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Kontrastive Fehleranalysse des Deutschen und Finnischen

Seminararbeit 2009 23 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Informationen und Besonderheiten
2.1 Allgemeine Informationen und Besonderheiten des Finnischen

3.1 Vokale des Deutschen und Finnischen
3.2 Die Konsonantensysteme im Deutschen und Finnischen
3.2.1 Das deutsche Konsonantensystem
3.2.2 Das finnische Konsonantensystem
3.2.2 Das deutsche und das finnische Konsonantensystem im Vergleich

4. Suprasegmentalia
4.1 Der Wortakzent im Deutschen und Finnischen
4.2 Der Satzakzent im Deutschen und Finnischen
4.3 Die Melodisierung im Deutschen und Finnischen
4.4 Der Rhythmus im Deutschen und Finnischen
4.5 Koartikulation im Deutschen und Finnischen

5. Schriftsystem und Laut-Buchstaben-Beziehungen des Deutschen und Finnischen

6. Kontrastive Fehleranalyse

7. Quellen

1. Einleitung

Bei der Erlernung einer Fremdsprache gibt es verschiedene Probleme, auf die man stoßen kann und die es zu bewältigen gilt. Schwierigkeiten die Auftreten können, reichen von der Grammatik, der Lexik bis hin zur Phonetik. Besonders bei Abweichungen der Phonetik kann es innerhalb einer Kommunikation zu Missverständnissen oder gar Nichtverständnis kommen. Aus diesem Grund sollte der Phonetik im Fremdsprachenunterricht der gleiche Stellenwert wie Grammatik, Lexik und Landeskunde zukommen.

In dieser Hausarbeit werden die Sprachen Finnisch und Deutsch unter phonetischen und phonologischen Aspekten kontrastiv gegenübergestellt und untersucht. Unterschiede und Gemeinsamkeiten werden hierbei herausgearbeitet. Zu Beginn der Hausarbeit wird ein Überblick über allgemeine Informationen und Besonderheiten des Finnischen und Deutschen gegeben. Anschließend werden die Aspekte der Segmentalia gegenübergestellt und miteinander verglichen. Es wird gesondert auf die Vokalsysteme und die Konsonantensysteme der beiden Sprachen eingegangen. Im Aufschluss werden die suprasegmentalen Erscheinungen des Deutschen und Finnischen beschrieben und gegenübergestellt. Hier wird besonders auf Wort-, Satzakzent, Melodie, Rhythmus und Koartikulationserscheinungen eingegangen. Im Anschluss werden die Laut-Buchstaben­Beziehungen der Sprachen untersucht. Abschließend wird anhand einer Tonaufnahme einer finnischen Deutschlernerin eine kontrastive Fehleranalyse durchgeführt. In jenem Teil der Hausarbeit werden die theoretischen Überlegungen von Fehlerquellen in die Praxis übertragen und anhand der Sprachaufnahme be- oder widerlegt.

Ziel der Hausarbeit ist es, das Deutsche mit dem Finnischen kontrastiv auf phonetischer und phonologischer Ebene zu vergleichen. Es soll Lernern mit der Ausgangssprache Finnisch die Möglichkeit geben, auf besondere spezifische Probleme beim Erlernen der Zielsprache Deutsch aufmerksam zu machen.

Auf Grund der Komplexität des Themas sowie zu Gunsten der Übersichtlichkeit und Verständlichkeit wurde das Konsonantensystem der finnischen und deutschen Sprache gesondert erklärt. Dies führte zu einer Überschreitung der vorgegebenen Seitenzahlen.

2. Allgemeine Informationen und Besonderheiten

2.1 Allgemeine Informationen und Besonderheiten des Finnischen

Gegenwärtig wird Finnisch weltweit von 5,14 Millionen Menschen gesprochen. Die Mehrheit der finnischsprachigen Menschen lebt in Finnland und bildet mit 4,77 Millionen Sprechern den größten Teil (vgl. Karlsoon 2000, S.14ff). In Karelien, mit ca. 651.000 Einwohnern und einen Anteil von 260.000 finnischen Sprechern, ist Finnisch als zweite Amtssprache anerkannt. Zusätzlich existieren noch zahlreiche Sprecher mit Finnisch als Zweitsprache, vor allem in Nordamerika mit 550.000 und Schweden mit 30.000 Sprechern (vgl. Décsy 1965, S34).

Die finnische Sprache lässt sich in ihrer Entwicklung in folgende drei Epochen gliedern. Während der mittelalterlichen finnischen Epoche, beginnend vom 13. Jahrhundert bis 1543, entstehen erste finnische Ausdrücke in lateinischen und schwedischen Urkunden (vgl. Décsy 1965, S.49). Als Begründer der finnischen Schriftsprache gilt der Bischof von Turku, Mikael Agricola (1510-57), der mit seiner Bibelübersetzung die Grundpfeiler der alten finnischen Schriftsprache schuf. Diese zweite Epoche reicht von 1543 bis 1800. Da Finnland bis 1809 zu Schweden gehörte, spielte die finnische Sprache eine untergeordnete Rolle. Erst im Jahr 1863 wurde Finnisch dem Schwedischen gleichgestellt (vgl. Karlsoon 2000, S.15). Die dritte Epoche, das Neufinnisch, hat ihren Ursprung in dieser Zeit, beginnend von 1800 bis zum heutigen Zeitpunkt (vgl. Décsy 1965, S.49f). Die Grundlage der finnischen Hochsprache bilden überwiegend die süd- und westlichen Dialekte Finnlands (vgl. Karlsoon 2000, S16). Diese beiden Dialekte lassen sich zu einer der zwei Hauptgruppen zusammenfassen, dem West-Dialekt. Der West-Dialekt kann in die Südwest-Mundart, die Mundart von Häme, die Mundart von Süd-Pohjanmaa, die Mittel- und Nord-Phojanmaa Mundart und die Hinter- Phojanmaa Mundart unterteilt werden. Der Ost-Dialekt bildet die zweite Hauptgruppe der finnischen Dialekte und lässt sich in die Südost-Mundart und die Savo-Mundart unterteilen. Da sich die Savo-Mundart über ein sehr großes Gebiet erstreckt, gliedert sich diese Mundart in weitere voneinander abweichende Einheiten (vgl. Décsy 1965, S.39).

Im Betracht der linguistischen Klassifikation gehört das Finnische zu der finnougrischen Sprachfamilie. Im engeren Sinne wird das Finnische zu den ostseefinnischen Sprachen gezählt und ist somit am Nächsten mit dem Estnischen verwandt (vgl. Décsy 1965, S.5ff). Die Verwandtschaft innerhalb der finnougrischen Sprachfamilie lässt sich mit abnehmenden Verwandtschaftsgrad von links nach rechts wie folgt darstellen:

Finnisch (Suomi) ostseefinnische Sprachen finnische Sprachen finnisch- permische Sprachen finnougrische Sprachen (vgl. Décsy 1965, S.7).

2.2 Allgemeine Informationen und Besonderheiten des Deutschen

Deutsch ist innerhalb Europas in sieben verschiedenen Länder als Amtssprache anerkannt. Neben Deutschland, Belgien, Lichtenstein, Österreich, Luxemburg, der Schweiz und Italien (im Südtirol) ist Deutsch Amts- und Arbeitssprache innerhalb der Europäischen Union. Darüber hinaus zählt Deutsch in Polen, Ungarn und Dänemark zu den anerkannten Minderheitssprachen. Insgesamt gibt es nach aktuellen Schätzungen etwa 105 Millionen Deutsche Muttersprachler auf der Welt. Neben diesen leben ungefähr 80 Millionen Menschen mit Deutsch als Fremdsprache auf der Welt, wobei der Großteil dieser in der Europäischen Union lebt, Die sprachhistorische Betrachtung des Deutschen lässt sich grob in vier Epochen unterteilen. Die ältesten deutschen, schriftlich überlieferten Formen stammen aus der Zeit um 750, der Althochdeutschenepoche, welche bis 1050 reicht. Um 1050 wird die älteste Sprachstufe des Deutschen datiert. Die Mittelhochdeutsche Epoche bezeichnet im engeren Sinn die höfische Literatur zur Zeit der Staufer. 1350 wird die Epoche des Mittelhochdeutschen abgelöst und der Abschnitt des Frühneuhochdeutschen beginnt. Das wichtigste Texterzeugnis dieser Zeit ist die Bibelübersetzung Luthers. Die heutige Stufe des Deutschen wird als Neuhochdeutsch bezeichnet und beginnt 1650.

In der linguistischen Klassifizierung wird Deutsch den Indogermanischen Sprachen zugeordnet. Die Indogermanischen Sprachen unterteilen sich in zahlreiche Untergruppen. Eine davon bildet die Gruppe der germanischen Sprachen, zu denen das Deutsche gezählt wird. Die germanischen Sprachen wiederum unterteilen sich in die West-, Nord- und Ostgermanisch Sprachen. Dort ordnet sich das Deutsche in die Gruppe der Westgermanischen Sprachen ein.

Da Deutsch in mehreren Ländern als Amtssprache zählt, existieren verschiedene Standartvarianten. So gibt es neben dem Standartdeutsch Deutschlands auch in allen anderen deutschsprachigen Gebieten eine jeweilige Standartvariante. Innerhalb dieser Nationen kommt es zu zahlreichen Varianten in der Schrift- und Umgangssprache. Die Dialekte Deutschlands lassen sich in drei große Hauptgruppen unterteilen, der Hochdeutsche, der Niederdeutsche und der Niederfränkische Dialekt. Die kleinste Dialektgruppe bildet der Niederfränkische. In den Dialekt des Niederdeutschen lassen sich die zwei Variantengruppen des Niedersächsischen und Ostniederdeutschen einteilen, welche sich innerhalb ebenfalls weiter aufgliedern. Die größte Gruppe bildet der Hochdeutsche Dialekt, welcher sich in drei weitere große Untergruppen unterteilt, den Mittelhochdeutsch, dem Fränkischen und dem Oberdeutschen. All diese Dialekte gliedern sich in weitere kleine Dialektformen.

3. Segmentalia

3.1 Vokale des Deutschen und Finnischen

Vokale werden als Öffnungslaute bezeichnet und stehen den Konsonanten, den Hemmungslauten gegenüber. Sie werden gebildet, „ohne dass es zu einer Behinderung des Luftstroms durch Verschluss oder Engebildung mit Reibe-Effekt kommt" (Hall 2005, S.89). Ein weiterer Unterschied von Vokalen gegenüber Konsonanten ist, dass sie in jeder Position als Silbenträger auftreten können. Für eine Differenzierung der Vokale unterscheidet man, den Grad der Zungenhebung, die Richtung der Zungenhebung, die Lippenformung und die Quantität und Qualität.

Der Grad der Zungenhebung beschreibt, wie hoch sich die Zunge bei der Artikulation des jeweiligen Lautes hebt, ohne an den Gaumen zu treffen. Dieser Grad kann flach, das heißt die Zunge hebt sich gar nicht, mittelhoch oder hoch sein. Die Richtung der Zungenhebung unterteilt die Vokale, nach der Art an welcher Stelle im Mund die Hebung der Zunge erfolgt. Erfolgt die Hebung vorn, so werden die Vokale als Vorderzungenvokale bezeichnet. Erfolgt die Hebung in der Mitte, bezeichnet man die Vokale als Mittelzungenvokale und vollzieht sich die Hebung im hinteren Bereiches des Mundes, nennt man diese Vokale Hinterzungen vokale. Das Merkmal der Lippenformung untersucht, ob die Vokale mit Lippenrundung oder mit fehlender Lippenrundung gebildet werden. Demnach können gerundete und ungerundete Vokale existieren. Die Quantität untersucht die Länge der zu artikulierenden Laute. So treten quantitativ lange oder kurze Vokale auf. Neben diesem Merkmal gibt es noch die Qualität, welche die Laute hinsichtlich ihrer Spannung und dem Öffnungsgrad untersucht.

Das Finnische kennt 16 Vokalphoneme. Diese können nach Grad der Zungenhebung, der Hebungsrichtung der Zunge, der Quantität und der Lippenformung unterschieden werden. All diese Merkmale sind im Finnischen für die Vokale distinktiv. Der Kontrast zwischen kurzen und langen Vokalen ist sehr extrem. Einerseits werden lange Vokale im Finnischen wesentlich länger und kurze finnische Vokale weitaus kürzer realisiert als im Deutschen. Des

Weiteren ist zu erwähnen, „dass im Finnischen Vokalquantität unhabhängig von Konsonantenquantität ist - und umgekehrt" (Groenke 1983, S.17). Ein kurzer Vokal kann sowohl vor langem wie auch vor kurzen Konsonanten stehen und ein langer Vokal vor kurzem wie langen Konsonanten. Im Deutschen ist dies nicht von Bedeutung, da das Merkmal der Quantität nur für Vokale zu trifft. Ebenfalls gibt es im Finnischen keine Einschränkung für die Wortpositionen von kurzen und langen Vokalen (vgl. tili - tiili, takana - taakkana) (vgl. Karlsoon 2000, S.25f).

Das finnische Vokalsystem ist mit seinen 16 Vokalphoneme genauso umfangreich wie das Deutsche (s. Abb. 1), wenn man die zwei Reduktionsvokale ausschließt. Jedoch ist das deutsche Vokalsystem durch die spezifische Kombination von Qualität und Quantität wesentlich komplizierter als das finnische System. Im Finnischen hingegen „handelt es sich um zwei parallel auf gebaute Teilsysteme langer bzw. kurzer Vokale, wobei die anderen distinktiven Merkmale jeweils gleich sind"" (Hirschfeld 2002, S.5).

Deutsches Vokaldreieck Finnisches Vokaldreieck Aus den Vokaldreiecken geht nicht hervor, dass das distinktive Merkmal der Qualität im Finnischen nicht berücksichtigt wird. Fehler bei der Realisierung der Qualität bei finnischen Deutschlernern ist zu erwarten. Deutsche Vokale dürfen nicht mit zu wenig Sprechspannung artikuliert werden.

Eine Auffälligkeit, die sich bei der Artikulation des Deutschen ergeben kann, ist dass die Vokale /a/, /o/ und /u/ eine sehr dumpfe Klangfarbe aufweisen können (vgl. Hakulinen 1957, S.9). Dies erklärt sich daher, dass die finnischen Laute weiter hinten im Mund artikuliert werden als die entsprechenden deutschen Laute.

Im Deutschen existieren verschiedene R- Laute, drei konsonantische R- Laute und ein vokalischer R- Laut ([B]). Im Finnischen hingegen existiert der vokalisierte R- Laut nicht, welches eine Ursache für phonetische Fehler sein kann (vgl. Hirschfeld 2003, S.5).

Der zweite deutsche Reduktionsvokal, der Schwa- Laut [э], ist ebenfalls nicht im finnischen Vokalsystem vertreten (vgl. Hirschfeld 2003, S.11). Beim Schwa- Laut könnte es vorkommen, dass dieser von finnischen Deutschlernern als einfacher E- Laut realisiert und nicht ausreichend abgeschwächt wird.

Im Vergleich zum Deutschen ist im Finnischen der Vokalneueinsatz unbekannt. So könnte dieser „nicht realisiert und der anlautende Vokal somit an die vorangehende Silbe gebunden [werden]" (Hirschfeld 2003, S.5).

Darüber hinaus unterscheidet sich die Anzahl der Diphthonge im Finnischen zum Deutschen erheblich. Im Vergleich zum Deutschen, wo es lediglich drei fallende Diphthonge gibt ([al], [au], [oi]), existieren im Finnischen 16 Diphthonge (s. Abb. 2), 13 fallende und 3 steigende (vgl. Hirschfeld 2002, S.6 und Hakulinen 1957, S.4f). Die im finnischen überdeutliche biphonetische Aussprache der Diphthonge ist im Deutschen nicht unbedingt kommunikationsstörend (Helbig 2001, S.429).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2.: vgl. Semrau, Richard: Langenscheidts Praktisches Lehrbuch Finnisch, Langenscheidtt, München, 1993, Seite 20-21.

Im Gegensatz zum Deutschen herrscht im Finnischen eine Vokalharmonie. Man unterscheidet im Finnischen zwischen Vorder- und Hintervokalen und neutralen Vokalen (s. Abb. 3). Die Vokalharmonie besagt, das Vorder- und Hinterzungenvokale nicht gemeinsam in ein und demselben Wort auftreten dürfen (vgl. Hakulinen 1957, S.5f). Die E- und I-Laute bilden die Gruppe der neutralen Vokale und können unabhängig von der Vokalharmonie auftreten (vgl.: taibumattomana und beltymättömänä). Die Vokalharmonie dürfte keinen Einfluss auf die Artikulation des Deutschen haben und somit nicht zu phonetischen Fehlern im Deutschen führen. (vgl. Hirschfeld 2002, S.6f)

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Details

Seiten
23
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640796144
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164471
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Herder-Institut
Note
1,3
Schlagworte
Deutsch als Fremdsprache Phonetik Finnisch Kontrastive Fehleranalyse

Autor

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Titel: Kontrastive Fehleranalysse des Deutschen und Finnischen