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Literarische Analyse: Mein Jahr als Mörder von F.C. Delius

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 17 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Gliederung

1. Autor

2. Zeitgenössische Einordnung

3. Literarische Analyse
3.1 Genre
3.2 Zeitliche Gestaltung
3.3 Sprachliche Gestaltung
3.4 Erzählperspektive

4. Analyse der formalen Gestaltung
4.1 Chronologie
4.2 Druckbild
4.3 Auswirkungen der Gestaltungsweise auf den Rezipienten

5. Methodisch - didaktische Analyse
5.1 Empfohlene didaktische Vorgehensweisen
5.2 Eigene Unterrichtsideen

6. Literaturverzeichnis

1. Autor

Foto aus urheberrechtlichen Gründen nicht enthalten 1

Friedrich Christian Delius wurde 1943 im Februar in Rom geboren. A ufgewachsen ist er in Wehrda und Korbach in Hessen. 1963 erlangte er sein Abitur und begann sein St udium in Li teraturwissenschaft an der Fr eien und Tec hnischen U niversität in Berlin. 1970 w urde er zum D oktor der G ermanistik pr omoviert (Dr. phi l. 1970) . Er arbeitete a cht J ahre als Lek tor bei Verlagen w ie V erlag K laus W agenbach und Rotbuch V erlag. Seit 1978 ist e r freier Schriftsteller und lebt seit 2001 in Rom und Berlin. Schon in den 19 60er J ahren bega nn er mit dem Schreiben gesellschaftskritischer Ly rik und dok umentarischen und zu m eist s tark s atirischen Texten. Seit de n Siebzigerjahren s chreibt er v orwiegend Romane, häuf ig zu Themen a us der G eschichte der B undesrepublik D eutschland, z .B. zum Deutschen Herbst oder Mein Jahr als Mörder .2

Weitere bekannte Werke von ihm sind z.B.

- „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“
- „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“

Timea Fischer Gegenwartsliteratur ab 1990 SoSe2010

Er s chrieb über dr eißig Romane und v iele s einer Bücher wurden zum T eil in 17 Sprachen übersetzt. Er bekam m ehrere A uszeichnungen mitunter auch den „Deutschen K ritikpreis“. H eute ist er Mitglied der Fr eien A kademie H amburg, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Akademie der Künste Berlin.

2. Zeitgenössische Einordnung

Der Roman „ Mein J ahr als M örder“ ist ein h istorischer - kritischer und zum Tei l biographischer Roman. Die V erknüpfung von Fi ktion und au thentischem Faktenmaterial trägt dazu bei, dass der Leser in einer fiktiven Rahmenhandlung und authentischen Binnenhandlung historische und emotionale Begegnungen erfährt.

Nach „Der ev angelische B uchberater“ (1/2007): „ Sein Roman ist auf a usführlich recherchierte Fak ten über das J ustizmilieu i m Nachkriegsdeutschland aufgebaut. Stimmig sind die A usflüge in d as Studentenleben der 68er J ahre, eindringlich w ird der ost- westdeutsche Konflikt dieser Zeit heraufbeschworen.“

Historisch, das eine E rzählungen sehr e indrucksvoll po litische und historische Situationen der 6 0er Jahre schildern. Er geht dok umentarisch auf Protestbewegungen, antifaschistische Gruppen und (studentische) Bewegungen des Aufstandes ein. Seine Berichte über die Protestaktionen sprechen die Emotionen der Rezipienten an , dasie sehr det ailliert auf gezeigt werden. Durch die A kribie und die Ausführlichkeit der Tex tstellen bietet er eine verlässliche Grundlage für historische Beschäftigung mit der G eneration der 6 0er und der politischen Situation der Nachkriegszeit. Das Hauptanliegen eines solchen Romans ist das D enken und Handeln einer gewissen Z eit dar zustellen. Die Nachwelt soll gewisse Handlungsstränge und Motive verstehen. Solch eine Literatur soll einen Zugang zur Vergangenheit bieten und zum Nachdenken appellieren.

Kritisch, weil er die Machtstrukturen des Nachkriegsregimes kritisiert und die Handlungen der Behörden in Frage stellt. E r r evidiert immer wieder seine ei gene politische Gesinnung, die seiner Freunde und die seiner Mitbürger.

Biographisch zumal er s einen G eburtsort und auch ander e E lemente aus s einem eigenen Leben einbindet. Unter Verwendung dieser biographischen Elemente bringt er den Lesern die Emotionen der revolutionären Nachkriegszeit näher. Er ermöglicht mit diesem Schreibstil die damals herrschende Empörung und das Unverständnis der Jugend na chzuempfinden. Die Frankfurter Rundschau nennt D elius s ogar einen „Dokumentaristen“ und bedauert die V erarbeitung des sorgsam r echerchierten Materials zum Roman. Der H auptprotagonist rekonstruiert an hands einer Recherchen auf der fiktionalen Ebene die Le idensgeschichte des E hepaares Groscurth, die in den Binnenerzählungen zusammengefügt wird. Hervorzuheben ist, dass die Erzählung subjektiv vom Autor geprägt ist.

3. Literarische Analyse

3.1 Genre

Es is t Bewältigungsliteratur, die die Nachkriegszeit aus m ehreren P erspektiven beleuchtet. Das G enre, in dem sich der Roman bewegt, er gibt sich dur ch die von Delius gewählte Thematik.

Mit den W orten eines s ensiblen Sprechers s einer G eneration v ersucht er die 68 er Jahre, die von U mdenken und neuen Studentenbewegungen gepr ägt waren, zu beschreiben. I mmer wieder werden P roteste sowie Gespräche von Jugendlichen wiedergegeben. Dieses Thema verwendet Delius als Einstieg in seinen Roman. Die Studentenbewegung, hatte sich damals schon etabliert, jedoch gilt sie heute noch als ein P hänomen. Er lässts einen P rotagonisten als einen Ich- Erzähler aus einer gewissen Distanz heraus auf ein Kapitel der Geschichte zurückblicken. Diese Art der Aufarbeitung der NS- Vergangenheit und die der BRD gilt als Be wältigungsliteratur. Er lässts einen P rotagonisten gegen das „ Klischee“, dass die B RD die Tät er verschont, em otional und t atkräftig protestieren und entgegenwirken. Die Recherchearbeiten und die U nterhaltungen des Ich- Erzählers mit der betroffenen Frau G roscurth sind nicht nur auf der Ebene der H andlung von B edeutung. M an muss auch hinter die Fassade schauen, um den individuellen Reifungsprozess und die Überwindung des M inderwertigkeitskomplexes des P rotagonisten zu er kennen.4 Sein M ordplan ist ex emplarisch für eine Bewegung des Ich- Erzählers gegen die Studentenbewegung. Lei der ist sie durch die ungl aubwürdigen P läne des Protagonisten zum Scheitern v erurteilt. Diesen Eindruck erlangt m an nac h mehrmaligem L esen einiger Te xtpassagen. Die Pläne w ie der M ord an Rehse, das Schreiben des Buches zum M ord und der Gefängnisaufenthalt als B estrafung für seinen Racheakt werden verworfen, daseine Fr eundin bei einem A ufenthalt in Mexiko einem Raubmord zum Opfer fällt. Der Erfolg des Protagonisten besteht in der Einsicht, dass seine Pläne zum Scheitern verurteilt sind.

Die aufgeführten Situationen sind c harakteristisch für B ewältigungsliteratur und für die Auseinandersetzung mit der Nachkriegszeit. D elius hat es g eschafft, faszinierendes historisches Fak tenmaterial auf der Ebene der E motionen und anhand von einem Roman an den Rezipienten zu bringen.

3.2 Zeitliche Gestaltung

Das Verhältnis von Erzählzeit underzählter Zeit ist nicht kongruent. Die erzählte Zeit umfasst Jahrzehnte. Die Erzählzeit ist individuell vom Rezipienten abhängig.

In dieser Ganzschrift ist die Zeitraffung (Unterschreitung der erzählten Zeit durch die Erzählzeit) ein c harakteristisches M ittel de r erzählerischen V erkürzung. Weiterhin verwendet Delius Methoden wie:

- Aussparung („1952 kam dann der Bescheid.“)
- Sukzessive Raffung („dann… und dann…“)
- Durative Raffung ( Die D auer der G erichtsverhandlungen, ger afft auf einige Seiten)

Es werden auch Rückwendungen und V orausdeutungen vom Schreiber getätigt, um Gegebenheiten nähe r zu er klären oder H andlungen zu begründen. So erklärt der Protagonist anha nd einer R ückwendung sein ge wecktes I nteresse für den Richter, der ermordet werden soll.

[...]


1 http://www.literaturhaus-hamburg.de/lit/file/1206/09_delius.jpg

2 F.C. Delius Homepage http://www.fcdelius.de/biografie/

3 Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.12.2004; http://www.perlentaucher.de/buch/18514.html

4 Zemanek, Evi (2008, S.193 ff)

Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640800926
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v163969
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
2,0
Schlagworte
Literarische Analyse Mein Jahr Mörder Delius

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Titel: Literarische Analyse: Mein Jahr als Mörder von F.C. Delius