Lade Inhalt...

"Stopp Kinderarbeit – Schule ist der beste Arbeitsplatz"

Ein Unterrichtsprojekt zum Globalen Lernen in der Schule

Unterrichtsentwurf 2009 6 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung:

1. Stufe: Informationen verarbeiten und Erkennen von Vielfalt

2. Stufe Perspektivenwechsel und Empathie

3. Kritische Reflexion und Stellungnahme

4. Stufe: Solidarität und Mitverantwortung

5. Stufe: Handlungsfähigkeit im globalen Wandel (1)

6. Stufe: Handlungsfähigkeit im globalen Wandel (2)

Autor: 5

Im Jahr 2008 kooperierte die Stadt Düsseldorf unter dem Titel „Welthungerhilfe - Düsseldorf reicht die Hand“ mit der Welthungerhilfe. Das T-Gymnasium der Evangelischen Kirche im Rheinland beteiligte sich an dieser Städtepartnerschaft u.a. mit einem Unterrichtsprojekt zum Thema „Stopp Kinderarbeit – Schule ist der beste Arbeitsplatz“ in einer 5ten Klasse. Dieses möchte ich im Folgenden in der gebotenen Kürze präsentieren.

Vorbemerkung:

Das Thema „Kinderarbeit“ ist in NRW in mehreren gymnasialen Fachcurricula (Politik, ev. Religion, kath. Religion, Deutsch) als Thema vorgesehen und kann somit entweder selbstständig oder fächerübergreifend bearbeitet werden.

1. Stufe: Informationen verarbeiten und Erkennen von Vielfalt

Der Einstieg in die Unterrichtseinheit erfolgte mit der Vorführung einer Fernsehsendung, die die ZDF Kindersendung LOGO im Jahr 2003 gemeinsam mit der Welthungerhilfe unter dem Titel der Kampagne produziert hatte[1]. Die Schülerinnen und Schüler (SuS) erhielten hierzu einen Beobachtungsbogen, den sie während des Betrachtens der 21-minütigen Sendung ausfüllen sollten. Somit hatten die SuS einen informativen Einstieg. Gleichzeitig erhielten die Schüler einen Bogen mit grundlegenden Daten und Informationen zur Kinderarbeit im allgemeinen als auch zu den Auswirkungen auf die Lebenswirklichkeit dreier Kinder in Indien im Besonderen .

Die in dem Film vorgestellten Beispiele aus Indien wurden ergänzt durch die gemeinsame Lektüre von 3 Berichten über Kinderarbeit in Zimbabwe, Brasilien und Indien, die im Politikbuch[2] (Team 1) ausführlich vorgestellt werden. Die unterschiedlichen Fallbeispiele ermöglichten den SuS sowohl die generelle Problematik (Kinderarbeit) zu erkennen als auch die unterschiedlichen Konsequenzen zu erfassen, die diese für den Alltag ihrer Altersgefährten nach sich zieht.

2. Stufe Perspektivenwechsel und Empathie

In der nächsten Stufe erhielten die SuS den Auftrag, unter dem Titel „Mein Name ist Selina und ich lebe in Zimbabwe“ einen kleinen Artikel zur konkreten Lebenswirklichkeit eines Kindes zu schreiben, das Kinderarbeit erbringen muss. Neben Selina hatten die insgesamt 6 parallel arbeitenden Kleingruppen noch Vijay aus Indien und Margarete aus Brasilien sowie 3 Kinder aus dem Film der vorherigen Stunde (Lakshmi, Khaja und ein namenloser Junge) zur Auswahl. Während für Selina, Vijay und Margarete im Politikbuch - wie gesagt - ausführliche Situationsbeschreibungen vorlagen, konnten sich die SuS für die 3 Kinder aus der Fernsehsendung sowohl auf ihren Beobachtungsbogen als auch auf eine zweite Betrachtung des Filmes stützen.

3. Kritische Reflexion und Stellungnahme

Nach einer Präsentation verschiedener Arbeitsergebnisse, die überwiegend sehr engagiert und gelungen waren, wurden die SuS aufgefordert zu überlegen, welche Forderungen sie (in ihrer Rolle) als Selina, Vijay, Margarete usw. denn auf einer Internationalen Konferenz zum Thema „Kinderarbeit“ stellen würden und erhielten als Grundlage ein Arbeitsblatt mit möglichen Forderungen, die sie nach Dringlichkeit ordnen sollten[3]. Dies sollten sie zunächst individuell, dann mit ihrem Tischnachbarn und schließlich in der Gruppe all derjenigen tun, die dasselbe Kind vertraten.

In der abschließenden „Internationalen Konferenz“ wurde natürlich auch diskutiert, ob nicht 'mehr Freizeit' und 'Zeit zum Spielen' wichtige Ziele sein könnten. Dies war im Sinne der „kritischen Reflexion und Stellungnahme“ und des 'Kontroversitätsprinzips' der politischen Bildung (was in der Politik kontrovers diskutiert wird, muss auch im Unterricht kontrovers dargestellt werden) ein wichtiger Schritt, der zur Klärung der Ziele und Absichten beitrug. In der klasseninternen Diskussion stellte sich – insbesondere nach der Aufforderung die eigene Situation zum Vergleich mit heran zu ziehen - ziemlich bald heraus, dass die erste Forderung sein sollte, dass die Eltern durch ihre Arbeit so viel Geld verdienen, dass die Kinder nicht auch noch arbeiten müssen, um das Überleben der Familie zu sichern. Die zweite Forderung lautete, dass Kinder ein Recht haben sollten, zu spielen und etwas fürs Leben zu lernen. Wenn sie dann noch hin und wieder freiwillig arbeiten wollen, um sich zusätzliches Geld zu verdienen, ist dies etwas ganz anderes als tagtäglich arbeiten zu müssen.

4. Stufe: Solidarität und Mitverantwortung

Zur Beantwortung der Frage, was wir denn nun tun können, um den Kindern in Indien, Zimbabwe und Brasilien zu ihrem Recht auf Bildung zu helfen, habe ich wiederum auf das Politikbuch Team 1 und das darin enthaltene Kapitel zum Thema „Eine-Welt-Laden“ zurück gegriffen. Da etliche Schülerinnen und Schüler diese Einrichtung bereits kannten, wurden sie beauftragt, sich in einem Laden über dessen Konzept zu informieren und dieses – im Sinne eines Kurzreferates – im Unterricht zu präsentieren. Dies gelang erfreulich gut und auch der Bezug zum Thema Kinderarbeit – die Eltern sollen faire Löhne erhalten, damit die Kinder nicht mitarbeiten müssen – wurde von der Schülergruppe, die die Besuchsinfos präsentierte, selbst aktiv hergestellt.

5. Stufe: Handlungsfähigkeit im globalen Wandel (1)

Dank einer Kooperation mit der Kampagne „Stopp Kinderarbeit. Schule ist der beste Arbeitsplatz“ im Rahmen der Partnerschaft der Stadt Düsseldorf mit der Welthungerhilfe konnten wir die Unterrichtseinheit noch um einen großen Schritt erweitern und in einem zweieinhalbtägigen Workshop mit 2 Theaterpädagogen einige Spielszenen zum Thema entwickeln, einstudieren und das Ergebnis (= ein ca. 20minütiges Theaterstück) vor der Schulöffentlichkeit (= Mitschüler, Eltern, Lehrer) aufführen[4]. Das Konzept wird im Folgenden etwas detaillierter dargestellt, um Kolleginnen und Kollegen mit etwas Theater- und Musikerfahrung Mut zu machen, ein ähnliches Projekt auch an ihrer Schule durchzuführen.

In einem ersten Schritt konnte die Klasse 5a zunächst gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern der 6. Jahrgangsstufen das Theaterstück „Kommst Du mit nach Durian?“ des WUM-Theater (Osnabrück) zum Thema 'Kinderarbeit' anschauen und mit den beiden Schauspielern anschließend darüber diskutieren[5]. In einem zweiten Schritt konnten sie dann selbst die Bühne betreten und mit Hilfe einiger theaterpädagogischer Spiele und Übungen lernen, wie man sich auf der Bühne bewegt und spricht.

Danach wurden Kleingruppen von 4 oder 5 SuS gebildet, die den Auftrag hatten, eine kleine Szene zum Thema 'Kinderarbeit' zu entwickeln. Nach ca. 30 Minuten intensiver Diskussion stellten die Kleingruppen ihre Ideen vor und forderten zur Diskussion auf. Dabei stand die Frage im Vordergrund, ob die Szene sich auf der Bühne darstellen und sinnvoll spielen lässt. In dieser Phase gab es natürlich viele kritische Fragen und Anregungen der beiden Theaterpädagogen, aber auch schon erfreulich viele konstruktive Rückmeldungen der anderen SuS.

Danach ging es ans Theaterspielen. Während die beiden Theaterpädagogen mit den SuS die verschiedenen Szenen ausprobierten und bühnentauglich machten, hatte der begleitende Lehrer gemeinsam mit einigen engagierten Eltern die Aufgabe, möglichst kurzfristig die benötigten Requisiten zu beschaffen. Da die Theaterpädagogen und einige SuS auch Musikinstrumente spielen konnten, wurde die Zeit zwischen den Szenen, die für den Umbau der Bühne benötigt wurde, durch – teilweise gemeinsam mit dem Publikum - gesungene Lieder überbrückt. Nach mehreren Stunden intensiven Arbeitens und Einübens kam die Zeit für die Generalprobe und (Weltur-)Aufführung.

Neben einigen Szenen, die sich stark an den Themen des Films bzw. der bearbeiteten Fallbeispiele orientierten (Arbeiten im Steinbruch, Fabrikation von Fußbällen, Familieneinkauf im Eine-Welt-Laden, ..) ragte eine Idee heraus, in der die SuS einige Wissenschaftler bei ihrer Forschungsarbeit darstellten, die schließlich zu der ironisch gemeinten revolutionären Erkenntnis kamen: „Die Erde ist eine Scheibe und Kinderarbeit ist unvermeidbar!“ Ein deutlicher Ausdruck dafür, dass die SuS das verstanden und umgesetzt hatten, was Ziel der Unterrichtseinheit war.

[...]


[1] Stopp Kinderarbeit – Schule ist der beste Arbeitsplatz“ eine Kampagne der Deutschen Welthungerhilfe, Friedrich-Ebert-Straße 1, 53173 Bonn, http://www.welthungerhilfe.de/stopp_kinderarbeit.htmlhttp://www.welthungerhilfe.de/stopp_kinderarbeit.html Antje.Paulsen@welthungerhilfe.deAntje.Paulsen@welthungerhilfe.de ; dort ist auch eine CD-Rom mit dem Logo-Fernsehbeitrag und weiteren Materialien erhältlich

[2] Team 1. Arbeitsbuch für den Politikunterricht, hgg. von Wolfgang Mattes, Paderborn 2007

[3] Weiter, Frauke: „Sollte Kinderarbeit auf jeden Fall verboten werden?“ Ein Unterrichtsbeispiel für Klasse 6, in: Politisches Lernen, 2007, 3-4, 43-52, hier: 49f

[4] WUM-Theater, Osnabrück - http://www.wum-theater.de/http://www.wum-theater.de/ (letzter Zugriff: 14.9.2009)

[5] Kommst Du mit nach Durian?“ Theaterstück des WUM – Theater Osnabrück: http://www.wum-theater.de/durian.htmhttp://www.wum-theater.de/durian.htm (letzter Zugriff: 14.9.2009)

Details

Seiten
6
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640806119
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164014
Note
Schlagworte
Kinderarbeit Unterricht Politik Deutsch kath. religion ev. religion Projekt Theater Sek I Theodor-Fliedner-Gymnasium der EKiR globales Lernen Indien Welthungerhilfe Film

Autor

Teilen

Zurück

Titel: "Stopp Kinderarbeit – Schule ist der beste Arbeitsplatz"