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Frauen im Deutschen Kaiserreich zwischen Haushalt und Fabrik

Quellenexegese 2008 10 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Frau im eigenen Heim
Die Entwicklung hin zur Hausfrau und Mutter
Die Aufgabenbereiche der Frau

Die Arbeiterin im Deutschen Kaiserreich

Ein liberaler Reichstagsabgeordneter meldet sich zu Wort

Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

„Wenn ich die Wahl hätte, ob ich einer verheirateten Frau die Arbeit in einer Fabrik, in einem luftigen, großen und gut beleuchteten Lokal zuweisen, oder ob ich sie den lieben langen Tag an den Waschtrog treten lassen sollte, ich würde mich keinen Augenblick bedenken, für das erstere mich zu entscheiden.“

1889 führt ein liberaler Reichstagsabgeordneter Argumente für die Arbeitsfreiheit der Frauen an. Dabei beschreibt er vorrangig die Situation des weiblichen Geschlechts zu Zeiten des Deutschen Kaiserreichs. Anhand dieser Quelle soll sich mit der Rolle der Frau aus den unteren Schichten dieser Zeit auseinandergesetzt werden. Vor allem die Betrachtungen der verschiedenen Lebenswelten einer Frau, der Haushalt und die Arbeit, sollen ein aufschlussreiches Bild ihrer Situation um 1900 liefern. Diese detailliert zu beleuchten, würde den Rahmen sprengen, weshalb im Folgenden nur auf prägnante Thesen und Beispiele eingegangen werden kann.

Zunächst soll die Betrachtung der Frau in ihrem eigenen Haushalt Aufschluss darüber geben, welche familiären Pflichten einer Ehefrau und Mutter oblagen. Nachfolgend wird die Situation erwerbstätiger Frauen beleuchtet. Abschließend sollen die Kernaussagen der Quelle, die durch bis dahin vorliegende Erläuterungen interpretiert wurden, noch einmal zusammenfassend mit anderen Ansichten der Zeit verglichen werden.

Der Forschungsstand dieses Themas ist durch viele Beiträge, vor allem aus der Zeit der 70er und 80er Jahre des 20. Jahrhunderts, gekennzeichnet. Insbesondere der Bereich der Sozialwissenschaften liefert einiges an interessanter Literatur, auch was den Vergleich verschiedener Frauenbilder im Laufe der Jahrhunderte betrifft.

Die Frau im eigenen Heim

Die Entwicklung hin zur Hausfrau und Mutter

Frauen im Deutschen Kaiserreich waren aus gesellschaftlicher Sicht in erster Linie Hausfrau und Mutter. Dies zu sein „war eine lebensfüllende Aufgabe mit Vollbeschäftigung“[1], denn nicht selten bestand eine Familie der unteren Schichten aus sechs oder mehr Personen, die alle versorgt werden wollten. Zusätzlich war der Haushalt in Ordnung zu halten.

Doch nicht seit jeher wurde die Rolle der Frau derart verstanden. Im 18. Jahrhundert sprach man noch von der „Ökonomie des ganzen Hauses“[2]. Mann und Frau, „Hausvater“ und „Hausmutter“, wirtschafteten gleichberechtigt und sicherten die Existenz des Haushaltes zum Beispiel durch Eigenproduktion von Nahrungsmitteln. Die Arbeit der Frau wurde hier ebenso hoch bewertet, wie die des Mannes.[3]

Mit der Industrialisierung setzte sich die eingangs beschriebene Rolle der Frau durch, da berufliche und produktive Tätigkeiten aus dem Haus ausgelagert wurden und der Mann eben diesen Tätigkeiten außer Haus nachging. Die Arbeitsfelder von Frau und Mann gingen im Zuge dieser ökonomischen Veränderungen auseinander und führten dazu, dass der Frau zunehmend Hausarbeit und Erziehung zugedacht wurden, während der Mann die Rolle des Familienernährers übernahm.

Die Aufgabenbereiche der Frau

„Der eigentliche Beruf des Weibes wird zu allen Zeiten das Haus und die Ehe sein. Sie soll Kinder gebären und erziehen. Ihrer Familie soll sie den lauteren Quell ihrer fühlenden, liebevollen Seele spenden, Zucht und Sitte, Gottesfurcht und heitere Lebensfreude nähren und pflegen.“[4]

Wie angeführtes Zitat zeigt, oblag der Frau neben der Erziehung der Kinder zu künftigen treuen Staatsbürgern, die Bewirtschaftung des Haushalts. Ihre wichtigste Aufgabe war es, für Ordnung und vor allem für Geborgenheit zu sorgen. Das Ziel war es, dem Mann eine wohlige Atmosphäre nach einem anstrengenden Arbeitstag zu schaffen und dadurch seine Arbeitskraft zu erhalten. Dazu gehörten eine ordentliche Mahlzeit, eine saubere Wohnung und versorgte Kinder. Bei alledem hatte die Frau ökonomisch zu denken und zu handeln, denn die meist schlechte finanzielle Lage von Arbeiterfamilien zwang einen jeden Haushalt zu Sparsamkeit und Bescheidenheit. Die Frau hatte Lohnverluste und Preiserhöhungen mit sparsamer Haushaltsführung auszugleichen. Oft wurden Mahlzeiten „gestreckt“, alte Kleidung wurde gestopft und genäht und Haushaltsgegenstände repariert, um so viel wie möglich zu erhalten und wenig Geld auszugeben. Der Ehemann und Vater war von solchen „häuslichen Sparmaßnahmen meist als letzter betroffen, denn Frau und Kinder schränkten sich zu seinen Gunsten ein“.[5] Nur sehr selten stand der Frau ein Dienstmädchen zur Seite. Dies war eher in bürgerlichen Familien die Regel. Daher lasteten alle häuslichen Angelegenheiten auf den Schultern der Frauen. Demzufolge war es oft der Fall, dass noch abends oder nachts, wenn Mann und Kinder versorgt waren, Wäsche gewaschen oder Hausrat in Ordnung gebracht werden musste. Der Arbeitstag einer Frau endete also erst mit dem Zu-Bett-Gehen. Trotz allem wurde ihr diese Leistung nicht als Arbeit anerkannt. Die Rolle als Hausfrau und Mutter war ihre „natürliche Bestimmung“[6]. Selbst nach Meinung des liberalen Reichstagsabgeordneten in zu betrachtender Quelle steht „die Fürsorge für das heranwachsende Geschlecht und die Rücksichtnahme auf die Familie“[7] noch vor der Arbeitsfreiheit der Frau, für die er sich eigentlich einsetzt. Dies lässt erkennen, dass Sittlichkeit und familiäre Pflichten nicht nur für das Leben einer Hausfrau maßgebende Faktoren waren, sondern auch für das einer Arbeiterin. Trotz zusätzlicher Arbeit in verschiedenen Fabrikationszweigen, auf die später noch näher eingegangen wird, hat die Frau des Deutschen Kaiserreiches vorrangig sittsame Ehefrau und Mutter zu sein.

Die Arbeiterin im Deutschen Kaiserreich

Die finanzielle Lage der unteren Schichten im Kaiserreich ließ den Familien meist keine andere Wahl, als dass Frauen und oft auch die älteren Kinder zusätzlich zum Verdienst des Mannes arbeiten mussten, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Außerdem verlangte die aufblühende Industrie nach vielen zusätzlichen Arbeitskräften und durch Maschinenanwendung war nicht mehr nur die Muskelkraft der Männer vonnöten, sodass auch Frauen und Kinder in vielen verschiedenen Fabrikationszweigen Anstellung fanden.[8] Je nach finanzieller und familiärer Situation arbeiteten Frauen entweder von zu Hause aus oder aber, wie auch die meisten Männer, in Fabriken. Die Heimarbeit war vorrangig in der Bekleidungsindustrie vertreten. Von zu Hause aus wurden Kleidungsstücke oder andere Stoffe hergestellt und verarbeitet, was jedoch die Anschaffung einer Nähmaschine verlangte. Dies war sehr kostspielig und führte anfangs dazu, dass eine Konkurrenz zwischen Handnäherinnen und Nähmaschinenbesitzerinnen zustande kam. Zunehmend setzte sich die maschinelle Verarbeitung durch, sodass der Besitz einer Nähmaschine zur Voraussetzung dafür wurde, Heimarbeit auch gewinnbringend ausführen zu können.[9]

Die Heimarbeit ermöglichte es den Frauen, ihrer Beschäftigung und der Hausarbeit nahezu gleichzeitig nachzugehen. In den meist nur einen Raum umfassenden Mietskasernenwohnungen spielten sich der Alltag der Familie und die Arbeit der Frau ab. Ihr war es möglich, gleichzeitig auf die Kinder zu achten, Essen vorzubereiten und ein wenig Geld zu verdienen.

Häufig waren Frauen in fremden Haushalten auch als Dienstmädchen tätig. Diese berufliche Tätigkeit kam aber größtenteils nur für unverheiratete junge Mädchen und Frauen in Frage.

[...]


[1] Lehr, Ursula: Ist Frauenarbeit schädlich?. Im Spannungsfeld zwischen Familie und Beruf, Zürich 1979, S. 22.

[2] Schlegel-Matthies, Kirsten: „Im Haus und am Herd“. Der Wandel des Hausfrauenbildes und der Hausarbeit 1880- 1930 (Studien zur Geschichte des Alltags, Band 14), Stuttgart 1995, S. 22.

[3] Vgl. Schlegel-Matthies, S. 20.

[4] Treitschke, Heinrich von: Vom „eigentlichen Beruf des Weibes“, in: Klaus Saul u.a. (Hrsg.): Arbeiterfamilien im Kaiserreich. Materialien zur Sozialgeschichte in Deutschland 1871-1914, Königstein/Düsseldorf 1982, S. 182.

[5] Beier, Rosemarie: Frauenarbeit und Frauenalltag im Deutschen Kaiserreich. Heimarbeiterinnen in der Berliner Bekleidungsindustrie 1880- 1914 (Campus Forschung, Band 348), Frankfurt/Main 1983, S. 126.

[6] Schlegel-Matthies, S. 24.

[7] „Für die Arbeitsfreiheit der Frauen“. Argumente eines liberalen Reichstagsabgeordneten, in: Klaus Saul u.a. (Hrsg.): Arbeiterfamilien im Kaiserreich. Materialien zur Sozialgeschichte in Deutschland 1871-1914, Königstein/Düsseldorf 1982, S. 192.

[8] Vgl. Frauen sind billiger als Männer. Frauenarbeit und unternehmerisches Kalkül, in: Klaus Saul u.a. (Hrsg.), S. 183.

[9] Vgl. Beier, Rosemarie, S. 50/51

Details

Seiten
10
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640788989
ISBN (Buch)
9783640788798
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164132
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Geschichte
Note
1,33
Schlagworte
Deutsches Kaiserreich Frauen

Autor

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Titel: Frauen im Deutschen Kaiserreich zwischen Haushalt und Fabrik