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Generation web 2.0- Die Bedeutung des Internets für die Adoleszenz

Hausarbeit 2010 23 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Medien-Sozialisation

3 Motive der Internetnutzung
3.1 Die Bedürfnistheorie nach Maslow
3.2 conflict enculturation theory
3.3 Aktivismus und Kreativität

4 Lebenswelten Jugendlicher heute
4.1 Medien und Alltagsästhetik
4.2 Die Erlebnisgesellschaft nach Gerhard Schulze
4.3 Die Risikogesellschaft nach Beck
4.4 Der flexible Mensch nach Senett

5 Medien und Identität
5.1 Zum Begriff der Identität
5.2 Identitätsprozesse im Wandel der Zeit
5.3 Identitätsbildung im medialen Kontext
5.3.1 Sicherheit und Privatsphäre
5.3.2 Computerspiel
5.3.3 Wunschwelt und Suchtpotential
5.3.4 overload
5.3.5 Orientierung und Unterstützung

6 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Neuen Medien haben für Jugendliche einen hohen Stellenwert. So ist die Ausstattung mit einem PC heute in deutschen Familien nahezu eine Selbstverständlichkeit. Das Internet ist das meistgenutzte Medium der Jugendlichen: Über 90% der Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren verbringen eigenen Einschätzungen zufolge täglich 134 Minuten im Netz. Hinsichtlich der inhaltlichen Verteilung der Internetnutzung entfällt der größte Teil auf den Bereich der Kommunikation, welche im Altersverlauf die bestimmende Komponente bleibt (MPFS 2008).

Menschen, die in unserer Gesellschaft nicht medial ausgestattet und integriert sind, leben vom kulturellen und sozialen Leben weitgehend ausgeschlossen (Mikos et al, 2007).

Das Verhältnis von Jugend und Medien spaltet sich im öffentlichen Diskurs in drei normative Positionen, die Süss als Kulturpessimismus, kritischen Medienoptimismus und euphorische Medienpromotion bezeichnet (Süss 2004, S.15).

Der erhebliche Stellenwert des Internet als Sozialisationsmedium wirft die Frage auf, inwiefern sich die Nutzung positiv und negativ auswirkt; welche Folgen und Konsequenzen die Nutzung des Web 2.0 auf die Herausbildung der Identität hat und wie der Begriff der Identität im virtuellen Zeitalter zu fassen ist. Im Folgenden wird diesen Fragen nachgegangen. Grundlegend sollen zunächst verschiedene Aspekte der Mediensozialisation erörtert werden.

2 Mediensozialisation

„Weil jeder Mensch von Geburt an in eine Informations-und mediengesellschaft hineinwächst, wo sich die Sphären des Medialen und Nicht-Medialen immer stärker gegenseitig durchdringen, sind Erziehungsund Sozialisationsprozesse immer weniger ohne Bezug auf medial vermitteltes Wissen zu denken“(Moser 2006, S.32).

Omnipräsente MEDIEN „sind eine zentrale Vermittlungsinstanz. In ihnen repräsentieren sich menschliche Geschichte, Erfahrungsräume und Daseinsformen versehen mit aktuellen Interpretationsofferten…Sie fungieren entsprechend als wichtige Quellen für Wissen, Meinung, Werte, kulturelle Orientierung. Darüber hinaus sind Medien Mittel, um über und mit der Umwelt zu kommunizieren. Denn die Auseinandersetzung mit der Umwelt findet längst nicht mehr nur über direkte, sondern auch und in bedeutendem Ausmaß über mediale Kommunikation statt“ (Schorb 2009, S. 86).

Neben der konstitutiven Bedeutung der Medien als Sozialisationsinstanz sind auch weitere Sozialisationsinstanzen medial geprägt. Medien fungieren als Vermittlung und Aneignung von Welt und haben somit eine orientierende Funktion (Spanhel 2006).

„Es geht um die Frage, wie in der Koontogenese unter dem Einfluss der Medien die notwendige Anpassung der prinzipiell offenen Verhaltensmuster und Handlungsformen der Heranwachsenden an die gemeinsamen, sozial anerkannten Wahrnehmungs-, Denk-, Gefühls-, Wertungs-und Handlungsmuster der Gesellschaft und ihrer sozialen Gruppen erfolgt. Mediensozialisation beschreibt also die Leistung der Medien als symbolische Sinnsysteme bei der Integration der nachwachsenden Generation in die Gesellschaft und ihre Sozialsysteme.“ (Spanhel 2006, S.111)

„Medien formen den Menschen und nehmen eine kontinuierliche Strukturierung seiner Wahrnehmung vor. Die Entwicklung der technischen und elektronischen Medien prägt unsere visuelle Wahrnehmung und verändert unser Informationsverhalten. Technische Medien haben zu allen Zeiten dazu beigetragen, dass die Menschen in der Lage sind, mit Akkommodation auf gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren..“ (Röll 2008, S.121)

Marotzki sieht das Internet als neuen „Lern-und Sozialisationsraum, als neuen Kommunikations-, Partizipations-und Kulturraum“ (Marotzki et al, 2000, S14)

Welche möglichen Motive und Bedürfnisse Jugendliche zur Nu]tzung des Internets veranlassen, ist Thema des folgenden Kapitels.

3 Motive der Internetnutzung

3.1 Die Bedürfnistheorie nach Maslow

Bewusst wahrgenommene Bedürfnisse sind nach Maslow Ausdruck tiefer liegender, sogenannter Grundbedürfnisse, welche für die Medienrezeption von Relevanz sein können.

A Kognitive Bedürfnisse: Neugier, Streben nach Sinneserregung und Spannung
B Sicherheitsbedürfnisse wie Ordnung, Struktur, Schutz, Stabilität
C Zugehörigkeits-und Liebesbedürfnisse: Gruppenzugehörigkeiten und persönliche Beziehungen
D Achtungs-und Geltungsbedürfnisse: Wertschätzung und Anerkennung
E Selbstverwirklichungsbedürfnisse: Individuelle Stärken und Interessenlagen

Es stellt sich die Frage, inwiefern diese Bedürfnisse in den heutigen Lebenswelten Jugendlicher noch hinreichend befriedigt werden können.

Jugendliche instrumentalisieren Medien als Mittel, um sich innerhalb eigenständiger und selbstbestimmter Handlungsrahmen individuelle, anstrengungs-und sanktionslose Bedürfnisbefriedigung zu verschaffen (Tulodziecki 2009).

3.2 conflict enculturation theory

Die kultursoziologische Erklärung der conflict enculturation theory bezieht sich auf gesellschaftsrelevante Konflikte, welche im Spiel verankert sind. Im Spiel können innerhalb der angebotenen Freiräume symbolische Lösungen herbeigeführt werden. Durch das Besiegen der Computertechnologie im Spiel werden gesellschaftliche Probleme auf eine Ebene reduziert, die die Auseinandersetzung mit ihnen weniger furchtsam erscheinen lässt (Neitzel 2008).

3.3 Aktivismus und Kreativität

Geringe Kosten, weitgehende Unabhängigkeit von den Verantwortlichen der Medienbranche, einfach zu nutzende Technologien und ein großes Publikum fördern kreative Aktivitäten und Innovationsgeist als Selbstausdruck. Durch die so hervorgebrachte Vielfalt werden demokratische Prozesse befördert. Statt ausschließlichem Konsum werden Jugendliche zunehmend zum Schöpfer von Informationen (Palfrey/Gasser 2008). Das Internet bietet sich zudem als Plattform für soziale und politische Initiativen an. Digitaltechniken ermöglichen ein „interaktiveres Verhältnis“ zwischen Menschen und Medien (Palfrey/Gasser 2008, S 319) und somit im politischen Bereich zwischen Kandidaten und Einzelwählern.

Durch Interaktion und Kommunikation werden Jugendliche im web 2.0 zu aktiven Produzenten. Der Wissenserwerb ist gekennzeichnet durch individuelles und interessengeleitetes assoziatives und kombinatorisches Denken (Röll 2008).

Vor dem Hintergrund dieser Ausführungen soll im Anschluss durch ergänzende Perspektiven vertiefend auf die heutigen Lebenswelten Jugendlicher auch im medialen Zusammenhang eingegangen werden.

4 Lebenswelten Jugendlicher heute

4.1 Medien und Alltagsästhetik

Der soziale Gebrauch von Ästhetik drückt sich in der Verwendung von Symbolen zur Selbst-und Alltagsstilisierung aus sowie in präsentierten Präferenzen. In diesem Sinne ist Ästhetik ein rezeptives und medienbedingt produktives Mittel zur soziokulturellen Verortung. Mit ästhetischen Mitteln werden soziale Zugehörigkeiten definiert.

Es geht um die Ordnung und Strukturierung von Konsum in einer individualisierten Welt. Alltagsästhetik meint: “die stilistische Ordnung von auf gemeinsame Ästhetik im Sinne von design ausgerichteten Konsumangeboten und Lebensweisen“ (Bachmair 2009, S 6). Über Alltagsästhetik lassen sich Stile in Kategorien fassen. Ihre Funktion besteht in gruppenspezifischer Abgrenzung und Integration. Sie entstehen durch bedeutungskonstituierende Prozesse. Die tradierte vertikale Gliederung nach Schichten wird verschoben und ergänzt durch eine horizontale Gliederung nach Stilen und Milieus (Bachmair 2009).

„Das zentrale Mittel jugendkultureller Produktivität, Aktivität und Attraktivität ist die Stilbildung. Dabei wird mittels einer spezifischen Auswahl sowie einer modifizierten Aneignung und Rekombination von Mode, Musik, Medien und anderen popkulturellen Konsumgütern, aber auch aufgrund eigener Ausdrucksweisen in Sprache, Habitus, Gestus und Emblematik ein kultureller Code generiert, mit dem sowohl Integration und kollektive Identität inszeniert als auch Differenz, Distanz und Distinktion gewonnen wird.“(Hebecker 2001, S.50)

“Medienästhetik ist Mittel der Kultur-und Gesellschaftskritik wie der Identitätskonstruktion, der sozialen und symbolischen Inklusion(…) und Exclusion“. (Imort et al 2009, S.8) Die gegenwärtige und zukünftige Medienästhetik ist interaktionistisch und partizipatorisch ausgerichtet; das tradierte Sender-Empfänger-Modell ist überholt.

Neue soziale Bindungen werden heute nicht nur über gemeinsam geteilte Interessen gebildet, sondern über gemeinsam geteilte Bedeutungen, die über den ästhetischen Aspekt der Medien vermittelt und stabilisiert werden. Durch die Teilhabe an den verschiedenen gemeinschaftlichen Stilpräferenzen und der Aneignung der entsprechenden ästhetischen Inhalte wird neben Möglichkeiten der Selbstdarstellung auch soziale Gemeinschaftsbildung ermöglicht. Tradierte soziale Bindungen weichen zunehmend vorwiegend medial vermittelten Jugendszenen mit ihren spezifischen Kulturen und Lebensstilen (Spanhel 2006).

4.2 Die Erlebnisgesellschaft nach Schulze

Innerhalb der „Ästhetisierung des Alltags“ hat sich ein Erlebniswandel von der Außen-zur Innenorientierung vollzogen. Nunmehr ist das Interesse nicht länger objekt-sondern erlebnis-und egozentriert. Gebrauchsgüter verlieren an Bedeutung. Die außenorientierte Gesellschaft war im Gegensatz zum heutigen Überfluss durch Knappheit gekennzeichnet. Anstatt die täglichen Bedarfe erarbeitend sicherzustellen, ist das Individuum nun zum Auswählenden geworden, wobei dieses nicht nur mit dem Begriff der Freiheit assoziiert wird, sondern vielmehr auch mit dem des Zwanges zu Entscheidungen nach ästhetischen Aspekten. Die individuelle lebensweltgestaltende Erlebnisorientierung manifestiert sich im gesellschaftlichen Rahmen in der Herausbildung von Stilen, wodurch die individuelle Orientierung und Abgrenzung vorgenommen werden kann. Verschiedene Stiltypen werden drei alltagsästhetischen Schemata zugeordnet, welche in kollektiven Aushandlungsprozessen durch Segmentierung von Zeichengruppen entstehen. Bedeutung erlangen diese Zeichen durch jeweils kulturspezifische Problematiken. Die unüberschaubare Menge an Erlebnisoptionen wird durch alltagsästhetische Schemata geordnet. Im Gegensatz zum Hochkultur-und Spannungsschema ist die Dominanz des Spannungsschemas kennzeichnend für die Erlebnisgesellschaft. Die Ausbildung von milieudeterminierenden Lebensstilen erfolgt nicht zuletzt durch die erlebnisorientierte Mediennutzung und milieuspezifische Medienpräferenzen. Die Erlebnisorientierung ist an den medialen Inhalten und Nutzungsbedingungen zu erkennen. Der Konsum symbolhaltiger Medieninhalte erfolgt stilgeleitet und wird individuell alltagsästhetisch integriert. Die Erlebnisgesellschaft steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Individualisierung und Detraditionalisierung (Schulze 2005, S.33 f), die im folgenden thematisiert wird.

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Details

Seiten
23
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640796762
ISBN (Buch)
9783640796557
Dateigröße
623 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164099
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Fakultät für Kultur-und Sozialwissenschaften
Note
2,3
Schlagworte
Generation Bedeutung Internets Adoleszenz

Autor

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Titel: Generation web 2.0- Die Bedeutung des Internets für die Adoleszenz