Lade Inhalt...

Franchising - Die Vor- und Nachteile

Wie Klippen und Fallen vermieden werden

Essay 2011 4 Seiten

BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne

Leseprobe

Franchising. Die Vor- und Nachteile im Überblick

Teil I Notwendiges Basiswissen

Was ist Franchising?

Die Definition von „Der Deutsche-Franchise-Verband e.V.“ (www.franchiseverband.com) ist extrem umfangreich. Deshalb hier eine Kurzversion:

„Franchising ist ein Vertriebssystem mit rechtlich selbständigen Unternehmern, bestehend aus dem Franchisegeber und dem Franchisenehmer. Der Franchisegeber stellt die Geschäftsidee und sein Wissen –zum Teil in konkreten Vorgaben und Vorleistungen- für die Realisierung gegen Entgelt zur Verfügung. Der Franchisenehmer übernimmt diese Vorleistungen und setzt sie –ergänzt durch seine eigenen Leistungen- um.“

Auf dem Portal des Verbandes gibt es im Prinzip alle Informationen die Franchisegeber und –nehmer benötigen, wenn sie sich mit dem Thema beschäftigen. Außerdem können zusätzliche Informationen direkt abgerufen oder gegen Portogebühren bestellt werden.

Besonders interessant der „Informationsflyer Ethikkodex“. Hier sind u. a. 57 Fragen aufgeführt, die ein zukünftiger Franchisenehmer an den Geber stellen sollte, um die Qualität des Angebotes, der Zusammenarbeit und des Vertrages zu prüfen.

Im Franchising wird unterschieden nach Dienstleistungsfranchising, Vertriebsfranchising und Produktfranchising.

Das Dienstleistungsfranchising ist mit einem Anteil von rd. 50% die am weitesten verbreitete Form. Am bekanntesten ist z. B. die Fast-Food Kette Mac Donald. Zunehmend werden aber auch reine Beratungsleistungen per Franchising vermarktet. Die Franchiseangebote bieten Beratungskonzepte für Existenzgründer von der Anlagen- bis zur Werbeberatung. Hier sollte Interessenten besonders vorsichtig sein, weil manchmal nur dicke Handbücher „verkauft“ werden.

Vertriebs- und Dienstleistungs franchising sind nicht immer überschneidungsfrei. Die Baumarktkette OBI wird bspw. dem Vertriebsfranchising zugerechnet. Wie beim Dienstleistungsfranchising trägt die Verkaufsstätte immer den Namen des Franchisegebers, damit die zentrale Werbung für sämtliche Franchisenehmer wirkt.

Produktfranchising müsste eigentlich Produktionsfranchising heißen, weil hier der Franchisegeber sein Herstellungs-Know-how weiter gibt. Das bekannteste Produktfranchising ist Coca Cola, die ihr Know-how an selbständige Abfüllstationen weiter gibt.

Außerdem gibt es noch das Master-Franchise. Von einem Master-Franchise spricht man, wenn ein Franchisenehmer die Lizenz eines ausländischen Franchise-Unternehmens kauft und auf dem heimischen Markt regional oder national importiert. Er tritt dann als Franchisegeber auf.

Was von Franchisenehmern zu beachten ist

Für das Franchising gibt es in Deutschland keine rechtlichen Vorgaben. Deshalb gibt es auch in diesem Bereich (viele) schwarze Schafe. So ist generell Vorsicht geboten. Wer auf der sicheren Seite stehen will, sollte auf jeden Fall darauf achten, dass der Franchisegeber Mitglied in „Der Deutsche-Franchise-Verband e.V.“ ist und dessen Ethikkodex dem Franchisenehmer gegenüber schriftlich anerkennt.

Weil jeder Franchisegeber seine Leistungen grundsätzlich nach eigenem Ermessen festlegen kann, gibt es auch keine einheitlichen Verträge. Daher ist es für Franchisenehmer grundsätzlich sinnvoll einen Rechtsanwalt einschalten, der den Vertrag auf „Herz und Nieren“ prüft. Es ist besser vorher einen geringen Betrag für die Prüfung des Vertrages auszugeben, als später ein vielfaches, weil man eine Klausel falsch gedeutet hat. Gut ist es, wenn das Angebot des Franchisegebers das Prüfsiegel des des Verbandes hat. Das Prüfsiegel sagt aus, dass das Angebot dem Ethikkodex entspricht.

Ebenso wichtig ist auch, dass die „Qualität“ des Franchiseangebots geprüft wird. Wenn die Geschäftsidee des Franchisegebers keine erkennbare Alleinstellung besitzt, ist immer Vorsicht geboten.

Ferner sollte auch darauf geachtet werden, dass sich das Geschäftskonzept des Franchisegebers bereits bewährt hat. Neu startende Angebote oder Angebote, die sich nicht über 2-3 Jahre als erfolgreich bewährt haben, sollten zwar nicht generell abgelehnt werden, sind aber mit „Vorsicht“ zu behandeln.

Die Kosten

Die Leistungen des Franchisegebers müssen vom Franchisingnehmer bezahlt werden. Die Kosten für den Nehmer bestehen aus den Einmal-/Eintrittsgebühren und aus den laufenden Gebühren, die im Normalfall monatlich gezahlt werden müssen. Da jeder Geber die Gebühren nach eigenem Ermessen festlegen kann, ist es sinnvoll, diese bei den verschiedenen Anbietern -mit gleichen oder ähnlichen Angeboten- sorgfältig zu vergleichen. Da die Leistungen der Geber sehr unterschiedlich sind, bestehen hier gravierende Preis-Leistungsunterschiede.

Das Internet bietet Hilfe

Wie bei jeder Existenzgründung ist es auch hier sinnvoll, sich im Internet vorab umfassend zu informieren. So finden Sie unter der Internetadresse des Fachverbandes zusätzlich umfassende Literatur- und Beratungsangebote. Auch werden dort Erstberatungen für 180,00 € für 2 Stunden von vielen spezialisierten Rechtsanwaltskanzleien angeboten.

Ferner sind am Ende dieses Beitrages die wichtigsten Internetadressen zu diesem Thema aufgeführt, damit Sie sich, je nach Interesse, informieren können. Wer noch nicht genau weiß was er will, kann dort z. B. die unterschiedlichen Angebote der verschiedenen Franchisegeber kennen lernen. Es gibt Angebote aus über 30 Branchen, von „A“ wie Auto bis „W“ wie Werbung.

Voraussetzungen, die man selbst mitbringen sollte

Existenzgründer, egal welcher Art, sollten sich vor ihrer enggültigen Entscheidung immer erst folgende Fragen stellen:

- Sind mein Wissen und meine Kompetenz ausreichend für die Geschäftsidee?
- Entspricht die Geschäftsidee meinen persönlichen Interessen und Neigungen?
- Reichen meine finanziellen Mittel aus?

Wenn nein, gibt es für mein Projekt Fördermittel?

Wenn ja, sind die Fördermittel ausreichend?

- Ist meine Familie, mein privates Umfeld bereit, mich (vorbehaltlos) zu unterstützen?
- Bin ich teamfähig?
- Kenne ich Markt und Wettbewerb ausreichend?
- Bin ich von den Alleinstellungsmerkmalen wirklich überzeugt?
- Bin ich bereit, in der Gründungsphase notfalls auch „rund um die Uhr“ zu arbeiten?

Wenn Sie diese Fragen mit ja beantworten können, sind Sie auf dem richtigen Weg. Wenn nicht, stellen Sie noch einmal alles auf den Prüfstand.

Teil II Die Vor- und Nachteile im Überblick

II a Die Vorteile des Franchisenehmers

Generell kann davon ausgegangen werden, dass bewährte Franchisekonzepte ein hohes Maß an Sicherheit bei der Existenzgründung bieten. Der entscheidende Vorteil für den Franchisenehmer ist die deutliche Minderung des Risikos, weil er auf den Erfahrungen des Franchisegebers und –wenn vorhanden- den bereits vorhandenen Franchisenehmern aufgebauen kann. Im Einzelnen:

- Deutlich verringertes Risiko gegenüber der „normalen“ Existenzgründung.
- Geringerer Finanzbedarf.
- Leichtere Kreditzusagen von den Banken.
- Beratung bei der Wahl des Standortes.
- Aktive Hilfe und Unterstützung beim Geschäftsaufbau.
- Unterstützung bei der Einrichtung und Gestaltung der Geschäftseinrichtung.
- (Fach-)Ausbildung durch den Franchisegeber.
- Ausbildung der Mitarbeiter durch den Geber.
- Ständige Weiter- und Fortbildung durch den Geber.
- Im Normalfall umfangreiches und detailliertes Handbuch mit Handlungsanweisungen für viele Geschäftsvorfälle.
- Deutlich kürzere Vorlauf- bzw. Planungszeiten für die Geschäftsgründung.
- Das Know-how für den Geschäftsaufbau und die Geschäftsführung wird geliefert.
- Testphase entfällt, weil sich das Geschäftskonzept bereits bewährt hat.
- Praxiserprobte Arbeitsabläufe.
- Permanente Aktualisierung der wichtigsten betriebswirtschaftlichen Daten.
- Durch Betriebsvergleiche Kontrolle der eigenen Effizienz.
- Erleichterung der „Verwaltungsaufgaben“.
- Reduzierung der betriebswirtschaftlichen Arbeiten.
- Bessere Einkaufsbedingungen.
- Im Normalfall Gebietsschutz.
- Der größte Teil der Marketingleistungen wird gestellt.
- Wenn die Marke bereits in der Region bekannt ist, vom Start an ein positives Image.
- Partizipation an überregionalen Werbemaßnahmen.

Die aufgeführten Leistungen gelten nicht für alle Franchisenehmer, sondern sind abhängig von der Branche und dem jeweiligen Vertrag.

II b Die Nachteile des Franchisenehmers

Nur Vorteile gibt es nicht, und so gibt es für den Franchisenehmer auch Bedingungen, die nachteilig sind. Dazu gehören:

- Einschränkung der Selbständigkeit, je nach Vertrag von gering bis erheblich.
- Lange vertragliche Bindung, oft fünf Jahre.
- Monatliche Zahlungen, bezogen auf den Umsatz. Manchmal extrem hoch.
- Hohes Risiko, wenn Abnahmeverpflichtungen vereinbart werden.
- Keine Garantie über die Qualität der verschiedenen Hilfen und Unterstützungen.
- Das unternehmerische Risiko verbleibt beim Franchisenehmer.

[...]

Autor

Zurück

Titel: Franchising - Die Vor- und Nachteile