanagement“ (S. 3)

[21] Cezanne, Wolfgang (1999): „Allgemeine Volkswirtschaft“ (S. 512)

[22] Blanchard, Olivier und Illing, Gerhard (2009): „Makroökonomie“ (S. 328)

[23] Bloomberg (2010): „Fossil Fuel Subsidies Are 12 Times Support for Renewables, Study Shows”

Details

Seiten
90
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640796182
ISBN (Buch)
9783640795901
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164492
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Ostasienwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Investitionsstrategien Bereich Regenerative Energien Wachstumswirkung China Deutschland

Autor

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Titel: Investitionsstrategien im Bereich Regenerative Energien und deren Wachstumswirkung für China, Deutschland und die USA