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Unternehmensgründungen durch IngenieurInnen

von Christian Lehmann (Autor) Philipp Hildebrandt (Autor)

Seminararbeit 2010 47 Seiten

BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Definition von Unternehmensgründungen
2.2 Formen von Gründungen zur Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes
2.3 Der Berufswahlprozess
2.4 Berufswahltheorien

3 Unternehmensgründungen in Deutschland
3.1 Unternehmensgründungen durch AkademikerInnen
3.2 Unternehmensgründungen durch Frauen vs. Männer
3.3 Gründungsmotive
3.3.1 Chancenorientierte GründerInnen
3.3.2 Opportunitätsorientierte GründerInnen
3.3.3 Notorientierte GründerInnen

4 Unternehmensgründungen durch IngenieurInnen
4.1 Ingenieursgründungen vs. akademische Gründungen in Deutschland
4.2 Vergleich einzelner Fachrichtungen von Ingenieuren
4.3 Spezifika bei IngenieurInnen
4.3.1 Gründungsmotive
4.3.2 Gründungshemmnisse
4.3.3 Gründungsbranchen
4.3.4 Gründungsformen
4.3.5 Finanzierung
4.4 Ausgründungen aus der Hochschule
4.5 Förderungsmöglichkeiten

5 Abschließende Betrachtungen

6 Reflektion

Literaturverzeichnis

Anhang

Darstellungsverzeichnis

Darstellung 1: Zeitlicher Abstand zwischen Wissenschaft und Unternehmensgründung

Darstellung 2: Anteil von Männer- und Frauengründungen im High- Tech- Sektor

Darstellung 3: Gründungsmotive bei Arbeitslosigkeit (128 Befragte)

Darstellung 4: Potenzielle Gründer und Gründungsinteressierte nach Fachrichtung (in%)

Darstellung 5: Verteilung der Akademiker bei akademischen High-Tech-Gründungen

Darstellung 6: Vergleich der Teamgründungen bei Akademikern

Darstellung 7: Anteil der Gründungsbranchen je Segment von bereits unternehmerischen Selbständigen und welche die es werden wollen (in %)

Darstellung 8: Wahl der Gründungsform bereits unternehmerisch Selbständiger und Gründungsinteressierte (in%)

Darstellung 9: Kenntnisschwerpunkt der Gründer (Anteile in %)

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Formen der Unternehmensgründen i.w.S

Tab. 2: Phasen der Berufswahl

Tab. 3: Einstellungen zur Selbständigkeit (in %)

Tab. 4: Selbständigkeit der Ingenieursrichtungen bei Fachhochschulen (Jahrgänge 1993, 1997, 2001, in %)

Tab. 5: Selbständigkeit der Ingenieursrichtungen bei Universitäten (Jahrgänge 1993, 1997, 2001, in %)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um ein Oberseminar, welches im Rahmen des Moduls „Organisation, Personalmanagement und Unternehmensführung“ von Christian Lehmann und Philipp Hildebrandt erarbeitete wurde.

Das Thema lautet „Unternehmensgründungen durch IngenieurInnen“.

Bezugnehmend auf das uns vorgegebene Thema haben wir uns als erstes überlegt, nach welchen Gesichtspunkten wir das Thema erarbeiten wollen und welche Fragestellung wir im Laufe des Oberseminars klären wollen. Entschieden haben wir uns letztendlich für folgende Problemstellung: „Gründen IngenieurInnen und wenn ja in welchem Verhältnis, unter welchen Herausforderungen und welches sind ihre Motive?“

Zu Beginn unserer Arbeit haben wir ein Brainstorming gemacht und alle Begriffe, Stichpunkte, Ideen, Zusammenhänge und Vorschläge aufgeschrieben, die uns in den Sinn gekommen sind. Anschließend haben wir diese mit Hilfe eines Mind- Map visualisiert und in eine für uns logische und nachvollziehbare Reihenfolge gebracht. Da wir nun einen groben Plan hatten, worüber wir uns informieren mussten, ging es an die Literaturrecherche. Diese vollzog sich im IKMZ der BTU- Cottbus, in der Universitätsbibliothek Frankfurt/ Oder, in der deutschen Nationalbibliothek Leipzig und mit Hilfe des Internets. Nachdem wir genügend Informationen gesammelt, zusammengetragen und uns einen Überblick über das Thema verschafft hatten, entwarfen wir unsere erste Gliederung. Nach Rücksprache mit unserer Betreuerin Astrid Lange haben wir diese dann noch einmal überarbeitetet und einige Sachen optimiert. Als die Gliederung dann feststand begannen wir mit der Niederschrift unseres erlangten Wissens.

Als Erstes haben wir alle Begrifflichkeiten geklärt, die uns im Zusammenhang mit dem Thema wichtig erschienen. Anschließend beschäftigten wir uns mit den Unternehmensgründungen in Deutschland. Unser Augenmerk lag hierbei auf den Gründungen generell und bei Akademikern. Zudem erläuterten wir die wichtigsten Gründungsmotive. In unserem dritten und wichtigsten Teil ging es dann um die Unternehmensgründungen durch IngenieurInnen. In diesem Absatz waren wir bestrebt, unsere Leitfrage: „Gründen IngenieurInnen und wenn ja in welchem Verhältnis, unter welchen Herausforderungen und welches sind ihre Motive?“ zu beantworten. Zum Ende der Arbeit haben wir unsere Ergebnisse zusammengefasst und ein paar Anregungen für zukünftige Projekte gegeben.

2 Theoretische Grundlagen

Um das Thema besser konkretisieren zu können, sind vorab einige Begriffsbestimmungen zu definieren und abzugrenzen, um Verständigungsfehler als auch Unklarheiten im weiteren Textverlauf zu vermeiden. In der Literatur werden oftmals Begriffe, wie Existenzgründung sowie Unternehmensgründung, unzureichend definiert bzw. abgegrenzt und teilweise als Synonym gebraucht (Fallgatter, 2002, S. 11). Daher soll nun an dieser Stelle eine Unterscheidung der verschiedenen Begriffe erfolgen.

Hierzu werden alle Begriffe aufgegriffen, um eine Basis für den weiteren Verlauf der Arbeit zu schaffen. Aber es sei darauf hingewiesen, dass nicht alles bis ins Kleinste aufgrund der unterschiedlichen Relevanz für das Thema selbst thematisiert werden kann.

2.1 Definition von Unternehmensgründung

Der Begriff Unternehmensgründung ist nicht einfach zu bestimmen bzw. zu definieren. Dies zeigt sich schon in der Vielzahl der in der Literatur aufgestellten unterschiedlichen Definitionen.

Die Wortherkunft des Wortstammes „Gründung“ bzw. das Verb „gründen“ entstammt aus dem althochdeutschen „grunden“ und bedeutet „den Grund zu etwas legen bzw. errichten, ins Leben rufen“ (Szyperski, Nathusius, 1999, S. 23).

Die Unternehmensgründung an sich wird aus juristischer Sicht als vollzogen bzw. abgeschlossen angesehen mit einer Eintragung des Unternehmens in das Handelsregister durch natürliche oder juristische Personen oder durch eine Gewerbeanmeldung (Dietz, 1989, S. 24). Darüber hinaus gibt es aber auch andere Definitionen, die über die juristische Sichtweise hinausgehen. So definieren Szyperski und Nathusius in ihrem Buch „Probleme der Unternehmensgründung“ den Gründungsbegriff als den „Prozess der Schaffung dieses gegenüber seiner Umwelt qualitativ abgegrenzten und vorher in gleicher Struktur nicht existenten Systems“ (Szyperski, Nathusius, 1999, S .25). Somit wird unter der Unternehmensgründung, dass Schaffen einer selbständigen, neu geschaffenen, wirtschaftlich unabhängigen Wirtschaftseinheit, die durch eine oder mehrere selbständige Gründer durchgeführt wird und der Fremdbedarfsdeckung dient, wobei ein wirtschaftliches Risiko auf sich genommen wird, verstanden (Szyperski, Nathusius, 1999, S. 25; Kollmann, 2009, S. 4). Zur weiteren Klassifizierung des Gründungsbegriffes, soll nun an dieser Stelle eine Abgrenzung zwischen den oft miteinander verwendeten Begriffen wie „Existenz-“ ,

„Unternehmensgründung“ und anderen Gründungsformen vorgenommen werden, da die komplexen Zusammenhänge für die Weiterführung der Arbeit essentiell sind.

2.2 Formen von Gründungen zur Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes

Anhand der Literatur lässt sich die Gründung wie folgt typologisieren.

Die verschiedenen Gründungsformen lassen sich anhand der Merkmale Strukturexistenz und am Grad der Selbständigkeit unterscheiden (Szyperski, Nathusius, 1999, S. 26-27). Mit Hilfe der Strukturexistenz lassen sich Aussagen treffen, ob eine Unternehmensstruktur neu geschaffen wurde (originäre Gründung) oder ob ein Rückgriff auf eine bereits existierende Unternehmensstruktur, wie z.B. durch eine Übernahme, Umgründung, vorgenommen wurde (derivative Gründung) (Szyperski, Nathusius, 1999, S. 27). Das zweite Merkmal, der Grad der Selbständigkeit, lässt sich zwischen selbständigen und unselbständigen Gründungen differenzieren. Bei der unselbständigen Gründung befindet sich der Gründer in einem abhängigen Verhältnis (z.B. als Angestellter) durch bereits existierende Unternehmen, die wesentlich an der Gründung beteiligt sind, während bei einer selbständigen Gründung die Gründerperson durch die Gründung eine eigene unternehmerische Existenz schaffen möchte (Szyperski, Nathusius , 1999, S. 26).

Die Typologie der verschiedenen Formen einer Gründung lässt sich anhand der Tabelle 1 veranschaulichen.

Tabelle 1: Formen der Unternehmensgründungen i.w.S.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: i.A.a. Szyperski, Nathusius, 1999, S. 27

Alle vier Gründungsformen zusammen werden in der Literatur als Unternehmensgründung im weiteren Sinne angesehen (Dietz, 1989, S. 31). Bei der Diskussion, wie Ingenieure gründen und was sie gründen, muss auch thematisiert werden, welcher Kategorie ihre Gründung angehört. Daher soll nun ein Überblick über die einzelnen Formen der Gründung (s. Tabelle 1) geschaffen werden.

Bei derivativen-unselbständigen Gründungen spricht man von so genannten unechten Gründungen (Szyperski, Nathusius, 1999, S. 27). Hier handelt es sich meistens, wie in Tabelle 1 zu sehen, um Fusionen und Umgründungen von bereits schon existierenden Unternehmungen, bei denen ein Wechsel der Eigentümerstruktur die unternehmerische Identität erheblich verändern kann. Als Beispiel hierfür ist die Übernahme eines Einzelhandelsgeschäftes durch eine Einzelhandelskette möglich, wobei das ganze Geschäft mit seinem Personal einer Veränderung unterliegen könnte. Diese Form der Gründung soll in unserer Betrachtung einen untergeordneten Stellenwert einnehmen, da zum einen diese als unechte Gründungen angesehen werden und eine Übernahme bzw. Akquisition mit einem meist größeren Kapitaleinsatz verbunden ist, was oftmals schwierig aufzubringen ist. Dazu erfolgen aber noch zu einem späteren Zeitpunkt Erläuterungen.

Von originären-unselbständigen Gründungen spricht man, wenn durch ein bereits existierendes Unternehmen eine neue abzugrenzende Wirtschaftseinheit geschaffen wird. Die dabei neu geschaffene Wirtschaftseinheit, stellt einen Teil eines größeren Unternehmens dar und wird daher als „Betriebsgründung“ bezeichnet (Szyperski, Nathusius, 1999, S. 29).

Eine derivative-selbständige Gründung bezeichnet die Übernahme einer bereits existierenden Wirtschaftseinheit, mit der eine selbständige unternehmerische Existenz geschaffen wird. Diese Gründungsform wird auch als „Existenzgründung durch Betriebsübernahme“ bezeichnet (s. Tab. 1), da hier der Wandel von der abhängigen zur selbständigen Beschäftigung im Vordergrund steht und nicht der Aufbau einer neuen Unternehmung. Beispiel hierfür sind Übernahmen von Handwerksbetrieben, bei der eine Veränderung der Betriebsstruktur möglich ist[1] (Szyperski, Nathusius, 1999, S. 28). Eine Existenzgründung kann auch ohne die Betriebübernahme stattfinden und ist dann als originäre-selbständige Gründung zu sehen. Diese Form weist aber, gegenüber der Unternehmensgründung im engeren Sinne, Unterschiede auf.

Bei der originären-selbständigen Gründung wird eine vollkommen neu geschaffene Wirtschaftseinheit durch selbständige Gründer aufgebaut. In diesem Fall spricht man von einer „Unternehmensgründung“, da ihr keine bereits existierende Unternehmungseinheit zugrunde liegt, die eine Gründung z.B. durch Know-How oder Erfahrung helfen bzw. vereinfachen könnte. Die Gründer sind hier relativ isoliert, was Probleme mit sich bringen kann (Szyperski, Nathusius, 1999, S. 29). Nähere Erläuterungen zu den Problemen erfolgen im Kapitel 4. Diese hier beschriebene Form, wird in der Literatur als engere Unternehmensgründung bezeichnet.

Unternehmensgründungen lassen sich auch hinsichtlich ihres Innovationsgrades differenzieren, welches Überschneidungen bzw. auch Unterschiede am Beispiel von Existenzgründungen zeigt. So unterscheidet man zwischen innovativen und imitierenden Gründungen (Landwehr, 2005, S. 28; zit. n. Nathusius, 2003, S. 158-162). Bei innovativen Unternehmensgründungen handelt es sich um Gründungen, bei der neue Kombinationen durchgesetzt werden im Schumpeterschen Sinne (Schumpeter, 1987, S. 111). Neue Kombinationen können z.B. neue Verfahren bzw. Produkte darstellen. Die imitierenden Unternehmensgründungen hingegen, wie es der Name schon sagt, kopieren bzw. basieren auf existierenden Unternehmenskonzepten oder Teilen davon (Kollmann, 2009, S. 4). Diese werden häufig auch als Existenzgründungen[2] bezeichnet, obwohl das nicht gleicher Maßen für alle zutrifft (Wittenberg, 2005, S. 21). Dies zeigt zu dem noch einmal die Komplexität und Schwierigkeit, die verschiedenen Gründungsformen unabhängig voneinander zu trennen.

Ein wichtiges Unterscheidungskriterium zwischen beiden Formen stellt jedoch das Wachstumspotenzial dar. Bei der Existenzgründung steht die berufliche Veränderung im Vordergrund und zwar der Weg in die Selbständigkeit und nicht so sehr der Aufbau einer neuen Unternehmung (Szyperski, Nathusius, 1999, S. 28). Daher befinden sich Existenzgründungen in einem Verdrängungswettbewerb[3], durch den Konkurrenzkampf resultiert, was Wachstums- und Beschäftigungspotenziale deutlich begrenzt (Fallgatter, 2002, S. 22-23). Wenn sich natürlich eine imitierende Unternehmensgründung auf das Kopieren vorhandener Konzepte beschränkt, wird bei zunehmender Marktsättigung eine Etablierung des Unternehmens bzw. Wachstums- und Beschäftigungspotenziale zu generieren, schwierig (Wittenberg, 2005, S. 22). Dies zeigt, dass die vorgenommene Abgrenzung der Gründungsformen nicht pauschalisiert werden kann und Überschneidungen in einzelnen Punkten oftmals feststellbar bzw. möglich sind.

Der Innovationsgrad ist auch aus dem Hintergrund interessant, da sich die Innovation an den verwendeten Technologien orientiert, wie z.B. Schrittmacher-, Schlüssel-, Basistechnologien (Landwehr, 2005, S. 32). Dieser Aspekt bringt uns auf unsere Leitfrage „Unternehmensgründungen durch IngenieurInnen“ zurück, denn viele Studien belegen, dass technologieorientierte Unternehmen überdurchschnittlich durch IngenieurInnen oder Naturwissenschaftler gegründet werden (Schmidt, 2008, S. 120). In den nächsten Kapiteln wird darauf Bezug genommen.

Sowohl die originäre-selbständige als auch die derivative-selbständige Gründung werden in der Literatur zusammenfassend als Existenzgründungen bezeichnet (Fallgatter, 2002, S. 27; Uebelacker, 2005, S. 40; Urban, 2009, S. 5). Somit wird unter der Existenzgründung der Wechsel einer Person aus einer abhängigen Beschäftigung in die Selbständigkeit verstanden. Dies kann eine Gründung eines neuen Unternehmens implizieren, sowie die Übernahme eines bestehenden Unternehmens bzw. die Beteiligung daran. Das Hauptaugenmerk unserer Arbeit liegt somit auf Existenzgründungen, die die originäre-selbständige als auch derivative-selbständige Gründung umfassen. In der Literatur werden, wie oben schon gezeigt, Existenzgründungen und Unternehmensgründungen im engeren Sinne oftmals noch unterschieden hinsichtlich ihrer Betriebsgröße, Wachstumspotenziale usw . (Fallgatter, 2002, S. 22). Darauf soll hier aber verzichtet werden. Ein Grund für diese Betrachtung liegt an Überschneidungen und ein zweiter im statistischen Datenmaterial, welches oftmals keine Erkenntnisse zulässt, ob eine Unterscheidung zwischen beiden Gründungsformen getroffen wurde. Andere Formen, wie die Betriebsgründung, sind jedoch nicht auszuschließen, spielen jedoch eine untergeordnete Rolle.

2.3 Der Berufswahlprozess

In dem folgenden Kapitel soll es um die Berufswahl und die damit verbundenen Herausforderungen gehen. Es steht außer Frage, dass die richtige Berufswahl grundlegend für den weiteren Lebensweg ist (Hezog, Neuenschwander, Wannack, 2004, S. 7). Nur eine solide berufliche Bildung sichert die Aufnahme in die moderne Gesellschaft und sorgt für ein persönliches Wohlbefinden. Genau aus diesem Grund sollten vor allem Jugendliche mit ihrer Entscheidung nicht alleine gelassen werden. Auch die Erwachsenen müssen Hilfestellungen und Anregungen bieten (Herzog et al., 2004, S. 11). Die Wahl eines Berufes kann als ein Prozess mit mehreren Phasen verstanden werden, wobei die einzelnen Phasen durch ihre individuellen Entscheidungen abgegrenzt sind (Herzog et al., 2004, S. 7). Der Berufswahlprozess beginnt schon in der Schulzeit, wobei der jeweilige Schultyp elementaren Einfluss auf die Erreichung des Wunschberufes hat. (Herzog et al., 2004, S. 7). Neben der Schultypwahl gibt es jedoch noch weitere Aspekte, die den Entscheidungsprozess beeinflussen können. Hierzu zählen u.a. das persönliche und soziale Umfeld, die generelle wirtschaftliche Lage und die Anzahl der verfügbaren Ausbildungsstellen (Herzog et al., 2004, S. 11). Jedem Schulabgänger bieten sich verschiedenste Anschlussmöglichkeiten, die er nach seiner Schulzeit wählen kann. Zum Beispiel die Aufnahme einer Lehre, der Besuch einer weiterführenden Schule, der Eintritt ins Erwerbsleben oder die Aufnahme eines Studiums (Herzog et al., 2004, S. 12).

Wie bereits erwähnt, lässt sich der Berufswahlprozess in einzelne Phasen unterteilen. Um diesen Sachverhalt etwas zu verdeutlichen, soll die folgende Tabelle dienen.

Tabelle 2: Phasen der Berufswahl

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: i.A.a. Herzog et al., 2004, S. 15; zit. n. Heinz, 1984

Wie in der Tabelle zu erkennen, besteht die Berufswahl aus 6 Phasen. Man beginnt mit Phase 1, der diffusen Berufsorientierung. Es existieren noch keine exakten Berufswünsche. Man spricht bisher lediglich von Traumberufen. Erst wenn man bereit ist, sich intensiv mit der Berufswahl auseinanderzusetzen, endet diese Phase. Es folgt Phase 2, die Konkretisierung der Berufsorientierung. Man konkretisiert seine Berufsvorstellungen und entscheidet sich für eine der oben genannten Anschlussmöglichkeiten. Mit dieser Entscheidung endet die Phase. Um die Suche eines Ausbildungsplatzes geht es dann in Phase 3. Unter Ausbildungsplatz versteht man in diesem Zusammenhang u.a. eine Lehrstelle oder einen Studienplatz. Die Phase endet mit erfolgreich abgeschlossener Suche. In der darauffolgenden 4ten Phase beschäftigt man sich mit der Konsolidierung der Berufswahl. Die bisher getroffenen Entscheidungen werden hinterfragt, verfestigt oder geändert. Diese Phase endet mit der Aufnahme der gewählten Tätigkeit. Die vorletzte Phase 5 beschreibt die Berufsausbildung, sprich die Durchführung einer beruflichen oder schulischen Ausbildung. Zuletzt folgt die Phase 6. Der Eintritt ins Erwerbsleben. An dieser Stelle hat man seine Lehre, sein Studium o.ä. erfolgreich beendet und ist nun ein Teil der Erwerbstätigen (Herzog et al., 2004, S. 15-16).

2.4 Berufswahltheorien

Nachdem wir nun geklärt haben, wie sich ein Individuum für einen Beruf entscheidet und welche Phasen dabei durchlaufen werden, wollen wir uns mit den Berufswahltheorien beschäftigen. In dem folgenden Abschnitt werden die einzelnen Theorien genannt und kurz erläutern. Aufgrund der Komplexität des Themas und der eher geringen Relevanz zur Klärung der Ausgangsfrage werden wir uns darauf beschränken, einen kurzen Einblick in die Thematik zu geben und nicht ins Detail zu gehen.

Berufswahltheorien dienen der Beschreibung und Erläuterung von Berufswahlprozessen. Sie erklären, wie ein Individuum den für sich optimalen Beruf wählt und welche Einflussfaktoren hierbei zu berücksichtigen sind (Baumgartner, 2009, S. 8; zit. n. Bußhoff, 1984). Prinzipiell lassen sich die Theorien in zwei Kategorien einteilen: die klassische und neo- technische Berufswahltheorie.

Alle nun folgenden Aspekte zur klassischen Berufswahltheorie beziehen sich auf „Abitur und was dann?“ (Oechsle, Knauf, Maschetzke, Rosowski, 2009, S. 24). Diese Theorie befasst sich mit der Berufswahl und berücksichtigt dabei verschiedenste Ansätze, von denen jeder sein Augenmerk auf einen anderen Aspekt des Berufswahlprozesses legt. Hierzu zählt u.a. der allokationstheoretische Ansatz, welcher die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in den Vordergrund rückt. Dieser Ansatz betrachtet die Berufswahl als einen Zuweisungsprozess, der von verschiedensten Faktoren beeinflusst wird. Ein weiterer Ansatz ist der entscheidungstheoretische Ansatz, welcher die Entscheidungen des Individuums als Motor der Berufsfindung deklariert. Ein dritter wichtiger Ansatz in diesem Zusammenhang ist der persönlichkeitspsychologische Ansatz, der sich auf die persönlichen Merkmale und die Berufsanforderungen bezieht. Er besagt, dass ein Individuum, anhand seiner Fähigkeiten, den zu ihm passenden Beruf finden muss. Ein letzter wichtiger Ansatz ist der sogenannte entwicklungstheoretische Ansatz, bei dem es zwar auch um das Individuum geht, die Berufsfindung jedoch nicht punktuell, sondern als langfristig angesehen wird. Ein wichtiger Indikator hierbei ist das Selbstkonzept, welches sich mit der Zeit ändert.

Abschließend ist zu sagen, dass jeder Ansatz nur Teile des gesamten Berufswahlprozesses berücksichtigt und man nicht von einer einheitlich gültigen Theorie sprechen kann. Die berufliche Entwicklung eines Individuums ist, wie schon gesagt, ein langwieriger und schwieriger Prozess, in dem es zu einer Interaktion von allokations-, entwicklungs- und entscheidungstheoretischen Aspekten kommt.

Eine zweite Betrachtungsweise ist die neo- technische Berufswahltheorie.

Der einzige Unterschied zur klassischen Theorie liegt in der Verwendung mathematischer Verfahren zur Bestimmung des Berufswahlprozesses.

Hierzu zählt u.a. die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem dynamischen Prozess (Baumgartner, 2009, S. 8).

3 Unternehmensgründungen in Deutschland

In dem nun folgenden Abschnitt wird das Gründungsgeschehen in Deutschland dargestellt und analysiert. Alle Daten, Fakten und Aussagen beziehen sich auf den Gründungsreport des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH aus dem Jahre 2009 (ZEW Gründungsreport, 2009, S. 1-2). Laut dem Gründungsreport haben die Unternehmensgründungen in Deutschland einen neuen Tiefpunkt erreicht. Seit 2005 ist die Anzahl der Gründungen rückläufig. Allein 2008 wurden in Deutschland rund 7% weniger Unternehmen gegründet als im Jahr zuvor. Lediglich 206000 Gründungen wurden 2008 in Deutschland registriert. Dies liegt u.a. an den schlechten konjunkturellen Bedingungen. Die Unternehmen haben mit Problemen der Finanzierung und der Wirtschaftskrise zu kämpfen. Dies spiegelt sich nicht nur in den Gründungen selbst wieder, sondern auch in der Gründungsgröße. Denn auch diese fiel im Jahr 2008 um 0.5 auf zwei Personen. Der starke Rückgang ist durchaus nachvollziehbar. Potenzielle Gründer, die 2008 vor hatten zu gründen, ließen aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise von ihrem Vorhaben ab, um auf wirtschaftlich bessere Zeiten zu warten. Besonders stark betroffen ist jedoch das produzierende Gewerbe. Hier fiel die Gründungsanzahl von 2007 auf 2008 sogar um 10%. Ausschlaggebend hierfür ist der Bausektor, welcher mit 65% den wohl größten Anteil am produzierenden Gewerbe hat. Die Anzahl der Gründungen 2008 betrug lediglich 60% der Gründungen im Jahre 2004. Zurückzuführen ist diese negative Entwicklung vor allem auf die schlechte wirtschaftliche Lage im Handwerksgewerbe, Hoch- und Tiefbau und Bauinstallationen. Ein zweiter großer Bereich im produzierenden Gewerbe, neben dem Bausektor, ist das verarbeitende Gewerbe. Hier konnte man im Jahr 2008 jedoch einen positiven Anstieg der Unternehmensgründungen um ca. 5% beobachten. Dieser Anstieg ist vor allem auf die Bereiche des Maschinenbaus, Medizin-, Mess- und Steuerungstechnik zurückzuführen. Der zweitstärkste Rückgang bei den Unternehmensgründungen war im Handel zu verzeichnen. Hier fiel die Quote von 2007 auf 2008 um 11%. Neben dem produzierenden Gewerbe ist auch noch der Dienstleistungssektor zu untersuchen. Allen Erwartungen entgegen hielt sich der Rückgang der Unternehmensgründungen hier noch in Grenzen. Um nur etwa 4% von 2007 auf 2008 sank die Gründungsanzahl im Bereich der konsumnahen Dienstleistungen. Stark betroffen waren jedoch das Wohnungswesen mit 16% und das

Gesundheitswesen mit 12%. Im Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen verzeichnete man einen Rückgang um 1,5%. Einen ebenso deutlichen Rückgang wie das Wohnungswesen verzeichneten auch die Architektur- und Ingenieurbüros. Die Unternehmensgründungen fielen hier um 8% im Vergleich zum Vorjahr.

3.1 Unternehmensgründungen durch AkademikerInnen

Ein weiterer wichtiger Faktor im Bereich der Gründungen, und bezogen auf unser Thema, sind die Akademiker. Auch hier beziehen wir uns auf den Gründungsreport des ZEW aus dem Jahre 2009 (ZEW Gründungsreport, 2009, S. 3-4).

In dem nun folgenden Kapitel wollen wir die Frage klären, wann Akademiker gründen und wie erfolgreich sie dieses tun. In der unten aufgeführten Darstellung sind die prozentualen Anteile am Gründungsgeschehen, gemessen an den Jahren nach Abschluss des Studiums, visualisiert. Es ist zu erkennen, dass ein Großteil der Gründungen erst nach mehreren Jahren nach dem Abschluss des Studiums stattfinden. Nichts desto trotz bieten genau diese Gründungen eine gute Möglichkeit, Technologien und Wissen aus der Hochschule in die Wirtschaft zu transferieren (Technologietransfer). Vor allem in Wirtschaftszweigen die sehr forschungs- und wissensintensiv sind werden diese Gründungen getätigt. In den Jahren 2001 – 2006 waren es 4000 Stück.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 1: Zeitlicher Abstand zwischen Wissenschaft und Unternehmensgründung

Quelle: i.A.a. ZEW Unternehmensbefragung, 2009, S. 3

Wie in der Abbildung zu erkennen, vollziehen sich nur etwa ein Viertel der Gründungen noch während des Studiums oder direkt danach. Man kann also sagen, dass direkte Ausgründungen aus der Hochschule eher selten sind. Hierzu zählen die sogenannten Spin- off- Gründungen. Der größte Teil der Gründungen, mit 26%, findet nach 11 bis 20 Jahren nach dem Studium statt. Erklären kann man sich dies mit Hilfe der praktischen- und Branchenerfahrung der Absolventen.

[...]


[1] Diese Veränderungen können z.B. das Ersetzen von alten Maschinen durch neue oder der Austausch von Personal sein

[2] Dabei ist hier nicht die derivative-selbständige Gründung gemeint wie oben, sondern die Schaffung einer originär-selbständigen Gründung zur Sicherung der Existenz

[3] Meint das Überangebot an Gütern bzw. Dienstleistungen in einem stagnierenden Markt durch viele Wettbewerber

Details

Seiten
47
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640796120
ISBN (Buch)
9783640796304
Dateigröße
742 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164459
Institution / Hochschule
Brandenburgische Technische Universität Cottbus – Lehrstuhl für ABWL und Besondere der Organisation, des Personalmanagement sowie der Unternehmensführung
Note
2,0
Schlagworte
Unternehmensgründungen Ingenieure Gründungsmotive Gründungsform Akademiker Spin-off

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