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Erklärungsansätze für das Retirement-Consumption Puzzle

Seminararbeit 2009 23 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Lebenszyklushypothese (LZH)

3 Problemstellung

4 Mögliche Erklärungsansätze
4.1 Abnahme arbeitsbedingter Ausgaben
4.2 Eigenproduktion von Nahrung
4.3 Mangel an Selbstkontrolle
4.4 Unsicherheit im Lebenszyklus
4.4.1 Unfreiwilliger und frühzeitiger Ruhestand
4.4.2 Sparmotiv Vorsichtssparen
4.5 Sparmotiv Erbschaft

5 Schlussbetrachtung und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Konsum, Einkommen, Vermögen während Lebenszyklus 7

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Aktuelle Schätzungen des Statistischen Bundesamtes gehen davon aus, dass der Anteil der über 60-jährigen, also von Personen im ruhestandsnahen Alter, von rund 25 % im Jahr 2005 auf über 40 % im Jahr 2050 der Gesamtbevölke- rung steigen wird und dass die allgemeine Lebenserwartung dieser Personen ebenfalls ansteigt.1 Vor einem solchen Hintergrund sind Kenntnisse über das Konsum-/Sparverhalten dieser wachsenden Bevölkerungsgruppe nicht nur für die (Versicherungs-)Unternehmen von wachsender Bedeutung (etwa bei der Beratung von maßgeschneiderten und rentablen Altersvorsorgeprodukte), son- dern auch für den Staat, bei dem Konsum/Sparen älterer Menschen sowohl für den Konjunkturverlauf als auch für die Effektivität und Effizienz des umlage- finanzierten gesetzlichen Rentensystems bzw. der Riester-Rente wichtig ist. Im Folgenden wird als Konsum die Differenz aus Einkommen und Sparen ist, wie dies makroökonomisch geläufig ist. Wenn von sinkendem Konsum die Rede ist, impliziert dies bei konstanten Einkommen also steigende Ersparnis.

Ein Maß für das Sparverhalten ist die Sparquote. Diese fällt bei Älteren höher aus wie bei Jüngeren, was im Allgemeinen auf die geringere Konsumneigung ersterer zurückgeführt wird.2 Solch ein statistisch erhobenes Ergebnis steht in Kontrast zur neoklassischen Lebenszyklushypothese (LZH), die konkrete Aus- sagen über den Verlauf von Konsum sowie Sparen trifft und in dieser Arbeit im folgenden Kapital erläutert wird. Die Einführung in die LZH leitet über zu ei- ner differenzierteren Problemdarstellung, dem sog. Retirement-Consumption Puzzle, indem empirische Befunde zum Konsum von Ruheständlern aus Deutschland und USA dargelegt werden. In dem Hauptteil der Arbeit werden 5 generelle Erklärungsansätze für geringeren Konsum im Alter auf empirischer sowie teilweise auch theoretischer Basis vorgestellt und kritisch beurteilt. In den beiden Abschnitten 4.1 und 4.2 werden dabei konkret 2 Konsumkategorien (arbeitsbedingte und nahrungsbedingte Ausgaben) behandelt, wohingegen sich Abschnitt 4.3 mit dem eher psychologisch-verhaltensorientierten Ansatz der sog. „Selbstdisziplin“ auseinandersetzt. Die beiden Ansatzpunkte Unsicherheit im Lebenszyklus (4.4 mit Unterkapiteln) sowie Erbschaft (4.5) setzen speziell an unrealistischen Annahmen der einfachen LZH an. Am Ende erfolgt eine Schlussbetrachtung, in der die Ergebnisse zusammengefasst werden sowie ein kurzer Ausblick auf andere, interessante Erklärungsansätze.

2 Die Lebenszyklushypothese (LZH)

Die einfache LZH nach Modigliani/Brumberg (1954,1979) basiert auf der Kernannahme, dass Individuen ihren Konsum C über den gesamten Lebens- zyklus, der sich in Erwerbs-und Ruhestand trennt, gleichmäßig verteilen und sich als Nutzenmaximierer einer Funktion aus aktuellem und zukünftigen C verhalten. Diese „Glättung“ von C ergibt sich aus dem zu erwartenden Lebens- einkommen/-vermögen. Weitere Annahmen sind eine Welt unter Sicherheit so- wie vollkommene Kapitalmärkte. C ist gemäß makroökonomischer Sicht (s. Kapitel 1) definiert bzw. als Ausgabe für nicht-dauerhafte Güter und Dienstleis- tungen sowie laufenden Abschreibungen auf dauerhafte Gütern.3

Abb. 1 zeigt die wesentlichen Aspekte der LZH mit C abhängig vom Lebensal- ter. Die Verläufe von C und des laufenden Einkommens Y sind unabhängig voneinander. Das Vermögen W der Individuen steigt konstant durch angelegtes S mit gleichbleibender Rendite bis zum unter Sicherheit bekannten Ruhe- standsbeginn. Ab dann wird bis dato akkumuliertes W durch Entsparen bis zum ebenfalls unter Sicherheit bekannten Todeszeitpunkt aufgebraucht, von Ge- schenken und Erbschaften wird abgesehen. Y bleibt konstant, ab dem Ruhe- standseintritt sinkt es auf 0, daraus folgt logischerweise, dass C ↑ wenn S ↓.4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Konsum, Einkommen, Vermögen während Lebenszyklus5

Mathematisch vereinfacht lässt sich der Konsum pro Jahr durch die Gleichung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(R: Jahre bis Ruhestand, T: Jahre bis Tod, Ƚ: marginale Konsumneigung aus Vermögen, Ⱦ: Marginale Konsumneigung aus Einkommen)

Aus der Gleichung wird deutlich, dass bei steigendem Alter (also R ↓ und T ↓) α ↑ und β ↓, also C anteilig immer stärker durch W finanziert wird.

3 Problemstellung

Gemäß der LZH bleibt der Konsum mittels Konsumglättung über den gesamten Lebenszyklus konstant. Eine Reihe empirischer Studien konnte allerdings aufzeigen, dass der Konsum zur Zeit des Ruhestandseintritt deutlich abnimmt. Dieser Widerspruch zur LZH wird gemeinhin als Retirement-Consumption Puzzle bezeichnet.7 Ein Ausschnitt dieser Studien sind folgende:

Bernheim/Skinner/Weinberg (2001) können innerhalb des ersten Jahres nach Ruhestandseintritt eine signifikante Abnahme des Konsums ermitteln, der am größten bei unteren Einkommensklassen mit wenig angesparten Vermögen ist. Im 2. Jahr nach Ruhestandseintritt hat sich dieser Abnahmetrend im Vergleich zum 1. Jahr gar verdoppelt. Dabei kann auch gezeigt werden, dass die Verände- rung des Konsums 5-6 Jahre vor und nach dem Ruhestandseintritt nicht signi- fikant ist, wobei die absolute Konsumhöhe nach Eintritt deutlich geringer ist als vorher.8 Mit Fokus auf nahrungsbedingte Konsumausgaben haben Hai- der/Stephens (2007) herausgefunden, dass eben solche im Ruhestandsalter sig- nifikant um durchschnittlich 8-10% zurückgehen.9 Eine auf Deutschland bezo- gene Studie liefert Schwerdt (2005), in dem er eine Abnahme des Konsums um 8,5% abgeleitet aus dem Einkommen und der Ersparnis von 312 befragten Haushalten mit Familienvorstand im Ruhestand feststellt, wobei die Abnahme in etwa der durchschnittlichen Abnahme des Einkommens dieser Haushalte im Ruhestand entspricht. Gerade bei Haushalten, die im Verhältnis zur Erwerbszeit deutlich weniger Einkommen im Ruhestand zur Verfügung haben, ist der durchschnittlich beobachtete Konsumverzicht signifikant hoch (-30%).10

4 Mögliche Erklärungsansätze

4.1 Abnahme arbeitsbedingter Ausgaben

Als arbeitsbedingte Ausgaben werden weitläufig Ausgaben für Arbeitsklei- dung, Transportmittel, Kraftstoff sowie Verzehr außerhalb des Haushalts wie z.B. Kantinenessen bezeichnet.11

[...]


1 Vgl. Statistisches Bundesamt (2006), S. 39, 57.

2 Vgl. Grabka (2004), S. 70f.

3 Vgl. Def. nach Modigliani/Brumberg (1954), S. 393, 398.

4 Vgl. Modigliani/Brumberg (1979), S. 130ff.

5 Vgl. Mankiw (2003), S. 516.

6 Vgl. Mankiw (2003), S. 514.

7 Vgl. Hurst (2008), S. 2.

8 Vgl. Bernheim/Skinner/Weinberg (2001), S. 846f.

9 Vgl. Haider/Stephens (2007), S. 255f.

10 Vgl. Schwerdt (2005), S. 302.

11 Vgl. z.B. Bernheim/Skinner/Weinberg (2001), S. 852.

Details

Seiten
23
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640817436
Dateigröße
650 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164312
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. Finanzierung
Note
1,7
Schlagworte
Altersvorsorge Retirement-Consumption Puzzle Lebenszyklushypothese Sparen Konsum Modigliani Zeitallokation Sparmotiv Riester-Rente Rente Life cycle Ruhestand Altersvorsorgeprodukte Finanzierung Finance Betriebliche Becker Haushalt Gesetzliche Retirement Consumption Versicherungen Versicherung Insurance

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