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Die Außenpolitik des Augustus im Spiegel der res gestae

Hausarbeit 2006 14 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Innenpolitik im außenpolitischen Gewand

3. Außenpolitische Erfolge und ihre Darstellungsweise
3.1. Auspicia Sua
3.2 Gallien, Spanien, Germanien und die Alpen
3.3 Armenien und die Parther

4. Einzigartigkeit

5. Schönmalerei und Schweigen

6. Offensive oder defensive Außenpolitik?

7. Schluss

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn der Vorspann zu den res gestae großzügig behauptet, dass Augustus den Erdkreis der Herrschaft des römischen Volkes unterwarf[1], so bedarf diese Aussage ebenso einer genaueren Untersuchung wie die in den res gestae von Augustus selbst gezeichnete Darstellung seiner politischen, vor allem aber außenpolitischen Aktivitäten. Der folgende Text beschäftigt sich kritisch mit der von Augustus in den res gestae präsentierten Außenpolitik. Dabei kann aber nur ein Teil der res gestae einer Analyse unterzogen werden, da alles andere den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. In einem letzten Gliederungspunkt wird auf die Frage eingegangen, ob Augustus’ Außenpolitik offensiv oder defensiv ausgerichtet war, wobei unterschiedliche Forschungsmeinungen eine Rolle spielen.

Möchte man dem schon erwähnten Vorspann zu den res gestae Glauben schenken, dann gliedert Augustus seinen Bericht in zwei Teile, nämlich grob gesagt in die Außenpolitik und in die Aufwendungen. Alfred Heuss weist aber darauf hin, dass dem nicht so ist, sondern eindeutig eine Dreiteilung in Abschnitt I Honores (Kapitel 1-14), II Impensae (Kapitel 15-24) und III die eigentlichen res gestae (Kapitel 25-35) im militärischen Sinne zu erkennen ist. Ebenso bemerkt er, dass aber innerhalb dieser Abschnitte keine homogene beziehungsweise konsequente Themenwahl festzumachen ist.[2] Aus diesem Grund untersucht die folgende Arbeit nicht ausschließlich den eben benannten dritten Teil, sondern behandelt auch mit dem Thema in Verbindung stehende Elemente aus den vorherigen Abschnitten.

2. Innenpolitik im außenpolitischen Gewand

Wenn man die Außenpolitik mit dem Kapitel 25 und nicht erst mit Kapitel 26 beginnen lässt, dann kann man das dadurch rechtfertigen, dass Augustus hier Innen- mit Außenpolitik verschmelzen lässt. Er beginnt dieses Kapitel mit dem Satz Mare pacavi a praedonibus[3], erwähnt dann den Sieg bei Aktium, um anschließend die Treuebekundungen diverser Provinzen zu betonen. Die Seeräubertätigkeiten, um die es sich im ersten Satz handelt, wurden von Sex. Pompeius, einem Sohn des Cn. Pompeius, angeführt, womit die Bekämpfung seiner Aktivitäten als innenpolitische Maßnahme verbucht werden müsste. Da den Römern jedoch der Bürgerkrieg missfiel, und Augustus sich in seiner Propaganda damit rühmte, dem Volk den Frieden gebracht zu haben, und ein erneuter Bürgerkrieg damit nicht vereinbar gewesen wäre, versucht er, den Sieg bei Naulochos über Sex. Pompeius 36 v. Chr. in seinen res gestae zu verzerren.[4] Inwieweit ihm dies auch tatsächlich gelang, ist fraglich, denn einer der in Kapitel 4 erwähnten Triumphe in Form der Ovatio[5] lässt sich eben auf Naulochos zurückführen. Auf der anderen Seite könnte diese Ovatio auch auf der Tatsache beruhen, dass es sich bei Naulochos um eine Seeschlacht handelte. Im Gegensatz dazu konnte Octavian den Bürgerkrieg gegen Antonius umgehen, nämlich, indem er den Krieg nicht ihm, sondern dessen Geliebten Kleopatra erklärte und sie zum Quell allen Übels deklarierte.[6] Angesichts der Tatsache, dass einer von den drei in Kapitel 4 erwähnten kurulischen Triumphen von seinem Sieg bei Aktium her rührte, hatte Octavians Propaganda im Falle des Antonius Erfolg. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Aktium auch eine Seeschlacht war, was die eben genannte These, dass Octavians „Kaschierungstaktik“ bei Aktium erfolgreicher als bei Naulochos war, bestätigen würde. Wenn man diese eben genannten Fälle in den Gesamtkontext der res gestae einordnen will, dann kann man erkennen, dass Augustus hier seine Sieghaftigkeit, die man unter virtus[7] verbuchen kann, und seine Tätigkeit als Friedensbringer unterstreicht, wobei er die im römischen Volk durchaus nicht beliebten Schlachten gegen innenpolitische Gegner verfälscht und propagandistisch zu seinem Vorteil nutzt.

3. Außenpolitische Erfolge und ihre Darstellungsweise

In den Folgekapiteln 26-33 schleudert Augustus dem Leser mit verhältnismäßig wenigen Sätzen einen geballten Umfang an augusteischer Außenpolitik entgegen. In Kapitel 26 und 27 reiht er auf nüchterne Art und Weise diverse Erfolge aneinander, mit denen er die Erweiterung des Reiches in alle Himmelsrichtungen für sich in Anspruch nimmt. Warum dies jedoch auf solch diffuse Weise geschieht, vermag Alfred Heuss zu erkennen. Laut ihm richtet sich Augustus bei der Aufzählung nach einer geographischen Ordnung, beabsichtigt aber, mit einer konfusen Aufzählung der verschiedenen geographischen Größen und der Vermeidung eines zu erkennenden Systems ein Bild der unendlichen und nicht genau determinierbaren Grenzen seines Reiches zu entwerfen und so seine Universalherrschaft zu unterstreichen.[8]

Kapitel 26 beginnt mit dem Satz Omnium prov[inciarum populi Romani], quibus finitimae fuerunt gentes, quae non p[arerent imperio nos]tro, fines auxi, der deutlich zeigt, dass sich andere Völker in unmittelbarer Umgebung der römischen Macht beugen mussten, und dass bei Ungehorsam Gebiete ohne Mühen von den Römern usurpiert werden konnten. Einen ähnlichen Sachverhalt drückt in Wirklichkeit auch der Satz Cimbrique et Charydes (...) amicitiam meam et populi Romani petierunt[9] aus, denn während eine heutige Freundschaft wohl auf Gleichberechtigung und Respekt beruht, definierten sie die Römer anders. Rom als Freund zu haben, bedeutete Gehorsam zu leisten, Roms Suprematie anzuerkennen.[10]

Auch die Bedeutung des Begriffs Frieden in der römischen Zeit darf nicht mit dem heutigen Verständnis von Frieden verwechselt werden. Wenn Augustus schreibt, er habe Provinzen befriedet, dann musste pacavi[11] nicht zwangsläufig bedeuten, dass sich der Frieden aus einer letztendlichen Einigung der streitenden Parteien ergeben hat; es handelte sich vielmehr um einen Frieden geboren aus Siegen, also einen Frieden aus der militärischen Überlegenheit Roms. Außerdem schloss der augusteische Friedensgedanke Krieg zur Erlangung des Friedens nicht aus.[12]

Da Augustus’ knappe Auflistung seiner außenpolitischen Erfolge nicht vermag, den historischen Sachverhalt ausreichend wiederzugeben, und die Darstellungsweise auch nicht immer der historischen Realität entspricht, werden im Folgenden einzelne Aspekte näher erläutert.

3.1 Auspicia Sua

Bevor genauer auf die einzelnen Gebiete und ihre Eroberung eingegangen wird, muss der Teilsatz Meo iussu et auspicio ducti sunt[13] beziehungsweise der Ausdruck auspiciis meis[14] beleuchtet werden. Wenn Augustus in seinen Ausführungen durch das Personalpronomen „ich“ und auch Possessivpronomen wie „mein/meine“ hauptsächlich sich selbst als Akteur auf der außenpolitischen Bühne präsentiert und in Kapitel 4 seine 21 Imperatorenakklamationen plakativ zur Schau stellt, so mag sich mancher fragen, wie er dies alles alleine bewerkstelligen konnte. Das Anstellen von Auspizien[15] stand nur dem Träger eines Imperiums zu. Ab Augustus wurden diese Auspizien dann ausschließlich vom Kaiser geführt, nur er war der Sieger einer kriegerischen Auseinandersetzung, selbst wenn sie nicht von ihm entschieden wurde. Des weiteren ereignete sich in augusteischer Zeit ein Wandel im Triumphwesen und in der Bedeutung der imperatorischen Akklamationen: „Zwischen 27 und 19. v. Chr. triumphierten nur noch Prokonsuln senatorischer Provinzen, die ihre Feldzüge auspicia sua führten, seit 19 v. Chr. ist kein Triumph mehr überliefert, der nicht von einem Angehörigen des Kaiserhauses geführt wurde. (...) Auch die Bedeutung der imperatorischen Akklamation (...) war wie die des Triumphes einem Wandel unterworfen, durch den auch die Akklamationen schließlich völlig den Angehörigen der domus Augusta vorbehalten blieben.“[16] Von den in Kapitel 4 genannten 21 Imperatorenakklamationen ist die 9. Akklamation, die wahrscheinlich im Zusammenhang mit den Erfolgen im Osten gegen Armenien und die Parther steht, die letzte, die sich Augustus durch eigene militärische Leistungen verdient hatte.[17] Was die zwei Ovationes und drei Triumphe in Kapitel 4 angeht, so gibt Augustus wahrheitsgetreu die Anzahl an. Die beiden Ovationes hatte er im Jahre 40 v. Chr. durch den Vertrag von Brundisium und 36 v. Chr. durch den erfolgreichen Krieg gegen Sex. Pompeius erlangt, die drei Triumphe zeichneten ihn für seine Erfolge in Dalmatien (35 v. Chr.), bei Aktium (31 v. Chr.) und Alexandria (30 v. Chr.) aus.[18] Augustus betont in Kapitel 4, dass er nach den drei Triumphen alle weiteren ihm angetragenen abgelehnt habe. Wenn man außer der Betonung seiner Bescheidenheit weitere Gründe für diesen Schachzug finden möchte, so besteht die Möglichkeit, dass er damit bewusst den Traditionen der Republik folgte[19] oder aber sich damit als Nachfolger des Stadtgründers Romulus präsentieren wollte.[20]

[...]


[1] Vgl. AUGUSTUS. Res Gestae (Monumentum Ancyranum), lat, griech. u. dt. übers., komm. und hg. v. M. Giebel, Stuttgart 1980. Im Weiteren als RgdA zitiert.

[2] Vgl. HEUSS, A. Zeitgeschichte als Ideologie. Bemerkungen zur Komposition und Gedankenführung der Res Gestae Divi Augusti, in: E. Lefèvre (Hg.), Monumentum Chiloniense. Studien zur augusteischen Zeit, Festschrift für E. Bruck zum 70. Geburtstag, Amsterdam 1975, S. 60.

[3] RgdA 25.

[4] Vgl. ECK, W. Augustus und seine Zeit, München 32003, S. 27.

[5] Während beim kurulischen Triumph dem Feldherren alle Ehren zuteile wurden, kann man die Ovatio als Art reduzierten und weniger ehrenhaften Triumph auffassen, bei dem der Feldherr meist zu Fuß durch die Stadt gehen musste . Ovationes wurden im Zusammenhang mit Seeschlachten oder Bürgerkriegen durchgeführt.

[6] Vgl. SCHLANGE-SCHÖNINGEN, H. Augustus, Darmstadt 2005, S. 76.

[7] Virtus neben clementia, iustitia und pietas, den propagierten Tugenden des Augustus

[8] Vgl. Heuss 1975, S. 70-71.

[9] RgdA 26.

[10] Vgl. Heuss 1975, S. 75-76.

[11] RgdA 26.

[12] Vgl. KIENAST, D. Augustus. Princeps und Monarch, Darmstadt 31999, S. 334.

[13] RgdA 26.

[14] RgdA 4.

[15] Man musste vor jeder kriegerischen Handlung die Zustimmung der Götter erhalten.

[16] Vgl. SIMON, B. Die Selbstdarstellung des Augustus in der Münzprägung und in den Res Gestae, Hamburg 1993, S. 48-49.

[17] Vgl. Simon 1993, S. 51.

[18] Vgl. AUGUSTUS. Meine Taten. Nach dem Monument Ancyranum, Apolloniense und Antiochenum, lat., griech., dt., hg. v. E. Weber, Darmstadt 61999, S. 59.

[19] In der Republik wurden meist nie mehr als drei Triumphe von ein und derselben Person gefeiert.

[20] Vgl. Simon 1993, S. 48.

Details

Seiten
14
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640791996
ISBN (Buch)
9783640791217
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164283
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Geschichtswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Außenpolitik Augustus Spiegel

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